Fahrradschloss von Norma Schnelltest

Norma verkauft seit Montag ein Fahrradschloss für nur 4,99 Euro. Das Panzerkabelschloss wirkt recht solide. Der Schnelltest klärt, wie lange es Dieben trotzen kann.

Schloss in drei Schichten

Ein Fahrradschloss für 4,99 Euro. Traumhaft billig. Das Panzerkabelschloss ist in drei Schichten aufgebaut. Innen ein Stahlseil, etwa 4,5 Millimeter stark, darüber der so genannte Panzer aus beweglichen Stahlmanschetten und außen eine rauchfarbene Kunststoffhülle. Gesamtstärke etwa 18 Millimeter, Gewicht 524 Gramm. Wirkt relativ solide. Zumindest für den Preis. Das Panzerkabel ist etwa einen Meter lang. Innenlänge gut 80 Zentimeter, nutzbare Innenlänge (1/2 Länge) etwa 40 Zentimeter: Das passt locker um Laternenpfähle oder kleinere Bäume. Ein Vorteil gegenüber engen Bügelschlössern.

Sicher für zwei Minuten

Die Stiftung Warentest kaufte bei Norma sieben Schlösser und setzte ihre Testdiebe darauf an. Die gingen mit allerlei Werkzeug ins Rennen. Sägen, schneiden, kneifen: alles war erlaubt. Ergebnis: Das Panzerkabel von Norma hält nicht lange stand. Zwei bis drei Minuten braucht es, dann steht das Fahrrad zur Abfahrt bereit. Immerhin: Gelegenheitsdiebe mit leichtem Werkzeug sind eine Weile beschäftigt. Seitenschneider oder Blechschere allein reichen nicht aus. Der Seitenschneider rutscht an der Stahlmanschette ab. Die Blechschere scheitert dagegen am inneren Stahldraht. Das Fahrrad bleibt geschützt. Erst die Kombination beider Werkzeuge führt Diebe zum Erfolg. Zeitaufwand: etwa zwei Minuten.

Kaum Schutz gegen Profis

Noch schneller sind Diebe mit einer speziellen Eisensäge. Gut anderthalb Minuten und das Schloss von Norma ist durchtrennt. Gegen schweres Werkzeug hat das Panzerkabel gar keine Chance mehr. Ein Bolzenschneider zerschneidet das Schloss. Wer sich geschickt anstellt, braucht dafür kaum eine halbe Minute. Zum Glück fällt so ein Bolzenschneider mächtig auf. Wenige Diebe haben ihn griffbereit dabei. Gegen Profis mit speziellem Werkzeug kann das Schloss von Norma aber nicht lange bestehen.

Staubschutz auf der Flucht

In puncto Handhabung ist das Fahrradschloss von Norma ohne Tadel. Der Schließmechanismus funktioniert gut. Der Zylinder schließt fest. Kein Schlackern und kaum Spiel. Für ein Billigschloss ist das nicht selbstverständlich. Nachteil allerdings: Der Zylinderschutz kann beim Aufschieben aus der Führung rutschen. Wer nicht aufpasst, verliert ihn schnell. Der Schieber schützt vor Staub und Regenwasser. Das Schloss funktioniert auch ohne ihn. Der Zylinder kann jetzt aber verschmutzen.

Gift in der Kunststoffhülle

Auffällig ist noch die Kunststoffhülle: sie riecht penetrant. Das könnte ein Hinweis auf giftige Chemikalien sein. Die Chemiker der Stiftung Warentest analysierten das Material deshalb auf Schadstoffe. Ergebnis: Der Kunststoff enthält den kritischen Weichmacher DEHP. In der Hülle des Schlosses stecken satte 20 Prozent DEHP. Der Weichmacher kann Krebs erzeugen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen. Die Chemiker der Stiftung Warentest entdeckten außerdem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz: PAK. Viele PAK sind krebserregend. Fazit: Das Fahrradschloss von Norma stinkt leider zum Himmel. Nicht kaufen.

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