Fahr­radschlösser Test

Für Diebe sind Fahr­räder leichte Beute. Auch teure Schlösser bieten oft keine Sicherheit. Nur wenige halten Stand.

Eine unauffäl­lige Person tritt neben ein Fahr­rad, zückt im passenden Moment ein Werk­zeug, hantiert kurz damit, steigt auf und radelt davon. Zurück­bleiben die traurigen Reste eines zerstörten Schlosses. Das passiert jähr­lich mehrere hundert­tausend­mal, oft sogar am hell­lichten Tag.

Fahr­radschlösser Test

Billigschlösser. Spiral­kabel schützen unzu­reichend. Diebe knipsen sie zum Beispiel mit dem Bolzen­schneider durch. In diesen Test haben wir sie deshalb gar nicht erst einbezogen.

Die Über­bleibsel am Tatort sind oft Spiral­kabel. Das sind die meistgekauften Fahr­radschlösser – billig, leicht und flexibel. Was viele nicht wissen: Ein Profi knackt das dünne Drahtseil samt Kunst­stoff­hülle (siehe Foto) mit passendem Werk­zeug in weniger als 15 Sekunden. Polizisten nennen die Spiral­kabel daher ironisch „Geschenkbänder für Diebe“.

Nur 5 von 37 gut, 17 mangelhaft

In unserem letzten Test von Fahrradschlössern (Heft 07/2007) waren alle Spiral­kabel mangelhaft. Dieses Mal haben wir teurere Produkte gekauft, die mehr Sicherheit versprechen: Bügel-, Panzer­kabel-, Ketten- und Falt­schlösser. Sie kosten bis zu 120 Euro. Die Prüf­ergeb­nisse sind alarmierend. Selbst bei diesen relativ hoch­wertigen Produkten lauten die test-Qualitäts­urteile nur fünf­mal gut. Die meisten lassen sich entweder viel zu schnell aufbrechen oder sie enthalten Schad­stoffe. Oder beides. 17 schneiden mangelhaft ab.

Groß­teil hat nur noch Schrott­wert

Fahr­radschlösser Test

Picking. Manche Schlösser konnten unsere Testfahr­raddiebe nicht nur mit roher Gewalt knacken, sondern auch „intelligent“ mit einem Profigerät zum Schloss­öffnen.

Picking. Manche Schlösser konnten unsere Testfahr­raddiebe nicht nur mit roher Gewalt knacken, sondern auch „intelligent“ mit einem Profigerät zum Schloss­öffnen.

Unsere Einkäufer haben die Schlösser wie andere Kunden auch im Handel besorgt, von jedem Fabrikat mindestens fünf Exemplare. Insgesamt lieferten sie fast 200 Schlösser ans Prüf­institut. Ein Groß­teil davon hat inzwischen nur noch Schrott­wert. Bolzen­schneider, Sägen, Zangen und andere Werk­zeuge haben ganze Arbeit geleistet. Selbst wenn ein Fahr­radschloss am Ende unbe­schädigt blieb, heißt es nicht, dass es den Aufbruch­versuchen standhielt: Die Prüfer konnten einige mit der zerstörungs­freien Picking­methode „intelligent“ öffnen (siehe Foto).

In weniger als 3 Minuten geknackt

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Mit Säge und Co. Unsere Prüfer erprobten verschieden­artige Werk­zeuge, um die Schlösser zu knacken. Spannende Frage: Wie lange halten sie den Aufbruch­versuchen stand?

Mit Säge und Co. Unsere Prüfer erprobten verschieden­artige Werk­zeuge, um die Schlösser zu knacken. Spannende Frage: Wie lange halten sie den Aufbruch­versuchen stand?

Unterm Strich ließen sich die meisten Test­kandidaten ohne allzu großen Aufwand inner­halb von drei Minuten öffnen. Aber: Wer jetzt gehofft hat, Infos über die besten Werk­zeuge und die Schwach­punkte einzelner Schlösser zu erhalten, hat Pech gehabt. Dieses Wissen halten wir geheim.

Kein Schloss bietet eine hundert­prozentige Sicherheit. Mit optimalem Werk­zeug ist irgend­wann jedes zu knacken.

Tipp: Schließen Sie das Fahr­rad am besten dort an, wo ein Dieb befürchten muss, beob­achtet zu werden (siehe Tipps). Verschließen Sie es nachts in einem sicheren Raum. Je teurer das Rad, desto wichtiger ist eine Versicherung, falls der Dieb trotz aller Vorsicht erfolg­reich ist.

Doppelt hält besser

Fahr­radschlösser Test

Anschließen. Je länger und flexibler das Schloss, desto besser lassen sich zugleich Rad und Rahmen anschließen.

Eine Erkennt­nis unserer Aufbruch­versuche: Die verschieden­artigen Schlösser lassen sich oft nur mit speziellen Werk­zeugen relativ schnell öffnen. Die meisten Diebe wollen nicht viel Werk­zeug mit sich herum­schleppen und spezialisieren sich auf einen Schloss­typ.

Tipp: Sichern Sie Ihr Fahr­rad am besten mit zwei unterschiedlichen Modellen. Zum Beispiel mit einem guten Bügel- und einem Panzer­kabel­schloss. So können Sie zugleich Rahmen, Vorder- und Hinterrad an eine Abstell­anlage anschließen.

15 Schlösser sind in anderer Hinsicht unsichere Kandidaten. Ihre Kunst­stoff­beschichtungen oder -mäntel enthalten relativ viel problematische Weichmacher wie DEHP (Diethylhex­ylph­thalat). Bei Haut­kontakt können sie in den menschlichen Organismus gelangen. Der aber ist schon mit DEHP-Spuren, etwa aus Nahrung oder Hausstaub, vorbelastet. Zusätzliche Belastungen sollten vermieden werden. Substanzen mit besorgnis­erregenden Eigenschaften haben in Verbraucher­produkten nichts verloren. In den Kunststoffen der bemängelten Schlösser analysierten wir mehr­fach hohe DEHP-Gehalte – bis zu 30 Prozent. Andere Anbieter kommen ohne derartige Problem­stoffe aus.

Praktische Halterungen

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Sicher unterwegs. Eine gutsitzende Halterung sichert das Schloss während der Fahrt. Links Bügel-, rechts Falt­schloss.

Sicher unterwegs. Eine gutsitzende Halterung sichert das Schloss während der Fahrt. Links Bügel-, rechts Falt­schloss.

Beim Fahren können die Schlösser lästig sein. So fehlt Kettenschlössern meist eine Halterung. Notgedrungen wickelt der Radler sie um Sattel­stütze oder Lenker und erträgt ihr Klappern. Kabelschlösser werden auch schon mal um den Körper gebunden. Viel praktischer sind spezielle Halterungen am Fahr­rad. Unsere Prüfer lobten vor allem die sehr platz­sparenden Trans­portbehälter für die kompakt zusammenklapp­baren Falt­schlösser (siehe Foto).

Doch nicht jede Halterung passt an jedes Fahr­rad. Die Anleitungen sind oft wenig hilf­reich. Wer ein Schloss kauft, sollte am besten sein Fahr­rad mit zum Händler nehmen und fragen, welche Halterung sich wo anbringen lässt. Im Ideal­fall montiert der Profi sie gleich vor Ort. Wichtig ist dann nur noch, ein gutes Schloss zu kaufen – statt ein „Geschenkband für Diebe“.

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