Fahr­radschlösser Test

Zwei Tage vor unserem Foto­termin wurde Carla Swiderskis Rad geklaut. Das Ersatz­velo sichert sie mit einem Bügel­schloss.

Nie wieder Schlüssel suchen: Schlösser mit Zahlenkode sind praktisch. Vor Dieben schützen sie allerdings nicht. Sicherer sind Gute aus dem letzten Test.

„Als ich vor einigen Tagen aus der Haustür kam, war unser Eisenzaun wie immer voller Räder. Nur da, wo meins gestanden hatte, klaffte eine Lücke“, sagt Carla Swiderski. Das schwarze Holland­rad hatte die 27-jährige Berlinerin erst zwei Monate zuvor gekauft. Allein in der Haupt­stadt verschwinden laut Kriminal­statistik täglich etwa 72 Draht­esel. Die Dunkelziffer dürfte bedeutend höher sein. Viele zeigen den Diebstahl nicht an – das Rad wieder­zubekommen ist nahezu aussichts­los. Die Berliner Polizei klärt 4 Prozent der Taten auf, bundes­weit sind es knapp 10 Prozent. Umso wichtiger ist es, Räder gut zu sichern. Mit vielen Schlössern haben Diebe allerdings ein leichtes Spiel.

Acht von acht sind mangelhaft

Fahr­radschlösser Test

Weit oben befestigt, sind Schlösser meist schwieriger zu knacken als unten. Stellen Sie das Rad gut sicht­bar ab.

Seit Jahren bietet sich beim Schlössertest ein ähnliches Bild: Den Boden des Prüf­instituts über­säen aufgesprungene Kettenglieder, Draht­stücke, Blechhülsen und andere Über­bleibsel der Aufbruch­versuche. Nur wenige Modelle halten ihnen länger als eine Minute stand. So schlecht wie die aktuelle Unter­suchung ist allerdings bisher noch keine ausgefallen.

Ob Kabel oder Panzer­kabel, Stahlbügel oder Kette – alle acht Zahlenschlösser im Test lassen sich inner­halb von etwa 20 Sekunden aufbrechen. Ein katastrophales Ergebnis. So viel vorweg: Am Kode liegt es nicht, der wirkt zuver­lässig. Dabei hatten unsere Einkäufer keine billigen Spiral­kabel auf der Liste. Sie kauf­ten bis zu 43 Euro teure Produkte, die mehr Sicherheit versprechen. Mehrere Verpackungen loben eine hohe oder gar die höchste Sicher­heits­stufe aus – zu Unrecht Sicherheitsangaben. Dass es stabile Schlösser gibt, zeigt der Test vom letzten Jahr: Fünf wehrten die Angriffe der test-Knacker gut bis sehr gut ab Fahrradschlösser aus test 4/2013.

Praktisch, aber unsicher

Dabei wäre ein sicheres Zahlen­schloss sehr praktisch. Zum Verriegeln stellt der Besitzer eine individuelle vierstel­lige Ziffern­folge ein. So können etwa mehrere Familien­mitglieder ein Schloss gemein­sam nutzen. Auch lästiges Schlüssel­suchen entfällt. Einige Prüf­linge lassen sich problemlos programmieren. Aber auch das komfortabelste Schloss nützt nichts, wenn es schnell zerspringt. Mit Werk­zeugen wie Bolzen­schneider, Sägen und Zangen rücken ein Profitester und zwei ungeschulte Prüfer den Ketten, Bügeln und Seilen zu Leibe. Alle lassen sich mühelos aufbrechen.

Sieben der acht Zahlenschlösser offen­baren eine Schwach­stelle, die Modelle mit Schlüssel nicht besitzen. Was die Achillesferse genau ist, halten wir vorsichts­halber geheim. Nur so viel: Die verwendeten Materialien machen sie „verwund­bar“.

Tipp: Wenn Sie mehrere Schlösser brauchen, finden Sie beispiels­weise von Abus verschiedene Modelle, die mit dem gleichen Schlüssel genutzt werden können. Das dämmt die Schlüssel­flut ein und eignet sich etwa für Eltern, die mit demselben Schlüssel sowohl das eigene als auch das Rad des Nach­wuchses sichern wollen.

Keine Leicht­gewichte kaufen

Fahr­radschlösser Test

Doppelt hält besser, vor allem wenn es unterschiedliche Schloss­typen sind. Diebe spezialisieren sich oft auf einen.

Ob mit Schlüssel oder Kode, sichere Schlösser lassen sich optisch kaum von Nieten unterscheiden. „Für mein neues Rad hatte ich mir extra ein Panzer­kabel­schloss von einem Marken­hersteller gekauft“, erzählt Carla Swiderski. Genützt hat das nichts.

„Das einzige offensicht­liche Anzeichen für ein hoch­wertiges Schloss ist das Gewicht“, sagt Kolja Oppel, Projektleiter des Tests. „Beim Kauf sollte man möglichst zu einem schweren und dicken greifen. Leichte Modelle halten in der Regel wenig aus.“

In den Tests der vergangenen Jahre lagen Bügelschlösser beim Aufbruch­schutz am häufigsten vorn. Ihr Nachteil: Sie sind starr und unflexibel. Rahmen und Laufrad lassen sich oft nicht gemein­sam an einem Pfahl befestigen. Panzer- und Kettenschlösser bieten mehr Anschließ­möglich­keiten, allerdings ließen sich viele in der letzten Unter­suchung leicht knacken.

„Wenn Sie ihr Rad lange irgendwo parken, etwa vor dem Bahnhof, sichern Sie es am besten mit zwei verschiedenen Schlössern“, rät Oppel. So lassen sich zugleich Rahmen, Vorder- und Hinterrad an eine Abstell­anlage anschließen.

Tipp: Empfehlens­wert ist es, ein gutes Bügel­schloss mit einem Panzer- oder Kettenmodell zu kombinieren. Oft tragen Diebe nur das Werk­zeug für einen bestimmten Schloss­typ mit sich.

Kodieren gegen Knacker

Das Rad von Carla Swiderski ist nicht wieder aufgetaucht. Einen Ersatz für das alte hat sie schon, diesmal ist es ein gebrauchtes. Leuchtend gelb und hoffentlich zu auffällig für Diebe. Um Lang­finger zuver­lässiger abzu­schre­cken, möchte sie ihr neues kodieren lassen. Händler, Fahr­radklubs sowie die Polizei bieten mehr­mals im Jahr Termine an, an denen sie eine individuelle Chiffre in den Rahmen gravieren.

In den meisten Bundes­ländern enthält der Kode die verschlüsselte Adresse des Besitzers, dessen Initialen sowie das Jahr der Kodierung. Das erschwert Dieben zum einen den Weiterverkauf, zum anderen können Polizei oder Fundbüro den Eigentümer mit den Daten leichter ausfindig machen.

Tipp: Die Kodierung kostet laut Fahr­radverband ADFC maximal 15 Euro. Anbieterhin­weise sowie weitere Informationen erhalten Sie unter www.adfc.de.

Dieser Artikel ist hilfreich. 68 Nutzer finden das hilfreich.