Fahr­radschlösser Test

Nie wieder Schlüssel suchen: Schlösser mit Zahlenkode sind praktisch. Vor Dieben schützen sie allerdings nicht. Ob Kabel, Panzer­kabel, Stahlbügel oder Kette: Alle Modelle konnten die Tester in Sekunden­schnelle aufbrechen – unabhängig davon, ob es sich um ein billiges oder um ein Marken­schloss handelt. Doch zumindest unter den Schlössern mit Schlüssel finden sich auch gute – die test-Tabelle zeigt, welche das sind. Im Test: 8 Fahr­radschlösser mit Zahlenkode, 5 Modelle mit Schlüssel.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test Fahrradschlösser.

Viele Schlösser machen es Dieben leicht

Mit vielen Schlössern haben Lang­finger leichtes Spiel. In Deutsch­land verschwinden laut Kriminal­statistik jähr­lich mehr als 300 000 Fahr­räder. Die Dunkelziffer dürfte bedeutend höher sein. Oft wird der Diebstahl nicht ange­zeigt – ist es doch nahezu aussichts­los, sein Rad wieder­zubekommen. Bundes­weit klärt die Polizei knapp 10 Prozent der Taten auf, in Städten wie Berlin, Hamburg oder Bremen sind es noch weniger. Umso wichtiger ist es, das eigene Velo gut zu sichern. Das ist gar nicht so einfach, wie der Test von Schlössern mit Zahlenkode zeigt.

Alle Zahlenschlösser mit der Note Mangelhaft

Seit Jahren bietet sich beim Schlössertest ein ähnliches Bild: Aufgesprungene Kettenglieder, Draht­stücke, Blechhülsen und andere Über­bleibsel der Aufbruch­versuche über­säen den Boden des Prüf­instituts. Nur wenige Modelle halten länger als eine Minute stand. So schlecht wie die aktuelle Unter­suchung ist allerdings bisher noch keine ausgefallen. Alle Schlösser, die als Schließ­mecha­nismus einen Zahlenkode verwenden, bekamen von den Testern die Note Mangelhaft. Keines hielt länger als 20 Sekunden stand. Am Kode lag es nicht, der wirkte zuver­lässig. Zudem hatten die anonymen Einkäufer keine billigen Spiral­kabel auf der Liste. Sie kauf­ten bis zu 43 Euro teure Produkte, die mehr Sicherheit versprechen.

Hersteller versprechen zu viel

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Mehrere Hersteller loben ihre Schlösser sogar mit einer hohen oder gar der höchsten Sicher­heits­stufe aus – zu Unrecht. Für die Klassifizierung existiert keine Norm, jeder Anbieter gestaltet seine Skala anders. Bei Trelock ist 6 die höchste Sicher­heits­stufe, bei Masterlock 10 und bei Abus 15. Wie die Werte ermittelt werden, ist für den Käufer nicht ersicht­lich. Bei Abus fließen auch Komfort und Design in die Sicher­heits­bewertung mit ein. Der Hersteller hat angekündigt, die Einstufung zu über­arbeiten. Im Test erwiesen sich die Sicher­heits­versprechen als wenig zuver­lässig. Inner­halb von 20 Sekunden konnte beispiels­weise ein Modell von Fischer geknackt werden. Es trägt die Sicher­heits­stufe 7 von 9 – angeblich „maximum security ­level“. Auch ein „Hoch­sicher­heits-Bügel­schloss“ von Profex über­treibt maßlos. Es besitzt laut Verpackung das höchste Schutz­level (5 von 5), die test-Knacker brauchten aber gerade mal 10 Sekunden, um es zu knacken.

Praktisch, aber unsicher

Dabei wäre ein sicheres Zahlen­schloss sehr praktisch. Zum Verriegeln stellt der Besitzer eine individuelle vierstel­lige Ziffern­folge ein. So können etwa mehrere Familien­mitglieder ein Schloss gemein­sam nutzen. Auch lästiges Schlüssel­suchen entfällt. Einige Prüf­linge ließen sich problemlos programmieren. Aber auch das komfortabelste Schloss nützt nichts, wenn es schnell zerspringt. Mit Werk­zeugen wie Bolzen­schneider und Säge rückten ein Profitester und zwei ungeschulte Prüfer den Ketten, Bügeln und Seilen zu Leibe. Sie konnten sämtliche Schlösser mühelos aufbrechen. Sieben der acht Zahlen­schlösser offenba­rten eine Schwach­stelle, die Modelle mit Schlüssel nicht besitzen. Was die Achillesferse genau ist, halten wir vorsichts­halber geheim. Nur so viel: Die verwendeten Materialien machten sie „verwund­bar“.

Tipp: Wenn Sie mehrere Schlösser brauchen und nicht für jedes einen extra Schlüssel möchten, können Sie sich bei Abus verschiedene Modelle aussuchen und alle mit dem gleichen Schlüssel ausstatten lassen. Für jedes Schlösser-Set gibt es einen eigenen Schlüssel. Besonders praktisch etwa für Eltern, die mit demselben Schlüssel sowohl das eigene als auch das Rad des Nach­wuchses sichern wollen.

Keine Leicht­gewichte kaufen

Ob mit Schlüssel oder Kode, sichere Schlösser lassen sich optisch kaum von Nieten unterscheiden. Das einzige offensicht­liche Anzeichen für eine hoch­wertige Sicherung ist das Gewicht. Faust­regel: Je schwerer ein Schloss, desto besser schützt es vor Dieben. Leichte Modelle halten in der Regel wenig aus. In den Tests der vergangenen Jahre lagen Bügelschlösser beim Aufbruch­schutz am häufigsten vorn. Ihr Nachteil: Sie sind starr und unflexibel. Rahmen und Laufrad lassen sich oft nicht gemein­sam an einem Pfahl befestigen. Panzer- und Ketten­schlösser bieten mehr Möglich­keiten, das Rad anzu­schließen. Allerdings ließen sich viele dieser Schlösser in der letzten Unter­suchung leicht knacken.

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