Fahrradschlösser Test

Vor allem Abschreckung schützt vor Fahrradklau. Stabile Bügelschlösser und Panzerkabel sind dafür geeignet. Andere Typen haben Probleme. Wir prüften 33 Modelle. Fazit: Gute müssen nicht teuer sein, aber die besten haben ihren Preis.

Erst Überraschung, dann Wut und jede Menge Rennereien. Über 400 000-mal im Jahr stehen Fahrradbesitzer entgeistert dort, wo sie zuvor ihr Rad abgestellt hatten. Wie viele Fälle dazu kommen, die erst gar nicht gemeldet werden – keiner weiß es. Nur Einbrüche in Autos sind noch häufiger als Fahrradklau. Die Aufklärungsquote ist bescheiden: 9,2 Prozent bundesweit.

Einen hundertprozentigen Schutz vor Fahrraddiebstählen gibt es nicht. Aber ein stabiles Fahrradschloss kann die Chance, nicht zu den Opfern zu gehören, beträchtlich verbessern. Da einem gezielten Angriff, zumal von Profis, kein Schloss auf Dauer widerstehen kann, heißt die Devise: Abschreckung. Schon die augenscheinliche Solidität eines schweren Bügelschlosses kann den Dieb nach einem anderen, leichteren Opfer Ausschau halten lassen.

Natürlich hat sich auch in den einschlägigen Kreisen längst herumgesprochen, mit welcher Art von Schlössern man leichteres Spiel hat und bei welchen ordentlich der Schweiß fließt. Einmal mehr haben sich vor allem die Bügel­schlösser bewährt, dicht gefolgt von Panzerkabelschlössern.

Normale, „ungepanzerte“ Kabel­schlösser und Spiralkabel halten – von der Ausnahme Burg Wächter 570/120 einmal abgesehen – den Angriffen auch mit einfacherem Werkzeug nicht lange genug stand. Damit sind sie zwar noch nicht völlig wirkungslos, aber ein teures Rad längere Zeit ihrem Schutz anzuvertrauen, ist riskant. Vor spontaner Mitnahme schützen aber auch einfachere Schlösser. Und letztlich ist diese Welt auch keine voller Fahrraddiebe. Angesichts der geschätzten gut 60 Millionen Fahrräder in Deutschland relativieren sich selbst so gigantische Zahlen wie die der 400 000 geklauten Räder.

Auf unterstem Sicherheitsniveau rangieren Billigprodukte für drei bis sieben Euro, die unsere Prüfer früher schon einmal mit der Büroklammer aufbekamen. Diese in Expertenkreisen als Christbaumschmuck titulierten Kabel und Kettchen haben wir nicht mitgeprüft, da das katastrophale Ergebnis vorauszusehen ist. Wer ein solches Produkt kauft, muss wissen, worauf er sich einlässt.

Wir haben uns diesmal Fahrradschlösser der unteren und mittleren Preiskategorie bis 50 Euro vorgenommen, ergänzt durch zwei Produkte über 50 Euro. Einbezogen wurde diesmal auch eine ganze Reihe von Modellen mit Zahlenschlössern. Sicherheit hat ihren Preis: Die besonders widerstandsfähigen Schlösser sind die teuersten des Vergleichs. Sie sind vor allem im Lager der Bügel- und Panzerkabelschlösser zu finden.

Gute Schlösser ab 10 Euro

Erfreulicherweise gibt es aber auch standfeste Modelle zu moderaten Preisen. So kosten die Panzerkabel Westfalia 477497 und Profex 60882 relativ bescheidene 10 Euro. Erwähnenswert ist auch das einfache Kabelschloss Burg-Wächter 570/120 für 16,40 Euro. Und auch stabile Bügelschlösser sind für kleines Geld zu haben. Wieder ist es ein Modell von Profex (60856), das mit 18 Euro den Preisbrecher spielt. Zwei weitere Bügelschlösser unter 30 Euro folgen (Sigma Sport Protector 400 und Master Lock 2-Ton). Allerdings sind die Billigen auch die Schlechteren unter den Guten.

Mit der Ausnahme des Burg-Wächter 570/120 ist von einfachen Kabelschlössern und von Spiralkabeln unter Sicherheitsaspekten eher abzuraten. Da bei der Anschaffung aber nicht ausschließlich Sicherheitsaspekte eine Rolle spielen, sondern auch die leichte Handhabung im täglichen Gebrauch und natürlich der Preis, lassen sich selbst für diese beiden Typen noch gute Gründe finden.

Das gilt besonders für die Spiralkabel. Ihre dünnen Seile sind zwar besonders leicht zu kappen, aber viele Radler lieben die langen Dinger, weil sich mit ihnen gleich mehrere Räder oder auch dickere Bäume umschlingen lassen. Nach Gebrauch schnurren sie wieder zu kompakten, runden Paketen zusammen und lassen sich relativ einfach transportieren. Zudem sind sie noch leicht und billig.

Besitzer von Bügelschlössern haben es da schon schwerer. Bis zu knapp zwei Kilo wiegen die standhaftesten unter den Fahrradschlössern. Aber mit speziellen Halterungen lassen auch sie sich problemlos auf dem Rad mitnehmen. Komplizierter wird es, wenn mit dem U-förmig gehärteten Stahlbügel das Rad mit einem festen Gegenstand verbunden werden soll. Dazu reicht der enge Radius des Bügels oft nicht aus.

Da sind dann größere Panzerkabel­schlösser schon flexibler. Der Begriff Panzer vor dem Kabel steht für eine zusätzliche Armierung dieser Schlossart. In der Regel werden unter dem Kunststoffmantel um das eigentliche Kabel noch dünne Stahlbänder gewickelt. Sie bringen nicht unbedingt mehr Widerstandskraft gegen den Versuch, das Schloss zu durchtrennen, aber durch den vergrößerten Querschnitt lassen sich Seiten- oder Bolzenschneider kaum noch vernünftig ansetzen, was bei den wesentlich dünneren Kabelschlössern viel leichter geht.

Ein Fall für sich sind Rahmenschlösser, von denen wir zwei nachrüstbare Modelle im Test hatten. Sie werden fest mit dem Fahrradrahmen verbunden und blockieren bei Bedarf die Speichen des Hinterrades. Für Fundamentalisten sind diese Schlösser tabu, denn ein Dieb kann sich ein solcherart gesichertes Rad einfach unter den Arm klemmen.

Trotz dieser Kritik bringt ein Rahmenschloss nach der Devise „Besser als nichts“ aber doch einen Sicherheitsgewinn: Beim kurzen Stopp am Zeitungskiosk oder beim Bäcker dient es als Wegfahrsperre gegen den Spontanklau. Im Zweifel ist der Besitzer des Rades mit einer Tüte Brötchen in der Hand immer noch schneller als ein Dieb mit geschultertem Fahrrad. Auch als Zweitschloss kann ein Rahmenschloss gute Dienste tun. Ärgerlich bei den beiden Testmodellen waren nur schlechte oder fehlende Montageanleitungen sowie nicht vorhandenes Befestigungsmaterial.

Zum Stressfaktor können Fahrrad­schlösser dann werden, wenn sie sich nur umständlich betätigen und transportieren lassen. Nur 3 der 33 geprüften Modelle haben sich in der Handhabung gut bewährt (Abus Steel-O-Flex, Abus Granit X-Plus und Kryptonite New York). Nervend ist es für viele Radler bereits, wenn das Schloss nicht komplikationsfrei mit einer speziellen Halterung am Rahmen befestigt werden kann. Es kommt dann meist hinten auf den Gepäckträger, wird ums Sattelrohr gewunden oder um den Lenker oder Hals gehängt. Auch das Öffnen und Schließen sowie die Anleitungen waren oft nicht optimal bis schlecht.

Ein wichtiger Prüfpunkt war, wie sich die Schlösser bei eingeschränkter Sicht, zum Beispiel bei Dunkelheit, betätigen lassen. Naturgemäß haben hier oft Zahlenschlösser gewisse Schwierigkeiten. Aber auch viele Schlüsselschlösser machen es ihren Besitzern nicht einfach. Praktisch ist es, wenn sich Schlösser durch simples Einrasten abschließen lassen. Wir haben diese Fähigkeit in der Tabelle vermerkt, aber nicht gesondert in der Handhabung bewertet.

Kein Leitfaden für Diebe

Bei unseren Prüfungen der Aufbruchsicherheit haben wir diverse gängige, aber auch weniger konventionelle Werkzeuge und Methoden eingesetzt. So sollte der Zugriff sowohl von Spontantätern als auch von professionellen Dieben durchgespielt werden. Um ihnen mit unserer Veröffentlichung nicht gleich einen Leitfaden an die Hand zu geben, stellen wir Werkzeuge und Methoden hier nicht näher vor. Nur so viel sei verraten: Es wurde gekniffen, gesägt, geschnitten und gebohrt. Dazu kamen Manipulationsversuche am Schließmechanismus von ganz einfacher bis zu raffinierter Technik.

Erstaunlicherweise zeigten sich viele gute Fahrradschlösser sogar gegen ausgefeilte oder brachiale Methoden resistent. Allerdings brachen wir die Versuche nach fünf Minuten ab: Was so lange standhielt, hatte unseren Test bestanden. Für einen Dieb sind diese fünf Minuten schon eine kleine Ewigkeit. Länger muss ein Schloss nicht widerstehen. Gegen die Panzerknackerbande ist sowieso Hopfen und Malz verloren.

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