Fahrradlicht Test

Schwachstelle vieler Fahrräder ist ihre miese Beleuchtung. Zum Nachrüsten gibt es eine Reihe guter Alternativen für mehr Sicherheit. Wir haben 39 Produkte getestet.

Es sind mehr Männer als Frauen, eher Junge als Ältere und sie sind ein permanentes Ärgernis: dunkle Gestalten auf lichtlosen Rädern. Sie leben gefährlich und gefährden andere. Die Polizei hat ein Auge auf sie, drückt es aber oft zu. Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Licht bei Dunkelheit muss sein.

Mittlerweile kommen sogar schon Billigräder mit fortgeschrittener Technik wie dem Nabendynamo serienmäßig in den Verkauf. Die Millionen Besitzer älterer Räder haben davon natürlich nichts. Schwergängige und bei schlechtem Wetter durchrutschende Dynamos, eine störanfällige Verkabelung und lichtschwache Leuchten, die nicht lange leben, begleiten auch den korrekten Radler durch die Dunkelheit. Solch veraltete Technik mag als mildernder Umstand für unterbelichtete Räder gelten, doch für ein sichereres Leben auf unseren Straßen sollten die Radfahrer an einen Austausch der unterentwickelten Komponenten denken.

LED oder Halo?

Fahrradlicht Test

Gerüttelt und geschüttelt wurden die Scheinwerfer auf dem Prüfstand.

Leuchtdiode, Nabendynamo, Standlicht und Einschaltautomatik sind Stichworte, die heute bei der Erörterung fortschrittlicher Fahrrad-Beleuchtungstechnik fallen. Mehr Licht nach vorn bringen schon Halogenlampen anstelle der herkömmlichen Glühbirnen. Teurer, aber auch wesentlich haltbarer sind LED-Scheinwerfer. Sie arbeiten mit Leuchtdioden und sind damit technisch betrachtet die modernste Variante.

In unserem Test haben LEDs sowohl bei den batterie- als auch bei den dynamobetriebenen Scheinwerfern besser abgeschnitten als die Halogenmodelle – vor allem bei der gleichmäßigen Ausleuchtung des Sichtfelds. Um die meist billigeren Halogentypen zu verdrängen, müssten LED-Scheinwerfer aber noch im Preis nachlassen. Probleme hatten zwei Batteriescheinwerfer mit der Helligkeit: Profex (Halogen) und Trelock (LED) erreichten die gesetzlich geforderten 10 Lux nicht.

Ein Sonderfall bei den Scheinwerfern sind die beiden Kombimodelle Sigma Vario und Hella HL 2000. Sie lassen sich sowohl per Batterie beziehungsweise Akku als auch über den Dynamo betreiben. Dem Sigma Vario ist ein separater, an Rahmen oder Lenker zu befestigender Akkupack und ein Ladegerät beigelegt, beim Hella sind die Akkus in der Lampe.

Ärgernis bei vielen batteriebetriebenen Scheinwerfern und Rückleuchten des Tests war die sehr begrenzte Kapazität der Energiespeicher. Nur 6 von 18 Produkten hielten über vier Stunden durch. Bei manchen war schon nach einer guten Stunde Schluss mit Licht. Leuchtendes Vorbild: die Rückleuchte von Busch und Müller (B+M) – sie strahlte mit einem Batteriesatz 32 Stunden lang.

Ein häufig anzutreffender Mangel der Scheinwerfer war, dass ihre Halter für die Befestigung zu schwach gebaut waren. Auf dem Prüfstand, wo wir Fahrten über Holperstrecken simulierten, gingen sie oft zu Bruch. Wir prüften realitätsnah an einem Fahrrad mit Federgabel. Viele Halter hielten dem Stress des abfedernden Fahrens nicht stand.

Das rote Licht

Fahrradlicht Test

Viele Halter erwiesen sich als zu schwach gebaut für Räder mit Federgabeln.

Am Heck des Fahrrads haben sich inzwischen LED-Rückleuchten fest etabliert und die ständig ausfallenden Glühlämpchen ersetzt. Sie leuchten heller, halten fast ewig und sind auch als Standlicht nutzbar. Im Test haben sowohl die dynamo- als auch die batteriebetriebenen Rückleuchten (allesamt mit Leuchtdioden) meist gut abgeschnitten. Als Testsieger empfehlen sich zwei Rückleuchten von Busch und Müller (B+M). Mit einem Preis von 21 Euro sind die Besten des Vergleichs aber auch die Teuersten. Unverzichtbar ist heutzutage ein Standlicht, das beim Stopp die Rückleuchte – möglichst über einen Kondensator – mit Strom versorgt. Der Kondensator wird während der Fahrt aufgeladen und speichert Energie für mindestens vier Minuten Standlicht.

Der Stromversorger

Altbekannt, meist recht billig, aber technisch längst nicht mehr der letzte Schrei ist der Seitenläufer-Dynamo. Er versorgt seit alters her den Radler mit Energie. Sein Manko: Er rutscht gern bei Schnee und Matsch, manchmal sogar schon bei Regenwetter durch, die Laufrollen nutzen sich ab und bei den meisten erhöht sich der Tretwiderstand im Laufe der Zeit deutlich, was manchen Radler dazu motiviert, ihn erst gar nicht zuzuschalten.

Die zurzeit wohl beste Alternative sind Nabendynamos. Die laufen immer mit und wer Licht braucht, schaltet es am Scheinwerfer ein. Bei Tempo 15 frisst der Nabendynamo bei ausgeschaltetem Licht kaum zusätzliche Leistung. Toll ist dazu ein lichtempfindlicher Sensor im Scheinwerfer, der im Tunnel oder in der Dämmerung das Licht automa­tisch anknipst – fast alle getesteten Produkte sind auch mit Sensor und Schalter erhältlich. Wer den Nabendynamo nachrüsten will, muss ihn aber gleich zusammen mit einem neuen Laufrad kaufen (50 bis 150 Euro), oder sein altes Laufrad vom Fachmann neu einspeichen lassen, was ohne Nabendynamo 45 bis 70 Euro kosten kann.

Im Test versammeln sich gleich mehrere „sehr gute“ und „gute“ Nabendynamos zu Preisen zwischen 31,50 und 159 Euro. Der Speichendynamo enttäuschte – mit 24 Prozent erreicht sein Wirkungsgrad nicht einmal das gesetzlich geforderte Minimum von 30 Prozent. Populär gesagt: Viel Arbeit gibts und wenig Strom.

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