Fahrradhelme Test

Viele Radler verzichten immer noch auf einen Helm. Dabei ist er die beste und billigste Lebensversicherung.

Jeder fünfte tödliche Fahrradunfall passiert ohne Fremdeinwirkung. Selbst bei einem Alleinunfall muss der Radfahrer also mit erheblichen Schädelverletzungen rechnen. Ganz zu schweigen vom Risiko, wenn Radler mit einem Auto kollidieren. Sie ziehen sich schwere Kopfverletzungen zu, die ebenfalls nicht selten tödlich ausgehen. Dabei ist eines klar: Leicht und gut belüftet stört ein moderner Fahrradhelm beim Radfahren kaum, und mit einem Preis ab 19 Euro für einen „guten“ ist er nicht teurer als beispielsweise ein Fahrradschloss.

Doch während man Radsportler praktisch nicht mehr ohne die schützende Schale auf dem Kopf sieht und auch immer mehr Kinder auf Nachdruck der sicherheitsbewussten Eltern einen Helm tragen, gehen die Eltern nicht immer mit gutem Beispiel voran. Überhaupt setzen Freizeit- und Gelegenheitsradler, darunter besonders die Älteren, viel zu selten einen Fahrradhelm auf.

Verschärfter Bordsteinkantentest

Ob die Schale beim Aufprall auf den Boden und gegen eine Bordsteinkante genügend Stoßdämpfung bietet, mussten 25 Fahrradhelme im Test beweisen. Die Helme sind kaum schwerer als 250 bis 300 Gramm, und doch boten die meisten einen „guten“ Schutz, der Levior Sparky und der Seguro Jump sogar einen „sehr guten“. Selbst die Fabrikate, deren Stoßdämpfung von unserem verschärften Bordsteinkantentest überfor­dert war, erfüllen problemlos die Anforderungen der geltenden Sicherheitsnorm mit etwa 1,1 statt 1,5 Meter Fallhöhe. Das bestätigt: Auch ein „befriedi­gender“ Helm ist nicht unsicher.

Der Helm muss fest sitzen

Ganz wichtig ist aber, dass der Helm fest sitzt. Er darf auch beim Sturz nicht nach vorn vom Kopf abgestreift werden. Seltener kommt es vor, dass er nach hinten gezogen wird, zum Beispiel wenn man im Wald unterwegs ist und einen tiefhängenden Ast streift. Für den festen Sitz der Schale auf dem Kopf sorgen eine gute Passform mit einem Kopfring zur Feineinstellung sowie die optimale Einstellung und Festigkeit von Riemen und Schloss.

Da jede Kopfform und -größe individuell unterschiedlich ist, sollte man den Helm vor dem Kauf anprobieren und den Kinnriemen schließen und öffnen. Es gibt Steck- und Rastpeitschenschlösser, die sich auch mit einer Hand öffnen lassen sollten. Der Helm muss gerade sitzen, damit er nicht vorn auf die Brille drückt oder ­– was viel schlimmer und bei vielen Kindern auf der Straße zu beobachten ist – zu lose befestigt so weit nach hinten rutscht, dass die komplette Stirn unge­schützt frei liegt (siehe Tipps).

In der Praxis erprobt

Auf umfangreichen Testfahrten prüften zwei Frauen und sechs Männer Handha­bung und Komfort der Helme zusammen mit den von uns getesteten Sportbrillen (siehe test 4/08). Sie stellten die Riemen ein und passten die Größen mit der Kopfbandverstellung an. Sie beurteilten neben dem Tragekomfort auch die Belüftung und das Sichtfeld (Urteile siehe Tabellen ab S. 76).

Nicht alle halten Hitze stand

Wir untersuchten die Helme auch auf ihre Hitzebeständigkeit. Bei anhaltend hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit verformte sich bei einigen Modellen die Außenschale. Auch lösten sich Klebeverbindungen und dadurch teilweise der Hartschaum von der Außenschale. Weniger anfällig für solche Defekte zeigten sich die Helme, die nach dem modernen Inmold-Verfahren hergestellt wurden. Dabei wird die harte Außenschale in derselben Form mit dem Dämmschaum zusammenge­backen. Das soll nicht nur die Trennung der Schalen vermeiden, sondern auch einer gleichmäßigeren Druckverteilung beim Unfall zugutekommen.

Reflexfolien und LED-Blinkleuchten

So unterschiedlich wie das Design von Fahrrädern ist auch das der Helme. Rennradsportler in bunten Trikots wählen gern auffällige Helme, während ins Büro radelnde Angestellte oder radfahrende Rentner dezentere Modelle bevorzugen. Senioren – ohnehin die Radfahrer mit der niedrigsten Helmtragequote – akzeptieren am ehesten dezente Designs in Silber- oder Grautönen.

Übrigens: Dass Metallicfarben besser erkennbar und dadurch sicherer wären, trifft nicht zu. Reflexfolien und LED-Blinkleuchten verbessern dagegen die Erkennbarkeit der Helme im Dunkeln. Die Farbgebung ist auch der wesentliche Unterschied der Damen- und Herrenmodelle, sofern sie unter eige­nen Modellbezeichnungen angeboten werden. Ansonsten sind Fahrradhelme „unisex“ und werden nur durch die Größen den einzelnen Nutzergruppen, Jugendlichen, Frauen oder Männern, zugeordnet.

Den Seguro Boomer gibt es schon ab einem Kopfumfang von 48 Zentimetern. Er ist damit auch für Kinder und Jugendliche geeignet, was auch seine Optik unterstreicht. Er ähnelt den exemplarisch untersuchten Kleinkinderhelmen (siehe S. 79).

Niemals ohne Helm

Unser Test zeigt: Für jeden Geschmack und Geldbeutel gibt es einen sicheren Fahrradhelm. Radeln Sie nie ohne. Sie schützen sich und geben Kindern ein gutes Beispiel.

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