Fahrradanhänger: Probleme mit Schadstoffen

Fahrradanhänger sind praktisch. Experten sehen Kinder darin sicherer aufgehoben als auf dem Kindersitz. Vier der getesteten Anhänger enthalten jedoch so viele Schadstoffe, dass sie „mangelhaft“ sind.

Es sieht gefährlich aus, wie manche Radfahrer sich mit ihren Kindern im Anhänger durch den dichten Straßenverkehr schlängeln. Wer hat da nicht schon einmal die Luft angehalten oder instinktiv den Kopf geschüttelt. Immerhin sitzen dort hinten kleine Kinder drin.

Durch Pufferzonen besser geschützt

Fahrradanhänger für Kinder Test

Crash-Tests im Prüflabor zeigen:Ein Kind auf einem Fahrradtrailer wird bei einem Unfall seitlich erfasst – ähnlich wie auf einem Kindersitz.

Crash-Tests im Prüflabor zeigen:Ein Kind auf einem Fahrradtrailer wird bei einem Unfall seitlich erfasst – ähnlich wie auf einem Kindersitz.

Was die Unfallgefahr angeht, gibt André Gläser vom ADFC in Bremen jedoch Entwarnung: „Die Fahrt im Anhänger ist mit Sicherheit ungefährlicher, als das Kind auf dem Kindersitz zu transportieren.“ Größter Vorteil: Stürzt der Radfahrer bei einem Unfall, kippt keiner der Anhänger im Test mit um, sondern alle bleiben mit den Rädern auf dem Boden. Zudem ist der Anhänger wie eine Art Kokon, der das Kind bei einem Aufprall durch Pufferzonen schützen kann.

Gefahr durch Schadstoffe

Fahrradanhänger für Kinder Test

Im Anhänger wird das Kind beim Seitenaufprall eher zur Seite geschoben und kommt meist glimpflicher davon. Kinder auch im Anhänger immer nur mit Helm befördern und während der Fahrt sicher anschnallen.

Im Anhänger wird das Kind beim Seitenaufprall eher zur Seite geschoben und kommt meist glimpflicher davon. Kinder auch im Anhänger immer nur mit Helm befördern und während der Fahrt sicher anschnallen.

Unser Test von neun Anhängern, gemeinsam mit dem ADAC durchgeführt, ergab, dass etwas anderes zum Risiko für die Kleinen und ihre Eltern werden kann: Schadstoffe im Gurt, in Polstern und Schiebegriffen. Wie schon beim Test von Kinderwagen (siehe Test: Kinderwagen aus test 9/2009) fanden wir erschreckend viele polyzyk­lische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phthalate (Weichmacher). Die Stoffe stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen, das Erbgut zu verän­dern und die Fortpflanzung zu gefährden. Gleich in vier Anhängern steckten so viele Schadstoffe, dass sie insgesamt nur „mangelhaft“ abschneiden. Nicht nur in Sitzpolstern und Gurten, sondern unter anderem auch im Regenschutz, in den Seitenwänden und Sichtfenstern fanden die Prüfer die gefährlichen Stoffe. Doch kein Schadstoff fand sich überall. Das spricht dafür, dass keiner dieser Stoffe aus technischer Sicht bei der Herstellung notwendig ist.

Nur ein „guter“ Anhänger im Test

Fünf Anhänger enthalten geringere Mengen dieser Schadstoffe und sind gesundheitlich weniger bedenklich. Der beste unter ihnen ist der „gute“ Cougar 2 von Chariot, ein Zweisitzer. Zwar ist er mit 715 Euro fast der teuerste, was sich aber in der Qualität widerspiegelt. Das Kind sitzt angenehm, der Anhänger ist gut gefedert und auch für die Eltern fährt er sich „gut“. Nur wenig schlechter: der D’Lite von Burley. Er ist bei der Sicherheit noch besser, schneidet aber bei den anderen Prüfpunkten schwächer ab und kommt auf „befriedigend“ (2,6).

Neben den klassischen Zweisitzern haben einige Anbieter auch Einsitzer im Sortiment. Der Vorteil: Sie sind schmaler und meist auch leichter als ihre großen Brüder. Wegen ihres hohen Schadstoffgehalts schneiden zwei Einsitzer im Test jedoch „mangelhaft“ ab. Besser machts der Burley Solo. Er ist mit knapp über 10 Kilogramm Gewicht fahrfertig nicht nur der mit Abstand leichteste Anhänger im Vergleich, sondern ist auch in Sachen Sicherheit und Fahren „gut“ und schneidet insgesamt mit „befriedigend (2,6)“ ab.

Anfänger sollten erst mal allein üben

Schnell zur Tagesmutter oder auf eine ausgedehnte Radtour, für viele Familien mit kleinen Kindern sind Fahrradanhänger ein echter Gewinn. Ein Stück wiedergewonnene Freiheit, die aber einen stolzen Preis haben kann. Wer zum ersten Mal mit einem Anhänger geradeaus fährt, wird merken, dass er kaum zu spüren ist. Anders sieht es aber beim Abbiegen und in Kurven aus.

Tipp: Anfänger sollten lieber ein paar Übungsrunden ohne Kind drehen. Vor allem der Kurvenradius, die Breite des Anhängers und das Bremsen unterscheiden sich doch deutlich vom Alleinfahren.

Alle mit zweiteiligen Kupplungen

Anders als im letzten Anhängertest (siehe Test: Fahrradanhänger für Kinder aus test 5/2003) hat keiner mehr eine einteilige Kupplung, jetzt gibt es nur noch zweiteilige. Sie erleichtert das An- und Abkuppeln. Ein Teil wird direkt am Zugfahrrad und das andere am Anhänger angebracht. Eine Kupplung sollte fest sitzen und kein Spiel haben, damit der Anhänger sicher geführt werden kann. Alle Anhänger werden auf Höhe der Hinterachse des Zugfahrrads angebracht, was für den Schwerpunkt günstig ist.

Ab sechs Monate bis sieben Jahre

Fahrradanhänger für Kinder Test

Die meisten Kinderfahrradanhänger sind heute Multitalente. Ob zum Joggen mit festem dritten Rad (rechts) oder als sportlicher Buggy (Mitte) – fast alle lassen sich mit ein paar Handgriffen umbauen. Eltern sollten genau überlegen, wofür sie den Anhänger tatsächlich nutzen wollen. Die Extras können schnell ins Geld gehen.

Die meisten Kinderfahrradanhänger sind heute Multitalente. Ob zum Joggen mit festem dritten Rad (rechts) oder als sportlicher Buggy (Mitte) – fast alle lassen sich mit ein paar Handgriffen umbauen. Eltern sollten genau überlegen, wofür sie den Anhänger tatsächlich nutzen wollen. Die Extras können schnell ins Geld gehen.

Damit auch schon kleinere Kinder mitfahren können, gibt es bei einigen Anbietern Sitzverkleinerer und Babyschalen. Werbeaussagen, wonach schon Babys ab dem 1. Monat mitfahren können, sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. André Gläser vom ADFC rät, Kinder erst dann mitzunehmen, „wenn sie ihren Kopf selbst halten können“. Denn liegend sei richtiges Anschnallen nicht immer möglich. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sein Kind erst ab einem halben Jahr in den Anhänger setzen und dann auch unbedingt in eine Babyschale. Ab etwa einem Jahr können die Kinder ganz normal angeschnallt mitfahren – laut Gesetz bis zu einem Alter von sieben Jahren. Je nach Größe des Kindes und Höhe des Anhängers ist bequemes Sitzen mit Helm dann allerdings kaum noch möglich.

Vor Wind und Wetter geschützt

In einem Fahrradanhänger sitzen Kinder nicht nur komfortabler als auf einem Kindersitz, sie sind auch besser vor Wind und Wetter geschützt. Es empfiehlt sich, auch im Sommer nie ganz offen, sondern mit Fliegengitter zu fahren. Nur so bleiben die Kinder vor aufgewirbelten Steinchen und lästigen Insekten verschont.

Der Test zeigt: Die meisten Anhänger schützen „gut“ bis „befriedigend“ vor Sonne und Regen. Einzige Ausnahme ist der Prophete. Schon nach kurzer Zeit unter der Regendusche war er klitschnass.

Fahrradtrailer für längere Touren

Was aussieht wie ein Kinderfahrrad ohne Vorderrad ist ein Fahrradtrailer. An einer langen Stange wird er am Zugfahrrad befestigt – mit einem Bolzen am mitgelieferten Gepäckträger oder im Fall des Adams Trailers an der Sattelstütze. Für längere Touren sind Fahrradtrailer praktisch. Im engen Stadtverkehr sind sie es eher nicht. Sie sind für Kinder geeignet, die gerade mit dem Fahrradfahren beginnen.

„Gut“ fahren lassen sich sowohl der Fun Trailer FT-Two/6 als auch das add+bike by roland. Aber das add+bike verpasste ein „gutes“ Qualitätsurteil wegen seiner Schadstoffbelastung: In Griff und Sattel fanden sich PAK und Phthalate. Noch höhere PAK-Werte wies der Sattel des Adams Trailers auf. Der einzig „gute“ Fahrradtrailer im Test ist der Fun Trailer. Ein Problem aber haben alle Trailer gemeinsam: Schläft das Kind hinten ein, kann es schlimmstenfalls runterfallen – und das im Verkehr.

Wenn das Kind eine Pause braucht

Wenn Kinder schon selbst fahren können, auf längeren Touren aber auch mal eine Pause brauchen, lohnen sich Fahrradzug- systeme. Das sind Stangen oder Kupplungen, mit denen Mama oder Papa das Kinderfahrrad an ihr Rad anbringen können.

Der Handel verkauft zunehmend sogenannte Tandemkupplungen und -stangen, die Qualitätsunterschiede sind aber groß. Während die Follow Me Tandemkupplung „gut“ abschneidet, hat die Profex Tandemstange Koala beim Dauerbelastungstest schlapp gemacht und ist frühzeitig angerissen. In der Praxis ist das gefährlich, sie bekommt deswegen nur ein „Mangelhaft“. Außerdem zeigt unser Test, dass Koala nicht an alle Kinderräder passt.

Tipp: Nehmen Sie das Kinderfahrrad mit zum Kauf, um sicherzugehen, dass das Zugsystem auch montiert werden kann.

Bei der Beleuchtung nachbessern

Vor allem die Anhänger verdecken während der Fahrt das Rücklicht des Zugfahrrads. Um gut gesehen zu werden, brauchen sie eine eigene Beleuchtung. Bei Preisen von mehreren hundert Euro erwartet der Kunde schon, dass auch alle nötigen Reflektoren und Lampen dabei sind. Doch Fehlanzeige. Nur Burley, Kindercar, Prophete und Monz liefern Front- und Rücklicht gleich mit.

Ein farbiger Wimpel war dagegen bei allen Anhängern dabei. Da ließ sich kein Hersteller lumpen. Bei den Fahrradtrailern ist die Beleuchtung ein ähnlich großes Problem. Kein einziger Nachläufer im Test besaß ein Rücklicht.

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