Fahr­radkauf, Zubehör, Reparaturen

Beifahrer Kind: Fahr­rad­anhänger, Kinder­sitze, Kinder­fahr­räder

26.08.2020
Fahr­radkauf, Zubehör, Reparaturen - Das empfiehlt die Stiftung Warentest
Kinder­fahr­radsitz. Die meisten Eltern bevor­zugen die Heck­sitz-Variante, bei dem das Kind hinten sitzt. © Shutterstock / Iakov Filimonov

Kinder können ab etwa drei Jahren Rad fahren und schaffen dann auch nur kurze Stre­cken. Ausflüge mit dem Rad müssen trotzdem nicht ausfallen. Ein Kinder­sitz oder ein Fahr­rad­anhänger machen es möglich. Beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

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Kinder­sitz: Vorne oder hinten?

Zwei Stellen am Rad eignen sich für Kinder­sitze: Direkt hinter dem Lenker oder hinter dem Sattel über dem Gepäck­träger. Beide Varianten haben gegen­über Anhängern einen klaren Vorteil: Das Kind sitzt in unmittel­barer Nähe zum Fahrer und kann sich mit ihm unterhalten. Was ein Kind im Anhänger sagt, kann der Fahrer in der Regel nicht verstehen.

Vorne. Vor dem Fahrer sitzende Kinder haben eine gute Aussicht. Und das Gewicht auf dem Rad ist besser verteilt als bei einem Heck­sitz. Aber: Kinder sind bei Unfällen stärker gefährdet und bekommen schlechtes Wetter direkt ins Gesicht. Außerdem müssen sie ohne Nacken­stütze auskommen. Frontsitze eignen sich daher vor allem für kürzere Stre­cken. Noch zu beachten: Für größere Kinder ab 15 Kilo Körpergewicht sind Frontsitze nicht geeignet.

Hinten. Die meisten Kinder­sitze werden hinter dem Fahrer über dem Gepäck­träger montiert. Kinder haben dort mehr Platz und sitzen bequem. Bei einem Sturz kann der Fahrer auch nicht auf das Kind fallen. Nachteil der Kinder­sitze ober­halb des Gepäck­trägers: Die Haupt­aussicht des Kindes ist das Gesäß des Fahr­radfahrers. Wichtiger ist aber, dass bei weniger stabilen Fahr­rädern – vor allem bei Modellen mit tiefem Durch­stieg – die Fahr­stabilität leidet. Der Rahmen kann flattern.

Unser Test Fahrradkindersitze (test 3/2018) zeigt: Sichere und gute Modelle gibts ab 60 Euro. Geprüft hat die Stiftung Warentest 17 Modelle von 30 bis 150 Euro, darunter fünf Frontsitze und zwölf Heck­sitze.

Finger weg! Wichtig bei Fahr­rädern mit Federung im Rahmen oder Sattel: Gelenke oder sonst bewegliche Teile, die das Kind während der Fahrt erreichen kann, bringen die Finger in Gefahr. Schützen Sie Ihr Kind durch eine Abdeckung oder einen anderen sicheren Schutz.

Fahr­rad­anhänger: Komfortabel, aber teurer

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Gut geschützt. Fahr­rad­anhänger sind sicher und bequem. © mauritius images / Image Source / Raygun

Im Vergleich zu Kinder­sitzen sind die Anhänger für Fahr­räder teurer. Ein guter Kinder­sitz ist schon ab 60 Euro zu haben, während ein Anhänger bis zu 1 300 Euro kosten kann. Es gibt sie in der Variante für ein oder zwei Kinder. Die Kleinen sitzen komfort­abler und sind vor Wind und Wetter geschützt. Bei einem Unfall fallen sie nicht vom Rad, sondern sind – geschützt von der Fahr­gast­zelle – etwas sicherer aufgehoben.

Unser Test von zwölf Fahrradanhängern für Kinder zeigte jedoch, dass es bei den Modellen große Unterschiede in puncto Sicherheit und Komfort gibt. Bei fast allen Modellen kann ein Vorderrad montiert werden. Zusammen mit einem oft schon vormontierten Griff­bügel kann der Kinder­anhänger einen Buggy ersetzen. Die teuren Modelle haben oft einen festen Boden und können auch zum Lasten­trans­port verwendet werden.

Wie gut Fahr­rad­anhänger als Kinder­trans­port­mittel am Fahr­rad im Vergleich zu Lastenrad und Nach­läufern abschneiden, hat der ADAC untersucht. Die Ergeb­nisse haben wir in unserem Special Kindertransport mit dem Fahrrad zusammengefasst.

Kinder­fahr­räder

Früher oder später wächst jedes Kind aus dem Kinder­sitz oder -anhänger heraus. Spätestens dann verlangen die meisten nach einem eigenen Fahr­rad. Doch Vorsicht beim Kauf: Viele Kinder­räder sind schwer, unzu­reichend ausgestattet und schlecht verarbeitet.

Gewicht. Manche Kinder­räder sind so schwer, dass ein Kind es nicht mal den Bord­stein hoch heben kann. Schon das wäre ein Ausschluss­kriterium beim Kauf.

Gabel. Insbesondere Billigmodelle haben statt einer richtigen Fahr­radgabel die Gabel eines Kinder­rollers. Unterschied: Die Fahr­radgabel hat ein Kugel­lager für spielend leichtes Lenken. Rollergabeln stecken in Kunst­stoff­buchsen und werden von einer Klemm­schelle gehalten. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

Bremsen. Wie ein Erwachsenenfahr­rad sollte auch ein Kinder­fahr­rad mindestens zwei unabhängig voneinander funk­tionierende Bremsen haben. Von vielen Hand­bremsen sind die Kinder über­fordert. Sie haben nicht die Kraft den Brems­hebel zu ziehen oder die Hände sind einfach noch nicht groß genug.

Probefahrt. Die Kinder sollten unbe­dingt beim Kauf dabei sein und das Rad der Wahl ausgiebig zur Probe fahren.

Nach­läufer (Fahr­radtrailer)

Fahr­radtrailer oder Zug­stangen, mit denen das Kinder­fahr­rad am Rad der Eltern befestigt wird, sind nicht zu empfehlen. Der hoch liegende Schwer­punkt und die ungüns­tigen Hebel­verhält­nisse machen die Nach­läufer zu einer mecha­nisch riskanten Angelegenheit. Das Hin- und Herkippen beein­trächtigt zudem die Fahr­stabilität des Zugfahr­rades. Das Kind sollte daher lieber alleine auf seinem eigenen Rad fahren. Wenn es noch nicht selber radeln kann, sitzt es besser auf dem Kinder­sitz oder im Anhänger. In einem Systemvergleich verschiedener Transportmittel für Kinder am Fahrrad hat der ADAC weitere Sicher­heits­probleme mit Nach­läufern fest­gestellt: Im Crashtest prallte das Auto direkt auf das Kind, das dann unge­schützt auf die Fahr­bahn geschleudert wurd.

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