Fahr­radkauf, Zubehör, Reparaturen

Fahr­rad reparieren: Selber machen oder in die Werk­statt?

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Fahr­radkauf, Zubehör, Reparaturen - Das empfiehlt die Stiftung Warentest
Geschick gefragt. Mit Erfahrung oder guter Anleitung lässt sich Fahr­rad vieles selbst reparieren. © Kathrin Ziegler

Ein Rad zu warten und zu pflegen lohnt sich – es funk­tioniert besser und länger. Wir geben Anhalts­punkte, was man selber erledigen kann und wo man Fachleute ran lässt.

Inhalt

Reparieren oder reparieren lassen?

Selbst ist der Mann und die Frau. Bei jeder kleinen Reparatur zum Fahr­raddoktor zu rennen, kostet Zeit und Geld. Selbst reparieren lohnt sich. Voraus­setzung: Der Hobby-Reparateur hat das nötige Geschick, Know-how und Werk­zeug. Wer sich nicht auskennt, sollte sich unbe­dingt erst schlau machen und die Reparatur von Fachleuten zeigen lassen. An Volks­hoch­schulen gibts zuweilen Kurse. Manche Fahr­radclubs unterhalten Selbst­hilfe­werk­stätten.

Aber Achtung: Wer Fehler macht, fährt anschließend gefähr­lich. Außerdem drohen kost­spielige Folgeschäden. Wer unsicher ist, sollte Wartungs­arbeiten an sicher­heits­relevanten Komponenten wie Bremsen lieber vom Experten durch­führen lassen. Einen Über­blick mit vielen Tipps und Informationen finden Sie in unserem großen Special Fahrradtechnik.

Do it yourself: Fahr­rad reparieren mit der Stiftung Warentest

Der Ratgeber Fahrradreparaturen hilft Radfahrern mit 120 fotogra­fischen Anleitungen, tech­nische Probleme schnell und günstig selbst zu beheben. Von Grund­reinigung über Fehler­suche bis zur Problemlösung werden alle Schritte über­sicht­lich dargestellt. Auch E-Bikes und Pedelecs werden in einem eigenen Kapitel unter die Lupe genommen. Denn wie flickt man einen Reifen, wenn der Motor im Laufrad integriert und deswegen gar nicht so leicht zu entfernen ist? In diesem Buch finden Sie die Lösung – auch für Pannen unterwegs! Der Ratgeber ist für 24,90 Euro im Buch­handel erhältlich oder direkt im test.de-Shop. Als ePub-Download kostet er 20,99 Euro.

Pflege ist Pflicht

Fahr­räder verschleißen. Je besser ein Rad gepflegt ist, desto länger hält es. Für viele Teile ist Pflege Pflicht, weil sonst Sicherheit und Fahr­spaß leiden. Hier unser Wartungs­plan für dauer­haft problemloses Radfahren.

Was laufend gewartet werden muss

Bremsen. Die müssen jeder­zeit einsatz­bereit sein. Wenn die Brems­kraft nach­lässt und sich der Hebel so weit an den Lenker ziehen lässt, dass Sie sich die Finger klemmen können, müssen Sie entweder den Zug an den Einstell­schrauben oder an der Bremse nach­spannen oder die Brems­beläge tauschen. Auch Brems­züge sind Verschleiß­teile, die einzelnen Drähte können nach und nach reißen. Achten Sie deshalb auf Geräusche wie Knacken am Brems­hebel. Bei Schäden sind die Züge sofort zu tauschen.

Üblich sind mitt­lerweile Brems­züge aus rost­freiem Edelstahl. Es gibt aber noch Züge aus Carbon­stahl. Die können rosten. Dann lassen sich die Bremsen nur noch schwer betätigen. Solche Züge sollten also unbe­dingt gegen Korrosion gefettet, oder besser gleich gegen nicht­rostende Züge ausgetauscht werden. Auch hydrau­lische Bremsen bedürfen einer Wartung. Die Hydraulikflüssig­keit kann Wasser ziehen. Bei langen Berg­abfahrten mit Brems­einsatz können die Bremsen heiß werden und das Wasser verdampfen. Das verringert die Brems­wirkung spür­bar.

Beleuchtung. Kontrollieren Sie regel­mäßig, ob die Beleuchtung funk­tioniert. Besonders beim Rück­licht über­sieht man leicht, ob es noch leuchtet. Wenn das Rück­licht defekt ist, droht bei alten Glüh­lampen eine Kettenre­aktion: Ist erst das Rück­licht defekt, steigt die Spannung in der Licht­anlage. Nach kurzer Zeit brennt dann auch der Front­scheinwerfer durch. Bei moderner Fahr­radbeleuchtung mit LED-Technik sind solche Probleme allerdings Schnee von gestern. Zum einen gehen die Lampen grund­sätzlich viel seltener kaputt, zum anderen sind sie vor Über­spannung geschützt. Außerdem leuchten gute LED-Lichter wesentlich heller als die alten Glüh­lampen und bieten zusätzlich noch eine Standlicht­funk­tion (siehe auch Fahrradhelm und Beleuchtung).

Reifen. Zu wenig Luft­druck im Reifen erhöht nicht nur den Roll­widerstand, sondern auch den Verschleiß und das Pannenrisiko. Der richtige Luft­druck ist in der Regel auf der Flanke des Reifens angegeben. Dort findet man eine Minimum- und eine Maximum­angabe. Diese sollte man beachten, sonst leiden Reifen und Schlauch. Schläuche verlieren bauartbe­dingt ungefähr ein Bar an Luft­druck pro Monat. Deshalb muss regel­mäßig nachgepumpt werden.

Wenn auf dem Reifen nichts vom empfohlenen Luft­druck steht oder nichts erkenn­bar ist, gilt: Je schmaler der Reifen, desto höher muss der Luft­druck sein. Sport­liche Tourenreifen im Format 32-622 sollten 5 Bar Druck bekommen. Bei 42-622 reichen 4 und bei 47-622 schon 3,5 Bar. Wer keine Luft­pumpe mit Mano­meter kaufen will, kann die Reifen mit Druck­luft von der Tank­stelle auf den richtigen Druck aufpumpen. Ein Adapter zum Aufschrauben aufs Fahr­radventil macht es möglich. Manche Fahr­radschläuche, insbesondere bei Mountain­bikes haben gleich ein Auto­ventil.

Kette. Die Kette muss regel­mäßig geölt, besser noch: gefettet werden. Das verringert den Ketten­verschleiß, erleichtert das Treten und schont die Ritzel. Bei Verwendung von dünn­flüssigem Nähmaschinenöl ist nach fast jeder Fahrt frische Schmierung nötig. Zähere Öle und spezielle Kettenhaftöle halten länger. Auch Schmieröl, das eigentlich nicht für Fahr­radketten gedacht ist, funk­tioniert. Allerdings: Je zähflüssiger die Ketten­schmierung, desto eher bleibt Dreck daran kleben und sorgt wiederum für erhöhten Verschleiß. Spätestens, wenn die Kette leise zu rasseln beginnt oder quietscht, braucht sie frisches Öl.

Inspektion zum Start in die Fahr­radsaison

Einmal im Jahr, am besten gleich zum Saison­start im Früh­jahr, sollten Sie sich Ihr Fahr­rad ganz genau anschauen und alle Mängel gleich beseitigen (lassen). Klar: Wenn Sie sehr viel fahren, sollten Sie auch zwischen­durch Kontrollen vornehmen.

  • Grund­reinigung. Dreck am Rad stört nicht nur die Optik, sondern erhöht auch den Verschleiß. Auf den Felgen, in den Kettengelenken und Bowdenzügen sowie Rad-, Lenk- und Tret­lagern fräsen vor allem feine Sand­partikel am Metall und zerstören die Teile erstaunlich schnell. Waschen Sie das Rad mit viel Wasser mit etwas Spül­mittel von oben nach unten ab. Verwenden Sie keinen Hoch­druck­reiniger. Er drückt einen Teil der Schmutz­partikel und Wasser in die Lager und Zughüllen hinein und macht damit alles eher schlimmer. Wischen Sie Kette und Ritzel mit einem alten Lappen ab und entfernen Sie so viel vom alten schwarzen Schmier wie möglich.
  • Sicht­kontrolle. Prüfen Sie alle Schrauben auf festen Sitz. Drehen Sie sie gegebenenfalls fest: kräftig, aber nicht mit Gewalt. Schauen Sie sich Rahmen, Gabel und Lenker genau an. Tiefe Kratzer, Beulen, Risse oder Rost­stellen können zu gefähr­lichen Brüchen führen. Kontrollieren Sie vor allem den Lenker rechts und links neben der Klemmung in der Lenker­mitte penibel. Er ist auch bei kleinen Macken unbe­dingt auszutauschen. Ein Lenkerbruch während der Fahrt führt fast unweigerlich zum Sturz.
  • Schmierung. Geben Sie an alle Gelenke einen Tropfen säurefreies Nähmaschinenöl.
  • Bowdenzüge. Schauen Sie, ob Brems- und Schalt­züge intakt sind. Vor allem am Brems­zug dürfen zwischen Brems­hebel und Bremse keine Draht­adern gebrochen sein. Achten Sie auch auf das Stück Brems­zug, das bei gezogener Bremse im Brems­hebel zu sehen ist. Die Hülle der Bowdenzüge darf keine Schäden wie Knicke oder Risse haben. Bei Schäden jedweder Art sind die Teile umge­hend zu tauschen. Die Enden der Brems- und Schalt­züge gehören zudem in sogenannte Aderendhülsen. Das verhindert, dass sich die Enden büschel­artig aufspleißen. Das vereinfacht Reparaturen und mindert die Verletzungs­gefahr an den nadelspitzen Aderenden.
  • Bremsen. Schauen Sie, ob die Brems­beläge noch dick genug sind. Verschleiß­marken zeigen an, wann die Beläge erneuert werden müssen.
  • Pedale. Sie sollten sich frei und ruck­frei drehen lassen. Fahren Sie nicht damit, wenn sie schwergängig sind, beim Drehen Geräusche machen oder auf der Pedal­achse deutlich wackeln. Sie können sich lösen oder abbrechen. Das kann zu gefähr­lichen Stürzen führen.
  • Felgen. Über­prüfen Sie, ob die Felgen noch gut sind. Meist haben sie Verschleiß­indikatoren: Je nach Felgen­typ wird ein Streifen oder Punkt sicht­bar oder verschwindet, wenn die Brems­flanken zu weit abge­schliffen sind. Kontrolle älterer Felgen ohne Indikator: Lassen Sie die Luft aus dem Reifen. Stellen Sie die Felgenbremse so eng ein, dass sich das Rad gerade noch frei dreht. Pumpen Sie das Rad auf den höchst­zulässigen Druck auf. Mustern Sie das Rad aus, wenn es sich jetzt nicht mehr drehen lässt. Bei verschlissenen Felgen kann das Felgenhorn abreißen und der Reifen platzen.
  • Räder. Probieren Sie, ob die Räder irgendwo schleifen oder stark „eiern“. Greifen Sie außerdem kräftig in alle Speichen. Wenn Speichen gerissen oder lose sind, kann das Rad bei der nächsten Fahrt völlig kaputt gehen. Bringen Sie das Rad in die Werk­statt, wenn etwas nicht stimmt und Sie Speichen nicht selber wechseln, beziehungs­weise die Speichenspannung nicht selbst korrekt einstellen können. Wackeln Sie seitlich am Rad. Die Achse darf sich nicht seitlich oder quer zur Radnabe bewegen. Hat das Lager Spiel, müssen Sie die Nabe kontrollieren und austauschen oder zumindest neu einstellen – oder es in einer Werk­statt erledigen lassen.
  • Reifen. Die Reifen dürfen nicht zu weit abge­fahren und/oder rissig und spröde sein. Mehrere Reifenpannen in kurzem Abstand zeigen meist an: Der Reifen ist nicht mehr widerstands­fähig genug und sollte erneuert werden. Auch am Reifen gibt es Verschleiß­indikatoren. Dehnt sich die Lauffläche auf diese Marken aus ist eine neue „Decke“ fällig.
  • Lenkung. Ziehen Sie die Vorderradbremse und drücken den Lenker vor und zurück. Fassen Sie dabei mit einer Hand um den untersten Teil der Lenk­stange und das angrenzende Rahmenrohr. Beide dürfen sich dabei nicht spür­bar gegen­einander verschieben. Ist dort Spiel spür­bar, ist der so genannte Steu­ersatz entweder verschlissen oder zumindest falsch einge­stellt.
  • Licht. Schauen Sie bei herkömm­lichen Fahr­radlampen, ob sich der Glaskolben der Glühbirnen bereits deutlich dunkel verfärbt hat. Moderne LED-Lampen halten sehr viel länger und geben mehr Licht. Wenn sie nicht mehr funk­tionieren, sind meist abge­rissene Kabel, Kontakt­schwierig­keiten oder andere Elektronik­fehler die Ursache.
  • Ketten­kontrolle. Wenn Sie ein Rad mit Ketten­schaltung fahren, lassen Sie die Kette kontrollieren. Mit der gefahrenen Strecke längt sich die Kette und passt nicht mehr genau in die Zähne von Kettenrädern und Ritzeln. Bei sport­lichen Fahrten im Gelände bei schlechtem Wetter halten Schaltungs­ketten oft nicht einmal 2 000 Kilo­meter. Unter normalen Bedingungen haben Ketten ihre Verschleiß­grenze meist nach 3 000 bis 6 000 Kilo­metern erreicht. Wenn Sie die Kette recht­zeitig wechseln, brauchen Sie nicht jedes Mal gleich­zeitig auch für viel Geld Kettenräder und Ritzel zu tauschen. Bei recht­zeitigem Wechsel halten die Zahnräder zwei bis vier Ketten­lauf­zeiten lang.

Achter entfernen mithilfe der Stiftung Warentest

Fahr­radkauf, Zubehör, Reparaturen - Das empfiehlt die Stiftung Warentest

Von Zeit zu Zeit ist eine große Inspektion nötig. Wie häufig das Rad zur General­über­holung in die Werk­statt sollte, lässt sich nicht pauschal sagen. Räder, die unter freiem Himmel stehen und häufig auch bei schlechtem Wetter gefahren werden, sollten zumindest alle zwei Jahre zur Komplett­wartung. Hoch­wertige Räder mit gut gedichteten Lagern bleiben länger problemlos in Bewegung. Einfache Räder brauchen häufiger Wartung, wenn sie zuver­lässig und dauer­haft funk­tionieren sollen. Selbst die große Inspektion können Sie grund­sätzlich auch selbst machen. Sie benötigen dazu allerdings etwas Spezial­werk­zeug und vor allem: Know-how. Wie Sie Achter entfernen und Tret­lager austauschen, erklärt unser Ratgeber Fahrradreparaturen. Er enthält 120 fotografierte Anleitungen und Tipps zur Wartung und Pflege des Fahr­rads oder E-Bikes.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 19.07.2021 um 10:59 Uhr
Pflege des Schaltwerks

@Nubalk: Vielen Dank für die Anregung, die wir an die zuständige Fachabteilung im Haus weitergeleitet haben. Auf das Thema Schaltwerk gehen wir auch in unserem Special „Fahrradtechnik“ ein unter
test.de/Fahrradtechnik-im-Ueberblick-in-die-Gaenge-kommen-1791218-5151700/
(aci, Se)

Nubalk am 18.07.2021 um 13:51 Uhr
Pflege des Schaltwerks

Sie haben bei den Hinweisen für Pflege und Wartung leider eine immens wichtige Komponente nicht erwähnt: das Schaltwerk. Nabenschaltungen benötigen eine überschaubare Zuwendung. Doch Kettenschaltungen sollten sehr regelmäßig gründlich gereinigt und geschmiert werden, damit sie lange und leichtgängig funktionieren. Anderenfalls verlieren sie nicht nur rasch an Schaltpräzision. Auch die Lebenserwartung sinkt rapide, widmet man sich diesem zentralen Element des Antriebsstrangs nicht gebührend.

Krissy22 am 08.05.2021 um 23:16 Uhr
Echt jetzt?

Schön, dass Sie im Kommentarbereich zum Thema Beleuchtung auf die vorgeschriebenen Reflektoren hingewiesen haben... Wo sind die nochmal auf dem Foto "Beifahrer Kind" zu sehen? An den Laufrädern reflektiert gar nichts! Keine Katzenaugen und auch keine Reflektorstreifen. Das Paar mit den beiden Kindern ist offensichtlich auf einer Straße unterwegs, also gilt die StVZO. Pedale kann man nicht beurteilen, aber im Straßenverkehr sieht man immer mehr ohne, gerne sind da auch Rennradfahrer mit ihren Spezialpedalen unterwegs. Dürfen sie im Straßenverkehr aber nicht. Handel und auch Stiftung Warentest sollten da mal bei den Fotos besser aufpassen!

Krissy22 am 08.05.2021 um 22:41 Uhr
Schon mal was von der StVZO gehört?

Abgesehen davon, dass viele der häufigen Fehler von Radfahrern nicht aufgezählt werden, fehlt mir auch hier der Hinweis, dass es eine StVZO für Fahrräder gibt. Das bedeutet, dass JEDES Fahrrad, mit dem ich am Straßenverkehr teilnehmen will, der StVZO entsprechen muss. Das gilt auch für verhinderte Lance Armstrongs auf ihren Rennrädern, Mountain Bikes, Beach Cruisern und auch für Kinderräder! Wenn ich mich schon nicht dafür interessiere, wie ein Fahrrad für die Verkehrsteilnahme auszusehen hat, ist es kein Wunder, dass es bei den Regeln so hapert. Wenn in Fußgängerbereichen das Rad freigegeben ist, dann darf man z. B. nur Schrittgeschwindigkeit fahren. Wissen auch Viele offensichtlich nicht. Wenn das Fahren in beide Richtungen eines Radwegs freigegeben ist, gilt das nur bis zur nächsten Einmündung/Ampel und muss da neu ausgewiesen werden, sonst muss man die Straßenseite wechseln usw. usw. Bedenklich, dass man auch hier nicht auf so was hinweist.

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.07.2020 um 15:48 Uhr
Zuladung Fahrradträger

@Manni2505: Vielen Dank für den interessanten Erfahrungsbericht, den wir gerne an das zuständige Untersuchungsteam zur Kenntnisnahme und Beachtung bei künftigen Untersuchungen der Fahrradträger weitergeleitet haben. (spl)