Fahr­rad reparieren: Wann selber machen, wann zum Fachmann?

Start in die Fahr­rad-Saison Special

Wartung und Pflege von Fahr­rädern lohnt sich. Das Rad funk­tioniert besser und hält länger. Schwierig ist zu entscheiden, was sinn­voller­weise selbst zu erledigen ist und welche Wartung besser ein Fachmann macht. Wir geben ein paar Anhalts­punkte.

Reparieren und reparieren lassen

Selbst ist der Mann und die Frau. Bei jeder kleinen Reparatur zum Fahr­raddoktor zu rennen, kostet Zeit und Geld. Selbst reparieren lohnt sich. Voraus­setzung: Der Hobby-Reparateur hat das nötige Geschick, Know-how und Werk­zeug. Wer sich nicht auskennt, sollte sich unbe­dingt erst schlau machen und sich die Reparatur von einem Fachmann zeigen lassen. An Volks­hoch­schulen gibts zuweilen Kurse. Manche Fahr­radclubs unterhalten Selbst­hilfe­werk­stätten. Aber Achtung: Wer Fehler macht, fährt anschließend gefähr­lich. Außerdem drohen kost­spielige Folgeschäden. Wer unsicher ist, sollte Wartungs­arbeiten an sicher­heits­relevanten Komponenten wie Bremsen lieber vom Experten durch­führen lassen.

Ratgeber der Stiftung Warentest

Start in die Fahr­rad-Saison Special

Mit dem Ratgeber Fahr­radreparaturen hat die Stiftung Warentest aktuell (erschienen Februar 2018) das große Werk­statt­buch für Fahr­radfahrer heraus­gegeben. Mehr als 100 fotogra­fische Anleitungen helfen Ihnen, ungewöhnlichen Geräuschen, fehlendem Licht oder losen Kabeln auf den Grund zu gehen. So können Sie mit einigen Werk­zeugen und Ersatz­teilen einen Groß­teil der tech­nischen Probleme schnell und günstig selbst beheben. Von Grund­reinigung über Fehler­suche bis zur Problemlösung werden alle Schritte über­sicht­lich dargestellt. Auch E-Bikes und Pedelecs werden in einem eigenen Kapitel unter die Lupe genommen. Denn wie flickt man einen Reifen, wenn der Motor im Laufrad integriert und deswegen gar nicht so leicht zu entfernen ist? In diesem Buch finden Sie die Lösung – auch für Pannen unterwegs!

Der Ratgeber Fahrradreparaturen kostet 24,90 Euro. Er ist im Buch­handel erhältlich oder direkt im Shop auf test.de zu bestellen. Als ePub-Download kostet er 20,99 Euro.

Regel­mäßig pflegen

Fahr­räder verschleißen. Je besser ein Rad gepflegt ist, desto länger hält es. Für viele Teile ist Pflege Pflicht, weil sonst Sicherheit und Fahr­spaß leiden. Hier unser Wartungs­plan für dauer­haft problemloses Radfahren.

Laufende Wartung

Bremsen. Die müssen jeder­zeit einsatz­bereit sein. Wenn die Brems­kraft nach­lässt und sich der Hebel so weit an den Lenker ziehen lässt, dass Sie sich die Finger klemmen können, müssen Sie entweder den Zug an den Einstell­schrauben oder an der Bremse nach­spannen oder die Brems­beläge tauschen. Auch Brems­züge sind Verscheiß­teile, die einzelnen Drähte können nach und nach reißen. Achten Sie deshalb auf Geräusche wie Knacken am Brems­hebel. Bei Schäden sind die Züge sofort zu tauschen. Üblich sind mitt­lerweile Brems­züge aus rost­freiem Edelstahl. Es gibt aber noch Züge aus Carbon­stahl. Die können rosten. Dann lassen sich die Bremsen nur noch schwer betätigen. Solche Züge sollten also unbe­dingt gegen Korrosion gefettet, oder besser gleich gegen nicht­rostende Züge ausgetauscht werden. Auch hydrau­lische Bremsen bedürfen einer Wartung. Die Hydraulikflüssig­keit kann Wasser ziehen. Bei langen Berg­abfahrten mit Brems­einsatz können die Bremsen heiß werden und das Wasser verdampfen. Das verringert die Brems­wirkung spür­bar.

Beleuchtung. Kontrollieren Sie regel­mäßig, ob die Beleuchtung funk­tioniert. Besonders beim Rück­licht über­sieht man leicht, ob es noch leuchtet. Wenn das Rück­licht defekt ist, droht bei alten Glüh­lampen eine Kettenre­aktion: Ist erst das Rück­licht defekt, steigt die Spannung in der Licht­anlage. Nach kurzer Zeit brennt dann auch der Front­scheinwerfer durch. Bei moderner Fahrradbeleuchtung mit LED-Technik sind solche Probleme allerdings Schnee von gestern. Zum einen gehen die Lampen grund­sätzlich viel seltener kaputt, zum anderen sind sie vor Über­spannung geschützt. Außerdem leuchten gute LD-Lichter wesentlich heller als die alten Glüh­lampen und bieten zusätzlich noch eine Standlicht­funk­tion.

Reifen. Zu wenig Luft­druck im Reifen erhöht nicht nur den Roll­widerstand, sondern auch den Verschleiß und das Pannenrisiko. Der richtige Luft­druck ist in der Regel auf der Flanke des Reifens angegeben. Dort findet man eine Minimum- und eine Maximum­angabe. Diese sollte man beachten, sonst leiden Reifen und Schlauch. Schläuche verlieren bauartbe­dingt ungefähr ein Bar an Luft­druck pro Monat. Deshalb muss regel­mäßig nachgepumpt werden. Wenn auf dem Reifen nichts vom empfohlenen Luft­druck steht oder nichts erkenn­bar ist, gilt: Je schmaler der Reifen, desto höher muss der Luft­druck sein. Sport­liche Tourenreifen im Format 32-622 sollten 5 Bar Druck bekommen. Bei 42-622 reichen 4 und bei 47-622 schon 3,5 Bar. Wer keine Luft­pumpe mit Mano­meter kaufen will, kann die Reifen mit Druck­luft von der Tank­stelle auf den richtigen Druck aufpumpen. Ein Adapter zum Aufschrauben aufs Fahr­radventil macht es möglich. Manche Fahr­radschläuche, insbesondere bei Mountain­bikes haben gleich ein Auto­ventil.

Kette. Die Kette muss regel­mäßig geölt, besser noch: gefettet werden. Das verringert den Ketten­verschleiß, erleichtert das Treten und schont die Ritzel. Bei Verwendung von dünn­flüssigem Nähmaschinenöl ist nach fast jeder Fahrt frische Schmierung nötig. Zähere Öle und spezielle Kettenhaftöle halten länger. Auch Schmieröl, das eigentlich nicht für Fahr­radketten gedacht ist, funk­tioniert. Allerdings: Je zähflüssiger die Ketten­schmierung, desto eher bleibt Dreck daran kleben und sorgt wiederum für erhöhten Verschleiß. Spätestens, wenn die Kette leise zu rasseln beginnt oder quietscht, braucht sie frisches Öl.

Inspektion

Einmal im Jahr, am besten gleich zum Saison­start im Früh­jahr, sollten Sie sich Ihr Fahr­rad ganz genau anschauen und alle Mängel gleich beseitigen (lassen). Klar: Wenn Sie sehr viel fahren, sollten Sie auch zwischen­durch Kontrollen vornehmen.

  • Grund­reinigung. Dreck am Rad stört nicht nur die Optik, sondern erhöht auch den Verschleiß. Auf den Felgen, in den Kettengelenken und Bowdenzügen sowie Rad-, Lenk- und Tret­lagern fräsen vor allem feine Sand­partikel am Metall und zerstören die Teile erstaunlich schnell. Waschen Sie das Rad mit viel Wasser mit etwas Spül­mittel von oben nach unten ab. Verwenden Sie keinen Hoch­druck­reiniger. Er drückt einen Teil der Schmutz­partikel und Wasser in die Lager und Zughüllen hinein und macht damit alles eher schlimmer. Wischen Sie Kette und Ritzel mit einem alten Lappen ab und entfernen Sie so viel vom alten schwarzen Schmier wie möglich.
  • Sicht­kontrolle. Prüfen Sie alle Schrauben auf festen Sitz. Drehen Sie sie gegebenenfalls fest: kräftig, aber nicht mit Gewalt. Schauen Sie sich Rahmen, Gabel und Lenker genau an. Tiefe Kratzer, Beulen, Risse oder Rost­stellen können zu gefähr­lichen Brüchen führen. Kontrollieren Sie vor allem den Lenker rechts und links neben der Klemmung in der Lenker­mitte penibel. Er ist auch bei kleinen Macken unbe­dingt auszutauschen. Ein Lenkerbruch während der Fahrt führt fast unweigerlich zum Sturz.
  • Schmierung. Geben Sie an alle Gelenke einen Tropfen säurefreies Nähmaschinenöl.
  • Bowdenzüge. Schauen Sie, ob Brems- und Schalt­züge intakt sind. Vor allem am Brems­zug dürfen zwischen Brems­hebel und Bremse keine Draht­adern gebrochen sein. Achten Sie auch auf das Stück Brems­zug, das bei gezogener Bremse im Brems­hebel zu sehen ist. Die Hülle der Bowdenzüge darf keine Schäden wie Knicke oder Risse haben. Bei Schäden jedweder Art sind die Teile umge­hend zu tauschen. Die Enden der Brems- und Schalt­züge gehören zudem in sogenannte Aderendhülsen. Das verhindert, dass sich die Enden büschel­artig aufspleißen. Das vereinfacht Reparaturen und mindert die Verletzungs­gefahr an den nadelspitzen Aderenden.
  • Bremsen. Schauen Sie, ob die Brems­beläge noch dick genug sind. Verschleiß­marken zeigen an, wann die Beläge erneuert werden müssen.
  • Pedale. Sie sollten sich frei und ruck­frei drehen lassen. Fahren Sie nicht damit, wenn sie schwergängig sind, beim Drehen Geräusche machen oder auf der Pedal­achse deutlich wackeln. Sie können sich lösen oder abbrechen. Das kann zu gefähr­lichen Stürzen führen.
  • Felgen. Über­prüfen Sie, ob die Felgen noch gut sind. Meist haben sie Verschleiß­indikatoren: Je nach Felgen­typ wird ein Streifen oder Punkt sicht­bar oder verschwindet, wenn die Brems­flanken zu weit abge­schliffen sind. Kontrolle älterer Felgen ohne Indikator: Lassen Sie die Luft aus dem Reifen. Stellen Sie die Felgenbremse so eng ein, dass sich das Rad gerade noch frei dreht. Pumpen Sie das Rad auf den höchst­zulässigen Druck auf. Mustern Sie das Rad aus, wenn es sich jetzt nicht mehr drehen lässt. Bei verschlissenen Felgen kann das Felgenhorn abreißen und der Reifen platzen.
  • Räder. Probieren Sie, ob die Räder irgendwo schleifen oder stark „eiern“. Greifen Sie außerdem kräftig in alle Speichen. Wenn Speichen gerissen oder lose sind, kann das Rad bei der nächsten Fahrt völlig kaputt gehen. Bringen Sie das Rad in die Werk­statt, wenn etwas nicht stimmt und Sie Speichen nicht selber wechseln, beziehungs­weise die Speichenspannung nicht selbst korrekt einstellen können. Wackeln Sie seitlich am Rad. Die Achse darf sich nicht seitlich oder quer zur Radnabe bewegen. Hat das Lager Spiel, müssen Sie die Nabe kontrollieren und austauschen oder zumindest neu einstellen – oder es vom Fachmann erledigen lassen.
  • Reifen. Die Reifen dürfen nicht zu weit abge­fahren und/oder rissig und spröde sein. Mehrere Reifenpannen in kurzem Abstand zeigen meist an: Der Reifen ist nicht mehr widerstands­fähig genug und sollte erneuert werden. Auch am Reifen gibt es Verschleiß­indikatoren. Dehnt sich die Lauffläche auf diese Marken aus ist eine neue „Decke“ fällig.
  • Lenkung. Ziehen Sie die Vorderradbremse und drücken den Lenker vor und zurück. Fassen Sie dabei mit einer Hand um den untersten Teil der Lenk­stange und das angrenzende Rahmenrohr. Beide dürfen sich dabei nicht spür­bar gegen­einander verschieben. Ist dort Spiel spür­bar, ist der so genannte Steu­ersatz entweder verschlissen oder zumindest falsch einge­stellt.
  • Licht. Schauen Sie bei herkömm­lichen Fahr­radlampen, ob sich der Glaskolben der Glühbirnen bereits deutlich dunkel verfärbt hat. Moderne LED-Lampen halten sehr viel länger und geben mehr Licht. Wenn sie nicht mehr funk­tionieren, sind meist abge­rissene Kabel, Kontakt­schwierig­keiten oder andere Elektronik­fehler die Ursache.
  • Ketten­kontrolle. Wenn Sie ein Rad mit Ketten­schaltung fahren, lassen Sie die Kette kontrollieren. Mit der gefahrenen Strecke längt sich die Kette und passt nicht mehr genau in die Zähne von Kettenrädern und Ritzeln. Bei sport­lichen Fahrten im Gelände bei schlechtem Wetter halten Schaltungs­ketten oft nicht einmal 2 000 Kilo­meter. Unter normalen Bedingungen haben Ketten ihre Verschleiß­grenze meist nach 3 000 bis 6 000 Kilo­metern erreicht. Wenn Sie die Kette recht­zeitig wechseln, brauchen Sie nicht jedes Mal gleich­zeitig auch für viel Geld Kettenräder und Ritzel zu tauschen. Bei recht­zeitigem Wechsel halten die Zahnräder zwei bis vier Ketten­lauf­zeiten lang.

Große Inspektion

Von Zeit zu Zeit ist eine große Inspektion nötig. Wie häufig das Rad zur General­über­holung in die Werk­statt sollte, lässt sich nicht pauschal sagen. Räder, die unter freiem Himmel stehen und häufig auch bei schlechtem Wetter gefahren werden, sollten zumindest alle zwei Jahre zur Komplett­wartung. Hoch­wertige Räder mit gut gedichteten Lagern bleiben länger problemlos in Bewegung. Einfache Räder brauchen häufiger Wartung, wenn sie zuver­lässig und dauer­haft funk­tionieren sollen. Selbst die große Inspektion können Sie grund­sätzlich auch selbst machen. Sie benötigen dazu allerdings etwas Spezial­werk­zeug und vor allem: Know-how. Wie Sie Achter entfernen und Tret­lager austauschen, erklärt unser Ratgeber Fahrradreparaturen. Er enthält 120 fotografierte Anleitungen und Tipps zur Wartung und Pflege des Fahr­rads oder E-Bikes.

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