Fahr­radkauf, Zubehör, Reparaturen

StVO: Diese Verkehrs­regeln gelten fürs Fahr­rad

26.08.2020
Fahr­radkauf, Zubehör, Reparaturen - Das empfiehlt die Stiftung Warentest
Keine Helm­pflicht. Die Straßenverkehrs­ordnung (StVO) schreibt das Tragen eines Fahr­radhelms nicht vor – sinn­voll ist es dennoch. © Getty Images / TommL

Radfahrer gehören auf den Fahr­radweg? Falsch! Die Stiftung Warentest erklärt, welche Verkehrs­regeln fürs Fahr­rad wirk­lich gelten.

Inhalt

Was in der StVO steht

Anfang 2020 hat der Bundes­rat die Novelle zur Straßenverkehrsordnung (StVO) verabschiedet. Fahr­radfahrer dürfen nun offiziell auch neben­einander fahren, sofern sie niemand anderen behindern. Es gelten außerdem neue Abstands­regeln beim Parken von Autos an Kreuzungen – und es gibt neue Verkehrs­schilder, etwa das für den Radschnellweg. Hier fassen wir die wichtigsten Regeln für Radler und andere Verkehrs­teilnehmer zusammen.

Abstand

Autos müssen beim Über­holen von Radfahrern inner­orts mindestens 1,50 Meter Abstand halten. Außer­halb – auf Land­straßen beispiels­weise – sind es sogar 2 Meter. Beim Über­holvorgang darf die Person, die über­holt wird, weder behindert noch gefährdet werden.

Alkohol

Wer betrunken im Straßenverkehr unterwegs ist, kann seinen Führer­schein verlieren. Das gilt laut StVO auch für Radfahrer. Je nachdem, auf welchem Gefährt der Radler sitzt, gelten unterschiedliche Promille­grenzen.

Fahr­rad.
Radler mit 1,6 Promille oder mehr gelten als absolut fahruntauglich. Dann kann auch der sogenannte Idiotentest, die medizi­nisch-psycho­logische Unter­suchung (MPU), fällig werden. Kommt es zu einem Unfall, müssen Radfahrer unter Umständen schon bei 0,3 Promille Alkohol im Blut eine Buße oder Geld­strafe zahlen.
E-Bike / Pedelec.
Für Pedelecs (siehe -> Elektroräder) gelten dieselben Regeln wie für Räder ohne Motor.
S-Pedelec.
Schnel­lere Elektrofahr­räder mit einer Motor­unterstüt­zung bis 45 Stundenkilo­meter gelten als Kfz. Für sie gilt, was auch für Autos gilt: 0,5 Promille sind eine Ordnungs­widrigkeit, 1,1 Promille am Steuer gelten als Straftat.

Ampel

Die Fußgänger­ampel gilt seit dem dem 1. Januar 2017 nicht mehr für Radfahrer. Ist keine extra Radfahrer­ampel vorhanden, halten sich Radler wie Auto­fahrer an die normale Fahr­bahnampel. Das gilt übrigens auch für den grünen Abbie­gepfeil; auch dieser dient als Signal für Radfahrende und darf fürs Rechts­abbiegen genutzt werden.

Elektroräder

E-Bike / Pedelec.
Für Räder, bei denen ein Motor unterstützt, gelten – je nach Motor­leistung – unterschiedliche Regeln im Straßenverkehr. E-Bikes mit einem Motor, der maximal 250 Watt leistet und sich ab 25 Stundenkilo­metern ausschaltet, werden auch Pedelecs genannt und gelten im recht­lichen Sinn als Fahr­räder (siehe unseren Test von E-Bikes/Pedelecs). Diese Räder dürfen sie ganz normal auf dem Radweg fahren.
S-Pedelec.
Elektrofahr­räder, bei denen der Motor bis Tempo 45 mithilft, gelten als Klein­kraft­räder und brauchen ein Versicherungs­kenn­zeichen. Diese Räder werden als S-Pedelec bezeichnet. Wer ein solches Rad fährt, muss auf der Straße fahren.

Es gibt allerdings ein erstes Modell­projekt in Tübingen, bei dem S-Pedelecs auf rund 80 Radwegen zugelassen sind. Auf diesen Radwegen gilt ein Tempolimit von 30 Kilo­metern pro Stunde.

Fahr­radstraße

Fahr­radstraßen sind in Deutsch­land dem Fahr­radverkehr vorbehalten. Auf Fahr­radstraßen gilt ein Tempolimit von 30 Kilo­metern pro Stunde.

Andere Fahr­zeuge dürfen Fahr­radstraßen nur einge­schränkt nutzen, etwa Anlieger, die mit dem Auto unterwegs sind.

Inline-Skater und Roll­schuhfahrer
dürfen die Fahr­radstraße nur nutzen, wenn unter dem Verkehrs­schild „Fahr­radstraße“ das Zusatz­zeichen „Inline-Skaten und Roll­schuhfahren frei“ angebracht ist. Sonst müssen sie auf dem Gehweg oder Seiten­streifen rollen.

Fahr­radweg

Fahr­radkauf, Zubehör, Reparaturen - Das empfiehlt die Stiftung Warentest
© BMVI

Fahr­räder gelten laut StVO als Fahr­zeuge, die auf der Straße fahren sollten; leider wissen das nur wenige Verkehrs­teilnehmer, was immer wieder zu Unmut im Straßenverkehr führt. Fahr­radfahrer gehören grund­sätzlich auf die Straße. Den Radweg müssen sie nur benutzen, wenn er durch eins drei blauen Radwegschilder (Zeichen 237, 240 und 241) gekenn­zeichnet ist.

Ist ein Radweg nicht befahr­bar, etwa weil er mit Scherben über­sät oder durch Müll­tonnen oder parkende Autos versperrt ist, dürfen Fahr­radfahrer auf die Straße ausweichen.

Laut einem Urteil des Bundes­verwaltungs­gerichts dürfen benut­zungs­pflichtige Radwege übrigens nur dort ausgewiesen werden, wo das Fahren auf der Straße „eine außer­ordentliche Gefahr“ darstellt – was wiederum bedeutet, dass viele Radwegschilder faktisch fehl am Platz sind. Manche fordern daher: Die blauen Schilder müssen weg.

Gehweg

Kinder dürfen mit ihrem Fahr­rad auf dem Gehweg fahren. Hierbei gelten allerdings bestimmte Alters­grenzen:

Für Kinder unter 9 Jahren schreibt die Straßenverkehrs­ordnung vor, dass diese auf dem Gehweg fahren müssen. Einzige Ausnahme: Der Radweg ist baulich von der Fahr­bahn getrennt, beispiels­weise durch Bord­steine, Park- oder Grün­streifen. Dann dürfen Kinder unter 9 Jahren auch den Radweg nutzen. Radfahr- oder Schutz­streifen auf der Fahr­bahn bleiben aber weiterhin tabu für die Kleinen.

Kinder im Alter von 9 oder 10 Jahren
dürfen Gehwege benutzen; sie müssen aber nicht mehr.
Kinder ab 11 Jahren sowie Erwachsene
dürfen auf dem Gehweg nur radeln, wenn er durch ein Schild für Fußgänger und Radler gemein­sam freigegeben ist (siehe Zeichen 240). Auf gemein­samen Wegen müssen Radfahrer auf Fußgänger Rück­sicht aufeinander nehmen und wenn nötig Schritt­geschwindig­keit fahren.
Erwachsene und Jugend­liche ab 16 Jahren
dürfen auf dem Gehweg fahren, wenn sie dort Kinder unter 9 Jahren begleiten. Die Aufsichts­person darf auch neben den Kindern herfahren.

Handy

Hände ans Lenk­rad.
Fahr­radfahrer sollten beide Hände am Lenk­rad haben. Telefonieren über eine Frei­sprech­einrichtung geht, aber es ist nicht erlaubt, während der Fahrt ein Smartphone, Tablet oder Navigations­gerät in der Hand zu halten (– wohl aber einen Hund an der Leine!). Für das händische Bedienen von tech­nischen Geräten gilt: Rechts ranfahren und anhalten.
Musik.
Musik hören auf dem Rad ist erlaubt. Radfahrer dürfen beim Fahr­radfahren Stöpsel in beiden Ohren haben. Ob In- oder On-Ear-Kopf­hörer, macht keinen Unterschied. Radler müssen allerdings gewähr­leisten, dass sie den Straßenverkehr ausreichend wahr­nehmen. Die Musik darf also nicht so laut sein, dass sie Warn­signale über­hören. Diese Regeln gelten übrigens für Radfahrer und Auto­fahrer gleichermaßen. Auch Autos dürfen nicht als rollende Diskotheken durch die Gegend fahren.

Helm

Fahr­rad und E-Bike.
Für Radler gibt es keine Helm­pflicht. Radler haben auch keine Mitschuld an einem Unfall, nur weil sie ohne Helm fahren. Dieser Irrtum hält sich hartnä­ckig, weil manche Richter die Schaden­ersatz­ansprüche von Radfahrern mindern, wenn die Kopf­verletzung des Fahr­radfahrers durch das Tragen eines Helmes weniger schlimm ausgefallen wäre. In so einem Fall bekommt der Radfahrer zwar weniger Geld, aber für die Schuld­frage ist der Helm nicht relevant. Das Gesetz ist eindeutig: In Deutsch­land müssen nur Fahrer von Kraft­rädern – also Mofa-, Moped- und Motor­radfahrer sowie S-Pedelec-Fahrer – einen Schutz­helm tragen, Radfahrer jedoch nicht. Unfall­forscher sind sich aber einig, dass ein Helm bei Unfällen vor schweren Kopf­verletzungen schützen kann.
Tipp: Gute Helme zeigen unsere Vergleichs­tests Fahrradhelme für Erwachsene und Kinderfahrradhelme.
Renn­rad.
Für Renn­radfahrer kann das Gerichts­urteil noch schärfer ausfallen als für Alltags­radler. Auch für sie gilt: keine offizielle Helm­pflicht; sie laufen aber Gefahr, dass sie für Verletzungen, die ein Helm verhindert hätte, keinen Schaden­ersatz vom Unfall­ver­ursacher bekommen.
S-Pedelec.
Hier verhält es sich wie beim Mofa: Helme sind vorgeschrieben. Für S-Pedelecs werden neben Motor­radhelmen mitt­lerweile aber auch spezielle Helme angeboten. Sie sehen ähnlich aus wie herkömm­liche Fahr­radhelme, sollen dem Kopf aber eine größere Schutz­fläche bieten.

Kreuzungen

Kreuzungen dürfen nicht zuge­parkt werden. Seit 2020 müssen Autos acht Meter Abstand zur Kreuzung halten, wenn es einen baulichen Fahr­radweg gibt. Früher waren es nur fünf Meter.

Für LKW gilt, dass sie beim Abbiegen nur noch Schritt­tempo fahren dürfen, wenn mit Fahr­radfahrern zu rechnen ist.

Lastenrad

Lastenräder und Fahr­räder mit Anhänger, die zu breit für den Fahr­radweg sind, dürfen immer auf der Straße fahren. Übrigens: Die Stiftung Warentest hat auch Kinderfahrradanhänger getestet.

Licht

Bis 2013 mussten alle Radler eine „funk­tionierende „Licht­maschine“, also einen Dynamo haben. Heute sind auch akku- und batterie­betriebene Lampen an Fahr­rädern erlaubt (Fahrradhelm und Beleuchtung). Noch gibt es jedoch einen theoretischen Haken: die Lampe muss fest montiert sein. Mehr dazu in unserer Meldung Dynamo-Pflicht ist abgeschafft.

Linker Radweg

Wie für alle anderen Verkehrs­teilnehmer gilt für Radfahrer das Rechts­fahr­gebot. Geisterfahrer sind und leben gefähr­lich! Einen Radweg auf der linken Seite dürfen Radler nur benutzen, wenn das durch ein Schild ange­ordnet ist. Sonst müssen sie rechts auf der Straße fahren. Der Gehweg ist keine Alternative.

Liegerad

Für Liegefahr­räder gelten dieselben Verkehrs­regeln wie für herkömm­liche Fahr­räder. Liegeräder gelten verkehrs­recht­lich als normale Fahr­räder.

Radschnellweg

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Das grüne Schild „Radschnellweg“ ist seit 2020 in der Straßenverkehrs­ordnung zu finden. Radschnell­wege haben eine ausreichende Breite, sind gut beleuchtet und bis auf wenige Ausnahmen ohne Stopp zu befahren. Auf diesen hoch­frequentierten Straßen können Radler ohne Tempolimit fahren; es handelt sich also quasi um eine Auto­bahn für Fahr­radfahrer.

Zebra­streifen

Der Vorrang an einem Fußgänger­überweg mit Zebra­streifen (Zeichen 293) gilt nach § 26 StVO nur für Fußgänger und Roll­stuhlfahrer. Die Vorzüge eines Zebra­streifens genießen Radfahrer deshalb nur, wenn sie absteigen und schieben. Wer als Radfahrer über den Zebra­streifen rollen möchte, muss den Autos die Vorfahrt lassen und kann dann hinterher­rollen.

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