Fahr­rad Test

Im Praxis­test. Sieben Testfahrer fuhren mit jedem Rad zehn Kilo­meter. Das macht pro Rad 70 Kilo­meter und insgesamt 1 400 Kilo­meter für alle geprüften Modelle.

Mit einem guten Modell macht das Fahren Spaß. Wir können zwölf der zwanzig geprüften Räder empfehlen. Zwei fielen wegen Brüchen im Dauer­test durch.

Die Bundes­bürger fahren auf Radreisen ab. 5,2 Millionen Urlauber radelten im vergangenen Jahr kreuz und quer durch Deutsch­land, am liebsten entlang der Elbe und der Weser, im Ruhr­tal und am Rhein. Eine Radreise, so definiert es der Allgemeine Deutsche Fahr­rad Club ADFC, umfasst mindestens drei Über­nachtungen, eines ihrer Haupt­motive ist das Radfahren selbst. Auch die Zahl der Tages­ausflüge mit dem Rad hat der ADFC gezählt: 150 Millionen im Jahr 2016. Kein Wunder, dass sich reisetaugliche Fahr­räder, genauer: Trekkingräder, in Deutsch­land gut verkaufen – pro Jahr etwa 1,3 Millionen Stück. Sport­lich Ambitionierte nutzen sie aber auch gern in der Stadt.

Für den Test haben wir 20 Trekkingräder von zehn bedeutenden Anbietern ausgewählt, jeweils die Damen­variante mit abge­senktem und die Herren­variante mit hohem Ober­rohr. Alle Räder sind solide mit Ketten­schaltung, LED-Licht­anlage und – bis auf zwei Ausnahmen – mit Scheibenbremsen ausgestattet. Das hat seinen Preis. Die Räder kosten 750 bis 950 Euro.

Bekommen die Käufer eine hohe Qualität für das Geld? Ja, zum Teil. 12 der 20 Trekkingräder sind gut . Nein, heißt es für die Herrenmodelle von Gudereit und Pegasus. Sie scheiden wegen Rahmenbrüchen aus dem Rennen. Auch die fünf Räder, die insgesamt ausreichend abschneiden, sind keine Kauf­empfehlung. Trifft auf Trekkingräder die weit verbreitete Annahme zu, dass Herrenräder konstruktions­bedingt stabiler sind als Damen­varianten? Bei den Modellen für Frauen sitzt das Ober­rohr hinten etwa zwei bis drei Hand­breit tiefer im Vergleich zum Männer­rad. Der Trapez-Rahmen vereinfacht es, aufs Rad zu steigen.

Probleme beim Fahren mit Gepäck

In ausgiebigen Praxis­tests haben erfahrene Radler und Fachleute unter anderem Anfahren, Federungs­verhalten und Schalt­verhalten in der Ebene und am Berg geprüft, die Fahr­stabilität der Räder mit und ohne Gepäck beur­teilt. Ergebnis: Die fahr­stabilsten Damen­räder stellen sogar einige Herrenräder in den Schatten. Unbe­laden fahren sie alle gut, das von Kalkhoff und von Pegasus sogar sehr gut. Mit Gepäck ist ihre Fahr­stabilität gering­fügig bis deutlich spür­bar schlechter als bei den Herrenmodellen; manche schwingen beim Über­fahren von Bodenwellen unangenehm nach.

Insbesondere die Damen­variante des Diamant Elan Deluxe reagiert beladen und bei Tempo 30 so widerborstig auf Unebenheiten, dass manchem Fahrer angst und bange wurde. Die Geschwindig­keit ist schon bei leichtem Gefälle schnell erreicht und der Gepäck­träger mit Reiseutensilien ruck­zuck bis an sein Gewichts­limit – bei allen geprüften Modellen 25 Kilo – beladen.

Nur die Tatsache, dass die Kombination erhöhte Geschwindig­keit plus höhere Gepäck­last kaum den Alltag widerspiegelt, hat das Diamant-Damen­rad vor einem Mangelhaft im Qualitäts­urteil bewahrt. Übrigens offen­bart auch das Diamant-Männer­modell Stabilitäts­probleme beim Fahren mit Gepäck, wenn auch nicht ganz so krass wie sein Schwestermodell.

Bei den Herrenrädern sind Kalkhoff und Raleigh die einzigen, die sogar mit Gepäck sehr gute Ergeb­nisse erzielen. Beide sind die erste Empfehlung für Radler, die mit viel Zuladung reisen wollen.

Herren­rahmen weniger bruch­fest

Fahr­rad Test

Rahmenbruch. Bei einer der Prüfungen handelten sich zwei Räder ihr Mangelhaft ein.

Die Herrenräder fahren sich stabiler als die Damen­modelle, vor allem mit schwerem Gepäck. Doch die steifere Rahmengeometrie der Herrenmodelle führt oft zu Problemen in der Bruch­festig­keit – wie sich im Prüf­labor heraus­stellte. Bei Gudereit und Pegasus brach im Dauer­test der Rahmen. Das ist mangelhaft, weil Sturzgefahr besteht. Die Rahmen von Hercules und KTM zeigten am Ende der Prüfung deutliche Risse. Das führt über kurz oder lang zu Brüchen. Die Rohre hielten aber noch. Deshalb bewerten wir sie mit ausreichend.

Für den Dauer­test zeichnen wir vorab auf einer Mess­fahrt exakt die Belastungen auf, die ein Fahr­rad erdulden muss. Druck- und Zugs­ensoren registrieren jeden noch so feinen Stoß. Im Labor werden die Bauteile der Räder dann genau diesen Belastungen im Zeitraffer ausgesetzt. So simulieren wir eine Strecke von 20 000 Kilo­metern.

Vier der zehn Herrenräder über­standen den harten Test ohne Blessuren. Weitere zwei, Victoria und Kreidler, wiesen nicht sicher­heits­relevante Anrisse an einer Rahmenbohrung beziehungs­weise an der Sattel­stütze auf. Bei den Damen­rädern rissen Victoria, Gudereit und Hercules; die Risse an Gudereit und Hercules waren sicher­heits­relevant. Alle anderen blieben intakt.

Aufs Gewicht achten

Wenn es losgeht zur Radtour müssen Kleidung und Proviant mit an Bord. Die Anbieter legen ein zulässiges Gesamt­gewicht für ihre Räder fest. Die Spanne im Test liegt zwischen 120 und 135 Kilogramm: Gewicht des Fahr­rads plus Gepäck plus Radler. Ein 90-Kilo-Mann darf bei einem Rad, das 17 Kilo wiegt und für 130 Kilogramm zugelassen ist, noch 23 Kilo Gepäck trans­portieren. Wären nur 120 Kilogramm zulässig, blieben dem Mann nur 13 Kilo fürs Gepäck. Das ist wenig für eine längere Radreise.

Kreidler gibt in der Anleitung bei beiden Fahr­rädern ein falsches Höchst­gewicht an: nur 100 Kilogramm. Der Anbieter bestätigte mitt­lerweile, dass 120 Kilo richtig seien.

Vier maue LED-Front­scheinwerfer

Bei der Wahl des richtigen Gefährts spielt auch das Licht eine Rolle. Alle Räder bieten neben dem Nabendynamo LED-Licht vorn und hinten, alle bis auf Gudereit vorn auch eine Standlicht­funk­tion. Steht das Rad, ist ihr Licht noch eine Weile an.

Die Front­scheinwerfer von KTM und Stevens leuchten die Fahr­strecke nur schwach aus, mit einem hellen Spot in der Mitte – sowohl beim Damen- als auch beim Herrenrad. Ihre Note fürs Licht: ausreichend. Wer eines dieser Räder wählt, sollte gleich beim Kauf nach einem besseren Scheinwerfer fragen. Der Händler vor Ort kann die andere Leuchte gleich beim Kauf montieren und weitere Wünsche erfüllen. Gute Gründe dafür, sein Fahr­rad im Fach­handel zu kaufen.

Mehr Test­ergeb­nisse. Auf unserer Über­sichts­seite zum Thema Fahrräder finden sie Prüf­ergeb­nisse für Fahr­radhelme, -Schlösser, E-Bikes und viele Infos rund ums Rad.

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