Fahr­dienste Das sollten Sie über Uber und Co wissen

13.07.2021
Fahr­dienste - Das sollten Sie über Uber und Co wissen
Taxibranche. Im März 2021 demons­trierten Düssel­dorfer und Kölner Taxifahrer mit einem Auto­korso. Sie kritisieren, dass für ihre Konkurrenz nicht dieselben recht­lichen Bedingungen gelten. © picture alliance/dpa

In vielen Städten fahren nicht nur Taxis. Einen Fahr­service vermitteln auch die Apps von Uber oder Free Now. Aber: Trotz gleicher Dienst­leistung gibt es Unterschiede.

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Kommt daher wie ein Taxi – ist aber etwas anderes

Das Hand­ydis­play zeigt den Countdown: Noch 80 Meter entfernt, noch 60 Meter – dann hält ein schwarzes Uber-Auto. Der Fahr­gast hat den Wagen per App gebucht und sieht auf seinem Handy Ankunfts­zeit, Endpreis sowie das Auto­kenn­zeichen. Für Fahr­gäste kommt dieser Service wie ein Taxi daher. Doch es gibt Unterschiede.

Viel Rechts­streit rund um Uber

Die US-amerikanische Firma Uber ist eine Vermitt­lungs­platt­form für Fahr­dienste und hat selbst keine Taxi- oder Mietwagenlizenz. Die Frage, ob dieses Geschäfts­modell zulässig ist, war Gegen­stand vieler Gerichts­prozesse. Am Markt ist Uber noch, weil die Firma mehr­fach ihr Geschäfts­modell änderte.

Heute vermittelt die App Miet­autos mit Fahrer. Die Beför­derung läuft in Deutsch­land über die Firma Safedriver Ennoo oder deren Subunternehmer. Dieses Unternehmen im Hintergrund bemerkt der Fahr­gast nur einmal kurz während des Buchungs­prozesses, wenn er die Geschäfts­bedingungen von Safedriver Ennoo akzeptieren muss. Bezahlung und Rechnung laufen über Uber. Die Autos sind anders als Taxis nicht immer eindeutig als Uber-Autos zu erkennen.

Auch die App von Free Now vermittelt Miet­autos mit Fahrer. Hier heißen sie „Ride“ (siehe Foto unten).

Taxi und Fahr­dienste nutzen

Taxi.
Ein Taxi können Sie per App buchen, etwa über Apps Taxi.eu oder Taxi Deutsch­land und per Telefon, zum Beispiel wenn Sie Ihre örtliche Vorwahl plus 19410 wählen.
Taxi-Alternative.
In vielen Städten können Sie einen Mietwagen mit Fahrer bestellen. Oft ist dies etwas güns­tiger als ein Taxi. Beim Versicherungs­schutz gibt es keinen Unterschied. Buchen können Sie über die Apps von Free Now oder Uber (siehe Übersicht Fahrdienste). In manchen Städten heißen diese Dienste Minicar oder einfach Taxialternative und haben eigene Buchungs­systeme. Busspuren und öffent­liche Warteplätze in der City dürfen sie nicht nutzen.

Was klassische Taxis besonders macht

Taxis sind – anders als Uber-Autos oder Rides – Teil des öffent­lichen Personen­nahverkehrs. Das verschafft ihnen Privilegien: Sie dürfen zum Beispiel Busspuren nutzen und Taxi­stände im öffent­lichen Raum, etwa am Ende von Fußgängerzonen, wo sie auf Fahr­gäste warten. Außerdem dürfen sie spontan Fahr­gäste aufnehmen, die am Straßenrand nach einem Taxi winken.

Ein weiterer Unterschied: Nur Taxis haben eine Beför­derungs- und Bereit­stellungs­pflicht. Sie müssen rund um die Uhr verfügbar sein und das auch zu unrent­ablen Zeiten. Außerdem sind sie verpflichtet, in ihrem Betriebs­gebiet alle Fahr­gäste zu befördern, auch wenn eine Fahrt nur wenige Minuten dauert.

Unterschiede bei den Preismodellen

Spätestens beim Preis bemerkt man den Unterschied zwischen Taxis und ihrer Konkurrenz. Taxis haben einheitliche Tarife, die sie sich von den Kommunen genehmigen lassen müssen. Uber und Ride sind frei in der Preis­gestaltung. Fahr­gäste sehen zwar vor der Buchung in den Apps den Endpreis. Dieser kann sich aber – abhängig von Angebot und Nach­frage – bei künftigen Fahrten ändern.

Bei unseren zwei Preisrecherchen während der Pandemie in Berlin waren die über Uber oder Free Now vermittelten Fahrten immer güns­tiger als ein Taxi. Bei hoher Nach­frage etwa zu Messe­zeiten oder Silvester kann dies anders sein. Die Fach­zeitung Taxi Times stellte uns Screenshots vom Oktober­fest 2019 zur Verfügung: Eine Uber-Fahrt vom Münchener Flughafen zum Oktober­fest kostete fast 120 Euro – gut 40 Euro mehr als mit einem Taxi.

Fahr­dienste - Das sollten Sie über Uber und Co wissen
Handy­bild Free Now App. Wer vier Kilo­meter zum Berliner Haupt­bahnhof fahren möchte, erhielt am 10. Juni 2021 diese sieben Angebote von Free Now. Die App vermittelt Taxis und – wie Uber auch – Mietwagen mit Fahrer, hier Ride genannt. Die App startete 2009 als Mytaxi. © Quelle: Free Now App, Screenshot Stiftung Warentest (M)

Rück­kehr­pflicht für Uber und Ride

Auch für Mietwagen­dienste gibt es Auflagen. Sie müssen nach jeder Fahrt zu ihrem Betriebs­sitz zurück­kehren, sofern sie keinen Folge­auftrag haben. Diese Rück­kehr­pflicht regelt das Personenbe­förderungs­gesetz. Auch dürfen die Fahrer keinen Umweg fahren, um die Zeit bis zum neuen Auftrag zu über­brücken.

Mit dieser Rück­kehr­pflicht soll das Taxigewerbe geschützt werden. Es soll außerdem verhindern, dass zusätzlicher Verkehr durch Autos entsteht, die ziellos ihre Runden drehen. Die Taxibranche kritisiert: Fahr­zeuge der Uber-App würden sich nicht an die Rück­kehr­pflicht halten, was sie unter anderem in einem Gerichts­prozess bewiesen habe (Land­gericht Frank­furt am Main, Az. 3-06 O44/19).

Kontrolle der Rück­kehr­pflicht ist schwierig

Uber sagt, sie hätten eine hoch entwickelte Software, die das Einhalten der Rück­kehr­pflicht sicher­stelle. Fest steht: Kontrollen sind schwierig. Markus Burg­dorf, Sprecher von Taxi Deutsch­land, sagt: „Weder Zoll noch Aufsichts­behörde dürfen Mietwagen aus dem fließenden Verkehr fischen, um die Rück­kehr­pflicht zu über­prüfen, und die Aufsichts­behörden sind wohl über­lastet. Mir sind keine Kontrollen bekannt.“

Gesetzliche Änderungen

Für einen fairen Wett­bewerb zwischen Uber, Rides und Taxi sollen ab August 2021 Änderungen im Personenbe­förderungs­gesetz sorgen. Kommunen dürfen dann für Taxi­bestel­lungen Tarifspannen genehmigen oder Fest­preise für bestimmte Stre­cken – etwa zwischen Bahnhof und Flughafen.

Außerdem dürfen Kommunen mit mehr als 100 000 Einwohnern künftig auch die per App bestell­baren Fahr­dienste regulieren, wenn ihr Markt­anteil über 25 Prozent liegt. Dann hätten sie die Möglich­keit, zum Beispiel die Zahl der Autos oder Preis­unter­grenzen fest­zulegen. In Groß­städten könnte das ein Thema werden. Nicht nur die Autos, die für Uber oder Free Now fahren, werden immer mehr. Seit Juni 2021 vermittelt Bolt, eine dritte interna­tionale Platt­form, hier­zulande Mietwagen­fahrten – zunächst allerdings nur in Berlin.

Dieses Special ist im September 2014 erschienen. Wir haben es zuletzt im Juli 2021 umfassend aktualisiert. Nutzer­kommentare können sich auf eine ältere Fassung beziehen.

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