Fahr­anfänger. Rund 2 600 Euro im Jahr zahlt unser ­Modell­kunde als Neuling für die Versicherung. Einige Tipps helfen, gewaltig zu sparen.

Das Geld fürs erste eigene Auto bekommen Fahr­anfänger oft gerade noch zu­sammen – ein alter Gebrauchter für 1 000 Euro. Aber 2 597 Euro jähr­lich für die Versicherung? So viel müsste ein 19-jähriger Azubi aus Würzburg, unser Modell­kunde, für den teuersten Tarif inklusive Teilkasko zahlen (siehe Tabelle). Ein Preisver­gleich spart enorm Geld: Das güns­tigste Angebot kostet nur 1 089 Euro.

Dass die Police für Anfänger so teuer ist, liegt daran, dass die Versicherer sie im Rabatt­system ungünstig starten lassen – häufig in der Klasse 0 mit 95 Prozent Beitrags­satz. Ein lang­jährig unfall­freier Fahrer in SF 35 zahlt nur 20 Prozent Beitrags­satz. Das heißt: Junge Leute müssen etwa fünf­mal mehr aufbringen.

Doch der Preis­vergleich zeigt: Allein mit der Wahl eines güns­tigen Anbieters können Fahr­anfänger den Preis für ihre erste Auto­versicherung gewaltig drücken. Darüber hinaus gibt es für sie eine Menge Möglich­keiten, zusätzlich Rabatt zu bekommen.

Haft­pflicht plus Teilkasko, Allein­fahrer

Angebot

Beitrag (Euro)

Haft­pflicht plus Teilkasko, Allein­fahrer

Angebot

Beitrag (Euro)

WGV (Basis Select)

1039

Axa Easy (mobil online)

1042

Axa Easy (mobil online Plus)

1051

GVV-Privat (Basis)

1102

Europa (Basis Spar-Kasko)

1103

WGV (wgv-himmelblau Select)

1110

GVV-Privat (Classic)

1132

Ergo Direkt

1134

Huk24 (Basis Select)1

1151

Huk-Coburg Allg. (Basis Select)

1153

Teuerster Tarif im Test

2597

    Stand: 1. September 2015

    Jahres­beiträge kauf­männisch gerundet.

    Azubi im kauf­männischen Bereich, wohnt in Würzburg, fährt meist privat 9 000 km/Jahr einen Honda Civic 1,4 (61 kW) Baujahr 2008, parkt an der Straße, hat keine Punkte in Flens­burg.

    Tarif mit Schutz­brief, Versicherungs­nehmer ist Halter, SF-Klasse 1/2 in Haft­pflicht, Vertrag im Vorjahr schadenfrei, Selbst­behalt in Teilkasko 150 Euro.

    Werk­statt­tarif wenn möglich. Ist ein Tarif güns­tiger im Internet abzu­schließen, ist dieser Preis genannt.

    • 1 Angebot über­nimmt Internet.

    Kein typisches Anfänger­auto kaufen

    Wer sparen will, sollte wissen: Schon beim Kauf des Autos können Anfänger den Versi­cherungs­beitrag beein­flussen. Die Versicherer stufen jedes Fahr­zeugmodell in eine Typklasse ein, je nachdem wie häufig es in Unfälle verwickelt ist. Dafür er­fas­sen sie die Kosten der Schaden­regu­lie­rung für rund 22 000 Modelle.

    In der Kfz-Haft­pflicht reicht das Spektrum von Klasse 10 bis 25, in der Teilkasko von 10 bis 33, in der Voll­kasko von 10 bis 34.

    Je höher die Typklasse, desto höher ist auch der Jahres­beitrag. Doch ausgerechnet preisgüns­tige alte Gebraucht­wagen, die bei Anfängern mit kleinem finanziellen Budget ­beliebt sind, sind meist in teuren Klassen einge­stuft. Der Grund: Führer­scheinneulinge bauen öfter Unfälle als der Durch­schnitt der Versicherten.

    Teures Auto spart Beitrag

    Um zu sparen, kann es sogar lohnens­wert sein, sich beim Kauf für ein etwas teureres Auto zu entscheiden. Den höheren Preis kann man anschließend bei der Versiche­rungs­prämie wieder einsparen. Mit anderen Worten: Wer ein güns­tiges Auto für Fahr­anfänger sucht, darf kein typisches Auto für Fahr­anfänger nehmen.

    Beispiel: Der Haft­pflicht­schutz für einen Opel Astra 1.2, Baujahr 2000, Typklasse 16, kostet unseren Modell­fahrer in Würzburg zum Beispiel im güns­tigen Basis­tarif der Allsecur 1 441 Euro im Jahr. Für einen gleich alten Astra, aber mit 1.7 Liter Dieselmo­tor, Typklasse 20, müsste er 2 181 Euro zahlen.

    Mit dem Benziner spart der junge Modell­kunde also 740 Euro Jahres­beitrag. Selbst wenn er den Wagen nur zwei Jahre fährt und im zweiten Jahr der Versicherungs­beitrag güns­tiger ist und damit die Beitragser­spar­nis nied­riger, könnte er für den Astra mit Benzin­motor deutlich über 1 000 Euro mehr als Kauf­preis bezahlen als für die Diesel­ausführung. Zwar verbraucht der Benziner mehr Sprit als der Diesel, dafür wird aber auch sein Wieder­verkaufs­wert wegen des höheren Anschaffungs­preises höher liegen.

    Auch Preis und Verbrauch wichtig

    Entscheidend für das Spar­potenzial sind am Ende natürlich auch Kauf­preis und Sprit­verbrauch des Autos.

    Anders als früher spielt die Motor­leistung beim Versicherungs­beitrag heute keine tragende Rolle mehr. Bei der Typklassen­einstufung sind zahlreiche PS-starke Boliden sogar vergleichs­weise günstig. Der Grund ist, dass das Unfall­risiko bei ihnen geringer ist, weil sie oft nicht so viel gefahren werden – anders als kleine, preisgüns­tige Stadt­flitzer.

    Tipp: Unter www.typklasse.de können Sie finden, welches Fahr­zeugmo­dell in welcher Typklasse einge­ordnet ist. Die Suchmaske ist leider nicht komforta­bel. Interes­senten können nur die Klasse für ein konkretes Modell abfragen. Wer praktisch denkt und eine Liste von Autos mit nied­rigen Typklassen sucht, wird enttäuscht. Das bietet die Seite, die der Gesamt­verband der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft (GDV) betreibt, bisher nicht.

    Etwas weiter hilft die Autoampel. Dort steht ein nach Typklassen sortiertes Verzeichnis – allerdings ohne die Baujahre, in denen die verschiedenen Pkw-Mo­delle hergestellt wurden. Das jedoch wäre hilf­reich. Denn wer seine Suche in den güns­tigsten Typklassen beginnt, findet zum Beispiel in Klasse 10 fast ausschließ­lich Oldtimer oder angehende Oldtimer – hunderte.

    Solche Lieb­haber­autos werden in der ­Regel nur selten gefahren und sind daher auch seltener in Unfälle verwickelt. Für Fahran­fän­ger sind Oldtimer nicht gerade ­erschwing­lich oder kommen aus anderen Gründen wie beispiels­weise hohen Werkstatt­kosten nicht infrage. Autos, die preislich eher zu Fahr­anfängern passen, finden sich erst, wenn man die Liste durch­scrollt bis zu höheren Typklassen.

    Am begleiteten Fahren teilnehmen

    Sparen können Fahr­anfänger, wenn sie am begleiteten Fahren ab 17 Jahren teilge­nom­men haben. Bis zu 14 Prozent Preis­vorteil erhält der 19-jährige Modell­kunde bei manchen Versicherern. Der junge Mann könnte schon auf diese Weise gut 150 Euro Jahres­beitrag sparen.

    Nicht jeder Versicherer fördert das begleitete Fahren mit güns­tigeren Beiträgen. Bei einigen Anbietern fällt die Jahres­rechnung in gleicher Höhe aus, egal ob Teil­nahme am begleiteten Fahren oder nicht.

    Andere Gesell­schaften geben zusätzlich Rabatt für ein Fahr­sicher­heits­training. Das gilt für die Kfz-Haft­pflicht und die Voll­kasko. Wer diesen Rabatt möchte, muss der Versicherung eine Bestätigung über seine Kurs­teil­nahme vorlegen.

    Tipp: Viele Berufs­genossenschaften fördern solche Trainings und über­nehmen 50  Euro Kurs­gebühr, bei Berufs­fahrern auch deutlich mehr. Infos gibt der ADAC, Such­wort „Berufs­genossenschaft“.

    Beim Versicherer der Eltern fragen

    Es gibt noch einige weitere Möglich­keiten, bei der Auto­versicherung Geld zu sparen. Einige davon zeigen die Tabellen ab . Oft können Führer­scheinneulinge einen wei­teren Preis­nach­lass heraus­holen, wenn sie ihr Auto bei der selben Gesell­schaft wie ihre Eltern versichern. Dann wird der Wagen in der Regel in die Schadenfrei­heits­klasse 1/2 mit 75 Prozent einge­stuft, bei einigen Versicherern kann es sogar noch güns­tiger sein.

    Als Zweitwagen der Eltern anmelden

    Junge Leute können ihr erstes eigenes Auto auch als Zweitwagen der Eltern anmelden. In der Regel stufen die Versicherungs­unter­nehmen es dann ebenfalls in Schadenfrei­heits­klasse 1/2 ein. Nach etwa drei Jahren können Sohn oder Tochter den bis dahin erreichten Schadenfrei­heits­rabatt offiziell auf sich über­tragen lassen. Sie müssen dafür aber nach­weisen, dass sie das Auto regelmä­ßig gefahren haben.

    Opas Rabatt auf den Enkel über­tragen

    Viele Versicherer erlauben es, dass ältere Fahrer ihren Schadenfrei­heits­rabatt auf Jüngere über­tragen, zum Beispiel der Groß­vater auf den Enkel. Dem Anfänger werden aber nur so viele Jahre gutgeschrieben, wie er schon den Führer­schein besitzt. Manche Anbieter erlauben eine Rabatt­über­tragung nur unter Ehe- oder Lebens­part­nern.

    Kann das Moped sparen helfen?

    Wer früher einmal Zweirad fuhr, profitiert manchmal bei der Auto­versicherung. Fahr­anfänger, die vorher ein Mofa oder Moped auf sich zugelassen hatten, bekommen bei einigen Versicherungs­gesell­schaften Rabatt für ihre Kfz-Police.

    Tipp: Einen Preis­vergleich für Ihre persönlichen Vorgaben bietet wir in unserer Kfz-Versicherungsvergleich an. Wir nennen Ihnen güns­tige Anbieter für Ihre individuellen Wünsche.

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