Schweiger auf Papier. Der Schauspieler kam nicht persönlich zum Prozess.

Private Nach­richten einer Person darf der Adressat nur in Ausnahme­fällen im Internet öffent­lich machen. Das zeigt der Fall des bekannten Schauspielers Til Schweiger. Er landete vor Gericht , weil er einen privaten Facebook-Kommentar ins Netz gestellt hatte. Die Richter mussten das Recht auf freie Meinungs­äußerung gegen das Persönlich­keits­recht abwägen. test.de erklärt die Gerichts­entscheidung.

Private Nach­richt auf Facebook veröffent­licht

Darf Til Schweiger eine Nach­richt aus einem Privatchat mit einer Kritikerin veröffent­lichen? Diese Frage hatte das Land­gericht Saarbrücken zu beant­worten. Was war passiert? Drei Tage nach der Bundes­tags­wahl im September 2017 hatte eine Frau aus dem Saar­land den Schauspieler unter ihrem echten Namen ange­schrieben. Dafür nutzt sie den nicht öffent­lich einsehbaren Nach­richten­dienst „Facebook-Messenger“. Sie schrieb: „Sie wollten doch Deutsch­land verlassen. Warum lösen Sie Ihr Versprechen nicht endlich ein. Ihr Demokratie­verständnis und Ihr Wort­schatz widern mich an. Mfg“ Schweiger antwortete ihr privat: „hey schnuffi ...! date!? nur wir beide?!“. Von der Unterhaltung machte er einen Screenshot und veröffent­lichte ihn auf seiner Facebook-Seite. Die Seite von Til Schweiger hat rund 1,5 Millionen Fans.

Meinungs­freiheit gegen Privatsphäre

Nach Veröffent­lichung des Chats wurde die Frau Ziel von Spott und Häme im Internet. Vor dem Land­gericht Saarbrücken verlangte sie die Löschung des Screenshots. Die Richter wogen das Recht des Schauspielers auf freie Meinungs­äußerung mit dem allgemeinen Persönlich­keits­recht der Frau ab. Ergebnis: Die Veröffent­lichung des Chats verletzte zwar das Persönlich­keits­recht der Frau. Das Recht Schweigers, im Rahmen des politischen Meinungs­kampfes seine Meinung zu äußern, über­wiege aber, so das Gericht. Die Veröffent­lichung des Privatchats sei „noch“ gerecht­fertigt gewesen (Az. 4 O 328/17).

Besser vorsichtig sein

Zum Nachteil der Frau wertete das Gericht unter anderem, dass sie den privaten Chat kurz nach der Veröffent­lichung von Schweiger selbst auch öffent­lich gemacht hatte – in einem Internetforum mit 25 000 Mitgliedern. Die Entscheidung des Land­gerichts basiert auf den Umständen des Einzel­falls und einer Abwägung, die vor einem anderen Gericht auch zugunsten der Frau hätte ausfallen können. Daher tun Internetnutzer gut daran, private E-Mails oder Chat-Nach­richten anderer besser nicht im Netz zu veröffent­lichen.

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