Facebook Freundefinder Meldung

Das Land­gericht Berlin hält den Freundefinder des sozialen Netz­werks Facebook und die zugrunde liegenden Geschäfts­bedingungen für rechts­widrig. Setzen Nutzer den Freundefinder ein, werden sämtliche Kontakte im Mail­programm des Nutzers zu Facebook geschickt.

Private Daten wandern zu Facebook

Der Freundefinder von Facebook ist Verbraucherschützern schon länger ein Dorn im Auge Facebook: Brisante Daten. Mit ihm erlauben Facebook-Nutzer dem Netz­werk, das eigene Adress­buch von ihrem Computer einzulesen. So gelangen Namen, E-Mail-Adressen und Telefon­nummern von Menschen zu Facebook, die gar nichts davon wissen – und vielleicht auch gar nicht wollen. Sie bemerken das erst, wenn sie eine E-Mail bekommen, in der sie von Facebook zum Mitmachen aufgefordert werden. Facebook preist den Freundefinder als nützlich, da er neuen Facebook-Teilnehmern helfen kann, Bekannte zu finden, die schon beim sozialen Netz­werk mitmachen.

Gericht hält Freundefinder für rechts­widrig

Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) ist der Ansicht, dass Facebook über das Ausmaß des Daten­trans­fers nicht ausreichend informiert und hatte Facebook deshalb im vergangenen Jahr abge­mahnt. Da Facebook an der Praxis zunächst nichts ändern wollte, zogen die Verbraucherschützer vor das Land­gericht Berlin. Das hat jetzt entschieden – und teilt die Bedenken. Nach Auskunft des vzbv hält das Gericht den Freundefinder für rechts­widrig, da Facebook nicht deutlich genug darauf hinweist, dass es das gesamte Adress­buch zu Facebook importiert und für Freundes­einladungen nutzt. Es kritisierte auch die Facebook-Praxis selbst, bei der Bekannte des Nutzers Einladungen von Facebook erhalten, ohne je in solche Werbung einge­willigt zu haben. Das Gericht habe der Klage „in vollem Umfang“ statt­gegeben, teilte der vzbv mit.

Auch neue Fassung des Freundfinders in der Kritik

Facebook teilte test.de auf Anfrage mit, dass das Unternehmen zunächst die schriftliche Begründung der Entscheidung abwarten werde, bevor es über weitere Schritte entscheide. Weitere Schritte heißt: Der Rechts­streit könnte weitergehen. Facebook könnte sich aber auch daran machen, die Informationen rund um den Freundefinder zu verbessern. Ob das aber ausreicht, um den Freundefinder recht­lich abzu­sichern, ist völlig unklar. Schließ­lich würden Dritte, deren Daten zu Facebook fließen, auch dann nicht ausreichend darüber informiert.

Gerd Billen: Verfahren immer noch intrans­parent

Tatsäch­lich hatte Facebook die Informationen zur Nutzung des Freundefinders nach Beginn des Klage­verfahren schon etwas modifiziert. Nach Auskunft des vzbv ändere das aber nichts an der Kritik. Der Freundefinder in seiner jetzigen Ausgestaltung sei immer noch nicht trans­parent genug. „Dass man Facebook sein komplettes Adress­buch über­lässt, ist nach wie vor nicht ohne Weiteres erkenn­bar“, kritisiert vzbv-Vorstand Gerd Billen.

Gericht sieht noch weitere Schwächen im Klein­gedruckten

Das Land­gericht Berlin kritisierte dem vzbv zufolge das Unternehmen Facebook noch in einem weiteren Punkt: Das soziale Netz­werk räume sich im Klein­gedruckten ein umfassendes welt­weites und kostenfreies Recht an der Nutzung von Inhalten seiner Mitglieder ein. Das gehe aber zu weit. Bei eigenen Bildern oder Musikstücken aber etwa verbleibe das Urheberrecht bei den Nutzern. Facebook dürfe diese Inhalte nur mit Zustimmung der Mitglieder verwenden. Als rechts­widrig stufte das Gericht demnach zudem eine stan­dardisierte Einwilligungs­erklärung ein, mit dem Nutzer der Verarbeitung ihrer Daten zu Werbe­zwecken zustimmen müssen.

Tipp: Wenn Sie Facebook-Nutzer sind, sollten Sie den Freundefinder ablehnen. Haben Sie ihn schon genutzt oder sind ihre Daten gegen Ihren Willen zu Facebook geflossen, können sie etwas unternehmen. test.de hat die wichtigsten Links zum Löschen von Daten zusammen­gestellt Daten löschen leicht gemacht. Was Sie beachten sollten, wenn Ihr Facebook-Konto auf die neue „Chronik-Ansicht“ umge­stellt wird, lesen Sie im Special „Chronik“ wird Pflicht. Die Stiftung Warentest hat eine eigene Seite bei Facebook. Dort finden Sie Informationen über die Arbeit der Stiftung Warentest – und kritische Bericht­erstattung auch über Facebook. Zahlreiche Informationen über die Rechter von Internetnutzer bietet der vzbv unter www.surfer-haben-rechte.de.

Land­gerichts Berlin: Urteil vom 06.03.2012
Aktenzeichen:
16 O 551/10 (nicht rechts­kräftig)

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