„Gratis“-Zeit­schriften können teuer werden, erlebte Renate Gerlach, 84, aus Friedrichroda in Thüringen.

Verbraucher beschweren sich über die Werbe­methoden des Bonner FID Verlags. So auch die Rentnerin Renate Gerlach. Sie bestellte eine Gratis-Zeit­schrift. Anschließend soll sie für ein Abo zahlen.

Das Wort „Gratis“ ist groß geschrieben

Renate Gerlach ist 82 Jahre alt, als sie 2017 beim FID Verlag aus Bonn eine „GRATIS-Test-Ausgabe“ der Zeit­schrift „Haus­arzt für Deutsch­land“ bestellt. Sie hofft auf Tipps für ihre Knie­beschwerden. Das Bestell­formular liegt Finanztest vor: Das Wort „Gratis“ ist mehr­mals groß­geschrieben oder fett­gedruckt. Der Hinweis, dass ein kosten­pflichtiger Vertrag entsteht, wenn die Kundin nach Erhalt der Test­ausgabe nicht binnen 30 Tagen reagiert, ist kleiner und nicht fett­gedruckt. Gerlach sieht den Hinweis nicht. Wenige Wochen später kommt eine Zahlungs­erinnerung. Gerlach soll laut erster Rechnung 39,88 Euro zahlen. Als Tochter Anke davon erfährt, kündigt sie sofort. Aber der FID Verlag besteht auf Bezahlung der Rechnung.

Vehemenz gegen­über dem Verlag zahlt sich aus

Im Sommer 2019 erhält die Rentnerin wieder eine Werbebroschüre des FID Verlags. Wieso, lässt sich nicht mehr fest­stellen. Jedenfalls bestellt Renate Gerlach, nun 84 Jahre, eine „kostenlose Probeausgabe“ von „Gesund und fit mit Prof. (DHfPG) Dr. med. Thomas Wessinghage“. Auch diese Probeausgabe geht in ein kosten­pflichtiges Abo über, wenn die Kundin nichts tut. Diesmal wehrt sich Tochter Anke energischer. Schließ­lich hatte sie den „Haus­arzt“ für ihre Mutter mit dem Hinweis gekündigt, jegliche Kommunikation mit der Mutter einzustellen. Ihre Vehemenz zahlt sich aus. Der FID Verlag verzichtet auf seine Forderungen.

So reagiert der Verlag auf Nach­frage

Gegen­über Finanztest bestreitet der FID Verlag, dass in seinen Bestell­scheinen nicht deutlich auf die Kosten nach der Gratis­phase hingewiesen werde. Bei den Negativbe­wertungen im Internet von „vermeintlichen Kunden“ handele es sich um eine kleine Zahl, die außer Verhältnis zur Zahl „unserer zufriedenen Kunden“ stehe. Man habe kein Interesse daran, „Kunden, die aufgrund ihres Alters und damit einhergehender gesundheitlichen und geistigen Einschränkungen unsere Bestell­scheine nicht verstehen können, gegen ihren Willen an uns zu binden“.

Tipp: Seien Sie bei Gratis­angeboten besonders miss­trauisch, lesen Sie das Klein­gedruckte.

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