FAQ Widerruf von Immobilien­krediten Special

Wer seinen Vertrag widerrufen will, muss meist Widerstand über­winden.

Seit Finanztest über „Millionen fehler­hafter Kredite“ berichtete, haben zehn­tausende Kunden ihre teuren Immobilien­kredite widerrufen. In jedem Einzel­fall geht es um tausende von Euro und insgesamt um viele Milliarden. Die Rechts­lage ist eindeutig: Wenn die Widerrufs­belehrung falsch ist, dürfen Kreditnehmer auch Jahre nach dem Vertrags­schluss noch widerrufen und sich einen neuen Kredit suchen. Im Special So kommen Sie aus teuren Kreditverträgen raus hat Finanztest fast 300 außerge­richt­liche und gericht­liche Erfolge im Kampf um das Widerrufs­recht aufgelistet. Die Verbraucherzentralen haben mitt­lerweile an die 40 000 Verträge geprüft. In mehr als 80 Prozent der Verträge fanden sie Fehler. Trotz der klaren Rechts­lage verweigern Banken und Sparkassen in vielen Fällen den Widerruf ganz oder teil­weise. Finanztest sagt, wie Kunden richtig reagieren und wie sie zu ihrem Recht kommen.

Ihre Fragen, unsere Antworten

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Wer sollte seinen Kredit­vertrag widerrufen?

Haben Sie zwischen 2002 und 2010 einen hoch­verzinsten Immobilien­kredit­vertrag abge­schlossen? Dann können Sie ihn höchst­wahr­scheinlich widerrufen und viele tausend Euro Zinsen sparen. Im Special So kommen Sie aus teuren Kreditverträgen raus finden Sie Hilfe beim Widerruf.

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Welche Banken sind es eigentlich, die fehler­hafte Kredit­verträge haben?

Schauen Sie in der Tabelle der Verbraucherzentrale Hamburg, ob Ihre Bank unter den Instituten ist, in deren Verträgen Verbraucherzentralen Fehler gefunden haben. Grund­lage der Liste sind mehr als 3 000 Verträge. Hilfe beim Widerruf bietet unser Special So kommen Sie aus teuren Kreditverträgen raus.

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Wie soll ich mit der Bank ins Gespräch kommen?

Rechnen Sie mit Vorwürfen, wenn Sie bei Ihrer Bank nach einer Ausstiegs­möglich­keit fragen. Oft werden Sie hören, Sie wollten von einem bloß formalen Fehler profitieren. Doch die Rechts­lage ist eindeutig. Lassen Sie sich nicht mora­lisch unter Druck setzen. Banken bestehen auch darauf, alles zu bekommen, was ihnen zusteht.

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Ich habe widerrufen und die Bank bietet mir an, den Vertrag mit verringertem Zins fort­zusetzen. Kann ich mich darauf einlassen?

Wenn das Angebot passt und Sie sonst noch jahre­lang hohe Zinsen zahlen müssten: Sehr gern. Prüfen Sie, wie viel Zinsen Sie künftig zahlen sollen. Vergleichen Sie das Angebot mit den Zins­sätzen, die Sie bei Neuabschluss eines Vertrags zahlen müssten. Das ist mit den Rechnern von Onlineanbietern wie Interhyp, Hypotheken­discount oder Dr. Klein schnell erledigt.

Die Reduktion des Zins­satzes auf das heute übliche Niveau ohne Verschlechterung der anderen Konditionen ist ein akzeptables Angebot. Bei Fehlern in der Widerrufs­belehrung, zu denen es noch keine eindeutige Recht­sprechung gibt, ist auch ein Zins­satz über dem Markt­niveau annehm­bar.

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Ich habe den Kredit bei meiner Haus­bank aufgenommen. Die droht jetzt mit Kündigung aller Verträge. Darf sie das denn?

Nein, Ihnen die Konten zu kündigen, weil Sie Ihre Rechte wahr­nehmen, ist natürlich rechts­widrig. Es ist aber möglich, dass die Bank künftig gegen Sie entscheidet, wann immer sie einen Spielraum hat. Wenn Sie – etwa als Unternehmer oder Freiberufler mit wechselndem Kreditbedarf – auf die Bank oder Sparkasse angewiesen sind, bleibt Ihnen bei solchen Reaktionen nichts übrig, als entweder sofort nach Alternativen zu schauen oder zu versuchen, zu einer gütlichen Einigung zu kommen.

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Die Widerrufs­belehrung ist fehler­haft. Trotzdem stellt sich die Bank stur. Was kann ich tun?

Die Verbraucherzentrale hat mir bestätigt: Die Widerrufs­belehrung ist falsch. Trotzdem verweigert die Bank den Widerruf. Was kann ich tun?

Zunächst sollten Sie die Raten ab sofort nur noch unter Vorbehalt zahlen. Sie behalten so die Möglich­keit, Erstattung zu fordern. Falls Sie für den Widerruf unseren Mustertext benutzt haben: Der enthält bereits einen solchen Vorbehalt.

Sie sollten sich dann von einem in Widerrufs­fällen erfahrenen Rechts­anwalt, der möglichst schon andere Kreditnehmer Ihrer Bank erfolg­reich vertreten hat, beraten lassen. Bei der Suche helfen unsere Listen Gerichtliche und außergerichtliche Erfolge und Diese Anwälte waren bereits erfolgreich.

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Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich einen Rechts­anwalt einschalte?

Die Erst­beratung kostet höchs­tens 226 Euro. Viele Kanzleien bieten sie güns­tiger oder kostenlos an. Wird der Anwalt danach für Sie tätig, hängt sein Honorar vom Streit­wert ab. Es kommt darauf an, womit genau Sie ihn beauftragen. Oft ist es möglich, den Streit zunächst auf die Forderung eines Teil­betrags zu beschränken.

Geht es um 100 000 Euro, kostet die außerge­richt­liche Tätig­keit eines Rechts­anwalts 2 350 Euro. Kommt es zu einer Einigung, sind weitere 2 700 Euro fällig. Üblicher­weise verlangen Rechts­anwälte einen Vorschuss auf ihr Honorar, bevor sie tätig werden. Hat die Bank den Widerruf rechts­widrig verweigert, muss sie alle Kosten über­nehmen. Kommt es zu einer Einigung, zahlen Sie oder Ihre Rechts­schutz­versicherung in der Regel zumindest einen Teil der Rechnung Ihres Rechts­anwalts selbst.

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Wenn ich keine passende Rechts­schutz­versicherung habe: Kann ich trotzdem vor Gericht ziehen?

Ja, Sie müssen aber Chancen und Risiken abwägen. Bei einem Streit um 100 000 Euro summieren sich Anwalts­honorare und Gerichts­kosten auf mindestens 12 068 Euro allein für die erste Instanz. Die Gerichts­kosten (3 078 Euro) müssen Sie zahlen, wenn Sie Klage einreichen. Ihr Anwalt wird auch oft einen Vorschuss auf sein Honorar (mindestens 4 495 Euro) fordern.

Wenn Sie Pech haben, geraten Sie an Richter, die Ihre Klage trotz fehler­hafter Belehrung wegen angeblicher Verwirkung abweisen. Einzelne Land­gerichts­kammern haben das schon getan. Auch bei der Bewertung von Widerrufs­belehrungen sind manche Richter gegen­über Banken und Sparkassen groß­zügiger als die meisten Ober­landes­gerichte und der Bundes­gerichts­hof.

Solche Urteile werden zwar in der nächsten Instanz wahr­scheinlich aufgehoben, aber das dauert und kostet zunächst noch mal extra. Wenn Sie auf halben Weg aufgeben, bleiben Sie auf allen Kosten sitzen.

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Was passiert, wenn ich einen Prozess­kosten­finanzierer einschalte?

Bieten Prozess­kosten­finanzierer Unterstüt­zung an? Ich habe gehört, dass solche Firmen das Risiko gegen eine Erfolgs­beteiligung über­nehmen.

Im Einzel­fall ja. Die Roland Prozess­finanzierung prüft mehrere Fälle. Bedingung: Der Streit­wert muss – sofern Sie noch nicht Roland-Kunde sind – mindestens 100 000 Euro betragen. Ihr Anwalt muss den Entwurf einer Klageschrift einreichen.

Bei guten Erfolgs­aussichten über­nimmt der Finanzierer das Prozess­risiko. Sie müssen also nichts zahlen, wenn Sie vor Gericht verlieren. Dafür bekommt das Unternehmen einen Teil Ihres Gewinns, wenn das Gericht Ihnen recht gibt.

Lehnt der Finanzierer Ihren Fall ab, müssen Sie den Klageentwurf selbst bezahlen.

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Kann ich mich darauf verlassen, eine Anschluss­finanzierung zu finden?

Einzelne Banken und Kredit­vermittler machen Kreditnehmern, die ihren aktuellen Vertrag widerrufen wollen, kein Angebot für eine Anschluss­finanzierung. Die meisten Immobilien­finanzierer jedoch haben damit kein Problem. Ein paar Leser haben sogar berichtet, dass ihr Kreditanbieter sie beim Widerruf des alten Vertrags unterstützt hat.

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Steht mir denn nicht auch die Rück­abwick­lung des gesamten Darlehens zu?

Richtig: Nach einem Widerruf muss Ihr Kredit­geber Ihnen alle Raten plus Zinsen in Höhe von aktuell 4,17 Prozent erstatten. Sie müssen der Bank im Gegen­zug den Kredit zurück­zahlen und eine Nutzungs­entschädigung für die Zeit bis zum Widerruf. Als Entschädigung ist der bei Abschluss des Vertrags markt­übliche, höchs­tens jedoch der vereinbarte Zins fällig. Einzel­heiten der Berechnung sind aber umstritten. Außerdem droht Ärger mit dem Finanz­amt. Nach Ansicht vieler Steuerrechtler müssen Sie die Zinsen versteuern, die Ihnen die Bank auf Ihre Raten zu zahlen hat. Die Zinsen, die Sie an die Bank zahlen müssen, dürfen Sie aber nicht gegen­rechnen. Wenn es dabei bleibt, lohnt sich die Rück­abwick­lung oft nicht. Trotz guter Erfolgs­aussichten sollten Sie Chancen und Risiken gut abwägen.

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