FAQ Urlaub im Wohn­mobil Special

Die große Freiheit auf den Lofoten in Norwegen – bequem mit dem Wohn­mobil erreicht.

Urlaub im Wohn­mobil liegt im Trend. Rund 480 000 solcher Fahr­zeuge sind in Deutsch­land zugelassen. Jähr­lich macht rund eine Million Deutsche Urlaub im Reisemobil – im eigenen oder im gemieteten. Sie verbinden damit Unabhängig­keit und Komfort. Beim Reisen im Camper gibt es aber vieles zu beachten – nicht nur beim Parken. In unseren FAQ geben wir Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ihre Fragen, unsere Antworten

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Darf ich an der Straße parken und dort im Wohn­mobil über­nachten?

Eine Nacht ist meist erlaubt. In Deutsch­land darf man sich im Auto ausruhen, also auch ein Nickerchen machen, um für die Weiterfahrt wieder fit zu sein. Das gilt auch im Wohn­mobil und in der Regel auch über Nacht. Aber es ist wirk­lich nur Ausruhen erlaubt. Meist werden dafür zehn Stunden als ausreichend erachtet. Zwei Nächte oder mehr gelten nicht als Erholungs­pause und sind nicht erlaubt.

Im Ausland ist das meist anders geregelt. Eine Über­sicht, wo Über­nachten oder freies Campen erlaubt ist, stellt der ADAC bereit.

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Darf ich im Wohn­mobil vor dem Haus Besuch über­nachten lassen?

Nein, streng genommen nicht. Das Wohn­mobil als ausgelagertes Gästezimmer zu nutzen, dient nicht dem Ausruhen für die Weiterfahrt, sondern wäre eine Sondernut­zung des Straßenraums. In der Praxis wird aber kaum eine Stadt oder Gemeinde eingreifen, solange es sich nur um eine Nacht handelt.

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Darf ich parken, wenn ein Schild sagt: „Nur für Pkw“?

Nein, Wohn­mobile über 2,8 Tonnen zulässigem Gesamt­gewicht – und das sind die meisten Reisemobile – gelten in Deutsch­land nicht als Pkw. Sie dürfen auf solchen Park­plätzen nicht stehen. Dasselbe gilt, wenn für Pkw das Parken mit zwei Rädern auf dem Gehweg erlaubt ist. Anders ist das, wenn auf dem Schild lediglich „Park­platz“ steht. Dort sind Wohn­mobile erlaubt. Die Insassen dürfen aber nicht campieren, also Tische oder Stühle heraus­stellen. Dagegen dürfen sie die Camping­ausstattung im Auto benutzen. Grund­sätzlich gilt: Erlaubt ist Parken dort, wo es die Straßenverkehrs­ordnung zulässt und es nicht ausdrück­lich verboten ist. Es gelten die üblichen Regeln, zum Beispiel, dass das Fahr­zeug nicht über vorgezeichnete Park­flächen hinaus­ragen darf.

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Was ist bei Supermärkten? Dort stehen oft Schilder: „Nur Pkw“.

Streng genommen sind dann nur Pkw erlaubt, nicht also Wohn­mobile über 2,8 Tonnen. Zweck dieser Schilder ist aber wohl eher, dass Wohn­mobile die Fläche nicht als Stell­platz über Nacht nutzen. Die Firma Lidl antwortete auf unsere Anfrage: „Selbst­verständlich dürfen Sie für Ihren Einkauf mit Ihrem Wohn­mobil auf unseren Park­plätzen parken. Lediglich ein Über­nachten ist nicht gestattet.“

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Vor unserem Haus steht das Wohn­mobil des Nach­barn. Park­raum ist hier knapp. Darf es monate­lang am Straßenrand parken?

Ja, da behandelt die Straßenverkehrs­ordnung Wohn­mobile wie normale Pkw. Solange das Fahr­zeug zugelassen und verkehrs­tüchtig ist, darf es theoretisch unbe­grenzt dort bleiben, wenn es nicht gegen Verkehrs­regeln verstößt. Zum Beispiel müssen ab Außenspiegel mehr als drei Meter Rest­breite der Fahr­bahn bleiben. Anders ist das bei Wohn­anhängern. Ohne Zugmaschine dürfen sie maximal 14 Tage im öffent­lichen Verkehrs­raum parken.

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Gilt die deutsche Umwelt­zone auch für Wohn­mobile?

Ja. Die Umwelt­zonen gelten auch für Wohn­mobile. Vor allem für ältere Fahr­zeuge sind viele Städte deshalb Sperr­gebiet. Sie dürfen dort auch keine Stell­plätze ansteuern. Einige Städte machen Ausnahmen und erlauben die Zufahrt zu inner­städtischen Stell­plätzen.

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Der Verleiher sagt, ich solle besser nicht mit vollen Wasser­tanks fahren, weil dann das zulässige Gesamt­gewicht schnell über­schritten wird.

Dieses Problem stellt sich immer häufiger. Einige Hersteller bauen zwar Tanks mit 150 Liter Volumen ein, aber bei der Berechnung der erlaubten Zuladung befüllen sie die Tanks mit nur 10 Litern. Ob das erlaubt ist, ist juristisch umstritten. Das Ober­landes­gericht Nürn­berg stellte klar, ein Reisemobil werde zum Reisen und zum Wohnen genutzt. Daher müsse genug Wasser für die Insassen an Bord sein. Wenn bei voll befüllten Tanks nur 300 Kilo Zuladung inklusive der Menschen an Bord blieben, sei das zu wenig, jedenfalls bei einem 7,5-Tonnen-Mobil (Az. 4 U 372/01).

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Darf ich Dusch- oder Spül­wasser am Straßenrand ablassen, wenn es dort in einen Gully läuft?

Nein. Die deutsche Straßenverkehrs­ordnung verbietet es, die Straße zu beschmutzen. Sie dürfen Abwasser – auch wenn es nur Spül­wasser ist – nicht auf der Straße ablassen. Auch das Einleiten in die Kanalisation ist verboten. Das gilt erst recht für den Inhalt von Fäkal­tanks oder trag­baren Toiletten.

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Gibt es Versicherungen gegen Einbruch und Diebstahl?

Ja, egal ob das Wohn­mobil gekauft oder gemietet wird: Wer sich gegen Diebe wappnen will, kann eine Reisege­päck­versicherung abschließen. Allerdings greifen viele Verträge nicht nachts zwischen 22 und 6 Uhr. Alternativ bieten einige Gesell­schaften Inhalts­versicherungen für Reisemobile. Beim ADAC zum Beispiel greift die Camping­police für Reisefahr­zeuge bei Diebstahl, Beschädigung des Inventars durch Unfall sowie Bruch­schäden an der Außen­verglasung. Bei Schäden an der Unterhaltungs­elektronik zahlt sie maximal 5 000 Euro, bei Solar­anlagen 1 500 Euro. Der Jahres­beitrag beträgt mindestens 75 Euro. Hinzu kommt im Schadens­fall eine Selbst­beteiligung. Auch Versicherungs­makler bieten ähnliche Policen. So ersetzt die CA Camping Assekuranz bis 15 000 Euro für Gepäck, Foto­apparate, Computer oder Fahr­räder. Fragen Sie nach den Ausschlüssen. Teils sind Bargeld, Schmuck oder Handys nicht versichert.

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Greift bei Einbruch nicht auch die Hausrat­versicherung?

Nein, in der Regel nicht. Dafür müssten Sie einen Tarif abschließen, der ausdrück­lich den Hausrat­schutz auf Pkw erweitert, die an der Straße parken. Solche Zusätze gibt es. Am besten fragen Sie Ihren Versicherer.

Ansonsten greift die Hausrat­police nur bei Einbruch in feste Gebäude wie Ferien­wohnung oder Hotel­zimmer. Ein Wohn­mobil gilt nicht als versichertes Gebäude, urteilte das Amts­gericht Coburg (Az. 15 C 393/01). Anders ist das, wenn es in einer Garage oder einem öffent­lichen Park­haus steht.

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Auf welche Versicherungen muss ich beim Mieten achten?

Am wichtigsten ist die Kfz-Haft­pflicht. Doch diese Police muss ohnehin jedes in Deutsch­land zugelassene Fahr­zeug haben. Zusätzlich sind Miet-Wohn­mobile meist auch voll­kasko­versichert. Das ist sinn­voll, denn die Fahr­zeuge sind oft Zigtausend Euro wert. Außerdem sind Reparaturen häufig teurer als bei Pkw. Glasbruch, der bei einem Pkw für wenige Hundert Euro zu reparieren ist, kann bei Wohn­mobilen einige Tausend Euro kosten. Häufig ist bei Schäden eine Selbst­beteiligung von 300 oder 500 Euro fällig. Besser sind Verträge ohne Selbst­behalt. Dann müssen Sie bei der Rück­gabe nicht über kleine Kratzer streiten. Das Ausbessern zahlt die Versicherung. War der Fahrer grob fahr­lässig, kann sie ihre Leistung kürzen, zum Beispiel wenn man an einer Brücke die Durch­fahrt­höhe nicht beachtet. Fragen Sie nach Verträgen, die auf solche Kürzungen verzichten.

Falls Sie ins Ausland fahren, müssen Sie das dem Vermieter sagen. In einigen Ländern ist der Versicherungs­schutz unzu­reichend, vor allem in Osteuropa. Viele Verleiher schließen Fahrten dorthin aus, etwa nach Bulgarien, Moldawien, Rumänien, Russ­land, Weiß­russ­land, Türkei, Ukraine oder auch Island.

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Sind bei Anmietung im Ausland spezielle Versicherungen nötig?

Ja, zumindest sind sie oft sinn­voll. Achten Sie auf die Kfz-Haft­pflicht­versicherung. Vor allem außer­halb Europas reicht sie oft nicht. In einigen US-Bundes­staaten sind gesetzlich nur 5 000 oder 10 000 Dollar gedeckt. Das ist viel zu wenig. In Deutsch­land gelten mindestens 7,5 Millionen Euro für Personen- und 1,12 Millionen Euro für Sach­schäden.

Oft enthält die Kfz-Haft­pflicht­versicherung für den eigenen Pkw in Deutsch­land eine „Mallorca-Police“: Sie gewährt zusätzlichen Haft­pflicht­schutz für Mietwagen, allerdings nur inner­halb der EU und der geografischen Grenzen Europas, also etwa auch in der Schweiz und Norwegen. Beliebte Urlaubs­ziele wie die türkische Riviera oder die USA bleiben außen vor. Da hilft zum Beispiel die Traveller-Police des ADAC. Ab 43,50 Euro gibt sie welt­weit Haft­pflicht­schutz bis 500 000 Euro. Alternative: Sie buchen das Wohn­mobil in Deutsch­land bei einem heimischen Anbieter, der eine ausreichende Haft­pflicht­summe anbietet. Sinn­voll ist auch im Ausland Voll­kasko ohne Selbst­beteiligung.

Darüber hinaus kann ein zusätzlicher Auslands­schaden­schutz hilf­reich sein: Wenn Sie unver­schuldet im Ausland einen Unfall haben, bekommen Sie vom fremden Versicherer eine Entschädigung nach dessen heimischen Vorschriften. Da bleibt manches Unfall­opfer auf einem Rest­betrag sitzen. Den ersetzt dann der deutsche Versicherer.

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Sollte ich vor dem Urlaub einen Auto-Schutz­brief abschließen?

Ja, gerade bei Urlaubs­reisen mit dem Wohn­mobil. So haben Sie in Notfällen einen Ansprech­partner. Das spart Nerven. Kern des Schutz­briefs ist die Hilfe bei Panne und Unfall. Es kommt ein Helfer, der das Auto wieder flott macht oder das Abschleppen in die nächste Werk­statt organisiert und bezahlt. Die Reparatur wird aber nicht ersetzt. Muss das Fahr­zeug über Nacht in eine Werk­statt, wird das Hotel bezahlt, meist für maximal drei Über­nachtungen. Kann es nicht repariert werden, bezahlt der Schutz­briefanbieter die Weiterfahrt zum Ziel oder die Rück­fahrt nach Hause. Erkranken Eltern bei einer Auslands­reise, deckt er die Abholung der Kinder durch eine vom Kunden gewählte Begleit­person oder schickt selber jemanden. Schutz­briefe gibt es bei vielen Auto­versicherern, ebenso bei Auto­clubs. Mehr Informationen liefert unser Test Autoschutzbriefe (Finanztest 4/2015).

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Auf der Fahrt in den Urlaub ist uns ein Pkw ins Wohn­mobil gefahren. Für die Reparatur­zeit mussten wir ein anderes mieten. Muss der Unfall­ver­ursacher das bezahlen?

Ja. Er muss für die Miete und die Reparatur aufkommen. Wenn es nach der Reparatur billiger ist, das eigene Wohn­mobil zum Urlaubs­ort zu bringen anstatt dort weiter das gemietete zu haben, muss er auch das bezahlen. Anders ist das, wenn das am Straßenrand vor dem Haus abge­stellte Wohn­mobil bei einem Unfall etwas abbe­kommt. Nutzt der Besitzer es haupt­sächlich für den Urlaub und hat für den Alltag einen normalen Pkw, bekommt er für das beschädigte Wohn­mobil während der Reparatur keine Nutzungs­entschädigung.

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Lohnt es, das eigene Wohn­mobil über den Winter abzu­melden?

Ja, Sie sparen Steuern und Versicherung. Sie brauchen dann ein Saison­kenn­zeichen. Darauf ist vermerkt, für welche Monate die Zulassung gilt. Es müssen mindestens zwei, maximal elf Monate inner­halb eines Jahres sein, wobei nur volle Monate möglich sind. Der Schadenfrei­heits­rabatt durch unfall­freies Fahren verbessert sich bei den meisten Versicherern aber nur, wenn das Saison­kenn­zeichen über mindestens sechs Monate läuft.

In der Abmelde­zeit darf das Wohn­mobil auf keinen Fall in den Straßenverkehr – es darf dort nicht einmal parken. Es muss auf privatem Grund stehen, nicht am Straßenrand oder auf einem öffent­lichen Park­platz. Müssen Sie für diese Zeit einen privaten Abstell­platz mieten, kann das den Kosten­vorteil durch die einge­sparte Steuer und Versicherung schnell zunichte machen.

Der Schutz der Kasko­versicherung gilt auch in der Ruhephase, zum Beispiel bei Schäden durch Hagel, Sturm oder Diebstahl, wenn das Wohn­mobil auf einem einge­zäunten Grund­stück oder in einer Garage steht. Einige Versicherer akzeptieren auch einen Carport, der mit Kette und Schloss gesichert ist.

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Welchen Führer­schein brauche ich, um ein Wohn­mobil fahren zu dürfen?

Mit einem alten Führer­schein Klasse 3 können Sie Reisemobile bis 7,5 Tonnen fahren, die Fahr­erlaubnis Klasse B berechtigt Sie zum Fahren von Wohn­mobilen bis 3,5 Tonnen. Unser Tipp: Machen Sie sich vor der Fahrt mit dem Wohn­mobil vertraut. Viele Verleiher geben eine umfassende Einweisung. Um ein Gefühl für die Maße zu bekommen, hilft es, auf einem Park­platz Rangieren zu üben – am besten mit einem Beifahrer, der Sie einweisen kann. Und: Viele Unfälle passieren, weil Mieter, die sonst Pkw fahren, die Durch­fahrts­höhe bei Brücken, Tunneln, Park­häusern nicht beachten. Also aufgepasst!

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Muss ich mich mit dem Urlaubs­gepäck beschränken, wenn ich mit dem Wohn­mobil unterwegs bin?

Das kann passieren. Einige Wohn­mobile vertragen nur 400 oder 500 Kilo Zuladung inklusive Personen an Bord. Da liegt eine Familie mit Urlaubs­gepäck schnell drüber. Das wird bei Polizei­kontrollen teuer. Fragen Sie vor Kauf oder Anmietung danach.

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