FAQ Schimmel im Haus Special

Was tun, wenn die Schimmelflecken an der Wand immer wieder auftauchen?

Im März und April haben Schimmelpilze Hoch­saison. Doch wie wird man Aspergillen, Penicilium und Cladosporien wieder los, wenn Heizen und Lüften nichts gebracht hat? Auf welche Weise lässt sich Streit zwischen Mietern und Vermietern vermeiden? Welcher Arbeits­schutz ist beim Sanieren wichtig? Und wie kann ich einem erneuten Schimmelbefall vorbeugen? Unsere Experten beant­worten die wichtigsten Fragen zum Thema Schimmelbekämpfung und zu den damit verbundenen mietrecht­lichen Aspekten.

Allgemeine Fragen

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Wie mache ich es denn nun richtig: Morgens und abends Stoß­lüftung und dann tags­über Heizung an?

Richtig: Stoß­lüftung ist am effizientesten, das heißt, am besten für 5 bis 10 Minuten Fenster weit öffnen und quer durch die ganze Wohnung lüften. Zweimal am Tag sollten Sie die Wohnung auf diese Weise mindestens durch­lüften. Besser sogar dreimal: Morgens, bevor Sie aus dem Haus gehen; nach­mittags oder abends, wenn Sie von der Arbeit nach Hause kommen; und noch einmal, kurz bevor Sie ins Bett gehen. Zusätzlich kann es sinn­voll sein, nach dem Duschen oder Kochen das Bad beziehungs­weise die Küche zu lüften, damit der Dunst abziehen kann.

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Und warum ist das Heizen wichtig?

Vorheriges Heizen sorgt dafür, dass die anschließende Lüftung besonders wirk­sam funk­tioniert. Aufgrund der physika­lischen Gesetz­mäßig­keiten kann warme Luft nämlich viel mehr Wasser aufnehmen als kalte Luft. Wer also zum Beispiel ein schimmelgefähr­detes Bad trockenlüften möchte, schafft dies am besten, wenn die Heizung dort relativ weit aufgedreht ist. Im Ideal­fall ist das Bade­zimmer sogar der wärmste Raum in der Wohnung.

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Warum wachsen Schimmelpilze an manchen Stellen und anderswo nicht?

Im Hinblick auf den Unter­grund sind viele Schimmelpilzarten recht genüg­sam. Oft siedeln sie zum Beispiel auf Tapete oder sogar auf Putz. Die Grund­voraus­setzung für jeden Schimmelpilzbefall ist aber in jedem Fall ein erhöhtes Maß an Feuchtig­keit. Woher diese Feuchtig­keit kommt, kann sehr unterschiedlich sein: Vom kaputten Dachziegel über undichte Rohre bis zu steigendem Grund­wasser ist vieles möglich. Eine häufige Ursache sind schlecht gedämmte Außenmauern, die im Winter auf der Zimmerseite so kalt werden, dass dort Luft­feuchtig­keit kondensiert. Darüber, wie Sie dem Schimmel auf die Spur kommen und wie Sie die Ursachen beseitigen können, informieren unsere Infodokumente Feuchte- und Schimmelprobleme in Wohnbereich, Feuchteschutz und richtige Dämmung sowie Feuchte und Schimmelprobleme im Keller.

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Ist Schimmel immer gefähr­lich oder gibt es auch weniger schädliche Formen?

Es gibt sehr viele unterschiedliche Schimmelpilzarten. In Innenräumen sind es zum Beispiel sehr oft Aspergillen, Penicilium und Cladosporien. Infos dazu finden Sie zum Beispiel in unseren Infodokumenten (siehe vorhergehende Frage). Die einzelnen Arten sind unterschiedlich schädlich, betroffen sind in erster Linie Menschen, die auf Schimmelpilze allergisch reagieren oder Menschen mit geschwächtem Immun­system. Sporen und Stoff­wechsel­produkte von Schimmelpilzen können, über die Luft einge­atmet, allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen. Aber natürlich spielt auch immer das Ausmaß des Befalls eine entscheidende Rolle. In jedem Fall muss auftretender Schimmelpilzbefall bekämpft werden.

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Wie kann ich fest­stellen, ob es in einem Zimmer zu feucht ist?

Exakte Mess­werte liefert ein Luft­feuch­temess­gerät. Unser letzter Test von Hygrometern liegt zwar schon einige Jahre zurück. Die grund­sätzlichen Erkennt­nisse und Tipps sind aber nach wie vor aktuell. Die Anschaffung eines solchen Mess­gerätes ist für Haushalte mit Feuchte- und Schimmel­problemen sehr zu empfehlen.

Schimmel wirk­sam beseitigen

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Lässt sich Schimmel auch mit Essig­essenz bekämpfen?

Essig­essenz eignet sich dazu leider nicht. Nach dem Trocknen bleiben Rück­stände übrig, die einen idealen Nähr­boden für neue Schimmelpilze darstellen. Unser Test von Mitteln gegen Schimmel zeigt, dass man mit Alkohol (entweder aus der Apotheke oder verdünntem Brenn­spiritus) den Schimmelpilz optimal bekämpfen kann.

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In unserer Dusche zeigen sich an der Wand dunkle Schimmel­ansätze sowie in den Fugen der Fliesen. Wie kann man den Schimmel wegbe­kommen?

Probieren Sie eines der guten Anti-Schimmel-Mittel aus unserem Test, und zwar eines mit Bleich­wirkung, also zum Beispiel Wasser­stoff­per­oxid (H2O2). Das tötet den Pilz nicht nur ab, sondern hellt auch die dunklen Pilz­strukturen im Unter­grund etwas auf. Anschließend sollten Sie die Flächen gründlich mit Scheuermilch und -bürste bearbeiten. Danach abspülen und nochmals ein Wasser­stoff­per­oxid haltiges Mittel einwirken lassen. Das Auskratzen der Fugen ist extrem arbeits­intensiv und deshalb nur in seltenen Fällen sinn­voll. Im Zweifels­fall sollte man dann notfalls über eine Totalsanierung nach­denken.

Tipp: Hilf­reich ist hier unser Ratgeber Reparaturen kompakt – Küche und Bad. Es enthält viele bebilderte Anleitungen, unter anderem auch zum Thema „Pilzbefall fachgerecht beseitigen“.

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Ist Wasser­stoff­per­oxid auch für die Reinigung von Sili­konfugen geeignet?

Ja, es wirkt allerdings nur im Bereich der Oberfläche.

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Die Schimmelspuren in den Sili­konfugen lassen sich nicht restlos beseitigen und verstärken sich nach einer Behand­lung mit Wasser­stoff­per­oxid inner­halb weniger Wochen erneut. Wie kann eine solche Fuge dauer­haft saniert werden, und wer zahlt: Vermieter oder Mieter?

Zur Frage der Sanierung: Silikon für den Sanitär­bereich enthält Fungizide, die Schimmelbefall vermeiden sollen. Im Laufe der Jahre entweichen diese Wirk­stoffe und das Risiko von Schimmelbefall nimmt zu. Die Behand­lung mit Alkohol oder H2O2 ist richtig, schärfere chemische „Keulen“ wären hier nicht erfolg­reicher, weil die Chemikalien bei häufigem Duschen in jedem Fall schnell durch den Abfluss weggespült werden und keine Dauer­wirkung entfalten können. Deshalb der Tipp: Wird die Sili­konfuge im Laufe der Jahre allzu unansehnlich, sollte sie erneuert werden. Sinn­voll ist, dass der Vermieter einen Profi mit diesen Arbeiten beauftragt, denn beim unsachgemäßen Heraus­kratzen besteht die Gefahr, dass man zum Beispiel mit einem Cutter­messer die unter den Fliesen verlegte Abdicht­folie beschädigt. Fürs Neuverfugen sollte man unbe­dingt ein hoch­wertiges fungizidhaltiges Sanitärsilikon verwenden.

Zur recht­lichen Frage: Wenn das Phänomen auftaucht, obwohl Sie korrekt nach dem Duschen und Baden lüften und auch mit einem Abzieher das Wasser von den Kacheln entfernen, spricht viel dafür, dass der bauliche Zustand der Wohnung für den Schimmel verantwort­lich ist. Dann ist auch der Vermieter für die Instandset­zungs­arbeiten zuständig. Allerdings gibt es viele Miet­verträge, die vorsehen, dass Mieter kleine Reparaturen in der Wohnung bis zum Wert von 100 Euro selbst zahlen müssen (Mieter müssen nur Kleinreparaturen selbst bezahlen). Kostet der Austausch der Sili­kondichtung nicht mehr als 100 Euro und haben Sie eine solche wirk­same Klausel in Ihrem Miet­vertrag, werden Sie wohl zahlen müssen. Aber zualler­erst sollten Sie den Vermieter über das Auftauchen des Schimmels informieren und ihn zur Beseitigung auffordern. Es ist wichtig, dass Sie das so schnell wie möglich tun, sobald der Schimmel aufgetaucht ist.

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Ich habe ein fens­terloses Bade­zimmer ohne elektrische Lüftung. Wie kann ich sicher­stellen, dass die Feuchtig­keit abzieht und kein Schimmel entsteht?

Da im Bade­zimmer naturgemäß immer wieder viel Wasser zum Einsatz kommt, gibt es hier relativ gute Lebens­bedingungen für Schimmelpilze. Um vorzubeugen, sind meist mehrere Maßnahmen erforderlich: Zum Beispiel direkt nach dem Duschen kurz lüften. Wenn das, wie in diesem Fall nicht möglich ist, sollte zumindest der Abzugs­schacht mit einem Ventilator verbunden sein. Helfen kann auch ein Abzieher, mit dem Sie die Feuchtig­keit von den Fliesen wischen können (auch unter der Bezeichnung „Bade­zimmerwischer“ im Handel erhältlich). Am wichtigsten ist allerdings, dass das Bade­zimmer immer möglichst warm sein sollte. So kann die Luft viel Feuchtig­keit aufnehmen, die sich dann weglüften lässt. Dafür ist es auch hilf­reich, die Bade­zimmertür meist geöffnet zu lassen.

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Was ist von Einbauventilatoren mit hygroskopischer Steuerung zu halten? Können sie regel­mäßiges Lüften im Bad ersetzen?

Wir haben derartige Geräte bisher nicht getestet, sie sind aber grund­sätzlich sinn­voll, um die Feuchtig­keit im Bad zu beseitigen. Prinzip dieser Geräte ist, dass der Ventilator anspringt, wenn die Luft­feuchtig­keit eine bestimmte Menge erreicht hat. Sollte sich heraus­stellen, dass der Einbauventilator die ganze Zeit läuft, ist dies ein Indiz dafür, dass der Ventilator nicht ausreicht und zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Wenn es zum Streit mit dem Vermieter kommt

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In meiner Wohnung ist Schimmel aufgetreten. Der Vermieter möchte die Ursache per Gutachten ermitteln lassen. Kann er die Kosten des Gutachtens an mich weiterreichen, sofern der Gutachter unzu­reichendes Lüften als Ursache ermittelt?

Grund­sätzlich sind Privatgut­achten auch „Privatvergnügen“. Das heißt, wer einen Gutachter beauftragt, bezahlt ihn auch. Allerdings kann es sein, dass Sie die Schimmel­beseitigung zu bezahlen haben, wenn sich heraus­stellen sollte, dass mangelhaftes Lüften die Ursache für den Schimmelbefall ist.

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Kann der Mieter ein Gutachten beziehungs­weise den Gutachter ablehnen?

Nein, wenn der Vermieter ein Privatgut­achten in Auftrag gibt, bestimmt er auch den Gutachter. Aber es steht den Miet­parteien natürlich frei, einen gemein­samen Gutachter auszusuchen und gemein­sam zu klären, von wem dieser Gutachter bezahlt wird. Denk­bar ist zum Beispiel, dass Vermieter und Mieter jeweils die Hälfte zahlen – unabhängig vom Ausgang des Gutachtens. Oder sie vereinbaren, dass derjenige das Gutachten bezahlt, der den Schimmel verursacht hat.

Tipp: Wie man solche Streitfälle löst, erklärt ausführ­lich unser Buch Mieter/Vermieter. Detailfragen zum Schimmel klärt unser Special Mietrecht: Die Schimmelstreiter.

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Ich lüfte im Schnitt dreimal täglich. Trotzdem gibt es in einer Ecke in jedem Winter Schimmelflecken. Wie kann ich beweisen, dass die fehlende Wärmedämmung schuld ist?

Grund­sätzlich ist der Vermieter zualler­erst in der Beweis­pflicht. Er muss beweisen, dass die Schimmel­ursache nicht aus seiner Sphäre kommt, sprich nicht die Bausubstanz schuld am Schimmel ist. Erst wenn ihm dieser Beweis gelingen sollte, ist der Mieter in der Pflicht, zu beweisen, dass er stets ordentlich gelüftet hat. In diesem Fall dürfte dem Vermieter die Beweisführung schwer fallen: Wenn der Mieter täglich 3 x gründlich lüftet und sich dennoch Winter für Winter ein solches Schadens­bild ergibt, spricht vieles für eine unzu­reichende Wärmedämmung. Voraus­setzung ist allerdings, dass der Raum auch angemessen beheizt wird und dass es hier keine „wasser­intensive“ Nutzung gibt, also zum Beispiel viele Pflanzen oder Aquarien. In diesen Fällen könnte etwas häufigeres Lüften erforderlich sein, um die Feuchtig­keit zu entfernen.

Tipp: Messen Sie nach kalten Nächten die Temperatur der Wand direkt an der Schimmel­stelle und zum Vergleich auch an anderen Wänden des Raumes, die keine Außenwände sind. Wenn sich dabei heraus­stellt, dass die Schimmel­stelle relativ stark ausgekühlt ist, dann ist auch dies ein wichtiger Beleg für unzu­reichende Wärmedämmung. Um sich Klarheit über die Ursachen eines Schimmelpilzbefalls zu verschaffen, hilft unser ausführ­liches Merkblatt Feuchte- und Schimmelprobleme in Wohn- und Badezimmern, das für Mieter wie Vermieter eine lohnende Lektüre sein kann.

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Mit welchem Gerät lässt sich die Temperatur an der Wand messen?

Ideal eignen sich dafür berührungs­los arbeitende Thermo­meter. Die werden im Elektronik­handel bereits für weniger als 100 Euro angeboten. Möglich ist aber auch die Verwendung eines normalen Thermo­meters, das Sie direkt an der Wand befestigen.

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In meiner Wohnung läuft im Winter das Wasser an den Fens­terscheiben herunter und verursacht Schimmel. Kann der Vermieter in den Miet­vertrag schreiben, dass der Mieter zum Trocknen verpflichtet ist?

Auch ohne Regelung im Vertrag ist der Mieter in einer solchen Situation verpflichtet, Schaden von den Fens­tern abzu­wenden, sprich die Fenster trocken zu wischen. Die Tatsache, dass sich am Fenster über­haupt Feuchtig­keit zeigt, spricht aber dafür, dass entweder zu wenig gelüftet wird oder die Bausubstanz zu erhöhter Luft­feuchtig­keit führt. Es kann durch­aus sein, dass das Fenster nicht dem Stand der Technik entspricht, zum Beispiel könnte es sich um eine Einfach­verglasung handeln, die im Winter auf der Innenseite sehr stark auskühlt. Falls es sich um ein Doppel­kastenfenster handelt, kann es möglich sein, dass sich das Problem dadurch einfach beheben lässt, dass man die raumseitigen Fens­terflügel mit einem rundum laufenden Dicht­band nach­träglich abdichtet.

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Da mein Vermieter untätig bleibt, möchte ich die Miete mindern. Darf ich das auf eigene Faust tun oder muss ich mir erst recht­liche Hilfe holen?

Sie können die Minderung auf eigene Faust durch­führen. Wir raten aber dazu, spätestens dann die Hilfe eines Anwalts oder Mieter­ver­eins hinzuzuziehen, wenn der Gesamt­minderungs­betrag eine Monats­miete zu über­schreiten droht, denn dann gelangen Sie in den Bereich, wo der Vermieter unter Umständen wegen Mietrück­stands kündigen könnte. Grund­sätzlich ist es immer am besten, wenn ein Prozess vermieden werden kann und sich Mieter und Vermieter gemein­sam um den Schimmel und seine Ursache kümmern. Daran sollten auch beide ein Interesse haben: Schließ­lich geht es um die Gesundheit des Mieters und das Eigentum des Vermieters. Beides sollte erhalten werden.

An dieser Stelle war zuvor ein Chat aus dem Jahr 2013 zu lesen. Wir haben die Inhalte in unser neues FAQ-Format über­führt und sie dabei aktualisiert und ergänzt. Nutzer­kommentare, die vor dem 1. März 2017 gepostet wurden, beziehen sich noch auf den alten Chat.

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