FAQ Private Kranken­versicherung Special

Eine gute private Kranken­versicherung (PKV) sollte mindestens so viel bieten wie die gesetzlichen Kassen. So viel ist klar. Aber wie ist das mit den Beiträgen? Und was ist, wenn ich wieder zurück in die gesetzliche Kranken­versicherung (GKV) möchte – und das nicht geht? Unsere FAQ beant­worten die wichtigsten Fragen zum Thema private Kranken­versicherung.

Allgemeines und Vertrags­fragen

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Warum brauche ich eine private Kranken­versicherung und wann kann ich mich privat versichern?

In Deutsch­land gibt es eine Kranken­versicherungs­pflicht: Niemand darf ohne eine Absicherung für den Krank­heits­fall sein. Als Angestellter sind Sie meist gesetzlich pflicht­versichert. Nur wenn Sie ein Jahres­einkommen von (Stand 2017) mindestens 57 600 Euro brutto haben und damit über der Versicherungs­pflicht­grenze liegen, können Sie sich privat versichern. Unabhängig vom Einkommen können sich Selbst­ständige, Freiberufler und Künstler sowie Beihilfeberechtigte wie Beamte, Richter, Land­tags- und Bundes­tags­abge­ordnete privat versichern. Die Höhe des Versicherungs­beitrags hängt bei der privaten Kranken­versicherung – anders als bei der gesetzlichen Kranken­versicherung – nicht vom monatlichen Einkommen ab. Maßgeblich sind unter anderem das Alter und der Gesund­heits­zustand beim Abschluss des Vertrags und der Umfang der zu versichernden Leistung. Wer sich privat versichern will, sollte auf jeden Fall ein Angebot wählen, das mindestens so hohe Leistungen bietet wie die gesetzliche Versicherung. Gute Tarife finden Sie in unserem Test Private Krankenversicherung.

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Welche Fristen sind bei einem Wechsel zu beachten?

Die Mitgliedschaft in der GKV muss gekündigt werden. Die Frist beträgt zwei Monate. Sie beginnt in dem Monat, der auf die Kündigung folgt. Ein Beispiel: Kündigen Sie am 14. April 2017, endet die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Kranken­versicherung am 01. Juli 2017. Selbst­ständige, die ihre selbst­ständige Tätig­keit neu aufgenommen haben, können inner­halb der ersten drei Monate in die PKV wechseln und müssen keine Frist einhalten.

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Was ist beim Wechsel von der privaten in die gesetzliche Kranken­versicherung zu beachten?

Wer wieder versicherungs­pflichtig in der GKV wird, darf seinen private Kranken­versicherungs­vertrag außer­ordentlich kündigen. Die Kündigung muss schriftlich erklärt werden. Die Kündigung der PKV aufgrund einer gesetzlichen Versicherungs­pflicht ist rück­wirkend bis drei Monate nach Eintritt der Versicherungs­pflicht möglich. Die Kündigung ist nur dann wirk­sam, wenn der Versicherungs­nehmer den Eintritt der Versicherungs­pflicht inner­halb von zwei Monaten nach­weist, nachdem der Versicherer ihn hierzu in Text­form aufgefordert hat. Versäumt der Kunde, seinem privaten Versicherer frist­gerecht zu kündigen, dann muss er so lange weiter Beiträge zahlen, bis er es schafft, den Vertrag durch eine wirk­same Kündigung zu beenden.

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Was sind die wesentlichen Unterschiede zur gesetzlichen Kranken­versicherung?

In der privaten Kranken­versicherung richtet sich der Beitrag nach dem Umfang der vereinbarten Leistungen, Ihrem Gesund­heits­zustand und Ihrem Alter bei Vertrags­beginn. Die private Kranken­versicherung zahlt – anders als die gesetzliche – für Chef­arzt­behand­lung im Kranken­haus oder höher­wertigen Zahn­ersatz, sofern vereinbart. In anderen Bereichen, etwa bei der Physio­therapie oder bei häuslicher Kranken­pflege, können private Tarife schlechter sein als die gesetzlichen. In der privaten Versicherung zahlt jedes Familien­mitglied einen eigenen Beitrag. Eine kostenfreie Mitversicherung Ihrer Familien­angehörigen – wie in der gesetzlichen Kasse – ist nicht möglich.

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Für wen eignet sich die private Kranken­versicherung?

In guten Privattarifen werden die sehr hohen Versicherungs­leistungen von Anfang an vertraglich vereinbart. Das hat seinen Preis. Nur für Beamte auf Lebens­zeit ist die private Kranken­versicherung in aller Regel güns­tiger als die gesetzliche. Der Dienst­herr gewährt Beamten und ihren Angehörigen Beihilfe zu den Krank­heits­kosten, so dass sie nur einen Teil privat absichern müssen. Für Selbst­ständige, Freiberufler und Angestellte, ist der Einstieg in die private Kranken­versicherung nur attraktiv, wenn sie jung und gesund sind und auf Dauer so gut verdienen, dass sie monatlich einige hundert Euro für die im Alter höheren Beiträge der privaten Kranken­versicherung anlegen können. Wer eine Familie plant, muss beachten, dass jedes Familien­mitglied einen eigenen Vertrag benötigt. Eine beitrags­freie Familien­versicherung gibt es hier nicht. Eine Check­liste zur Entscheidung finden Sie in unserem Infodokument Krankenversicherung: Gesetzlich oder Privat?

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Was muss ich beachten?

Als Privatversicherter müssen Sie – anders als gesetzlich Versicherte – viel Papierkram in Kauf nehmen, denn Sie müssen Arzt­rechnungen zunächst selbst bezahlen und dann zur Erstattung bei Ihrer Versicherung einreichen. Zudem müssen Sie davon ausgehen, dass die Beiträge im Laufe der Jahre immer weiter steigen. Wer mit Mitte 30 einen Vertrag abschließt, sollte damit rechnen, dass er im Renten­alter mindestens das Dreifache seines ursprüng­lichen Beitrags zahlen muss. Legen Sie früh­zeitig Geld zurück, um im Alter die Beiträge zur Kranken­versicherung zahlen zu können. Ohne Erspar­nisse kann es finanziell eng werden, wenn etwa bei einer Monats­rente von 1 700 Euro allein 800 Euro für die private Kranken­versicherung anfallen.

Rück­kehr in die gesetzliche Krankenkasse

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Ich bin als Student privat kranken­versichert. Gibt es eine Möglich­keit von der privaten in die gesetzliche Versicherung zu wechseln?

Wer sich als Student für die private Kranken­versicherung entscheidet, kann bis zum Studien­ende nicht mehr in die gesetzliche Versicherung zurück. Wenn Sie nach Ihrem Studium ein sozial­versicherungs­pflichtiges Beschäftigungs­verhältnis (Anstellung) finden und Ihr Gehalt unter 57 600 Euro im Jahr (2017) liegt, werden Sie auto­matisch versicherungs­pflichtig in der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV). Wenn Sie sich nach einem Bachelor-Studium für mehr als einen Monat exmatrikulieren, werden Sie mit der Aufnahme des Master­studiengangs erneut versicherungs­pflichtig.

Tipp: Unser Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen zeigt Beitrags­sätze, Extra­leistungen und spezielle Versorgungs­angebote für fast alle gesetzlichen Kassen und hilft Ihnen bei der Auswahl der für Sie richtigen Kasse.

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Ich bin selbst­ständig und privat kranken­versichert. Jetzt habe ich eine befristete Anstellung für sechs Monate gefunden. Kann ich damit zurück in die gesetzliche Kranken­versicherung?

Sie können dann in die GKV zurück, wenn Sie versicherungs­pflichtig werden und noch keine 55 Jahre alt sind. Ihr monatliches Gehalt muss über der Gering­fügig­keits­grenze (Minijob), aber unter der Versicherungs­pflicht­grenze von 4 800 Euro brutto im Monat liegen. Sie müssen Ihre haupt­berufliche Selbst­ständig­keit aufgeben. Nach Beendigung der befristeten Anstellung können Sie weiter in der GKV bleiben, wenn Sie nicht inner­halb von zwei Wochen Ihren Austritt erklären und Ihre private Versicherung nicht mehr besteht. Mehr Infos finden Sie in unserem Special Zurück in die gesetzliche Kasse – so gehts.

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Unter welchen Bedingungen können Privatversicherte ab 55 wieder zurück in die GKV?

Wer nicht haupt­beruflich selbst­ständig tätig ist und ein monatliches Einkommen von höchs­tens 425 Euro hat (Minijob 450 Euro), kann unabhängig vom Alter über den gesetzlich kranken­versicherten Ehepartner oder einge­tragenen Lebens­partner in dessen Familien­versicherung. Wer in ein europäisches Land mit gesetzlicher Kranken­versicherungs­pflicht auswandert, seinen privaten Versicherungs­vertrag in Deutsch­land kündigt und sich im Ausland in einer gesetzlichen Kranken­versicherung versichert, darf nach der Rück­kehr wieder in die deutsche gesetzliche Kranken­versicherung.

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Wo bekomme ich Hilfe bei der Rück­kehr in die gesetzliche Kranken­versicherung?

Eine detaillierte Beratung erhalten Sie in den Verbraucherzentralen und bei Fach­anwälten für Sozialrecht. Unterstützen können Sie auch zugelassene Versicherungsberater und Rentenberater.

Zusatz­versicherungen für gesetzlich Versicherte

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Kann ich als gesetzlich Versicherter meine Versorgung verbessern?

Die Versorgung der gesetzlich Versicherten ist immer noch gut. In einigen Leistungs­bereichen, beispiels­weise ambulanter Psycho­therapie, haben Kassenpatienten einen höheren Leistungs­anspruch als Versicherte in manchen Privattarifen.

In einigen Bereichen können gesetzlich Versicherte ihren gesetzlichen Kranken­versicherungs­schutz durch private Zusatz­policen ergänzen:

Auslandsreisekrankenversicherung

Zahnzusatzversicherungen

Krankenhauszusatzversicherungen

Krankentagegeld

Pflegezusatzversicherungen

Zuschuss für Brillen und Heilpraktikerbe­hand­lungen.

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Beim letzten Test habe ich meinen Versicherer vermisst. Warum fehlen manche Unternehmen in Ihren Tests?

Zu Beginn eines Tests schreiben wir alle Unternehmen an, die von der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht in dieser Sparte zugelassen sind, und fordern sie auf, uns detaillierte Produkt­informationen zu schi­cken. Nicht immer erhalten wir eine Rück­meldung. Das hat verschiedene Gründe: Ein Versicherer über­arbeitet zum Beispiel gerade sein Angebot, so dass es zum Veröffent­lichungs­zeit­punkt nicht mehr erhältlich, das neue zu unserem Stichtag aber noch nicht fertig ist. Andere Anbieter scheuen den Vergleich.

In jedem Fall über­prüfen wir die Angaben der Versicherer und versuchen, uns fehlende Unterlagen anders zu beschaffen. Das gelingt nicht immer.

Möglich ist auch, dass ein Anbieter fehlt, weil er ein Auswahl­kriterium nicht erfüllt, etwa keinen Tarif in einer Produktkategorie anbietet oder nicht für das dem Test zugrunde liegende Modell.

Güns­tigere Alternativen inner­halb der PKV

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Ich bin über 55 Jahre alt und meine Beiträge sind sehr gestiegen, mein Verdienst ist gleich geblieben – was kann ich tun?

Die Rück­kehr in die gesetzliche Kranken­versicherung ist in der Regel ausgeschlossen. Ein Wechsel in günstigere Tarife desselben privaten Versicherers kann ein Ausweg sein. Für ältere Menschen, die ihre Beitrags­belastung mit einem solchen Tarifwechsel nicht genügend senken können, ist der Stan­dard­tarif der privaten Kranken­versicherung ein Ausweg. Die Leistungen des Stan­dard­tarifs entsprechen etwa denen der gesetzlichen Kassen, die Höhe der Beiträge ist gesetzlich auf den Höchst­beitrag der gesetzlichen Kranken­versicherung begrenzt, die meisten Stan­dard­tarif-Kunden zahlen jedoch deutlich weniger. Es gelten folgende Voraus­setzungen: Sie müssen vor dem 01. Januar 2009 in die private Kranken­versicherung gewechselt und seit mindestens zehn Jahren privat kranken­versichert sein. Außerdem darf Ihr Einkommen 52 200 Euro brutto im Jahr nicht über­steigen (gilt 2017, analog zur Beitrags­bemessungs­grenze der GKV). Was der Stan­dard­tarif genau bietet, wer rein darf und wer nicht, erklärt unser Infodokument Beitrag senken mit Wahl des Standardtarifs.

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Was ist der Basis­tarif?

Der Basis­tarif ist ebenso wie der Stan­dard­tarif ein Sozial­tarif mit branchen­einheitlichen Leistungen. Er ist vor allem für ältere und kranke Versicherte gedacht, die zuvor keinen Versicherungs­schutz hatten, sowie für solche Kunden, die ihren Vertrag nach dem 01. Januar 2009 abge­schlossen haben und nicht mehr in den Stan­dard­tarif dürfen. Ein Wechsel in den Basis­tarif senkt den Beitrag in der Regel nur für solche Versicherte maßgeblich, denen wegen der Kranken­versicherungs­beiträge Hilfebedürftig­keit im Sinne des Sozial­rechts droht. Der Basis­tarif bietet ähnliche Leistungen wie der Stan­dard­tarif in der privaten Kranken­versicherung, er ist aber für die meisten Versicherten teurer, weil der Höchst­beitrag der gesetzlichen Kranken­versicherung in der Regel erreicht wird. Nähere Infos finden Sie in unserem Infodokument Für wen der Basistarif sinnvoll ist.

Streit mit dem Versicherer

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Ich bin im Streit mit meiner privaten Kranken­versicherung. Wer kann mich dabei unterstützen?

Wenn Sie sich mit dem Unternehmen bereits frucht­los auseinander­gesetzt haben, können Sie sich an den Ombuds­mann der Privaten Kranken- und Pflege­versicherung wenden. Er vermittelt bei Konflikten zwischen Versicherungs­nehmern und Kranken- und Pflege­versicherungs­unternehmen, Versicherungs­vermitt­lern oder Versicherungs­beratern. Sie können sich online oder per Brief­post an den Ombuds­mann wenden.

Ombuds­mann der Private Kranken- und Pflege­versicherung, Telefon 0 800/2 55 04 44, www.pkv-ombudsmann.de.

Infos zum Schlichtungs­verfahren finden Sie in unserem Special So kommen Sie ohne Gericht zu Ihrem Recht.

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