FAQ Pflege­versicherung Special

2017 werden die altbekannten Pfle­gestufen von den Pfle­gegraden abge­löst. Erfreulich: Auch die Leistungen der gesetzlichen Pflege­versicherung verbessern sich. Trotzdem werden diese auch weiterhin nicht ausreichen, um die Kosten für die Pflege komplett zu decken. Pflegebedürftige können die Lücke mit eigenem Einkommen oder Vermögen füllen – oder mit einer Pflege­zusatz­versicherung vorsorgen. Hier finden Sie Antworten auf Ihre Fragen rund um Pflege­versicherung, Eltern­unterhalt, Pflege-Bahr und Gesund­heits­prüfung.

Der neue Pflegebedürftig­keits­begriff

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Was verändert sich ab 2017?

Die neue Einstufung in die Pflegebedürftig­keit orientiert sich künftig daran, wie selbst­ständig ein Mensch in seinem Alltag noch ist: Kann er allein aufstehen, sich duschen und auch seinen Tag sinn­voll strukturieren? Der Gutachter erfasst anhand von 64 Kriterien in sechs Lebens­bereichen, wie viel Unterstüt­zung ein Mensch braucht. Ab 2017 wird es statt der bisherigen Pfle­gestufen 0 bis III die Pfle­gegrade 1 bis 5 geben. Welche Leistungen die einzelnen Pfle­gegrade beinhalten, erfahren Sie in unserem großen Special zur Pflegereform.

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Warum ist eine neues Begut­achtungs­system notwendig?

Die neue Begut­achtung schließt neben körperlichen auch psychische Beein­trächtigungen mit ein. Die alte Systematik berück­sichtigte vor allem körperliche Einschränkungen. Menschen mit einer psychischen Erkrankung wie einer Demenz erhielten meist keine oder nur eine nied­rige Pfle­gestufe. Die Stufe bestimmt, wie viele Leistungen der Pflegebedürftige erhält. Wie das neue Gutachter­verfahren abläuft, lesen Sie in unserem Special zur Pflegereform.

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Ich habe Pfleg­stufe I. Muss ich mich in 2017 neu begut­achten lassen?

Nein, die Umstellung auf die Pfle­gegrade geschieht auto­matisch. Die Pflegekassen leiten ihre pflegebedürftigen Versicherten in das neue System über und sollten sie bis spätestens Dezember über ihren neuen Pfle­gegrad informiert haben. Wenn Sie solch eine Mitteilung erhalten haben und diese nicht einordnen können, hilft möglicher­weise unsere Meldung Beitragssteigerungen bei Pflegetagegeldtarifen.

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Wird aus Pfle­gestufe 0 auto­matisch Pfle­gegrad 1?

Nein. Der Pfle­gegrad 1 kommt ganz neu hinzu. Er steht Versicherten zu, die oft im geringen Maß körperlich einge­schränkt sind. Die Leistungen der Pflege­versicherung sind dafür gedacht, dass ein Mensch noch möglichst lange zuhause wohnen kann. Welche Leistungen es in Pfle­gegrad 1 gibt, lesen Sie in unserem Special zur Pflegereform.

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Meine Mutter wohnt im Pfle­geheim und hat Pfle­gestufe I – bekommt sie jetzt weniger Geld?

Nein. Zwar gibt es bei der Pflege im Heim in Pfle­gestufe I und II ohne Demenz weniger Geld. Pflegebedürftige mit dieser Einstufung haben jedoch Bestands­schutz. Das heißt, sie bekommen auch zukünftig denselben Betrag von der Pflegekasse, den sie bis 2016 in ihrer Pfle­gestufe erhalten haben. Erst bei einem Antrag auf Höher­stufung von Pflege­leistungen wird nach den neuen Regeln begut­achtet und einge­stuft.

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Was ist mit anderen Leistungen wie den zusätzlichen Betreuungs­leistungen und der Verhinderungs­pflege? Ändert sich hier etwas für mich?

Bisherige Leistungen der Pflege­versicherung wie das Recht auf Pflegeberatung, Zuschüsse für barrierefreien Umbau oder Hilfs­mittel für die Pflege gibt es weiterhin.

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Was geschieht mit bestehenden Pfleg­etagegeld­versicherungen, in denen Leistungs­ansprüche an die bisherigen Pfle­gestufen gebunden sind?

Die privaten Versicherer, deren Tarife sich auf die bisherigen Pfle­gestufen beziehen, stellen ihre Produkte zügig auf Pfle­gegrade um. Das ergab eine Umfrage der Stiftung Warentest bei 23 Anbietern einer Pflege­zusatz­versicherung im Oktober 2016. Laut Gesetz müssen bestehende Zusatz­versicherungen nicht umge­stellt werden – mit einer Ausnahme: den Pflege-Bahr-Tarifen. Für diese mit 5 Euro staatlich geförderte Variante der Tagegeld­police gilt die Frist zum 1. Januar 2017. Pflegebedürftige, die bereits Leistungen aus der Pflege­versicherung und auch einer Pflege­zusatz­versicherung erhalten, dürfen nicht schlechter gestellt werden. Wer schon Leistungen erhält, hat eine Leistungs­garantie. Er bekommt nicht weniger als vorher.

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Gehen alle Versicherer einer Pflege­zusatz­versicherung gleich vor oder gibt es da Unterschiede?

Die Verträge von Pfleg­etagegeld- und Pflege­kosten­versicherern gelten weiter, jedoch passen die Anbieter in der Regel die Tarife an die neue Rechts­lage an. Sie gehen dabei unterschiedlich vor: Einige werden für alte und neue Kunden denselben Tarif haben, andere stellen den alten um und bieten im Neugeschäft einen anderen. Bei den Pflegerenten­versicherungen ändert sich indes nicht viel. Grund ist die Einstufung in die Pflegebedürftig­keit. Denn die anbietenden Lebens­versicherer orientieren sich nicht an der gesetzlichen Definition von Pflegebedürftig­keit, sondern größ­tenteils am sogenannten ADL-Punkte­system (Aktivitäten des täglichen Lebens). Gemessen wird hier, wie viel Hilfe etwa beim Waschen, Fortbewegen oder Essen nötig ist.

Die richtige Absicherung finden

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Warum sollte ich noch privat vorsorgen?

Für eine gute Pflege durch Pfle­gekräfte zuhause und im Heim wird künftig viel Geld nötig sein. Vor allem, wenn es keine Hilfe von Familien­mitgliedern gibt. Die gesetzliche Pflege­versicherung über­nimmt jedoch nur einen Teil der Kosten. Den anderen Teil müssen Versicherte aus eigener Tasche zahlen. Wer sichere und ausreichend hohe Einkünfte hat und sein Vermögen oder die Rente nicht für die zusätzlichen Pflege­kosten ausgeben will, kann eine Pflege­zusatz­versicherung abschließen. Die Versicherer zahlen hier pro Tag der Pflegebedürftig­keit einen vereinbarten Betrag. Ist die Rente gering und gibt es keine Erspar­nisse, springt das Sozial­amt ein. Die Behörde versucht dann, sich das Geld von den Kindern zurück­zuholen.

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Lohnt sich für mich mit 70 Jahren noch der Abschluss einer Pflege-Zusatz­versicherung?

In so einem Fall dürfte es schwierig werden, über­haupt eine Versicherung zu bekommen. Außerdem werden die Beiträge höher, je älter jemand beim Abschluss des Vertrags bereits ist. In höherem Alter sind auch gesundheitliche Probleme wahr­scheinlich, die einem Vertrag im Weg stehen könnten. Dann ist wahr­scheinlich nur noch der Abschluss eines staatlich geförderten Vertrags („Pflege-Bahr“) möglich, weil die Versicherer in diesen Verträgen auch Kunden mit Vorerkrankungen ohne Risiko­zuschläge annehmen müssen. Auch die Beiträge sind im Verhältnis zur Leistung relativ hoch. Wenn der Beitrag in Zukunft steigt, zahlt der Kunde in diesem Fall drauf, denn er muss auch im Pflegefall die Beiträge weiterzahlen. Viele Tarife sehen keine Leistungs­erhöhung im Verlauf der Jahre vor. Für ältere oder bereits erkrankte Menschen außerdem wichtig: In den ersten fünf Vertrags­jahren haben sie keinen Anspruch auf Leistungen aus dieser Versicherung.

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In welchem Alter sollte man eine Zusatz­versicherung abschließen?

Die Frage ist nicht leicht zu beant­worten. Einer­seits gilt: Je jünger jemand ist, desto güns­tiger ist der Beitrag und desto größer ist die Chance, einen Vertrag ohne Risiko­zuschläge zu erhalten. Anderer­seits sollte sich jeder erst einmal um wichtigere Versicherungen kümmern – wie eine Berufsunfähigkeitsversicherung und die Altersvorsorge. Oft ist erst im mitt­leren Alter absehbar, ob man sich eine Pflege­zusatz­versicherung und die in Zukunft wahr­scheinlich weiter steigenden Beiträge über Jahr­zehnte auf Dauer leisten kann. Wer den Vertrag kündigen muss, verliert damit das bis dahin gezahlte Geld und seinen Versicherungs­schutz. Die staatlich geförderten Versicherungen („Pflege-Bahr“) empfehlen wir nicht. Sie bieten allein keine ausreichende Absicherung und die Vertrags­bedingungen sind in der Regel schlechter. Sie sind nur für Kunden eine Option, die wegen ihres Alters oder einer Erkrankung keinen geförderten Tarif bekommen.

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Was unterscheidet die Pfleg­etagegeld­versicherung von der Pflege­kosten- und der Pflegerenten­versicherung?

Eine Pfleg­etagegeld­versicherung lässt dem Versicherten die Wahl, für was und wen er im Pflegefall das Geld ausgibt. Beispiels­weise kann er damit die Nach­barin, die ihn unterstützt, genauso bezahlen wie den Pflege­dienst. Bei einer Pflegekostenversicherung verlangt der Versicherer Nach­weise wie Rechnungen über die Pflege­kosten, die der Pflegebedürftige tatsäch­lich ausgibt. Das Geld ist dann an die professionelle Pflege durch Pfle­gekräfte gebunden. Bei der Pflegerentenversicherung zahlt der Versicherer im Pflegefall eine monatliche Rente in der vereinbarten Höhe. Die Höhe der Leistung richtet sich nach der Pfle­gestufe, nicht aber danach, ob jemand zuhause oder im Heim gepflegt wird. Die Pflegerenten­versicherung ist deutlich teurer als eine Pfleg­etagegeld­versicherung.

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Welche Tarif­arten gibt es bei der privaten Pfleg­etagegeld­versicherung über­haupt?

Es gibt unge­förderte Tarife, staatlich geförderte Tarife und Kombitarife. Für die geförderten Tarife erhält jeder eine Zulage von 5 Euro bei einem Mindest­beitrag von 10 Euro im Monat. Bei den Kombitarifen können Versicherte den geringen geförderten Tarif­bestand­teil mit einem unge­förderten Tarifteil aufstocken.

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Worauf sollte ich beim Abschluss der Pfleg­etagegeld­versicherung unbe­dingt achten?

Wichtig ist, dass die Versicherung in ausreichender Höhe in den einzelnen Pfle­gegraden leistet. Um die Pfle­gekräfte im Fall der Pflege bezahlen zu können, ist viel Geld notwendig. Ein weiterer Punkt sind die Vertrags­bedingungen. Sie geben darüber Auskunft, was der Versicherer unabhängig von der monatlichen Geldzahlung noch bietet. So ist es beispiels­weise positiv, wenn Versicherte keinen Beitrag mehr zahlen müssen, wenn sie pflegebedürftig werden – und die Leistungen selbst dann noch regel­mäßig steigen.

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Wie viel sollte meine Versicherung im Fall des Falles zahlen, damit ich wirk­lich eine optimale Absicherung habe?

Die Finanztest-Experten haben den Finanzbedarf für eine professionelle, gute Pflege geschätzt und die Lücke ermittelt, die trotz Leistung der gesetzlichen Pflege­versicherung noch zu schließen ist. Für die Pflege zuhause durch Pfle­gekräfte ergeben sich zum Beispiel folgende zusätzliche Kosten im Monat:

In Pfle­gestufe I 540 Euro (entspricht ab 2017 Pfle­gegrad 2)

In Pfle­gestufe II 1 295 Euro (entspricht ab 2017 Pfle­gegrad 3) und

In Pfle­gestufe III 2 365 Euro (entspricht ab 2017 Pfle­gegrad 4 oder 5).

Ein weiterer Punkt der bei der Auswahl eines geeigneten Tarifes bedacht werden sollte, sind die Vertrags­bedingungen. So ist es beispiels­weise positiv, wenn der Kunde von der Beitrags­zahlung frei­gestellt ist, sobald er Leistungen aus der privaten Versicherung erhält. Sehen die Bedingungen das nicht vor, frisst der Beitrag einen Teil der Leistungen auf.

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Was bedeutet eine Warte­zeit von 5 Jahren beim Pflege-Bahr?

Die Warte­zeit bedeutet, dass man in den ersten fünf Vertrags­jahren keine Leistungen bekommt, auch wenn man während dieser Zeit pflegebedürftig wird. In den unge­förderten Tarifen verzichten die Versicherer oft auf Warte­zeiten.

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Sollte ich meine Pfleg­etagegeld­versicherung kündigen und einen Kombitarif abschließen, um die staatliche Förderung mitzunehmen?

Davon raten die Finanztest-Experten eher ab. Die besten unge­förderten Tarife und Kombitarife schließen zwar die finanzielle Lücke zwischen den gesetzlichen Leistungen und den tatsäch­lichen Pflege­kosten. Bei einem neuen Vertrag können jedoch höhere Beiträge anfallen und es müssen erneut Gesund­heits­fragen beant­wortet werden.

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Reichen die heute vereinbarten Leistungen auch in 20 Jahren aus oder sollte ich einen Tarif mit Beitrags­dynamik abschließen?

Vom Vertrags­beginn bis zur Pflegebedürftig­keit können gut 30 und mehr Jahre vergehen. Pflege wird dann teurer sein. Eine Dynamisierung ist daher sinn­voll. Dynamisierung heißt, Leistungen und Beiträge steigen regel­mäßig. Maßstab kann die Inflations­rate sein.

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Habe ich als über 60-Jähriger oder als chro­nisch Kranker andere Möglich­keiten, für den Pflegefall vorzusorgen?

Informieren Sie sich auch über Vorsorge für den Pflegefall ohne Versicherung: Es gibt verschiedene Wege, Rück­lagen zu bilden, auf die Sie im Pflegefall zurück­greifen können. Haben Sie Wohn­eigentum, können Sie früh­zeitig in den barrierefreien Umbau investieren. Außerdem gibt es in vielen Städten und Gemeinden Möglich­keiten der „sozialen Vorsorge“, zum Beispiel über Nach­barschafts­hilfe, Tauschringe, Kirchen­gemeinden oder Mehr­generationen-Wohn­projekte.

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Ich habe sehr wenig Geld und kann nichts fürs Alter zurück­legen. Falls ich später gepflegt werden muss, kommt die Pflege­versicherung doch trotzdem für alles auf?

Nein. Je nach Pfle­gegrad bekommen Sie Leistungen aus der Pflege­versicherung ausbezahlt. Sind Sie gesetzlich versichert, zahlt die Pflegekasse, die bei Ihrer gesetzlichen Krankenkasse angesiedelt ist. Sind Sie privat versichert, ist die private Pfle­gepflicht­versicherung dran. Das reicht aber meist nicht, um alle Kosten für die Pflege zu decken. Wenn Sie nichts zurück­gelegt haben, springt das Sozial­amt ein. Wenn möglich, holt es sich aber Geld von Ihren Kindern zurück.

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Ich bin 66 Jahre alt, in Rente, erwarte keine familiäre Unterstüt­zung und kann mir keine Pfle­ge­tagegeld­versicherung leisten. Was tun?

Wie jemand sein Geld ausgibt, ist seine Entscheidung. In diesem Alter kann man sich aber noch entscheiden, wo man alt werden will. Etwa in einer Wohn­anlage, die gleich­zeitig Hilfe­leistungen anbietet oder in der Menschen wohnen, deren Konzept es ist, sich gegen­seitig zu unterstützen – unabhängig von der verwandt­schaftlichen Nähe. So können Sie vorbeugen für den Fall, dass Sie irgend­wann einmal schwächer werden und sich teure Hilfs­leistungen von außen einkaufen müssen. Auch wenn Sie pflegebedürftig werden sollten, kann dadurch so einiges abge­federt werden.

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Beim letzten Test von Pflege­versicherungen habe ich meinen Versicherer vermisst. Warum fehlen manche Unternehmen?

Zu Beginn eines Tests schreiben wir alle Unternehmen an, die von der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht in dieser Sparte zugelassen sind, und fordern sie auf, uns detaillierte Produkt­informationen zu schi­cken. Nicht immer erhalten wir eine Rück­meldung. Das hat verschiedene Gründe: Ein Versicherer über­arbeitet zum Beispiel gerade sein Angebot, so dass es zum Veröffent­lichungs­zeit­punkt nicht mehr erhältlich, das neue zu unserem Stichtag aber noch nicht fertig ist. Andere Anbieter scheuen den Vergleich. In jedem Fall über­prüfen wir die Angaben der Versicherer und versuchen, uns fehlende Unterlagen anders zu beschaffen. Das gelingt nicht immer. Möglich ist auch, dass ein Anbieter fehlt, weil er ein Auswahl­kriterium nicht erfüllt, etwa keinen Tarif in einer Produktkategorie anbietet oder nicht für das dem Test zugrunde liegende Modell.

Die Gesund­heits­prüfung

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Muss ich meinen Herz­schritt­macher im Versicherungs­antrag angeben? Ist das ein Ablehnungs­grund?

Antrags­steller kommen nicht darum herum, den Herz­schritt­macher anzu­geben. Denn sie müssen im Antrag alle Fragen zu Behand­lungen, Unter­suchungen und Diagnosen beant­worten und ihre Ärzte von der Schwei­gepflicht entbinden. Für welche Krankheiten Versicherer Risiko­zuschläge verlangen und welche ein Ablehnungs­grund sind, geben sie nicht bekannt. Die Unternehmen hand­haben dies unterschiedlich. Eine Herz­krankheit wird die Suche nach einem Vertrag sicherlich erschweren. Wer eine Police haben will, sollte deshalb gleich bei mehreren Versicherern parallel sein Glück versuchen. Denn wer bereits einmal abge­lehnt wurde, muss dies in folgenden Anträgen bei anderen Versicherern angeben. Das verschlechtert die Chancen.

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Wenn ich mehrere Anträge gleich­zeitig stelle, könnte ich mehrere Verträge bekommen. Wie verhindere ich, dass ich mehr­fach Beiträge zahle?

Versicherungs­kunden haben ein Widerrufs­recht. Sie können Verträge, die sie nicht behalten möchten, inner­halb von 14 Tagen nach Erhalt der Police widerrufen.

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Kann ich mich absichern, dass die Versicherung später nicht die Leistung verweigert, weil ich eine Krankheit im Antrag nicht angegeben habe?

Leider ist uns keine Pfleg­etagegeld­versicherung bekannt, bei der die Versicherungs­gesell­schaft auf Gesund­heits­fragen verzichtet und statt­dessen eine Eingangs­unter­suchung macht. Eine hundert­prozentige Sicherheit gibt es also nicht.

Geld­anlage statt Pflege­zusatz­versicherung

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Ich bin 35 Jahre alt und will selbst Vorsorge statt einer Zusatz­pflege­versicherung betreiben. Welcher Monats­betrag ist realistisch?

Wenn man jung ist, haben andere Themen Priorität. Erst einmal sollte man dafür sorgen, dass die Altersvorsorge, die Privathaftpflicht und die Berufsunfähigkeit abge­sichert sind. Erst wenn das Gehalt sicher ist und man weiß, dass man den Beitrag auch dauer­haft bezahlen kann, lohnt es sich, über eine Absicherung für den Pflegefall nach­zudenken. Eine individuelle Geld­anlage ist natürlich ebenfalls möglich. Als Anhalts­punkt kann ein Wert aus dem Pflegereport der Barmer GEK dienen. Demnach mussten Frauen im Durch­schnitt rund 45 000 Euro aus eigener Tasche für ihre Pflege bezahlen. Im Einzel­fall können die Pflege­kosten jedoch auch mehrere hundert­tausend Euro betragen. Das Problem ist, dass niemand im Voraus wissen kann, ob und in welcher Pfle­gestufe er pflegebedürftig wird und wie viele Jahre er dann noch leben wird.

Beiträge steuerlich absetzen

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Kann ich die Beiträge für eine Pflege­zusatz­versicherung von der Steuer absetzen?

Ja. Beamte, Selbst­ständige, Pensionäre und Rentner bekommen auf diese Weise einen kleinen Steuer­vorteil. Angestellte haben meist nichts davon, weil sie ihren Höchst­betrag schon durch andere Versicherungs­beiträge ausschöpfen. Seit 2010 erkennt das Finanz­amt höhere Beiträge zur Kranken- und Pflege­versicherung an. Aber dazu gehören nur Beiträge, die zur Grund­versorgung gezahlt werden – also nur die Pfle­gepflicht­versicherung. In jedem Fall sollten die Ausgaben für die Versicherung in der Steuererklärung bei den Ausgaben für die Gesundheit angegeben werden.

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Muss ich Geld aus meiner privaten Pfleg­etagegeld­versicherung als Einkommen versteuern?

Nein. Leistungen aus Kranken- und Pflege­versicherungen sind steuerfrei.

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Ich bin Beamtin und erhalte im Pflegefall Beihilfe. Außerdem bin ich bei einem privaten Kranken­versicherer in der Pfle­gepflicht­versicherung. Brauche ich noch eine weitere Absicherung?

Auch für Sie als Beamtin ist es sinn­voll, für den Pflegefall vorzusorgen. Denn die Beihilfe deckt zusammen mit den Leistungen Ihrer Pfle­gepflicht­versicherung nur so viel ab, wie die gesetzliche Pflegekasse zum Beispiel einem Arbeitnehmer zahlen würde. Die tatsäch­lichen Kosten sind jedoch oft deutlich höher. Ein Teil der Beamten hat für den Fall einer Pflege im Heim jedoch einen Vorteil: Wenn die Kosten für Unterkunft und Verpflegung und die Investitions­kosten im Pfle­geheim einen bestimmten Prozent­satz ihres Einkommens über­steigen, erhalten sie zusätzliches Geld von der Beihilfe.

Der Eltern­unterhalt

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Wann muss ich für die Eltern zahlen?

Wenn Sie als Kind genug Geld haben, müssen Sie alle Kosten über­nehmen, die Ihre Eltern nicht selbst bezahlen können. Zunächst springt zwar das Sozial­amt ein. Es fordert das Geld aber später von den Kindern zurück. Gibt es mehrere Geschwister, wird bei allen geprüft, inwieweit sie einen Beitrag zum Unterhalt der Eltern leisten können. Allerdings müssen Sie nur Mittel einsetzen, die Sie nicht für den Lebens­unterhalt der eigenen Familie und für Ihre Alters­vorsorge benötigen. Wie hoch die Frei­grenze für den angemessenen Lebens­unterhalt ist und welches Vermögen als „Schon­vermögen“ unangetastet bleibt, müssen die Sozial­ämter im Einzel­fall prüfen. Die Frei­grenzen liegen aber grund­sätzlich höher als für den Bezug von Hartz-IV-Leistungen. Die Beträge können jedoch sehr unterschiedlich hoch ausfallen. Informieren Sie sich deshalb beim zuständigen Sozial­amt. Die Verwaltungs­praxis ist bundes­weit einheitlich geregelt.

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Wer berechnet für mich, wie hoch ich als Tochter belastet werde, wenn die Rente meiner vermögens­losen Mutter nicht zur Deckung der Pflege­kosten reicht?

Ganz konkret berechnen kann das ein Fach­anwalt für Familien­recht oder Sozialrecht. Allgemein gilt: Einem unter­halts­pflichtigen Kind müssen wenigs­tens 1 800 Euro vom monatlichen Netto­einkommen verbleiben. Wer also als Lediger netto weniger als 1 800 Euro im Monat verdient, muss auch nichts zahlen. Für Verheiratete gilt: Mindestens 3 240 Euro des monatlichen Familien­einkommens sind derzeit unantast­bar. In der Praxis ist der so genannte Selbst­behalt der unter­halts­pflichtigen Kinder aber noch höher, weil zum Beispiel auch Ausgaben für die eigene Alters­vorsorge oder Unterhalt für eigene Kinder Vorrang vor dem Unterhalt der Eltern haben.

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Der Eigen­anteil an den Pflege­kosten im Pfle­geheim verändert sich ab 2017. Hat das Auswirkungen auf den Eltern­unterhalt?

Es gibt ab 1. Januar 2017 einen einheitlichen Eigen­anteil an den Pflege­kosten, die Heimbe­wohner aus eigener Tasche bezahlen müssen. Er ist für alle Pfle­gegrade gleich und wird vom Heim fest­legt. Vereinfacht entspricht er dem Durch­schnitt der bisherigen Eigen­anteile aus Pfle­gegrad I bis III. Ob sich der Eltern­unterhalt verändert, ist abhängig von der Pfle­gestufe. In Pfle­gestufe III liegt der Eigen­anteil in der Regel unter dem bis 2016 geltenden Eigen­anteil. Damit reduziert sich auch der Eltern­unterhalt für die erwachsenen Kinder. In Pfle­gestufe I und II hat es meist keine Auswirkungen.

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Wie werden die Kosten der Pflege zwischen mehreren Kindern verteilt, wenn die eigene Rente und das Vermögen der zu Pflegenden aufgebraucht ist?

Zunächst wird von den Kindern natürlich nur das Kind zum Unterhalt für die Eltern heran­gezogen, das selbst genug verdient. Wenn mehrere Kinder leistungs­fähig sind, wird die Unter­halts­last unter den Kindern gemäß ihrem Einkommen verteilt. Ein Beispiel: Eine Tochter kann bis zu 100 Euro monatlich Unterhalt zahlen und ihr Bruder 300 Euro. Die offenen Heim­kosten betragen 300 Euro im Monat. Dann hat die Tochter von den 300 Euro ein Viertel (75 Euro) zu über­nehmen und der Bruder drei Viertel (225 Euro).

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Werden auch Schwieger­kinder in den Eltern­unterhalt einbezogen?

Die Schwieger­kinder sind nie direkt unter­halts­pflichtig gegen­über ihren Schwieger­eltern. Ihr Einkommen wird allerdings bei der Frage berück­sichtigt, wie leistungs­fähig ihr Ehepartner (Tochter oder Sohn der pflegebedürftigen Person) ist. So kann es kommen, dass beispiels­weise eine Hausfrau ohne eigenes Einkommen Unterhalt für die Pflege ihrer Eltern zahlen muss, weil ihr Ehemann sehr gut verdient. Das nennt man auch mittel­bare Schwiegerkindhaftung.

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Muss eine kinder­lose Ehefrau ihr Vermögen antasten, wenn der Ehemann pflegebedürftig wird?

Zunächst einmal: Der Ehemann muss sein Einkommen und sein Vermögen für seinen eigenen Unterhalt einsetzen. Erst wenn das nicht ausreicht, kommt es zu der Frage, ob Sie als Ehefrau Unterhalt zahlen müssen. Hier gelten eigene Grund­sätze: So ist die selbst bewohnte Immobilie grund­sätzlich Schon­vermögen. Das heißt: Wenn Sie weiter in der Immobilie wohnt, während Ihr Mann zum Beispiel im Pfle­geheim lebt, kann das Sozial­amt den Verkauf nicht verlangen.

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