Muster­fest­stellungs­klage

Muster­fest­stellungs­klage gegen Otto-Inkasso

Muster­fest­stellungs­klage - Klagen im Namen der Verbraucher – alle Infos
Eos. Wenn Otto sein Inkasso-Unternehmen Eos losschickt, wird es sehr teuer für säumige Kunden. Der vzbv hält das für rechts­widrig. Teilnehmern der Klage winkt eine Erstattung. © Alamy Stock Photo / Joko

Der Verbraucherzentrale Bundes­verband (vzbv) hat das Otto-Inkasso wegen Kostentreiberei verklagt. Wir beant­worten wir die wichtigsten Fragen zur Eos-Musterklage.

Inhalt

Unzu­lässige Gebührentreiberei

Worum geht es bei der Klage?

Die Otto-Group mit dem Otto-Versand als Flaggschiff hat mehrere Unternehmen gegründet, um die Bezahlung offener Forderungen durch­zusetzen. Die Eos Investment GmbH über­nimmt offene Forderungen. Anschließend beauftragt sie die Eos Deutscher Inkasso-Dienst GmbH (Eos DID) damit, das Geld einzutreiben.

Die Folge für betroffene Verbraucher: Sie müssen zum Teil horrende Gebühren zusätzlich zahlen. Der vzbv berichtet von Einzel­fällen, wo der Otto-Inkasso­dienst zusätzlich zur Zahlung des geforderten Betrags fast 500 Euro forderte. Würde die EOS Investment GmbH selbst die Forderungs­schreiben verschi­cken, könnte das Unternehmen nur Mahn­kosten von wenigen Euro geltend machen.

„Mit unserer Muster­fest­stellungs­klage wollen wir als vzbv der Praxis des Konzerninkassos einen Riegel vorschieben,“ erklärt vzbv-Vorstand Klaus Müller. Es könne nicht sein, dass Verbrauchern allein durch die Einschaltung eines Schwester­unter­nehmens hohe zusätzliche Kosten entstehen.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind alle Verbraucher, von denen die Eos Deutscher Inkasso-Dienst GmbH (Eos DID) beim Einzug von Otto-Forderungen hohe Gebühren fordert oder die ab 1.1.2018 solche Gebühren gezahlt haben.

Zur Otto-Group gehören vor allem das gleichnamige Versand­haus (korrekt: Otto GmbH & Co KG), die Bonprix Handels­gesell­schaft mbH und die Sheego GmbH. Außerdem wird das Otto-Inkasso für Banken wie der BNP Paribas, Santander Consumer Bank AG oder Commerz­bank AG tätig.

Was soll ich als Betroffener jetzt tun?

Unter www.musterfeststellungsklagen.de/eos/klage-check können Sie prüfen, ob Sie betroffen sind. Falls ja, können Sie Ihre Rechte beim Bundes­justiz­amt anmelden.

Wie die Muster­fest­stellungs­klage funk­tioniert

Wie nehme ich als Betroffener an der Muster­fest­stellungs­klage teil?

Sie müssen Ihre Rechte zur Muster­fest­stellungs­klage über das Online-Formular des Bundesjustizamtes oder per Brief anmelden.

Kostet das etwas?

Nein, die Anmeldung Ihrer Rechts zu dieser oder einer anderen Muster­fest­stellungs­klage ist kostenlos.

Brauche ich dafür einen Anwalt?

Nein, Sie können Ihre Rechte selbst anmelden. Das Bundes­amt für Justiz bietet dafür ein Online-Formular an.

Was muss ich beachten?

Füllen Sie das Formular korrekt aus. Schreiben Sie unter „Angaben zu Gegen­stand und Grund“ zum Beispiel:

Die Eos Deutscher Inkasso-Dienst GmbH [oder ein anderes Inkassounternehmen aus dem Otto-Konzern] fordert[e] von mir zuletzt mit Schreiben vom [Datum], Aktenzeichen [ergänzen] zusätzlich zu einer abge­tretenen angeblichen Forderung X Euro [Betrag] Gebühren. Ich halte das für unzu­lässig. Die Gebühren wären nicht angefallen, wenn der ursprüng­liche Forderungs­inhaber selbst oder das zunächst einge­schaltete Inkassounternehmen die angebliche Forderung geltend gemacht hätten.

Auf die genaue Formulierung kommt es nicht an. Wichtig ist nur, dass erkenn­bar wird, welche womöglich rechts­widrigen Gebühren­forderungen genau Inkasso-Unternehmen aus dem Otto-Konzern gegen Sie geltend machen oder gemacht haben.

Was nützt mir die Anmeldung meiner Rechte zur Muster­fest­stellungs­klage?

Das Urteil in dem Verfahren gilt dann direkt auch für Sie. Setzt sich der vzbv durch, dann steht fest, dass Sie über­zogene Gebühren nicht bezahlen müssen oder diese zurück­bekommen, falls Sie bereits gezahlt haben. Wichtigster Effekt der Anmeldung der Rechte: Die Verjährung ist gestoppt. Die Erstattung von Beträgen, die Sie vor dem 1.1.2019 gezahlt haben, wird möglicher­weise bereits Ende 2021 verjähren.

Kann die Muster­fest­stellungs­klage für mich auch zu Nach­teilen führen?

Theoretisch ja. Denn wenn die Muster­fest­stellungs­klage (rechts­widrig) als unbe­gründet abge­wiesen werden würde, wären dadurch alle Verbraucher gebunden, die ihre Rechte angemeldet haben. Dass das in diesem Fall passiert, halten wir aber für praktisch ausgeschlossen.

Kann ich mich auch wieder abmelden?

Ja, Sie können die Anmeldung Ihrer Rechte zur Muster­fest­stellungs­klage bis zu dem Tag zurück­nehmen, an dem der Fall erst­mals mündlich verhandelt wird. Fällt später ein Urteil, dann gilt das nach recht­zeitiger Rück­nahme Ihrer Anmeldung für Sie nicht. Der Verjährungs­stopp allerdings bleibt. Er endet erst sechs Monate nach der Rück­nahme Ihrer Anmeldung.

Welches Gericht entscheidet über die Musterklage gegen die Eos Investment GmbH?

Zuständig ist das Hanseatische Ober­landes­gericht in Hamburg.

Wo kann ich weitere Einzel­heiten zur Otto-Inkasso-Musterklage nach­lesen?

Der vzbv informiert unter musterfeststellungsklagen.de/eos.

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243 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Profilbild Stiftung_Warentest am 23.05.2022 um 12:19 Uhr
Musterfeststellungsklagen gegen Sparkassen

@guenter.he: Nur Kunden der betreffenden Sparkasse, um deren Rechte es geht, können sich zu den verschiedenen Musterfeststellungsklagen anmelden und so die Verjährung stoppen. Alle anderen müssen sich selbst an ihre Sparkasse wenden. Soweit Verjährung droht, können sie sich beim jeweils zuständigen Ombudsmann beschweren oder gerichtliche Schritte einleiten. So lange keine Verjährung droht, bietet es sich an abzuwarten, bis am Ende der Musterfeststellungsverfahren feststeht, wie Prämiensparpläne abzurechnen sind.

guenter.he am 22.05.2022 um 21:49 Uhr
Musterfeststellungsklagen gegen Sparkassen

Kann ich mich auch als Nichtkunde der aufgeführten Sparkassen zur Musterfestellungsklage anmelden?
Wenn die Musterfeststellungsklagen gegen die Sparkassen Erfolg haben, was ist dann von mir zu unternehmen

M_Schmalzbauer am 08.09.2021 um 18:40 Uhr
Verweigerung von Volkswagen bei SKODA Kfz?

Ich habe den Mustertext wegen eines SKODA zur Geltendmachung von eventuellen Restschadenersatz an die empfohlene Adresse von Volkswagen versandt. Heute erhielt ich dazu eine E-Mail von kundenbetreuung@volkswagen.de:
"Da es sich bei der ŠKODA AUTO Deutschland GmbH um eine eigenständige Marke im
Volkswagen Konzern handelt, bitten wir Sie, sich mit dem Anliegen dorthin zu wenden.
Gern teilen wir Ihnen die Kontaktdaten mit:
ŠKODA AUTO Deutschland GmbH
Kundenbetreuung
Max-Planck-Straße 3-5
64331 Weiterstadt
Telefon:  +49 800 4424244
Fax:          +49 6150 133 199
E-Mail:     info@skoda-auto.de
Aufgrund der strikten Markentrennung, die innerhalb der Volkswagen Organisation gelebt wird,
können wir Ihnen auch bei einem erneuten Anspruchsschreiben Ihrerseits keine andere Antwort
zukommen lassen."
Ist im Falle des Restschadenersatz dann tatsächlich nicht die Volkswagen AG zuständig?
Haben andere diese Erfahrung auch schon gemacht?

Flugrecht am 08.07.2021 um 07:56 Uhr
Neue Musterfeststellungsklage

Zu Daimler gibt es inzwischen auch eine eigene Musterfeststellungsklage:
https://rechtecheck.de/verkehrsrecht/abgasskandal/mercedes-musterfeststellungsklage-anschliessen/

Profilbild test.de-Redakteur_Herrmann am 04.01.2021 um 12:24 Uhr
Forderungsschreiben Reaktion

@Louis123: Bitte um Verständnis: Die Antwort auf Fragen zu rechtlichen Verhältnissen im Einzelfall ist Rechtsberatung, wie sie von Gesetzes wegen Rechtsanwälten und Verbraucherzentralen vorbehalten ist. Die Stiftung Warentest informiert über die Rechtslage allgemein. Danach gilt:
Ein Vergleich ist wie jeder andere Vertrag auch erst und nur abgeschlossen, wenn eine Seite ein Angebot der anderen angenommen hat.
Kommt kein Vergleich zustande, bleibt nur, auf dem Rechtsweg zu klären, ob eine Seite der anderen verpflichtet. Zu Verjährung ist noch zu beachten: Während Verhandlungen über den Anspruch oder seine Grundlagen ist sie gem. § 203 BGB
www.gesetze-im-internet.de/bgb/__203.html
gehemmt.