Muster­fest­stellungs­klage Special

Bisher musste in Deutsch­land jeder Verbraucher für sich klagen. Jetzt können sie sich an Muster­fest­stellungs­klagen beteiligen – ohne Risiko. Gewinnen Verbraucher­schutz­verbände solche Klagen, dann steht fest: Registrierte Verfahrens­teilnehmer bekommen ihr Recht. Der Verbraucherzentrale Bundes­verband hat schon gegen VW Klage erhoben. Die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden klagt gegen zwei Auto­kredit­banken. Zur Klage gegen VW haben sich bereits über 81 000 Menschen angemeldet.

Muster­fest­stellungs­klage – alle Informationen, alle Klagen

Alle Informationen. Im Folgenden lesen Sie alles, was Sie über das Thema Muster­fest­stellungs­klage grund­legend wissen sollten.

Klage gegen VW. Der Verbraucherzentrale Bundes­verband klagt mit Unterstüt­zung des ADAC gegen Volks­wagen. Es geht um die Fest­stellung, dass Besitzer von VW-Skandal­autos zu entschädigen sind. Hier lesen Sie alle Details zur Klage gegen VW.

Klage gegen die Mercedes-Bank. Die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden klagt gegen die Mercedes-Bank. Es geht um die Fest­stellung, dass bestimmte, von Auto­händ­lern vermittelte Kredit­verträge auf Dauer widerruflich sind. Kunden könnten ihr Auto dann zurück­geben. Kunden der Mercedes-Bank können sich ab sofort an der Musterklage beteiligen. Hier lesen Sie alle Details zur Klage gegen die Mercedes-Bank.

Klage gegen die VW-Bank. Die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden klagt gegen die VW-Bank. Es geht um die Fest­stellung, dass bestimmte, von Auto­händ­lern vermittelte Kredit­verträge auf Dauer widerruflich sind. Viele Kunden könnten ihr Auto dann zurück­geben. Hier lesen Sie alle Details zur Klage gegen die VW-Bank.

Wie funk­tioniert die Muster­fest­stellungs­klage?

Seit dem 1. November 2018 gibt es diese neue Klage­möglich­keit für registrierte Verbraucher­schutz­verbände wie den vzbv, die verschiedenen Verbraucherzentralen, die Schutzgemeinschaft für Bankkunden, den Bund der Versicherten oder den Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC). Sie sind schon jetzt berechtigt, von Unternehmen zu fordern, verbraucherfeindliche Praktiken zu unterlassen. Nun können Verbände mit mindestens 350 Mitgliedern oder zehn Mitglieds­verbänden, die seit mindestens vier Jahren für Unterlassungs­klagen registriert sind, auch Fest­stellungs­klagen erheben. Weitere Voraus­setzung: Höchs­tens fünf Prozent der Finanzen des Verbandes kommen von Unternehmen.

Zusätzliche Hürde für Muster­fest­stellungs­klagen: Inner­halb von zwei Monaten ab öffent­licher Bekannt­machung der Musterklage müssen mindestens 50 Verbraucher ihre Rechte zur Eintragung in das Klage­register angemeldet haben.

Beispiel: Klage gegen VW vor dem OLG Braun­schweig

Der vzbv hat beim Ober­landes­gericht Braun­schweig die Fest­stellung beantragt, dass die Volks­wagen AG Besitzern von Autos zum Schaden­ersatz verpflichtet ist, wenn die Wagen erst auf Geheiß des Kraft­fahr­bundes­amt eine legale Motorsteuerung erhalten haben. Die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden will fest­gestellt wissen, dass bestimmte Kredit­verträge zweier Auto­banken wegen fehler­hafter Verbraucher­informationen auf Dauer widerruflich sind. Betroffene Verbraucher können sich voraus­sicht­lich ab Ende November 2018 für diese Musterklagen registrieren lassen. Wenn sie es tun, gilt das Urteil direkt auch für sie. Ergeht das von den Verbraucherschützern beantragte Fest­stellungs­urteil, steht fest, dass VW ihnen Schaden­ersatz schuldet oder sie berechtigt sind, Auto­kredit­verträge zu widerrufen. Nur über die Höhe des Schaden­ersatzes oder die Rück­abwick­lung kann im Einzel­fall noch gestritten werden.

Tipp: Alle Fragen rund den Diesel­skandal – über die Muster­fest­stellungs­klage hinaus – bieten Ihnen unsere großen FAQ Abgasskandal. Wo Fahr­verbote drohen, steht in den FAQ Diesel-Fahrverbote.

Was Verbraucher tun müssen, um zu profitieren

Verbraucher müssen sich für eine Musterklage, die sie betrifft, registrieren lassen. Das ist kostenlos. Links zur Anmeldung finden Sie in den Informationen zu den jeweiligen Musterklagen.

Details zur Klage gegen VW
Details zur Klage gegen die VW-Bank
Details zur Klage gegen die Mercedes-Bank

Das Verfahren findet jeweils nur statt, wenn sich inner­halb von zwei Monaten mindestens 50 Betroffene registrieren. Über alle Einzel­heiten zur VW-Muster­fest­stellungs­klage informiert der vzbv unter musterfeststellungsklagen.de. Die Schutz­gemeinschaft für Bank­kunden informiert über ihre beiden Muster­fest­stellung­klagen unter musterfeststellungsklage.de.

Das bringt die Muster­fest­stellungs­klage den Verbrauchern

Sie ermöglicht es Verbrauchern, sich ohne eigenes Risiko Verbraucher­schutz­klagen verbindlich und mit minimalem Aufwand anzu­schließen. Sogar die Erstattung von illegalen Gebühren in Höhe von wenigen Euro, etwa im Zusammen­hang mit Krediten (FAQ Kreditbearbeitungsgebühren), lässt sich auf diese Weise mit vertret­barem Aufwand durch­setzen. Das Interesse ist gewaltig. Für die Muster­fest­stellungs­klage des vzbv gegen VW haben sich bereits in den ersten zwei Wochen nach dem Start mehr als 81 000 Käufer von Skandal­autos angemeldet. Und der vzbv geht davon aus: Es werden noch viel mehr.

Die Muster­fest­stellungs­klage ist keine Sammelklage

Die Muster­fest­stellungs­klage ist keine regelrechte Sammelklage, wie es sie vor allem in den USA gibt. Dort können die Gerichte Unternehmen verurteilen, an eine unbe­stimmte Vielzahl von Menschen mehr oder weniger hohe Entschädigungen zu zahlen. Das dürfen deutsche Gerichte auch in Zukunft nicht. Immerhin: Die Muster­fest­stellungs­klage ermöglicht es, gesammelt für alle Betroffenen fest­stellen zu lassen, dass grund­sätzlich eine Entschädigung zu zahlen ist. Wie hoch die ist, wird allerdings weiter im Einzel­fall geklärt.

So viel Schlag­kraft haben die Verbraucher­schutz­verbände

Die Erfahrungen mit Unterlassungs­klagen etwa gegen Unternehmen mit verbraucherfeindlichen Geschäfts­bedingungen zeigen: Die Verbände haben genug Schlag­kraft, um wichtige Rechts­fragen klären zu lassen. Viel hängt allerdings davon ab, wie hoch die Gerichte den Streit­wert von Muster­fest­stellungs­verfahren ansetzen werden.

Das neue Gesetz enthält dazu nur eine einzige Regelung: Höchst­grenze für den Streit­wert von Muster­fest­stellungs­verfahren sind 250 000 Euro. Gehen die Gerichte – wie bei Unterlassungs­klagen üblich – von einem Streit­wert von 2 500 Euro je Fall aus, werden sich Verbraucher­schutz­verbände eine ganze Reihe von Klagen leisten können. Setzen die Gerichte höhere Streit­werte an, wird es schwierig. Das Prozess­kostenrisiko steigt dann. Eine Klage mit einem Streit­wert von 250 000 Euro kostet, wenn es – wie bei Verbraucher­schutz­streitig­keiten oft – durch alle möglichen Instanzen geht, mindestens knapp 75 000 Euro. Sind aufwendige Sach­verständigen­gut­achten oder andere Beweis­erhebungen nötig, dann wir es noch teurer. Zahlen muss, wer am Ende verliert. Der vzbv erhält zusätzliche Mittel, um das Prozess­kostenrisiko und das erforderliche zusätzliche Personal für die Muster­fest­stellungs­klage gegen VW zu finanzieren.

Alternative Wege bleiben für Verbraucher bestehen

An der Möglich­keit, Verbraucher­forderungen an Unternehmen wie wegen des VW-Skandal Myright.de, wegen der Erstattung illegaler Kredit­bearbeitungs­gebühren Metaclaims oder wegen Flug­gast­rechten an Flight­right, Fairplane oder ein anderes Verbraucherinkassounternehmen abzu­treten, ändert sich nichts. Solche zuweilen ebenfalls als „Sammelklage“ bezeichnete Verfahren bleiben zulässig.

Dieses Special ist erst­mals am 9. Mai 2018 auf test.de erschienen. Es wurde seitdem regel­mäßig aktualisiert, zuletzt am 14. Dezember 2018.

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