FAQ Masern Special

Droht eine neue Masernwelle? In diesem Jahr sind in Deutsch­land bereits 462 Menschen an Masern erkrankt – das sind mehr als im ganzen Jahr 2016. Impf­lücken tragen dazu bei, dass die Masern immer wieder ausbrechen. Im Rahmen der aktuellen Europäischen Impf­woche ruft die Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung dazu auf, den Impf­schutz über­prüfen zu lassen. test.de sagt, wer aktuell besonders betroffen ist und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema Masern.

Ihre Fragen, unsere Antworten

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Wer ist aktuell betroffen?

Im laufenden Jahr gingen bereits Daten von 462 Masernfällen am RKI ein (Stand: 9.4.2017) – aus allen Bundes­länder bis auf Meck­lenburg-Vorpommern. Besonders viele Fälle wurden aus Duisburg gemeldet. Auch in Leipzig und Berlin, dem Lahn-Dill-Kreis und dem Land­kreis Limburg-Weilburg in Hessen sowie Frank­furt traten die Masern vergleichs­weise häufig auf. In den meisten Bundes­ländern sind die Fall­zahlen wieder gesunken. In Nord­rhein-West­falen, insbesondere Duisburg, breiten sich die Masern dagegen weiter aus. Besorgnis­erregend ist, dass es sich bei rund 100 der aktuell Erkrankten um Kinder in den ersten beiden Lebens­jahren handelt. In den letzten Jahren haben die Masernfälle im Kindes­alter zugenommen. Warum kleine Kinder gegen Masern geimpft werden sollten, erklärt ein Film der Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung.

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Woher weiß ich, dass ich gegen Masern geimpft bin?

Prüfen Sie Ihren Impf­pass. Dort sollten im Ideal­fall zwei Impfungen gegen Masern verzeichnet sein. Meist wird die Impfung als Kombination mit der gegen Mumps und Röteln verabreicht und ist unter der Abkür­zung MMR zu finden. Sind in der Spalte „Masern, Mumps, Röteln“ zwei Kreuzchen, ist der Impf­schutz komplett. Wenn Sie nicht sicher sind, wie sich der Impf­pass lesen lässt, wenden Sie sich an Ihren Haus­arzt oder nutzen Sie das inter­aktive Hilfs­angebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Haben Sie Ihren Impf­pass nicht mehr zur Hand? Finden Sie darin nur ein oder gar kein Kreuz in der Spalte für Masern? Dann könnte eine Impfung für Sie sinn­voll sein.

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Was ist mit Menschen, die schon einmal Masern hatten?

Wer schon einmal an Masern erkrankt ist, hat Antikörper gegen die Erreger gebildet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht davon aus, dass diese natürlich erworbene Masernimmunität anhält und daher keine Impfung nötig ist.

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Welchen Schutz bietet die Impfung?

Erfolg und Sicherheit der Impfung gegen Masern ist durch Studien und jahre­lange Anwendung belegt. Auch die Experten der Stiftung Warentest bewerten die Masern-Impfung als sinn­voll, nach­zulesen in unserem Themenpaket Impfen. Demnach ist die Masern-Impfung bewährt und schützt sicher vor schweren Krank­heits­verläufen. Für Kinder werden zwei Impfungen empfohlen, die erste mit etwa einem Jahr, die zweite vor Ende des zweiten Lebens­jahres. Der Grund für die doppelte Impfung: Etwa 5 Prozent der Kinder bilden aufgrund der ersten Impfung noch keine schützenden Antikörper gegen Masern. Die zweite Dosis soll den Schutz sicher­stellen.

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Sind Neben­wirkungen der Impfung möglich?

In den ersten Tagen nach der Impfung können Impf­reaktionen auftreten, etwa Fieber, Schwel­lungen oder Rötungen an der Einstich­stelle. Nach ein bis vier Wochen bekommen ungefähr 2 von 100 Geimpften vorüber­gehend eine nicht anste­ckende Impf­krankheit mit Fieber und schwachen Haut­ausschlägen. Ernste Komplikationen sind sehr selten. Die Krankheit gilt als ungleich riskanter als die Impfung.

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Sollten sich auch Erwachsene impfen lassen?

Die Ständige Impf­kommis­sion rät allen nach 1970 Geborenen über 18 Jahren, die gar nicht oder nur einmal geimpft wurden, sich impfen zu lassen. Das gilt auch, wenn jemand nicht genau weiß, ob und wie oft die Impfung durch­geführt wurde. Wer sicher ist, noch gar keinen Schutz gegen Masern zu haben, kann mit seinem Arzt besprechen, ob zwei Impfungen sinn­voll sind, ähnlich wie bei Kindern. Hintergrund der Empfehlung: Neuerdings erkranken vermehrt jüngere Erwachsene an Masern, die keinen oder nur unzu­reichenden Impf­schutz aus der Kindheit haben. Der Film Masern-Impfempfehlung für Erwachsene von der Bundes­zentrale für gesundheitliche Aufklärung wendet sich an nach 1970 Geborene, um über die Masern-Impf­empfehlung für Erwachsene zu informieren.

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Sollen sich vor 1970 Geborene impfen lassen?

Das RKI geht davon aus, dass die meisten Deutschen aus den Generationen vor 1970 Masern hatten. Denn damals war die Impfung noch nicht einge­führt, und die hoch­anste­ckende Krankheit griff weit um sich. Wer die Masern einmal über­standen und Antikörper gebildet hat, gilt als lebens­lang geschützt. Daher brauchen ältere Erwachsene in aller Regel keine Impfung. Die Experten der Stiftung Warentest halten die Empfehlung für sinn­voll. Allerdings ist die Alters­grenze möglicher­weise unnötig starr. Vor 1970 Geborene, die ihres Wissens nach bisher keine Impfung und keine Masern hatten, sollten mit dem Arzt sprechen, ob ihnen die Impfung nützen kann.

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Bezahlen die Krankenkassen die Impfung?

Die Krankenkassen erstatten die Kosten für Impfungen, die die Ständige Impf­kommis­sion empfiehlt. Das bedeutet, dass auch die Masern-Impfung für Kinder, Jugend­liche sowie für nach 1970 geborene Erwachsene über­nommen wird. Erwachsene, die vor 1970 geboren sind oder zwei Impfungen statt einer bekommen möchten, sollten das mit dem Arzt besprechen und ihn fragen, ob die Kasse die Kosten über­nimmt.

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Wie verbreiten sich Masern und was sind die Symptome?

Masern-Erreger sind hoch anste­ckend und werden durch Tröpf­chen über­tragen, etwa beim Husten, Niesen oder Sprechen. Haben sie sich erst einmal fest­gesetzt, lassen sie sich nicht bekämpfen, nur die Symptome können behandelt werden. Masern machen sich durch Fieber, Schnupfen, Entzündungen im Hals-Rachen-Raum und roten Ausschlag am ganzen Körper bemerk­bar. Die Viren­erkrankung schwächt das Immun­system bis zu sechs Wochen lang. So können sich noch weitere Erreger einnisten und zusätzliche Infekte verursachen.

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Was hat die Erkrankung für mögliche Folgen?

Häufig leiden besonders Kinder als Folge der Masern auch unter Mittel­ohr- und Lungen­entzündungen. In etwa 1 von 1 000 Fällen kommt es zu einer Gehirn­entzündung, die zum Tod führen oder Folgeschäden verursachen kann. Eine Masern-Erkrankung kann sehr selten auch eine so genannte SSPE (Subakute sklerosierende Panenzephalitis), eine spezielle Form der Gehirn­entzündung, nach sich ziehen. Sie bricht meist erst sechs bis acht Jahre nach den Masern aus und führt stets zum Tod.

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Warum dient die Impfung auch dem Schutz anderer?

Wer sich selbst impfen lässt, trägt auch dazu bei, andere in der Bevölkerung nach dem Prinzip der Herdenimmunität zu schützen. So können Immun­geschwächte oder Babys unter neun Monate in der Regel nicht geimpft werden. Je mehr Personen aber in ihrem Umkreis gegen eine Krankheit wie Masern geimpft sind, desto sicherer sind auch sie vor einer Anste­ckung. Wenn lang­fristig 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, könnten Krankheiten wie Masern ausgerottet werden. Deutsch­land hatte sich der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) verpflichtet, die Masern bis 2015 zu eliminieren. Allerdings waren im Jahr 2015 im Bundes­schnitt nur rund 93 Prozent der Schul­anfänger zweimal gegen Masern geimpft. Laut RKI erfolgt die Masern­impfung häufig zu spät. Nur rund 74 Prozent der Kinder des Geburts­jahr­gangs 2013 hatten am Ende ihres zweiten Lebens­jahres gemäß der Empfehlung der Ständigen Impf­kommis­sion die maßgebliche zweite Masern-Impfung erhalten. Mit dem Nationalen Aktionsplan 2015-2020 zur Elimination der Masern und Röteln in Deutschland will das Bundes­gesund­heits­ministerium die Masern und Röteln in Deutsch­land endgültig besiegen.

Tipp: Wenn Sie wissen wollen, wie es um die Masern-Impf­quote in Ihrem Land- oder Stadt­kreis bestellt ist, dann hilft ein Blick auf die neue inter­aktive Karte VacMap des RKI.

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Wie entwickelten sich die Masern in den vergangenen Jahren?

Während es 2016 nur 325 Masernfälle deutsch­land­weit gab, war 2015 mit fast 2500 Fällen eines der masern­reichsten Jahre seit Beginn der Melde­pflicht im Jahr 2001. Beim Ausbruch 2015 verbreiteten sich die Masern laut RKI zunächst unter Asyl­suchenden, vor allem aus Bosnien, Herzegowina und Serbien. Dort sei es in den 1990er Jahren aufgrund des Krieges zu einem Einbruch der Routineimpfungen gekommen. Später erkrankten laut den Behörden vor allem Berliner. Die Mehr­zahl der Patienten gab an, nicht gegen Masern geimpft zu sein. Die Impfung gilt als einziger wirk­samer Schutz vor der Viren­erkrankung. Wird sie wie empfohlen durch­geführt, bleibt der Schutz nach aktuellen Erkennt­nissen vermutlich ein Leben lang erhalten. Alle Impf­empfehlungen der Stiftung Warentest finden Sie in unserem Themenpaket Impfen.

Dieses Special erschien erst­mals am 11. Februar 2015 auf test.de. Es wurde am 26. April 2017 aktualisiert.

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