FAQ Kleingarten Special

Noch vor ein paar Jahren galt ein Kleingarten als spießig. Inzwischen hat sich die Stimmung gedreht. In den vergangenen fünf Jahren ging fast die Hälfte aller frei werdenden Gärten an junge Familien mit Kindern. Ein echter Boom. Knapp 1,2 Millionen Schreber-Parzellen gibt es in Deutsch­land. Millionen Menschen pflanzen, ernten und erholen sich darin. Sie haben viele Freiheiten – und müssen einige Regeln beachten. test.de gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Schrebergarten.

Anschaffung eines Kleingartens

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Was macht den Kleingarten zu einem besonderen Stück­chen Erde?

Die Pächter müssen sich an die Vorschriften des Bundeskleingartengesetzes halten. So dürfen sie etwa Obst und Gemüse nur für den Eigenbedarf anbauen. Außerdem dienen Kleingärten der Erholung. Die Wege zwischen den Parzellen sind deswegen oft auch für Spaziergänger oder Jogger zugäng­lich. Das Bundes­kleingartengesetz macht den Gartenfreunden nicht nur Vorschriften. Es schützt sie auch: Die Höhe der Pacht unterliegt zum Beispiel nicht den Regeln des freien Marktes und ist sehr günstig. Außerdem genießen die Pächter Kündigungs­schutz: So lange sie sich an die Regeln halten und die Fläche grund­sätzlich für Kleingärten genutzt werden darf, kann niemand ihnen ihr Pacht­land wegnehmen.

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Warum müssen Kleingärtner Mitglied im Verein sein?

Eine Kleingartenkolonie wird als gemeinnütziger Verein geführt. Der Verein verpachtet die Gärten allerdings nur an Mitglieder. Kleingärtner sollten sich daher nicht nur für die Garten­pflege begeistern, sondern für das Vereins­leben. Dazu gehören gemein­same Feste, aber meist auch Arbeits­einsätze, um beispiels­weise das Vereins­haus in Schuss zu halten oder die Gemein­schafts­wege zu pflegen.

Tipp: Lesen Sie die Satzung des Vereins, bevor Sie einen Kleingarten pachten. In ihr steht oft, im welchem Umfang Sie sich für den Verein engagieren müssen.

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Wie kommen Interes­senten zu einem Kleingarten?

Interes­sierte sollten die Kleingarten­anlagen besuchen, die in der Nähe ihres Wohn­orts liegen. Sie können sich dort an die Vereins­vorstände wenden und fragen, ob es freie Gärten gibt. Falls nicht, haben die meisten Vereine Wartelisten. Gartenfreunde, die sich für das Vereins­leben interes­sieren und gern daran teilnehmen, sollten das nicht verschweigen. Denn bei der Vergabe der Parzellen geht es nicht immer strikt nach der Reihen­folge. Normaler­weise wird ein freier Garten mehreren Interes­senten gezeigt, und der Verein entscheidet dann, wer den Zuschlag bekommt. Oft werden freie Gärten auch in Tages­zeitungen oder an den schwarzen Brettern im Supermarkt annonciert.

Tipp: Schauen Sie auf die Internet­seiten Ihres zuständigen Landes- oder Bezirks­verbands für Kleingärten. Dort sind oft Kolonien mit freien Gärten gelistet. Auf ebay-kleinanzeigen.de finden Sie ebenfalls freie Gärten. Sie können auch Internet­seiten wie kleingartenvereine.de nutzen. Hier gibt es eine Such­maschine für freie Gärten.

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Was kostet ein Kleingarten?

Die Pacht für einen Kleingarten beträgt nach Angaben des Bundes­verbands Deutscher Gartenfreunde jähr­lich durch­schnitt­lich 17 Cent pro Quadrat­meter. Laut Kleingartengesetz darf die Pacht höchs­tens das Vierfache der orts­üblichen Pacht des erwerbs­mäßigen Obst- und Gemüse­anbaus betragen. Dazu fallen noch ein Mitglieds­beitrag für den Verein, Strom­kosten, kommunale Abgaben und Versicherungen an. Knapp 400 Euro pro Jahr kommen so im Schnitt zusammen. Außerdem zahlen Neupächter einmalig eine Ablösesumme für Laube und Garten­pflanzen; den Betrag ermitteln geschulte Schätzer nach vorgegebenen Wert­ermitt­lungs­tabellen. In Groß­städten liegt er im Schnitt bei 3 300 Euro.

Nutzung eines Kleingartens

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Muss ein Kleingartenpächter Obst und Gemüse anbauen?

Ja, ein reiner Ziergarten mit Blumen und Sträuchern ist verboten, genauso wie den gesamten Kleingarten in eine Spielwiese für Kinder zu verwandeln. Nach der Recht­sprechung des Bundes­gerichts­hofs sind Kleingärtner verpflichtet, auf mindestens einem Drittel der Fläche Obst und Gemüse für den eigenen Bedarf anzu­bauen (Az. IIIZR 281/03). Diese sogenannte Frucht­quote über­prüft der Vorstand des Vereins. Unter­schreiten zu viele Parzellen diese Quote, liegt keine kleingärtnerische Nutzung mehr vor. Der Eigentümer des Grund­stücks, oft die Stadt, der Bund oder die Deutsche Bahn, dürfte dann das Grund­stück zurück­fordern. „Das ist schon vorgekommen“, sagt Thomas Wagner vom Bundes­verband Deutscher Gartenfreunde.

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Darf ich im Kleingarten über­nachten?

Ja, während der Ferien und an den Wochen­enden. Allerdings darf die Laube keinen dauer­haften Wohn­charakter haben. Dies wider­spricht der kleingärtnerischen Nutzung. Heizungs­anlagen oder Satellitenschüsseln sind zum Beispiel verboten.

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Wann darf ich laute Gartengeräte nutzen?

Sonn- und Feiertage sind für laute Garten­arbeit generell tabu. Rasen mähen ist in der Regel werk­tags von 7 bis 20 Uhr erlaubt. Allerdings dürfen Bundes­länder oder Gemeinden diese Zeiten weiter einschränken: Oft gilt eine Mittags­ruhe, in Rhein­land-Pfalz etwa ist das in Wohn­gebieten von 13 bis 15 Uhr der Fall. Auch Gemeinden dürfen eine Mittags­ruhe fest­legen, in Kurorte zum Beispiel gilt häufig eine. Für sehr laute Geräte wie Grastrimmer, Rasenkanten­schneider oder Laubbläser gelten nach der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung (Paragraf 7) Extra­regeln. Sie dürfen werk­tags nur von 9 bis 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr lärmen. Ausnahme: Sollten die Geräte das EU-Umwelt­zeichen haben, gelten diese zusätzlichen Einschränkungen nicht.

Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Gemeinde oder dem Vorstand des Kleingartens nach, wenn Sie sich nicht sicher sind, ob bei Ihnen eine Mittags­ruhe gilt. Bedenken Sie: Es könnte ein Bußgeld drohen, wenn Sie sich nicht an die Ruhe­zeiten halten.

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Ist Grillen gestattet?

Ja. Grillen gehört zum Alltag im Kleingarten. Mobile Grills dürfen aufgestellt werden. Wer einen gemauerten Grill errichten will, sollte sich vorher beim Vereins­vorstand erkundigen, ob er eine Genehmigung braucht. Lagerfeuer und Feuerschalen sind dagegen verboten.

Tipp: Damit Ihnen Grill­gut gelingt, brauchen Sie einen guten Grill – auch tolle Rezepte sorgen für Genuss:

Test Elektrogrills
Test Grills für Kohle und Gas
Buch Sehr gut grillen: Die besten Rezepte der Grill-Weltmeister.

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Wie ist die Tierhaltung geregelt?

Das Halten und Züchten von Kleintieren, Hühnern, Tauben oder anderen Vögeln ist verboten. Hunde oder Katzen dürfen besuchs­weise im Kleingarten herum­toben, müssen aber abends wieder mit nach Hause genommen werden. Bienen­stöcke sind dagegen – nach Absprache mit dem Verein und den Parzellen-Nach­barn – meistens erwünscht.

Gartenlauben, Schwimm­becken, Spielgeräte

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Welche Vorschriften gelten für Gartenlauben?

Eine Laube sollte nicht größer als 24 Quadrat­meter sein, inklusive über­dachter Terrasse. Hat der Garten weniger als 200 Quadrat­meter, ist oft nur eine Laube bis 18 Quadrat­meter erlaubt. Es gibt jedoch Ausnahmen. Rechts­anwalt Patrick Nessler, Experte für Kleingartenrecht, sagt: „Wenn in West­deutsch­land vor dem Inkraft­treten des Bundes­kleingartenge­setzes am 1. April 1983 eine größere Laube recht­mäßig errichtetet wurde, gilt für sie ein Bestands­schutz.“ Gleiches gilt für Lauben in Ostdeutsch­land, hier aber mit dem Stichtag 3. Oktober 1990. Beim Pächter­wechsel kann es aber vorkommen, dass der Verein den Rück­bau zu großer Lauben verlangt. Das ist auch bei bestands­geschützten Lauben zulässig. „Es geht dabei meist um die Angst des Vereins, den Schutz des Kleingartenge­setzes zu verlieren“, sagt Nessler

Tipp: Erweitern Sie nicht einfach Ihre Laube. Sprechen Sie vorher mit dem Vereins­vorstand. Das gilt auch, wenn Sie Terrassen über­dachen oder vergrößern wollen.

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Sind Einbrüche in meine Garten­haus durch die Hausrat­versicherung gedeckt?

Einbruch­diebstahl in Gartenhäuser ist nicht auto­matisch über die Hausrat­versicherung versichert. Wer seine Gartenlaube versichern möchte, muss bei seinem Hausrat­versicherer oder einem anderen Anbieter eine extra Police abschließen. Da Gartenlauben nicht ständig bewohnt werden, ist das Einbruchrisiko erhöht. Daher können die Beiträge für den Versicherungs­schutz oft höher als für eine ständig bewohnte Wohnung sein. Einzige Ausnahme: In alten DDR-Haus­halts­versicherungs­policen sind Gartenlauben mitversichert.

Tipp: Mit dem Versicherungsvergleich Hausratversicherung der Stiftung Warentest können Sie die für Sie güns­tigste Police ermitteln.

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Darf ich im Kleingarten ein Schwimm­becken bauen?

Erlaubt sind nur mobile, nicht ins Erdreich einge­lassene Pools. Die Entsorgung des Wassers muss aber sicher­gestellt sein und es dürfen keine chemischen Zusätze wie Chlor genutzt werden. Vieler­orts gelten regionale Verwaltungs­vorschriften: In Berlin darf der Durch­messer eines Schwimm­beckens beispiels­weise 3,60 Meter nicht über­schreiten.

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Wie sieht es mit Spielgeräten aus?

Kleine Plastikrutschen, Schaukeln und Sandkästen sind erlaubt. Die maximale Größe von Spielhäusern und -türmen regeln häufig regionale Vorschriften. In Hamburg dürfen Spielhäuser beispiels­weise höchs­tens 1,6 mal 1,4 mal 1,6 Meter groß sein. Mit einem 7 Quadrat­meter großen Baum­haus im Kleingarten musste sich kürzlich das Land­gericht Berlin befassen. Es entschied: Das Bauwerk muss auf Kosten der Pächter abge­rissen werden (Az. 25 S 4/15).

Gartengeräte

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Was brauche ich alles, um einen Garten richtig zu bewirt­schaften?

Neben Spaten, Harke und Pflan­zutensilien braucht ein Gärtner auch eine Grund­ausstattung an Gartengeräten. Die Stiftung Warentest testet sie regel­mäßig. Wer gut getestete Gartengeräte kauft, wird auch Freude an der Garten­arbeit haben:

Test Rasenmäher mit Akku
Test Elektro-Rasenmäher
Test Benzin-Rasenmäher
Test Rasenroboter
Test Vertikutierer
Test Gartenscheren
Test Heckenscheren

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