FAQ Kirchen­steuer Special

Insgesamt 45,5 Millionen Menschen sind in Deutsch­land katho­lisch oder evangelisch. Erzielen sie Einkommen, zahlen sie Kirchen­steuer. In bestimmten Fällen ist die Berechnung der Steuer kompliziert. Paare werden immer wieder vom besonderen Kirchgeld über­rascht. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Thema Kirchen­steuer.

Darauf wird Kirchen­steuer fällig

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Worauf zahle ich als Kirchen­mitglied Steuer?

Die Kirchen erheben ihre Steuer als Zuschlag auf Lohn-, Einkommen- und ­Kapital­ertrag­steuer. Bei der Lohn­steuer führt der Arbeit­geber die Kirchen­steuer direkt mit der monatlichen Gehalts­abrechnung ab. Arbeitnehmer erhalten also weniger Netto­lohn.

Seit Anfang 2015 behalten Geld­institute auto­matisch Kirchen­steuer auf Zins- und Dividenden­einkünfte ein. Das gilt allerdings nur, wenn der Frei­betrag von 801 Euro (für Ehepaare 1 602 Euro) ausge­schöpft ist.

Auf alle übrigen Einkünfte erhebt das Finanz­amt die Kirchen­steuer per Steuer­bescheid.

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Wie viel Steuern muss ich als Kirchen­mitglied konkret zahlen?

Das kommt auf das Bundes­land an, in dem Sie wohnen. Die Kirchen­steuer beträgt in Bayern und Baden-Württem­berg 8 Prozent der Lohn- und Einkommensteuer, im übrigen Bundes­gebiet 9 Prozent. Anleger zahlen zudem auf Kapital­erträge Kirchen­steuer: in Bayern und Baden-Württem­berg sind zusammen mit Abgeltung­steuer und Solidaritäts­zuschlag 27,82 Prozent fällig, anderswo 27,99 Prozent. Konfessions­lose Anleger zahlen auf ihre Kapital­erträge mit Solidaritäts­zuschlag 26,375 Prozent Abgeltung­steuer.

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Wie kann ich den auto­matischen Abzug der Kirchen­steuer auf Kapital­erträge vermeiden?

Beantragen Sie einen Sperr­vermerk beim Bundes­zentral­amt für Steuern. Das geht bis jeweils Ende Juni für das Folge­jahr. Das Formular finden Sie unter www.formulare-bfinv.de. Vorsicht: Das Finanz­amt wird über den Vermerk informiert. Sie werden aufgefordert, eine Steuererklärung abzu­geben.

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Muss ich auch auf Grund­besitz Kirchen­steuer zahlen?

Manche Bistümer oder Landes­kirchen verlangen von ihren Mitgliedern zusätzlich eine Kirchen­steuer auf Grund­besitz. Das ist zum Beispiel in den katho­lischen Bistümern Limburg und Speyer der Fall. Die Kirchen­steuer wird von den Kommunen zusammen mit der Grund­steuer erhoben und bemisst sich nach einem festen Prozent­satz.

In Speyer beträgt die Kirchen­steuer 10 Prozent des Grund­steuer­mess­betrags. Dieser Mess­betrag ist ein Prozent­satz vom Wert des Grund­vermögens. Er unterscheidet sich nach der jeweiligen Nutzung des Grund­stücks.

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Was ist das allgemeine Kirchgeld?

In bestimmten Regionen dürfen die örtlichen Kirchen­gemeinden von allen voll­jährigen Mitgliedern mit Mindest­einkommen ein zusätzliches allgemeines Kirchgeld erheben (Tabelle besonderes Kirchgeld). Das Geld wird direkt für Projekte vor Ort verwendet. In Rhein­land-Pfalz ist das etwa im Bistum Limburg, in der Evangelischen Kirche im Rhein­land und in der Evangelischen Kirche der Pfalz möglich. Es kann gestaffelt nach Einkommen oder als fester Betrag verlangt werden. Im Bistum Limburg darf ein festes Kirchgeld höchs­tens 6 Euro pro Jahr betragen, eine Staffelung nach Einkommen muss zwischen 3 Euro und 30 Euro jähr­lich liegen.

Wenn Paare Steuern zahlen

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Ich bin konfessionslos, meine Frau ist in der Kirche. Wir werden zusammen veranlagt. Wie berechnet sich die Kirchen­steuer?

Das Steuerrecht spricht hier von einer glaubens­verschiedenen Ehe. Das Problem: Die Einkommensteuer wird nach dem Splitting­tarif gemein­sam berechnet, Kirchen­steuer wird aber nur auf das Einkommen des Kirchen­mitglieds fällig. Das Finanz­amt berechnet daher für beide Partner jeweils eine fiktive Einkommensteuer nach dem Singletarif. Das Verhältnis der fiktiven Einkommensteuern beider Partner über­trägt es auf die tatsäch­liche Einkommensteuer des Paares. Die Kirchen­steuer wird schließ­lich auf den Anteil des Kirchen­mitglieds berechnet.

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Ich bin Haupt­verdiener und konfessionslos. Meine Frau ist in der Kirche, verdient aber nur wenig. Muss sie trotzdem Abgaben zahlen?

Unter Umständen. Ist bei gemein­sam veranlagten Ehepaaren nur einer Kirchen­mitglied, können Kirchen das „besondere Kirchgeld“ verlangen. Das tun sie, wenn der Haupt­verdiener konfessionslos ist und der andere als Kirchen­mitglied keine oder sehr nied­rige Einkünfte hat. Die Kirchen verlangen gestaffelt nach Einkommen zwischen 96 und 3 600 Euro. Die genaue Höhe können Sie der Tabelle besonderes Kirchgeld entnehmen. Obwohl sich viele Konfessions­lose ärgern, dass ihr Einkommen auf diese Weise mit einer Kirchen­abgabe belastet wird, hat das Bundes­verfassungs­gericht die Praxis abge­segnet (BverfG, Az. 2 BvR 816/10).

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Meine Frau und ich haben ein Gemein­schafts­konto, aber nur ich bin in der Kirche. Müssen beide Kirchen­steuer auf Kapital­erträge zahlen?

Nein. Bei Paaren mit einem gemein­samen Konto werden jedem Partner die Kapital­erträge je zur Hälfte zuge­rechnet. Ist nur einer in der Kirche, kann die Bank nur auf den halben Ertrag Kirchen­steuer abführen. Tipp: Wollen Sie diese hälftige Aufteilung nicht, sollten Sie über das Bundes­zentral­amt einen Sperr­vermerk setzen lassen und Ihre Kapital­erträge über die Jahres­einkommensteuererklärung abrechnen.

Steuer sparen dank Kirchen­steuer

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Habe ich als Kirchen­mitglied auch Steuer­vorteile?

Ja, Kirchen­steuer und Kirchgeld sind in der ­Steuererklärung als Sonder­ausgaben absetz­bar. Arbeit­geber berück­sichtigen in der Lohn­abrechnung für das ganze Jahr nur 36 Euro Pausch­betrag. Die gezahlte Kirchen­steuer ist aber meist höher. Abzugs­fähig sind alle im Kalender­jahr gezahlten Beiträge an die Kirche. Die in demselben Jahr erhaltene Steuerrück­zahlung aus dem Vorjahr rechnet das ­Finanz­amt aber gegen.

Beispiel: Das Ehepaar Petra und Michael Stadler lebt in Nieder­sachsen. Beide sind Mitglieder der katho­lischen Kirche, haben einen Job und kommen 2018 auf ein Jahres­gehalt von 90 000 Euro. Sie zahlen 20 992 Euro Einkommen- und 1 889,29 Euro Kirchen­steuer. Letztere setzen sie in ihrer Steuererklärung als Sonder­ausgaben ab. Dadurch erhalten sie mit ihrem Steuer­bescheid 707 Euro Einkommen- und 63,63 Euro Kirchen­steuer zurück. Im Folge­jahre erzielen die beiden das gleiche Einkommen und zahlen somit wieder 1 889,29 Euro Kirchen­steuer. Bei der Steuer­erklärung zieht das Finanz­amt davon die zurück­erhaltene Kirchen­steuer vom Vorjahr ab. Somit können die beiden nur 1 825,66 Euro als Sonder­ausgaben geltend machen.

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Kann ich beim Sonder­ausgaben­abzug in der Steuererklärung auch die Kirchen­steuer aus Kapital­erträgen geltend machen?

Nein. Kirchen­steuer, die die Bank mit der Abgeltung­steuer auf Kapital­erträge abge­führt hat, lässt sich nicht geltend machen. Der Grund: Die Bank berück­sichtigt bei der Berechnung der Abgeltung­steuer bereits die Kirchen­steuer als Sonder­ausgaben.

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Kann ich Beiträge auch absetzen, wenn ich einer anderen Religions­gemeinschaft angehöre?

Ja, wenn Sie einer anderen staatlich anerkannten Religions­gemeinschaft wie den Freikirchen ohne eigene Steuerberechtigung angehören, setzen Sie Mitglieds­beiträge bis zur Höhe des in Ihrem Bundes­land üblichen Kirchen­steu­ersatzes ab. Darüber hinaus­gehende Zahlungen sind mit Beleg als Spenden für kirchliche Zwecke steuerlich abzugs­fähig.

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Gibt es für Eltern auch bei der Kirchen­steuer Vergüns­tigungen?

Ja, Kinder wirken sich vergüns­tigend auf die Kirchen­steuer aus. Das Finanz­amt zieht die steuerlichen Kinder­frei­beträge bei der Berechnung ab und senkt so die Steuerlast. Das gilt auch dann, wenn die Frei­beträge Eltern über das Kinder­geld hinaus keinen Vorteil bringen.

Antworten zum Kirchen­austritt

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Was ändert sich für mich steuerlich bei einem Austritt?

Mit dem Austritt endet auch Ihre Steuer­pflicht. Je nach Bundes­land erlischt Ihre Zahlungs­pflicht im Monat nach dem Austritt oder einen Monat später. Das Finanz­amt zahlt zu viel bezahlte Steuern spätestens mit der Steuererklärung zurück. Im Jahr nach dem Austritt kann es passieren, dass das Finanz­amt Kirchen­steuererstattungen nach­versteuert, die es nicht mehr mit gezahlten Kirchen­steuern verrechnen konnte. Das kann zu einer Nach­forderung führen. Grund: Die Behörde hat mehr Kirchen­steuern als Sonder­ausgaben abge­zogen, als tatsäch­lich gezahlt worden sind.

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Dürfen die Behörden für den Kirchen­austritt Gebühren kassieren?

Ja, das hat das Bundes­verfassungs­gericht bestätigt (BVerfG, Az. 1 BvR 3006/07). Meist genügt es, den Austritt mündlich beim örtlichen Standes­amt oder Amts­gericht zu erklären. Für die Abwick­lung fallen bis zu 60 Euro Gebühren an.

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Muss ich meinen Arbeit­geber über den Austritt informieren?

Nein, Ihr Chef erfährt auto­matisch von Ihrem Austritt, weil die Meldeämter das Austritts­datum an die Elstam-Daten­bank der Finanz­verwaltung über­mitteln. Bei der nächsten Lohn­abrechnung wird dann keine Kirchen­steuer mehr einbehalten.

Weitere wichtige Antworten

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Welche Religions­gemeinschaften dürfen die Kirchen­steuer erheben?

Kirchen­steuern dürfen nur Religions- und Welt­anschauungs­gemeinschaften erheben, die als Körperschaft des öffent­lichen Rechts anerkannt sind. Neben katho­lischer und evan­gelischer Kirche sind das etwa die jüdischen Kultus­gemeinden, die freireligiösen Gemeinden und die altkatho­lische Kirche. Es gibt auch Gemeinschaften, die als Körperschaft des öffent­lichen Rechts ­anerkannt sind, aber auf eine Kirchen­steuer verzichten – wie die ortho­doxen Kirchen, aber auch ­huma­nistische Verei­nigungen. Muslime, Methodisten, Baptisten und Bud­dhisten zahlen keine Kirchen­steuer. Ihre Religions­gemeinschaften dürfen diese Steuer nicht erheben.

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Wofür verwendet die Kirche die einge­zogene Kirchen­steuer?

Die beiden großen Kirchen haben zusammen 45,5 Millionen Mitglieder. Sie zahlten im Jahr 2016 insgesamt 11,6 Milliarden Euro Kirchen­steuer. Alle Einnahmen, auch Zuschüsse vom Staat, werden für den Pfarr­dienst, für Religions­unter­richt, Kinder­tages­stätten, Gemeinde­arbeit, Erhaltung und Betrieb kirchlicher Gebäude verwendet. Darüber hinaus fließt Geld in Verwaltung, Vermögens­verwaltung, Versorgungs­zahlungen wie Renten, Friedhofs­wesen und Öffent­lich­keits­arbeit. Und: Die Kirche bezahlt den Staat für das Einziehen der Kirchen­steuer.

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Was ist die sogenannte Kappungs­grenze?

Die Kappungs­grenze begrenzt die Kirchen­steuer für Topverdiener auf einen bestimmten Prozent­satz des zu versteuernden Einkommens. Die Grenze greift, wenn das Einkommen so hoch ist, dass die zu zahlende Kirchen­steuer (8 beziehungs­weise 9 Prozent der Lohn- und Einkommensteuer) pro Jahr höher wäre als etwa 3 Prozent des zu versteuernden Einkommens (je nach Bundes­land zwischen 2,75 und 4 Prozent).

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Ich lebe als Deutscher im Ausland und bin Kirchen­mitglied. Muss ich Kirchen­steuer zahlen?

Nein. Entscheidend dafür, ob Kirchen­steuer anfällt, ist der Wohn­sitz des Kirchen­mitglieds. Ist ein Steuerzahler Mitglied einer Kirche, zahlt er an die jeweilige Landes­kirche oder Diözese seines Wohn­orts. Einwohner ohne deutschen Pass zahlen daher ebenfalls Kirchen­steuer, Deutsche, die im Ausland wohnen, aber nicht.

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Ich habe meinen Job verloren und eine Abfindung erhalten. Kann mir ein Teil der Kirchen­steuer erlassen werden?

Ja. Wer seinen Job verloren hat und eine Abfindung erhält, kann nach­träglich beim Kirchen­steuer­amt einen Teil­erlass erbitten. Üblicher­weise verzichtet die Kirche auf die Hälfte der Kirchen­steuer auf solche Sonderzah­lungen. Einen Rechts­anspruch gibt es aber nicht.

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Ich bin zwischen zwei Bundes­ländern mit unterschiedlichen Kirchen­steuersätzen umge­zogen. Wir berechnet sich die Kirchen­steuer?

In diesem Fall teilt das Finanz­amt die für das Jahr insgesamt zu zahlende Einkommensteuer auf zwölf Monate auf und wendet für jedes Zwölftel den jeweiligen Kirchen­steu­ersatz an. Die pauschale Zwölftelung ist ungünstig, wenn etwa ein Arbeitnehmer zum 1. Juli von Hessen (9 Prozent) nach Bayern (8 Prozent) zieht und vor dem Umzug weniger verdient hat. Dann zahlt er durch die pauschale Aufteilung zu viel. In diesem Fall kann er bei seinem zuständigen Kirchen­steuer­amt einen Antrag auf Steuer­erlass stellen.

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Meine Kirchen­steuer wurde falsch berechnet. Wo lege ich Einspruch ein?

Hat das Finanz­amt die Kirchen­steuer zum Beispiel nach einem Umzug oder einem Kirchen­austritt falsch berechnet, können Steuerzahler Einspruch einlegen. Wohin sie sich dabei wenden müssen, ist allerdings nicht ganz eindeutig und hängt davon ab, was falsch berechnet wurde. Grund­sätzlich gilt: Ist die falsche Berechnung der Kirchen­steuer Folge einer falschen Berechnung der Einkommensteuer, muss der Steuerzahler Einspruch gegen den Einkommensteuer­bescheid erheben. Das tut er ganz einfach beim Finanz­amt. Stimmt dieses dem Einspruch zu, wird die Kirchen­steuer auto­matisch mitkorrigiert. Ist die Einkommensteuer hingegen richtig berechnet, die Kirchen­steuer aber nicht, muss der Steuerzahler seinen Einspruch gegen den Kirchen­steuer­bescheid an das Kirchen­steuer­amt richten. Wo und wie Kirchen­mitglieder ihr Kirchen­steuer­amt erreichen, steht in der Rechts­behelfs­beleh­rung des Steuer­bescheids.

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