FAQ Kirchen­steuer Special

Seit Anfang 2015 behalten Geld­institute auto­matisch Kirchen­steuer auf Zins- und Dividenden­einkünfte ein. Viele Kirchen­steuer­pflichtige haben den Abzug als zusätzliche Steuer aufgefasst, obwohl sich nur das Verfahren geändert hat, mit dem diese Abgaben abge­führt werden. Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Thema Kirchen­steuer.

Antworten zum auto­matischen Abzug

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Zahle ich als Kirchen­mitglied auf Kapital­erträge eine neue Steuer?

Nein. Die Kirchen­steuer auf Kapital­erträge ist keine neue Steuer. Seit Einführung der Abgeltung­steuer auf Kapital­erträge 2009 ist sie immer fällig, wenn Sie Ihren Frei­betrag von 801 Euro ausgeschöpft haben. Neu ist nur der auto­matische Abzug durch die Geld­institute. Bisher konnten Sie wählen, ob die Bank die Kirchen­steuer zusammen mit der Abgeltung­steuer an das Finanz­amt abführt oder Sie das selbst in Ihrer jähr­lichen Steuererklärung nach­holen.

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Wie kann ich den auto­matischen Abzug der Kirchen­steuer vermeiden?

Beantragen Sie einen Sperr­vermerk beim Bundes­zentral­amt für Steuern. Das geht bis jeweils Ende Juni für das Folge­jahr. Das Formular finden Sie unter www.formulare-bfinv.de. Vorsicht: Das Finanz­amt wird über den Vermerk informiert. Sie werden aufgefordert, eine Steuererklärung abzu­geben.

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Wie viel Steuern muss ich als Kirchen­mitglied konkret zahlen?

Das kommt auf das Bundes­land an, in dem Sie wohnen. Die Kirchen­steuer beträgt in Bayern und Baden-Württem­berg 8 Prozent der Lohn- und Einkommensteuer, im übrigen Bundes­gebiet 9 Prozent. Anleger zahlen zudem auf Kapital­erträge Kirchen­steuer: in Bayern und Baden-Württem­berg sind zusammen mit Abgeltung­steuer und Solidaritäts­zuschlag 27,82 Prozent fällig, anderswo 27,99 Prozent. Konfessions­lose Anleger zahlen auf ihre Kapital­erträge mit Solidaritäts­zuschlag 26,375 Prozent Abgeltung­steuer.

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Was passiert, wenn ich die Kirchen­steuer auf Kapital­erträge bisher nicht angegeben habe?

Sie müssen kein Verfahren wegen Steuer­hinterziehung fürchten. Viele Anleger haben bisher keine Steuererklärung abge­geben oder in der Jahres­abrechnung mit dem Finanz­amt keine Angaben zu ihren Kapital­erträgen gemacht und dadurch die Kirchen­abgabe nicht gezahlt. In den Kirchen­steuergesetzen aller Bundes­länder ist geregelt, dass das Hinterziehen von Kirchen­steuer nicht nach welt­lichen Maßstäben strafbar ist. So urteilte auch der Bundes­gerichts­hof (Az. 5 StR 547/07).

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Was muss ich tun, wenn ich die Abgabe bisher nicht gezahlt habe?

Wenn Sie die Abgabe bisher nicht gezahlt haben, nehmen Sie jetzt am auto­matischen Steuer­einbehalt durch die Banken teil. Der Abzug ist unbürokratisch und erspart Ihnen komplizierte Steuerformulare.

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Kann ich dem auto­matischen Abzug wider­sprechen?

Ja. Wenn Sie den auto­matischen Steuer­abzug vermeiden wollen, müssen Sie bis Ende Juni beim Bundes­zentral­amt für Steuern einen Sperr­vermerk für das Folge­jahr beantragen. Einen Antrag für 2017 können Sie bis zum 30. Juni 2016 stellen. Der Vermerk sorgt dafür, dass von Zinsen, Dividenden und Kurs­gewinnen keine Kirchen­steuer abgeht, wenn die Banken an das Finanz­amt Abgeltung­steuer über­weisen. Lassen Sie einen Sperr­vermerk registrieren, wird das Finanz­amt allerdings sofort darüber informiert. Sie werden aufgefordert, für das betreffende Jahr eine Steuererklärung abzu­geben und die Kirchen­steuer nach­zuzahlen.

Wenn Paare Steuern zahlen

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Meine Frau und ich haben ein Gemein­schafts­konto, aber nur ich bin in der Kirche. Müssen beide zahlen?

Nein. Bei Paaren mit einem gemein­samen Konto werden jedem Partner die Kapital­erträge je zur Hälfte zuge­rechnet. Ist nur einer in der Kirche, kann die Bank nur auf den halben Ertrag Kirchen­steuer abführen. Tipp: Wollen Sie diese hälftige Aufteilung nicht, sollten Sie über das Bundes­zentral­amt einen Sperr­vermerk setzen lassen und Ihre Kapital­erträge über die Jahres­einkommensteuererklärung abrechnen.

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Ich bin Haupt­verdiener und konfessionslos. Meine Frau ist in der Kirche, verdient aber nur wenig. Muss sie trotzdem Abgaben zahlen?

Unter Umständen. Ist bei gemein­sam veranlagten Ehepaaren nur einer Kirchen­mitglied, können Kirchen das „besondere Kirchgeld“ verlangen. Das tun sie, wenn der Haupt­verdiener konfessionslos ist und der andere als Kirchen­mitglied keine oder sehr nied­rige Einkünfte hat. Die Kirchen verlangen gestaffelt nach Einkommen zwischen 96 und 3 600 Euro. Beispiel: Bei einem Paar mit einem Einkommen von 110 000 Euro, das komplett vom Nicht-Kirchen­mitglied erzielt wird, beträgt das Kirchgeld 840 Euro. Wären beide in der Kirche, müssten sie 2 377 Euro Kirchen­steuer zahlen. Obwohl sich viele Konfessions­lose ärgern, dass ihr Einkommen auf diese Weise mit einer Kirchen­abgabe belastet wird, hat das Bundes­verfassungs­gericht die Praxis abge­segnet (BverfG, Az. 2 BvR 816/10). Tipp: Sie können das Kirchgeld nur über die getrennte Veranlagung umgehen. Durch den Verlust des Splitting­vorteils ist das aber für viele Ehepaare finanziell von Nachteil.

Weitere wichtige Antworten

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Habe ich als Kirchen­mitglied auch Steuer­vorteile?

Ja, als Mitglied können Sie Kirchen­steuer in Ihrer Steuererklärung als Sonder­ausgaben absetzen. Das bringt zum Beispiel Arbeitnehmern Geld zurück. Ihr Arbeit­geber berück­sichtigt in Ihrer Lohn­abrechnung für das ganze Jahr nur 36 Euro Pausch­betrag (bei Paaren 72 Euro). Ihre gezahlte Kirchen­steuer ist aber meist höher. Abzugs­fähig sind die im Kalender­jahr gezahlten Beträge. Die in demselben Jahr erhaltene Steuerrück­zahlung aus dem Vorjahr muss aber gegen­gerechnet werden. Auch Kirchgeld ist abzugs­fähig.

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Kann ich Beiträge auch absetzen, wenn ich einer anderen Religions­gemeinschaft angehöre?

Ja, wenn Sie einer anderen staatlich anerkannten Religions­gemeinschaft wie den Freikirchen ohne eigene Steuerberechtigung angehören, setzen Sie Mitglieds­beiträge bis zur Höhe des in Ihrem Bundes­land üblichen Kirchen­steu­ersatzes ab. Darüber hinaus­gehende Zahlungen sind mit Beleg als Spenden für kirchliche Zwecke steuerlich abzugs­fähig.

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Wofür verwendet die Kirche die einge­zogene Kirchen­steuer?

Die beiden großen Kirchen haben zusammen 47,6 Millionen Mitglieder. Sie zahlten im Jahr 2014 insgesamt 10,7 Milliarden Euro Kirchen­steuer. Alle Einnahmen, auch Zuschüsse vom Staat, werden für den Pfarr­dienst, für Religions­unter­richt, Kinder­tages­stätten, Gemeinde­arbeit, Erhaltung und Betrieb kirchlicher Gebäude verwendet. Darüber hinaus fließt Geld in Verwaltung, Vermögens­verwaltung, Versorgungs­zahlungen wie Renten, Friedhofs­wesen und Öffent­lich­keits­arbeit. Und: Die Kirche bezahlt den Staat für das Einziehen der Kirchen­steuer.

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Was ist die sogenannte Kappungs­grenze?

Die Kappungs­grenze begrenzt die Kirchen­steuer für Topverdiener auf einen bestimmten Prozent­satz des zu versteuernden Einkommens. Die Grenze greift, wenn das Einkommen so hoch ist, dass die zu zahlende Kirchen­steuer (8 beziehungs­weise 9 Prozent der Lohn- und Einkommensteuer) pro Jahr höher wäre als etwa 3 Prozent des zu versteuernden Einkommens (je nach Bundes­land zwischen 2,75 und 4 Prozent. Details finden Sie in der großen Grafik mit allen Bundesländern). Nur in Bayern gibt es keine Kappung der Kirchen­steuer.

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Was ändert sich für mich steuerlich bei einem Austritt?

Mit dem Austritt endet auch Ihre Steuer­pflicht. Je nach Bundes­land erlischt Ihre Zahlungs­pflicht im Monat nach dem Austritt oder einen Monat später. Das Finanz­amt zahlt zu viel bezahlte Steuern spätestens mit der Steuererklärung zurück. Im Jahr nach dem Austritt kann es passieren, dass das Finanz­amt Kirchen­steuererstattungen nach­versteuert, die es nicht mehr mit gezahlten Kirchen­steuern verrechnen konnte. Das kann zu einer Nach­forderung führen. Grund: Die Behörde hat mehr Kirchen­steuern als Sonder­ausgaben abge­zogen, als tatsäch­lich gezahlt worden sind.

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Dürfen die Behörden für den Kirchen­austritt Gebühren kassieren?

Ja, das hat das Bundes­verfassungs­gericht bestätigt (BVerfG, Az. 1 BvR 3006/07). Meist genügt es, den Austritt mündlich beim örtlichen Standes­amt oder Amts­gericht zu erklären. Für die Abwick­lung fallen bis zu 60 Euro Gebühren an (Grafik).

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Muss ich meinen Arbeit­geber über den Austritt informieren?

Nein, Ihr Chef erfährt auto­matisch von Ihrem Austritt, weil die Meldeämter das Austritts­datum an die Elstam-Daten­bank der Finanz­verwaltung über­mitteln. Bei der nächsten Lohn­abrechnung wird dann keine Kirchen­steuer mehr einbehalten.

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