Kinder­wagen und Buggys Expertentipps für den Kinder­wagen-Kauf

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Kinder­wagen und Buggys - Expertentipps für den Kinder­wagen-Kauf
Vor dem Kauf. Probieren Sie die Hand­habung im Laden aus. Passt die Schieberhöhe? Ist der Kinder­wagen wendig? © Getty Images / Maria Sbytova

Wie viel Geld muss ich für den Kinder­wagen ausgeben? Wie groß soll die Liegefläche sein? Ab wann darf mein Kind im Buggy fahren? Hier erhalten Eltern wichtige Antworten.

Kinder­wagenkauf

Wie viel muss ich für einen guten Kinder­wagen ausgeben?

Es gibt güns­tige gute und teure schlechte Kinder­wagen. Hohe Preise sind keine Garantie für hohe Qualität. Im aktuellen Test von Kombikinderwagen kostet der Testsieger nur 400 Euro. Umge­kehrt hatten wir schon Kinder­wagen in den Tests, die um die 1 000 Euro kosteten – und mangelhaft waren. Einen guten Buggy gibt es neu ab rund 150 Euro.

Wie lange brauchen die Anbieter, um den Kinder­wagen zu liefern?

Auf manche Modelle warteten wir in den Tests bis zu 15 Wochen. Damit der Kinder­wagen recht­zeitig zur Geburt da ist, sollten Sie sich schon einige Monate im Voraus Ihr Kinder­wagen-Wunsch­modell aussuchen.

Spricht etwas dagegen, einen gebrauchten Kinder­wagen zu kaufen?

Beim Kauf eines gebrauchten Kinder­wagens im Internet oder auf dem Flohmarkt kennen Sie die Vorgeschichte nicht. Hören Sie sich besser bei Bekannten um. Prüfen Sie: Gibt es Brüche? Funk­tionieren Gurt, Verriege­lungen, Schieber und Bremsen einwand­frei? Bedenken Sie: Ersatz­teile sind nur begrenzt erhältlich.

Was mache ich, wenn der Kinder­wagen geklaut wurde?

Die Hausrat­versicherung erstatten in der Regel keine im Hausflur oder unterwegs gestohlenen Kinder­wagen. Schließen Sie daher den Kinder­wagen immer mit einem sicheren Fahrradschloss an – im Hausflur genauso wie vor der Arzt­praxis.

Kindgerechte Gestaltung

Was zeichnet einen guten Kinder­wagen aus?

Ein guter Kinder­wagen sollte dem Kind viel Platz zum Wachsen bieten. Wählen Sie einen Wagen mit geräumiger Babywanne. Die Rückenlehne des Sitzes sollte 50 Zenti­meter oder länger sein. Wichtig ist zudem, dass sich der Sitz zu einer flachen Liege verstellen lässt. Optimal ist es, wenn der Sitz in beide Richtungen weisen kann oder der Schieber schwenk­bar ist, damit kleine Kinder Blick­kontakt mit den Eltern halten können. Der Schieber sollte sich an die Größe von Mutter und Vater anpassen lassen.

Tipp: Gute Modelle zeigt unser Test Kombi-Kinderwagen

Wie groß sollte die Liegefläche sein?

Die Liegewanne sollte lang und breit genug sein, dass sich Babys darin ausreichend bewegen können – auch bei winterlichen Temperaturen. Deshalb addieren wir zur Körperlänge einen „Bekleidungs­zuschlag“, da das Kind neben einer Mütze auch mit Socken oder Strumpf­hose und einem warmen Fußsack oder einer Decke bedeckt ist. Wenn Babys zu wenig Platz haben und sich nicht richtig stre­cken und bewegen können, schlafen sie unruhiger.

Wann kann mein Kind von der Babywanne in den Sitz wechseln?

Babys sollten die ersten Monate flach liegen. Erst wenn sich die Kinder allein aufsetzen, können sie in die Sitz­einheit umsteigen – das passiert meist im Alter von sechs bis neun Monaten. Dann dürfen sie auch in einen guten Buggy umsteigen. Die Sitze von Buggys und Kombikinder­wagen sollten sich möglichst flachlegen lassen, damit die Kleinen zwischen­durch bequem schlafen können.

Was halten Sie von Kinder­wagen mit starrem Sitzwinkel?

Wenig. Die Sitze dieser Wagen zwingen dem Kind eine Körperhaltung auf. Im Vergleich zu anderen Modellen mit einer annähernd ebenen Liegefläche schränken sie die Bewegungs­freiheit ein. Müde Kinder können sich nicht auf die Seite drehen.

Warum sind mitwachsende Fußstützen wichtig?

Viele Kinder fahren etwa ab dem 8. Monat bis zum dritten Geburts­tag in den Sitzen. In dieser Zeit wachsen sie sehr stark. Daher sollten sich die Fußstützen verstellen lassen. Leider sind sie oftmals fix. Kurze Beinchen baumeln in der Luft. Lange Beine ragen über die Fußstütze hinaus und finden keinen Halt.

Schad­stoffe

Immer wieder sind Kinder­wagen deutlich mit Schad­stoffen belastet. An welchen Grenz­werten orientiert sich die Stiftung Warentest?

Die Norm für Kinder­wagen legt nur für wenige Schad­stoffe Grenz­werte fest. Daher setzt die Stiftung Warentest für Materialien, die das Kind erreichen kann, die Grenz­werte für Klein­kinder­spielzeug an. Wir gehen nach dem Prinzip des vorsorgenden Gesund­heits­schutzes vor: Schad­stoff­gehalte sollten so nied­rig wie möglich sein.

Welche Schad­stoffe haben Sie bei Ihren Tests gefunden?

In den Kinderwagen-Tests der letzten Jahre fanden wir zu hohen Konzentrationen von kurz­kettigen Chlorparaf­finen, Flamm­schutz­mitteln und von poly­zyklischen aromatischen Kohlen­wasser­stoffen (PAK). Im Buggy-Test (9/2021) hat unser Labor im Kinder­griff eines Buggys sowie in der Regenhaube eines Jogger-Modells den Phthalat-Weichmacher DEHP in deutlichen Mengen nachgewiesen.

Was können Eltern tun, wenn der schon gekaufte Kinder­wagen schad­stoff­belastet ist?

Besorgte Eltern sollten belastete Griffe oder Regenhauben wenn möglich nicht mehr verwenden. Einige Hersteller bieten an, das betroffene Teil auszutauschen. Ansonsten können Besitze­rinnen und Besitzer eines wegen Schad­stoffen als mangelhaft beur­teilten Kinder­wagens inner­halb der Gewähr­leistung ihren Händler auffordern, den Mangel zu beheben. Die Gewähr­leistung gilt zwei Jahre ab Lieferung.

Können die Schad­stoffe aus den Bezügen ausdünsten oder ausgewaschen werden?

Leider können wir keine detaillierte Einschät­zung dazu geben, ob PAK und Chlorparaf­fine sich aus den Materialien auswaschen lassen oder wie lange sie benötigen, um voll­ständig zu verdampfen. Generell verflüchtigen sich diese Schad­stoffe bei Raum­temperatur. Jedoch können Eltern nicht wissen, wann dieser Prozess abge­schlossen ist. In unserem Test Kuscheltiere (test 12/2015) haben wir probeweise die Auswasch­barkeit der Schad­stoffe untersucht. Wir haben die untersuchten Plüschtiere bei 30°C gewaschen und fest­stellen müssen, dass sich die Gehalte an Chrysen und Naph­thalin – zwei PAK-Vertreter – kaum verändert hatten.

Gelten die Test­ergeb­nisse für alle Modelle eines Herstel­lers?

Die Ergeb­nisse gelten nur für die von uns getesteten Modelle. Sie lassen sich nicht auf andere Modelle des Herstel­lers über­tragen.

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Ruth1984 am 25.06.2022 um 07:27 Uhr
Flache Liegeposition

Hallo, Sie weisen darauf hin, dass sich der Sportsitz am Kinderwagen bzw die Rückenlehne beim Buggy möglichst flach stellen lassen soll. Können Sie das evtl in Winkel spezifizieren? Ich habe mir den Testsieger aus 2020 (Maxi Cosi Lila XP) angesehen, dieser hat einen maximalen Winkel von 160 Grad. Ich fand das sehr steil und war verwundert, dass er damit Testsieger werden kann.