FAQ Impfen Special

Früher Start. Viele Impfungen sind schon bei ganz kleinen Kindern empfohlen.

Krank­heits­schutz mit Spritzen begleitet uns durchs Leben. Doch viele Menschen sorgen sich um Risiken. Befür­worter sehen Impfungen als wichtige Waffe gegen Infektions­krankheiten. Skeptiker halten sie für ein unnötiges Risiko. Dazwischen stehen Verunsicherte, die nicht so recht wissen: Impfen oder nicht? Hier in den FAQ finden Sie Antworten auf Ihre Fragen.

Antworten auf Ihre Fragen zum Impfen

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Was genau geschieht beim Impfen?

Von Wind­pocken bis Meningokokken – die Liste der Infektionen, vor denen Impfungen schützen können, ist lang. Dabei werden abge­schwächte oder abge­tötete Erreger oder auch Bruch­stücke davon in den Organismus einge­schleust, meist per Spritze. Ziel: Ohne eine gefähr­liche Krankheit auszulösen, akti­vieren sie die körper­eigene Immun­abwehr, etwa zur Bildung von Antikörpern. Das soll fortan die echten Erreger abwehren. Umfassende Informationen über den richtigen Impf­schutz für Kinder, Erwachsene und für die Reise stehen in unserem großen Themenpaket Impfen. Antworten auf die drängendsten Fragen rund um das Impfen finden Sie hier im FAQ.

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Dienen Impfungen nicht vor allem den Interessen der Pharma­industrie?

Pharmaunternehmen wollen Gewinne erzielen, ohne Frage. Vor allem neuartige Impf­stoffe kosten ihren Preis – teil­weise 100 Euro und mehr pro Spritze. Altbekannte und in der Praxis häufig einge­setzte Impfungen wie die gegen Masern, Mumps und Röteln hingegen gelten als wenig profitabel. Insgesamt verursachen Impfungen nur einen geringen Teil der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Laut der jüngsten Erhebung entfielen im Jahr 2016 rund 17,2 Prozent auf Arznei­mittel zur Behand­lung von Krankheiten – auf Schutz­impfungen hingegen nur gut 0,6 Prozent.

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Ist die Schutz­wirkung von Impfungen hinreichend belegt?

Impf­stoffe dürfen nur auf den Markt kommen, wenn klinische Studien ihre Wirk­samkeit und Sicherheit belegen. Auch nach der Zulassung erheben Firmen, Behörden und unabhängige Forscher zu diesen Fragen Daten. Das ist wichtig, da sich seltene Neben­wirkungen häufig erst bei einem breiten Einsatz zeigen – genau wie das volle Ausmaß des Nutzens.

Beispiel Kinder­lähmung: 1961 erkrankten in der Bundes­republik fast 4 700 Kinder am Poliovirus – 1965 nicht einmal mehr 50. Das war eindeutig ein Erfolg der Schluck­impfung, die Anfang der 1960er Jahre einge­führt wurde. Heute ist das Leiden fast über­all auf der Welt kein Thema mehr. Solange der gefähr­liche Erreger aber nicht in sämtlichen Staaten ausgerottet ist, wird die Impfung weiter empfohlen.

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Sind die unzäh­ligen empfohlenen Impfungen wirk­lich alle nötig?

Die offiziellen Empfehlungen stammen von der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut. In den letzten Jahr­zehnten nahm sie die meisten neu zugelassenen Impfungen in den Impf­kalender auf – unnötig viele, meinen Skeptiker. Ein Experten­kreis im Auftrag der Stiftung Warentest über­prüft die gängigen Empfehlungen. Er berück­sichtigt Nutzen und Risiken der angebotenen Impfungen sowie die Häufig­keit und Schwere der zugehörigen Krankheiten So kommen wir zu unseren Impf-Empfehlungen. Der Impfkalender der Stiftung Warentest weicht nur an wenigen Stellen von dem der Stiko ab, etwa bei Wind­pocken und Grippe. Ob Menschen den Empfehlungen folgen, können und müssen sie selbst entscheiden, idealer­weise in Absprache mit einem Arzt. Eine Impf­pflicht gibt es in Deutsch­land nicht.

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Wieso erkranken manche trotz Impfung an der entsprechenden Infektion?

Optimaler Schutz setzt voraus, dass das vorgesehene Schema mit allen Grund- und Auffrischungs­impfungen best­möglich einge­halten wird. Weil das Immun­system nicht bei allen Menschen exakt gleich reagiert, vermag es bislang selbst dann keine Impfung, 100 Prozent der Geimpften voll­ständig zu schützen. Doch senken Impfungen die Wahr­scheinlich­keit einer Anste­ckung. Und kommt es doch zur Infektion, verläuft sie meist leichter als ohne Schutz.

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Wieso müssen manche Impfungen häufig wieder­holt werden?

Um Impf­stoffe möglichst verträglich zu machen, entschärfen Hersteller die enthaltenen Erreger biotechnologisch. Das macht sie für das Immun­system schwieriger zu fassen. Vor allem Totimpf­stoffe brauchen für volle Wirkung mehrere Dosen, teils auch regel­mäßig eine Auffrischung. So sollten Erwachsene alle zehn Jahre an den Piks gegen Tetanus und Diph­therie denken. Ein Sonderfall ist die Grippeimpfung. Ihre Zusammenset­zung wird, weil die Erreger sich ständig verändern, jedes Jahr neu fest­gelegt – mit wechselnden Erfolgs­raten.

Tipp: Ausführ­liche Infos über den richtigen Impf­schutz für Kinder, Erwachsene im großen Themenpaket Impfen.

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Brauchen wir heut­zutage über­haupt noch Impfungen?

Fraglos sind die Hygienebedingungen der modernen Welt viel besser als früher, ebenso die medizi­nischen Möglich­keiten, um Infektionen zu behandeln. Doch gegen viele Viren fehlen noch immer wirkungs­volle Arzneien. Und die Heil­mittel gegen Bakterien, die Antibiotika, kommen längst nicht gegen alle Erreger an. So enden heut­zutage immer noch bis zu 20 Prozent aller Fälle von Tetanus und Diph­therie tödlich.

Hinzu kommt: Dass viele Infektionen in Deutsch­land kaum noch auftreten, ist vor allem eine Folge von Impf­programmen. Sinken die Impf­quoten, können in Vergessenheit geratene Krankheiten wieder Boden gewinnen – wenn etwa Reisende oder Einwanderer Polio oder Diph­therie mitbringen und die Immun­abwehr ihrer hiesigen Mitmenschen nicht gewappnet ist.

Der Schutz per Spritze nützt nicht nur Geimpften, sondern auch anderen. Denn wer geimpft ist, steckt auch niemanden an. Das kommt vor allem jenen zugute, die selber nicht geimpft werden dürfen. Lebend­impf­stoffe etwa sind meist sicher­heits­halber für junge Babys und Menschen mit schwacher Immun­abwehr tabu – und entsprechende Krankheiten gerade für diese Patienten besonders bedrohlich.

Durch hohe Impf­quoten lassen sich manche Erreger sogar ausrotten. So hat die Welt­gesund­heits­organisation 1980 die Welt für „pockenfrei“ erklärt. Denselben Erfolg verzeichnete Amerika – Nord wie Süd – 2016 bezüglich der Masern. Im Januar allerdings brachte eine Austausch­schülerin aus Guatemala das Virus aus Deutsch­land in ihre Heimat. Denn in Europa sind Masern von der Ausrottung weit entfernt. 2017 erkrankten in der EU knapp 15 000 Menschen, davon mehr als 900 in Deutsch­land. Die Zahl der Todes­opfer von Masern in der EU lag im vergangenen Jahr bei 36.

Impfungen für Kinder

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Warum sind so viele Impfungen schon bei kleinen Kindern fällig?

Der Name „Kinder­krankheit“ sagt es schon. Die Erreger etwa von Masern, Mumps und Röteln sind so anste­ckend, dass sie vor der Entwick­lung der Impfungen fast alle Menschen bereits im Kindes­alter ereilten. Neugeborene verfügen zunächst über einen „Nest­schutz“, weil ihnen die Mutter über die Nabel­schnur und später über das Stillen Antikörper über­trägt. Doch diese „spendierte“ Immun­abwehr hält höchs­tens wenige Monate und ist zudem teil­weise nur schwach. Hinzu kommt, dass manche Krankheiten wie Keuchhusten oder Pneumokokken-Infektionen bei kleinen Kindern besonders bedrohlich verlaufen können – noch ein Grund für frühes Impfen. Ausführ­liche Informationen über die Impfung von Kindern finden Sie im Themenpaket Impfen auf test.de.

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Ist es nicht besser, Kinder­krankheiten durch­zumachen als zu impfen?

Die These bringen Impf­skeptiker häufig vor. Sie glauben, dass es der Entwick­lung und den Abwehr­kräften von Kindern zugute kommt, wenn sie Infektionen durch­leben. Über­zeugende Studien­belege dafür gibt es nicht – zumal auch Impfungen das Immun­system trainieren und sich zudem nur gegen einzelne Erreger richten. Es bleiben Hunderte andere Viren und Bakterien, die das Immun­system fordern.

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Können Mehrfach­impfungen das Immun­system von Babys über­lasten?

Bis zu sechs Impf­stoffe sind heut­zutage in einer Spritze möglich, die Säuglinge ab zwei Monaten bekommen. Das kann Eltern beunruhigen, über­lastet aber laut den Zulassungs­studien weder die Babys noch ihr Immun­system. Und es spart im Vergleich zu den Einzel­impfungen enorm viele Spritzen, was in der Summe die Gefahr von Neben­wirkungen verringert. Die Sechs­fach-Kombi ist nicht alternativlos. Statt ihr gibt es auch abge­speckte Varianten, etwa nur ein Anti-Tetanus-Diph­therie-Keuchhusten-Paket oder einen Fünf­fach­schutz unter Auslassung von Hepatitis B.

Impfungen und Gesund­heits­risiken

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Stimmt es, dass Impfungen unkalkulier­bare Risiken bergen?

Ähnlich wie Medikamente zur Behand­lung von Krankheiten können Impfungen Neben­wirkungen verursachen. Meist handelt es sich um Reaktionen wie Fieber oder Schwel­lungen an der Einstich­stelle – Zeichen, dass das Immun­system reagiert. Bei Lebend­impf­stoffen sind zudem meistens milde verlaufende Symptome der Krankheit möglich, gegen die geimpft wird.

Gefürchtete Komplikationen und Folgeschäden, darunter Auto­immunkrankheiten wie Diabetes Typ 1 oder multiple Sklerose, sind laut Studien und Statistiken äußerst selten – allerdings lässt sich ein Zusammen­hang auch nur schwer beweisen. Daher zählt zum Patienten­schutz, dass Ärzte ihrer Pflicht nach­kommen und jeden Verdachts­fall melden. Auch Laien können das auf verbraucher-uaw.pei.de. Die Behörden müssen alle Meldungen prüfen und im Ernst­fall reagieren, etwa Warnhin­weise im Beipack­zettel veranlassen oder einem Präparat sogar die Zulassung entziehen.

Wer das Für und Wider einer Impfung abwägt, darf die jeweilige Krankheit nicht vergessen. So verursacht höchs­tens eine von einer Million Masern­impfungen eine Gehirn­entzündung. Unter den Menschen, die an Masern erkranken, liegt das Risiko für eine Gehirn­entzündung bei ungefähr eins zu 1 000, also tausend­fach höher.

Eine unter Impf­skeptikern weit­verbreitete These, nach der die Masern-Mumps-Röteln-Impfung angeblich das Risiko für Autismus erhöht, ist inzwischen widerlegt. Das Fachjournal The Lancet zog die zugrunde liegende Studie 2010 zurück.

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Sind die Zusätze in manchen Impfungen gefähr­lich?

Verschiedene Impfungen enthalten Wirk­verstärker, sogenannte Adjuv­anzien, um die Antwort des Immun­systems zu erhöhen. In den allermeisten Fällen und seit vielen Jahr­zehnten sind dafür Aluminiumsalze im Einsatz. Aluminium kann giftig wirken, doch die enthaltenen Mengen in Impf­stoffen sind im Vergleich zur sons­tigen Aufnahme gering. Bisherige Studien geben Entwarnung. Ähnlich sieht es bei Form­aldehyd aus, das in manchen Präparaten zum Abtöten von Erregern dient. Der umstrittene, weil queck­silber­haltige Stoff Thiomersal ist sicher­heits­halber komplett aus Stan­dard­impfungen verschwunden.

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