FAQ Haus­halts­nahe Dienst­leistungen Special

Steuer­abzug für Hand­werk­erarbeiten: Manche Finanz­beamte erkennen Rechnungen zu Unrecht nicht an.

Kosten für Hand­werker und Hilfen im Haushalt lassen sich steuerlich geltend machen. Doch das ist manchmal gar nicht so einfach. Die Experten von Finanztest raten trotzdem, solche Ausgaben immer geltend zu machen und sich bei Ärger mit dem Finanz­amt auch zu wehren. Immerhin senken zum Beispiel 1 000 Euro Lohn­kosten fürs Fliesenlegen die Steuer inklusive Soli um 211 Euro.

Das können Sie finanziell rausholen

Ausgaben für Hand­werk­erarbeiten und Hilfe im Haushalt bringen 5 710 Euro Steuerersparnis im Jahr, wenn alle drei Höchst­beträge ausgeschöpft sind.

Anerkannte Kosten

Maximal 2016

Haus­halts­hilfe als 450-Euro-Minijob

Lohn­kosten für Hilfen im Haushalt, die der private Arbeit­geber bei der Minijobzentrale angemeldet hat.

2 550 Euro Lohn­kosten. Davon mindern 20 Prozent die Steuerschuld, das ergibt maximal 510 Euro Steuer­abzug. 1

Selbst­ständige/angestellte Haus­halts­hilfe

Lohn, Fahrt- und Maschinen­kosten für selbst­ständige oder sozial­versicherte Hilfen, die beim privaten Arbeit­geber oder einer Firma angestellt sind.

20 000 Euro. Davon mindern 20 Prozent die Steuerschuld, das ergibt maximal 4 000 Euro Steuer­abzug.

Hand­werk­erarbeiten

Hand­werk­erlohn-, Fahrt-, Maschinen­kosten, aber keine Material­kosten.

6 000 Euro. Davon zählen 20 Prozent, das ergibt maximal 1 200 Euro Steuer­abzug.

    • 1 Kosten dürfen keine Werbungs­kosten, Betriebs­ausgaben oder Sonder­ausgaben sein.

    Ihre Fragen, unsere Antworten

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    Mein Finanz­amt meint, dass nur die Lohn­kosten zählen.

    Das stimmt nicht ganz. Abrechnen können Sie beispiels­weise die Arbeits­kosten für

    - Helfer, die daheim putzen, waschen, bügeln, gärtnern oder einen Haus­halts­angehörigen pflegen oder betreuen,

    - Hand­werker, die etwas im oder am Haus oder auf dem Wohn­grund­stück oder der Grundstücks­grenze reparieren, sanieren, modernisieren oder ausbauen. Viele wissen nicht: Anerkannt werden auch die in Rechnung gestellten Maschinen- und Fahrt­kosten sowie die Umsatz­steuer. Außerdem zählen in der Steuererklärung Klein­beträge für Verbrauchs­mittel wie Schmier­stoffe, Putz- und Streu­mittel.

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    Was muss ich tun, damit die Lohn-, Fahrt- und Maschinen­kosten für Hand­werker oder Hilfen im Haushalt am Ende absetz­bar sind?

    Vereinbaren Sie vor Arbeits­beginn mit dem Dienst­leister – am besten schriftlich, auch per E-Mail –, dass er die Material­kosten getrennt ausweist und dass Sie den Betrag nicht bar, sondern per Über­weisung begleichen.

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    Müssen Hand­werker Lohn- und Material­kosten in der Rechnung getrennt nennen?

    Nein, das machen sie nicht immer von sich aus. Sie sollten am besten, bevor Sie den Auftrag vergeben, mit dem Hand­werker schriftlich eine Aufteilung der Material-, Lohn- und Fahrt­kosten vereinbaren. In die Steuererklärung tragen Sie dann den Lohn­anteil ein, zudem Fahrt­kosten und anteilige Umsatz­steuer. Die Summe geben Sie in Zeile 73 im Mantelbogen an. Oder Sie entnehmen der Rechnung den pauschalen Lohn­anteil, wenn der Hand­werker bei Pauschal­preisen geschrieben hat: „In dem Brutto­betrag von 2 000 Euro ist ein Brutto­arbeits­lohn von 600 Euro enthalten.“ Auch das geht meist ohne weiteres durch. Selbst im Nach­hinein können Sie den Hand­werker auffordern, die Kosten aufzuteilen oder nach­träglich zu erläutern. Das Einkommensteuergesetz verlangt nicht, dass die Kosten schon in der Rechnung aufgeschlüsselt sein müssen.

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    Der Hand­werker verweigert eine Kosten­aufteilung. Deshalb habe ich die Lohn­kosten geschätzt. Darf das Finanz­amt dies ablehnen?

    Ja. Das Finanz­amt darf Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen, wenn Sie die Arbeits­kosten geschätzt haben. Das steht ausdrück­lich in dem neu über­arbeiteten BMF-Schreiben vom 9. November 2016 zur Steuerermäßigung für haus­halts­nahe Dienst­leistungen. Wörtlich heißt es dort: „Der Anteil der Arbeits­kosten muss grund­sätzlich anhand der Angaben in der Rechnung gesondert ermittelt werden können. Auch eine prozentuale Aufteilung des Rechnungs­betrags in Arbeits­kosten und Material­kosten durch den Rechnungs­aussteller ist zulässig. Eine Schät­zung des Anteils der Arbeits­kosten durch den Steuer­pflichtigen ist nicht zulässig und kann auch nicht auf die Entscheidung des Bundes­finanzhofs vom 20. März 2014 (BFH, Az. VI R 56/12) gestützt werden.“

    In dem Urteil hatte der Bundes­finanzhof zugunsten eines Ehepaares entschieden, das einen Haus­wasser­anschluss auf dem Wohn­grund­stück erneuerte. Das Paar schätzte die Arbeits­kosten auf 60 Prozent des Rechnungs­betrages. Da bei Tiefbau­arbeiten erfahrungs­gemäß die Arbeits­kosten höher sind als die fürs Material, ist diese Aufteilung rechtens, bestätigte der Bundes­finanzhof (Az. VI R 56/12). Das Urteil lässt sich nun nicht mehr auf andere Fälle über­tragen.

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    Darf das Finanz­amt den Steuer­abzug ablehnen, obwohl in der Rechnung steht „Betrag bar erhalten“?

    Ja. Bares hat keine Chance, da der Gesetz­geber der Schwarz­arbeit vorbeugen will. Das Gesetz gewährt den Steuer­abzug für haus­halts­nahe Dienst­leistungen und Hand­werk­erkosten nur, wenn das Geld auf das Konto des Helfers fließt. Dafür genügt ein Über­weisungs­beleg. Allerdings muss das Geld nicht unbe­dingt von Ihrem Konto stammen. Es darf auch vom Konto eines Dritten kommen.

    Ausnahme: Eine Ausnahme gilt für Minijobber im Haus­halts­scheck­verfahren. Beschäftigen Sie als Privatperson eine 450-Euro-Kraft mit Haus­halts­scheck, dürfen Sie Ihre Hilfe auch bar bezahlen (BMF-Schreiben vom 9. November 2016). Die einzelnen Posten für Ihre Steuererklärung (Mantelbogen, Zeile 71) entnehmen Sie der Bescheinigung der Minijob-Zentrale. Für Wohnungs­eigentümer­gemeinschaften oder Hilfen in Gewerberäumen kommt das Haus­halts­scheck­verfahren nicht infrage.

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    Was tun, wenn das Finanz­amt meine Kosten nicht anerkennt?

    Legen Sie in so einem Fall inner­halb eines Monats Einspruch ein. Fordert Sie das Finanz­amt auf, den Einspruch zurück­zunehmen, müssen Sie das nicht tun. Wenn Sie bei Ihrem Einspruch bleiben, muss ein Spezialist den Fall prüfen. Nach der endgültigen Entscheidung müssen Sie abwägen, ob Sie klagen wollen oder den Einspruch zurück­nehmen.

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    Meine Haus­verwaltung hat den Hausmeister als Minijobber abge­rechnet. Ich habe aber den Steuer­abzug dafür schon für meine Haus­halts­hilfe ausgeschöpft. Kann ich die Hausmeister­kosten anders absetzen?

    Ja, das müssen Sie sogar. Ihre Haus­verwaltung hat den Hausmeister falsch abge­rechnet. Sein Lohn gehört zu den haus­halts­nahen Dienst­leistungen, für die es bis zu 4 000 Euro Steuer­abzug gibt (Mantelbogen, Zeile 72) und nicht bis zu 510 Euro im Jahr wie bei den Minijobs (Zeile 71). Das ist so, weil Minijobber in Haus­gemeinschaften – anders als Minijobber im Privathaushalt – sich nicht über das Haus­halts­scheck­verfahren der Minijobzentrale abrechnen lassen.

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    Stimmt es, dass die Kosten für die Betreuung unseres Hundes nicht steuerlich zählen?

    Das kommt darauf an. Wenn das Tier bei Ihnen zu Hause betreut wird, können Sie die Ausgaben als haus­halts­nahe Dienst­leistung geltend machen. Tierfreunde, die ihre Haustiere in den heimischen vier Wänden betreuen lassen, können den Steuerbonus einstreichen. Das Finanz­amt unterstützt Tätig­keiten wie Füttern, Fell­pflege und Ausführen des Tieres als haus­halts­nahe Dienst­leistung (BMF-Schreiben vom 9. November 2016 und BFH, VI R 13/15). Nicht begüns­tigt sind allerdings nach wie vor die Kosten für eine Betreuung und Verpflegung in einer Tierpension, beispiels­weise während des Urlaubs, da diese Kosten nicht „im Haushalt“ des Steuer­pflichtigen entstehen.

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    Ich habe meinen Hand­werker über ein Hand­werk­erportal gebucht. Kann ich die Rechnung trotzdem von der Steuer absetzen?

    Wer Hilfe im Haushalt bezahlt, kann diese steuer­mindernd geltend machen, auch wenn er den Maler oder Elektriker über ein Onlineportal vermittelt bekommen und ihn dann gebucht hat. Er muss aber einige Punkte beachten, damit das Finanz­amt am Ende die Kosten nicht streicht: In der Rechnung müssen Erbringer (Hand­werker, Dienst­leister mit Name, Anschrift und Steuer­nummer) und Empfänger stehen, die Art der Tätig­keit sowie der Zeit­punkt der Arbeiten. Außerdem sollten der Inhalt der Leistung sowie der dafür anfallende Rechnungs­betrag nach Arbeits­zeit und Material aufgeteilt werden. Für Hand­werk­erarbeiten sind 20 Prozent der Lohn,- Fahrt- und Maschinen­kosten abzugs­fähig bis zu einem Höchst­betrag von 1 200 Euro pro Jahr. Der Abzug ist auch möglich, wenn der Auftrag­geber das Geld an den Portal­betreiber zahlt (keine Barzahlung). Das Finanz­amt erkennt die Rechnung trotzdem an (BMF-Schreiben vom 9. November 2016).

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