FAQ Gesetzliche Rente Special

Seit fast vier Monaten ist das Rentenpaket in Kraft. Die Reform der gesetzlichen Rente gibt unseren Lesern aber weiter Rätsel auf. Vor allem Neu-Rentne­rinnen können sich nicht erklären, warum sie zum Teil weniger Mütterrente bekommen als Frauen, die zu Reform­start im Juli bereits in Ruhe­stand waren. Auch über recht­liche Feinheiten bei der Rente mit 63, Neuerungen bei der Erwerbs­minderungs­rente oder Auswirkungen der Reform auf den Hinterbliebenen­schutz stol­perten viele. Die Experten von Finanztest beant­worten die wichtigsten Fragen.

Antrags­verfahren

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Zählen auch freiwil­lige Beiträge?

Zählen auch freiwil­lige Beiträge zu den 45 Beitrags­jahren, die Voraus­setzung für die Rente mit 63 sind?

Ja. Zeiten freiwil­liger Versicherung zählen mit, wenn Sie zusätzlich mindestens auf 18 Jahre Pflicht­versicherung kommen. Die Pflicht­zeiten können zum Beispiel durch eine versicherungs­pflichtige Beschäftigung, durch Kinder­erziehung oder die Pflege von Angehörigen zusammen­kommen. Es gibt aber eine Ausnahme: Freiwil­lige Beiträge, die Sie in den letzten zwei Jahren vor der abschlags­freien Rente mit 63 an die Rentenkasse über­weisen, zählen nur dann, wenn Sie nicht gleich­zeitig Arbeits­losengeld beziehen.

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Bis wann kann ich meinen Renten­antrag wieder zurück­nehmen?

Kann ich meinen Renten­antrag wieder zurück­nehmen, wenn ich vorzeitig mit Abschlag in Rente gegangen bin?

Sie können Ihren Renten­antrag nur zurück­nehmen, solange der Renten­versicherer über die beantragte Rente noch keinen bindenden Renten­bescheid erteilt hat. Bindend ist Ihr Bescheid, wenn Sie ihn – in der Regel nach Ablauf der Wider­spruchs­frist – nicht mehr anfechten können.

Mütterrente

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Wann gibt es den vollen Zuschlag?

Pauschal einen Renten­punkt mehr für die Kinder­erziehung gibt es nur für Eltern, die bereits vor dem 1. Juli 2014 in Rente waren. Bei allen anderen hängt die Höhe des Zuschlags zur Mütterrente von der Höhe ihres damaligen Einkommens ab. War das Einkommen zu hoch, gibt es weniger, wie im Beispiel von Rosemarie Pacharra.

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Wird die neue Mütterrente gekürzt, wenn ich mit Abschlägen vorzeitig in Rente gegangen bin?

Nein. Auch wenn Sie vor dem 1. Juli 2014 als Frührentnerin mit Abschlägen in Rente gegangen sind, bekommen Sie den vollen Zuschlag. Sie bekommen einen zusätzlichen Entgelt­punkt für die Erziehung jedes Kindes, das Sie vor 1992 geboren haben.

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Bekomme ich auch als Pensionärin eine Mütterrente?

Nur wenn Sie während der ersten zwei Jahre nach der Geburt noch nicht verbeamtet waren, bekommen Sie eine Mütterrente von der gesetzlichen Rentenkasse. Für Eltern, die in der Erziehungs­zeit bereits Beamte waren, ist die Beamten­versorgung zuständig. Auch hier wird zwischen jüngeren und älteren Kindern unterschieden. Für ab 1992 geborene Kinder bekommen Beamte je Kind drei Jahre auf die Pension ange­rechnet. Für Kinder, die vor 1992 geboren sind, bekommen sie derzeit nur ein halbes Jahr pro Kind gutgeschrieben, wenn sie während der Erziehungs­zeit bereits ins Beamten­verhältnis berufen waren. Der Bund und die meisten Länder sind noch unent­schieden, ob sie die Mütterrente auf die Beamten­versorgung über­tragen. Die Bayerische Staats­regierung hat kurz vor der Sommer­pause einen Gesetz­entwurf auf den Weg gebracht, der die Über­tragung der Mütterrente auf die bayerischen Beamten vorsieht.

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Wird mir die staatliche Grund­sicherung gekürzt, wenn ich Mütterrente bekomme?

Ja, das kann passieren. Die Mütterrente wird auf die Unterstüt­zung vom Sozial­amt ange­rechnet.

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Wird die Mütterrente von meiner Witwenrente abge­zogen?

Auch das kann passieren. Denn das Einkommen ober­halb eines Frei­betrags wird zu 40 Prozent auf die Hinterbliebenenrente ange­rechnet. Bei Witwen- und Witwerrenten liegt er derzeit bei 755 Euro (West) oder 697 Euro (Ost). Über­steigt Ihre normale Alters­rente mit der Mütterrente den Frei­betrag, reduziert sich Ihre Witwenrente. Anders liegt der Fall, wenn die Erziehungs­zeiten dem Renten­konto Ihres verstorbenen Mannes zuge­rechnet worden sind. Dann würde sich Ihre Witwenrente durch die Mütterrente erhöhen.

Erwerbs­minderungs­rente

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Bekomme ich als Bestands­rentner jetzt eine Nach­zahlung?

Die Regeln für die Erwerbs­minderungs­rente wurden verbessert. Bekomme ich als Bestands­rentner jetzt eine Nach­zahlung?

Nein. Von den Verbesserungen profitieren nur Neurentner seit dem 1. Juli 2014. Wenn Sie vorher in Erwerbs­minderungs­rente gehen mussten, bekommen Sie dieselbe Rente, als hätten Sie bis zum voll­endeten 60. Lebens­jahr Ihren alten Verdienst bekommen.

Diese „Zurechnungs­zeit“ hat die Bundes­regierung nun um zwei Jahre – von 60 auf 62 Jahre – verlängert. Erwerbs­geminderte werden jetzt so gestellt, als ob sie mit ihrem bisherigen durch­schnitt­lichen Einkommen noch zwei Jahre länger gearbeitet hätten. Das macht im Schnitt rund 40 Euro im Monat aus.

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Was hat es mit der neuen Güns­tiger­prüfung bei der Erwerbs­minderungs­rente auf sich?

Viele Erwerbs­minderungs­rentner haben in der Zeit vor Renten­beginn deutliche Einkommens­einbußen. Sie sind gesundheitlich so stark einge­schränkt, dass sie weniger Über­stunden machen können, nur noch Teil­zeit arbeiten oder dass sie Krankengeld beziehen. Wenn die Erwerbs­minderungs­rente nach dem Durch­schnitts­verdienst des gesamten Erwerbs­lebens berechnet wird, drückt das nied­rigere Einkommen vor Renten­beginn die Rentenzahlung. Deshalb fallen die letzten vier Jahre vor Renten­beginn jetzt aus der Bewertung heraus, wenn das für den Versicherten güns­tiger ist. Die neue Güns­tiger­prüfung gilt für alle, die seit dem 1. Juli 2014 erst­mals eine Erwerbs­minderungs­rente beziehen.

Persönliche Beratung

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Wo kann ich mich persönlich beraten lassen?

Kostenlose Beratung vor Ort bietet die Deutsche Renten­versicherung in ihren Beratungs­stellen oder telefo­nisch unter der Nummer 0 800/10 00 48 00. Auch ehren­amtliche Versicherten­älteste und Versichertenberater in der Nähe Ihres Wohn­orts helfen Ihnen bei Fragen kostenlos weiter. Die Adressen finden Sie auf www.deutsche-rentenversicherung.de.

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