FAQ Freiwil­lige Rentenbeiträge Special

In Zeiten nied­riger Zinsen ist die gesetzliche Renten­versicherung attraktiv geworden. Freiwil­lige Beiträge lohnen sich für viele. Ganz unkompliziert ist das nicht. Doch niemand sollte sich abschre­cken lassen.

Gesetzliche oder private Renten­versicherung

nach oben

Warum hält Finanztest die gesetzliche Renten­versicherung derzeit für attraktiver als private Renten­versicherungs­angebote?

Aufgrund der anhaltend nied­rigen Zinsen haben Kunden, die heute eine klassische private Renten­versicherung oder eine Rürup-Rente abschließen, oft nicht einmal mehr die Garantie, ihre einge­zahlten Beiträge nach einer Renten­phase von 12, 15 oder 20 Jahren heraus­zubekommen. Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Test Private Rentenversicherung, Finanztest 4/2017. Bei der gesetzlichen Rente werden die Beiträge nicht gespart, sondern gleich an die Rentner „weitergereicht“. Dieses „Umlage­verfahren“ ist nicht vom Kapitalmarkt abhängig; derzeit ein Vorteil. Freiwil­lige Beiträge lohnen sich für alle, die älter als 50 Jahre sind. Denn noch sind Beitrags­sätze und Renten­niveau stabil. Für die Jüngeren sieht es schlechter aus. Denn im Jahr 2040 beträgt die Rente eines Durch­schnitts­verdieners nach Abzug von Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträgen, jedoch vor Steuern nur noch knapp 42 Prozent des durch­schnitt­lichen Netto­einkommens. So die Prognose der Bundes­regierung für das Renten­niveau. Derzeit beträgt es noch 48 Prozent.

Speziellen Fragen zu freiwil­ligen Beiträgen in die gesetzliche Renten­versicherung

nach oben

Mit wie viel Rente kann ich rechnen, wenn ich ab 2017 fünf Jahre lang 6 000 Euro jähr­lich freiwil­lig einzahle?

Dafür gibt es derzeit eine Monats­rente von 134 Euro. Wenn die Renten entsprechend der Prognosen der Bundes­regierung steigen, sind es in fünf Jahren etwa 141 Euro.

nach oben

Ich bin 63 Jahre alt, vorzeitig in Alters­rente gegangen und habe jetzt durch eine kleine Erbschaft etwas Geld zur Verfügung. Kann ich mit freiwil­ligen Beiträgen meine gesetzliche Rente steigern?

Ja. Alle Frührentner, die die Regel­alters­grenze noch nicht erreicht haben, können freiwil­lige Beiträge zahlen. Dies ist geregelt in einer Ergän­zung des Sozialgesetz­buchs VI, die mit dem Gesetz zur Flexi-Rente einge­führt worden ist. Wer etwa als ehemals pflicht­versicherter Arbeitnehmer oder Selbst­ständiger bereits eine vorgezogene Alters­rente bezieht, kann noch freiwil­lige Beiträge zahlen, bis er seine Regel­alters­grenze erreicht hat, und so seine Rente erhöhen. Wer, wie Sie, 1954 geboren ist und im Jahr 2019 mit 65 Jahren und acht Monaten abschlags­frei in Rente geht, kann bis zu diesem Alter, also bis zu seiner Regel­alters­grenze, noch freiwil­lige Beiträge zahlen. Die Zahlung von freiwil­ligen Beiträgen in den Jahren 2017, 2018 und 2019 lohnt sich.

nach oben

Ich bin derzeit Hausmann und nicht renten­versicherungs­pflichtig. Kann ich mich freiwil­lig versichern?

Ja. Wie alle anderen freiwil­lig Versicherten können Sie Ihren freiwil­ligen Rentenbeitrag wählen zwischen dem Mindest­beitrag von derzeit 84,15 Euro im Monat (1 009,80 Euro im Jahr) und dem Höchst­beitrag von 1 187,45 Euro im Monat (14 249,40 Euro im Jahr). Inner­halb dieser Grenzen ist auch jeder andere Beitrag möglich.

nach oben

Wie stark wird meine Beamtenpension gekürzt, wenn ich mit freiwil­ligen Beiträgen eine gesetzliche Rente erwerbe?

Gar nicht. Eine gesetzliche Rente aufgrund freiwil­liger Beiträge wird laut Beamten­versorgungs­gesetz nie auf die Beamtenpension ange­rechnet. Um einen Renten­anspruch zu haben, müssen Sie mindesten fünf Jahre gesetzlich renten­versichert gewesen sein. Dazu zählen jedoch nicht nur Jahre, in denen Sie Beiträge gezahlt haben, sondern auch Kinder­erziehungs­zeiten.

nach oben

Ich bin Polizei­beamter, 60 Jahre alt und gehe 2019 mit 62 Jahren in Pension. Um auf fünf Jahre Mindest­versicherungs­zeit zu kommen, müsste ich auch als Pensionär noch freiwil­lige Renten­beträge zahlen, um zusätzlich eine gesetzliche Rente zu bekommen. Geht das?

Ja. Sie können freiwil­lige Beiträge bis zum Beginn der gesetzlichen Regel­alters­rente zahlen, die in Ihrem Fall mit 65 Jahren und elf Monaten beginnt. Bis dahin kommen Sie auf die mindestens fünf Jahre, die für einen Renten­anspruch notwendig sind.

nach oben

Die Deutsche Renten­versicherung informiert in einem Merk­blatt darüber, dass freiwil­lige Beiträge für Erwerbs­minderungs­rentner in der Regel „nicht renten­steigernd“ seien. Stimmt das?

Nein, so generell nicht. Wer bereits in jungen Jahren erwerbs­gemindert wird, bekommt einen Ausgleich in Form einer Zurechnungs­zeit. Das heißt: Es wird rechnerisch so getan, als ob der Versicherte wie bisher weiterge­arbeitet und Rentenbeiträge gezahlt hätte. Derzeit wird eine Zurechnungs­zeit bis zum 62. Geburts­tag zugrunde gelegt. Bis dahin können sich freiwil­lige Beiträge nicht renten­steigernd auswirken.

Freiwil­lige Beiträge in dieser Zeit sind aber dennoch sinn­voll, wenn damit die 35 Jahre Mindest­versicherungs­zeit für eine Alters­rente für Schwerbehinderte oder lang­jährig Versicherte erreicht wird. Dafür reicht der Mindest­beitrag (84,15 Euro im Monat). Ein Versicherter des Jahr­gangs 1954, der schwerbehindert ist, kann eine abschlagfreie Alters­rente für Schwerbehinderte mit 63 Jahren und acht Monaten in Anspruch nehmen, ein Versicherter des Jahr­gangs 1959 mit 64 Jahren und zwei Monaten. Dann kann er bis zu seiner Regel­alters­grenze weiterhin freiwil­lig Beiträge zahlen, die dann die Alters­rente erhöhen.

nach oben

Wer vorzeitig in Rente gehen möchte, kann die Abschläge mit freiwil­ligen Zahlungen ausgleichen. Ich habe gehört, dass sich dies in den neuen Bundes­ländern besonders lohnt. Stimmt das?

Ja. Der Ausgleich lohnt sich für diese Versicherten derzeit besonders. Wegen des noch geringeren Renten­werts im Osten ist der Abschlag geringer. Also ist auch weniger Beitrag für einen Ausgleich nötig. Erst im Jahr 2025 ist dieser Vorteil komplett vorbei. Bis dahin wird die Berechnung der Rente in Ost und West schritt­weise angeglichen.

Freiwil­lig in die gesetzliche Renten­versicherung einzahlen: So geht es

nach oben

Muss ich eine freiwil­lige Zahlung auf einmal leisten oder kann ich das auch in Raten machen?

Freiwil­lige Zahlungen in die gesetzliche Renten­versicherung sind auf einen Schlag oder laufend möglich:

Einmalbeitrag. Vor 1955 geborene Mütter und gesetzlich Renten­versicherte bis zum 45. Lebens­jahr, die für die Zeit ihrer Schul­ausbildung zwischen dem 16. und 17. Lebens­jahr Beiträge nach­zahlen wollen, können einen Einmalbeitrag entrichten. Das gilt auch für gesetzlich Renten­versicherte ab 50 Jahre, die Renten­abschläge bei vorzeitigem Renten­beginn ausgleichen wollen. Entscheiden sie sich später, doch bis zur Regel­alters­grenze zu arbeiten, erhöhen diese Beiträge ihre Rente. Wenn ihnen der Ausgleichs­betrag auf einen Schlag zu hoch ist, können sie auch in halb­jähr­lichen Raten zahlen. Mütter oder Väter, die nur Kinder­erziehungs­zeiten für die Rente vorweisen können, sollten fehlende Jahre auffüllen. Beispiels­weise fehlen einer Mutter mit einem 1992 oder später geborenen Kind zwei Jahre für eine Rente. Sie muss zwischen 2 019,60 Euro (84,15 Euro × 24 Monate) und 28 498,80 Euro (1 187,45 Euro × 24 Monate) einzahlen. Dies ist auch möglich, wenn eine Mutter schon das reguläre Renten­eintritts­alter über­schritten hat.

Laufende Beiträge. Wer nicht in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert ist, kann freiwil­lig laufende Beiträge zahlen. Dies gilt auch für Freiberufler, die in einem berufs­stän­dischen Versorgungs­werk versichert sind, und für Beamte. Gesetzlich Renten­versicherte, die eine Frührente beziehen, können noch bis zum Beginn ihrer Regel­alters­grenze freiwil­lig einzahlen. Bis jeweils zum 31. März kann man auch noch Beiträge für das Vorjahr nach­zahlen und sich so den Renten­anspruch für das abge­laufene Jahr sichern. Wie viel Rente es dann für den Beitrag gibt, kann sich jeder im Internet ausrechnen unter www.ihre-vorsorge.de (K Rechner & Co. K Renten­rechner K Renten­versicherung – freiwil­lige Beiträge).

nach oben

Wie muss ich eine freiwil­lige Einzahlung beantragen, gibt es Hilfe dabei?

Ob einmalig oder laufend – wer freiwil­lig Beitrag zahlen möchte, muss dies beantragen. Ein Formular gibt es auf der Website der Deutschen Rentenversicherung (Such­begriff „V0060“). Infos gibt es unter der Telefon­nummer 0 800/1 00 04 80 25. Eine kostenlose persönliche Beratung kann man auch über die Website der Deutschen Renten­versicherung vereinbaren.

Dieser Artikel ist hilfreich. 20 Nutzer finden das hilfreich.