Schön, wenns im Fitness­studio rund läuft. Mitunter kommt es aber zum Streit mit dem Fitness­studio. Die Antworten im FAQ Fitness­studio helfen.

Zwischen Kunden von Fitness­studios und den Studio­betreibern kommt es immer wieder zu Streit (zum Test Fitnessstudios). Dürfen Kunden bei einem Umzug vorzeitig aus dem Vertrag? Was gilt bei Schwangerschaft und Krankheit? Die Stiftung Warentest beant­wortet häufige Leserfragen und sagt, was geht – und was nicht – auch im Zusammen­hang mit der Corona-Krise.

Fitness­verträge und Corona-Krise

Viele Menschen stellen sich aktuell die Frage: „Muss ich weiter meinen Mitglieds­beitrag für das Fitness­studio bezahlen, obwohl es wegen Corona geschlossen wurde?“

Das sagen die Rechts­experten der Stiftung Warentest: „Es liegt juristisch wohl ein Fall der recht­lichen Unmöglich­keit vor. Dem Fitness­studio ist es wegen der öffent­lich-recht­lichen Allgemein­verfügung nicht mehr möglich, die Studio­leistungen zu erbringen. Der Kunde verliert seinen Anspruch, das Studio nutzen zu können. Und das Studio verliert sein Recht, Bezahlung verlangen zu dürfen (Paragraf 326 Absatz 1 des Bürgerlichen Gesetz­buchs).

Hat der Kunde schon für das ganze Jahr gezahlt, kann er den Teil des Entgelts, der auf die Corona-Zeit entfällt, erstattet verlangen (Paragraf 326 Absatz 4 Bürgerliches Gesetz­buch). Viele Studios bieten aber auch an, den Studio­vertrag um die Corona-Zeit zu verlängern. Für den Zeitraum der Verlängerung muss der Studio­gast dann nichts zahlen.

Tipp: Ausführ­liche Informationen rund um Corona, Recht, Verträge, Reisen lesen Sie FAQ Corona und Recht.

Fitness­studio – Erkrankung und Schwangerschaft

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Berechtigt eine Krankheit zur sofortigen Kündigung?

Das kann sein. Wenn „wichtig Gründe“ vorliegen, haben Kunden bei lang­laufenden Verträgen immer ein Recht, vorzeitig auszusteigen. Das ergibt sich aus Paragraf 314 des Bürgerlichen Gesetz­buchs. Dieses Recht dürfen Studio­betreiber auch nicht vertraglich ausschließen. Aber was ist ein „wichtiger Grund“? Der Bundes­gerichts­hof hat in einem Urteil vom 8. Februar 2012 geschrieben, dass eine Erkrankung des Kunden ein wichtiger Grund zum vorzeitigen Ausstieg sein kann (Az. XII ZR 42/10). Wohl­gemerkt: „kann“. Es kommt auf die Umstände des Einzel­falls an. Das ärzt­liche Attest spielt hier eine ganz wichtige Rolle. Kunden sollten eines vorlegen können aus dem hervorgeht, dass sie wegen Krankheit dauer­haft, also bis zum Ende der restlichen Vertrags­lauf­zeit, das Fitness-Angebot nicht wahr­nehmen können. Eine Woche Fieber recht­fertigt also keine Kündigung – eine schwere Verletzung, deren Folgen sich laut Attest bis zum Ende der Vertrags­lauf­zeit im Fitness­studio ziehen, hingegen schon.

Kündigung trotz Vorerkrankung: Eine außer­ordentliche Kündigung ist nach Ansicht des Amts­gerichts Brandenburg selbst dann möglich, wenn sich während der Dauer einer Studio-Mitgliedschaft eine Erkrankung verschlimmert, die der Kunde schon vorher hatte. Allerdings war für den Fall entscheidend, dass der Studio­betreiber (Kieser Training) gerade auch Personen mit gesundheitlichen Beein­trächtigungen aufnimmt und der Kunde vor Vertrags­schluss einen „Gesund­heits-Fragebogen“ von Kieser ausgefüllt hatte, indem die Vorerkrankung erwähnt war (Az. 31 C 60/18).

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Muss ich dem Studio genau sagen, woran ich erkrankt bin?

Solange Sie sich außerge­richt­lich mit dem Fitness­studio um die Kündigung streiten, müssen Sie das nicht. Es reicht ein Attest, aus dem sich allgemein ergibt, dass Sie wegen einer Krankheit bis zum Ende der Vertrags­lauf­zeit keine sport­liche Tätig­keit ausüben können. Weil es in der Praxis aber auch Gefäl­ligkeits­atteste von Ärzten gibt, hat das Fitness­studio in einem Prozess gegen Sie die Möglich­keit, das Attest in Zweifel zu ziehen. Die Beweislast im Prozess liegt dann beim Studio­kunden. Er muss beweisen, dass ihm wegen der Krankheit die Nutzung des Studios tatsäch­lich nicht mehr zugemutet werden kann.

Spätestens vor Gericht müssen Sie also die Details schildern, warum Sie nicht mehr trainieren konnten. Tun Sie das nicht, verlieren Sie eine gericht­liche Auseinander­setzung mit dem Studio­betreiber wahr­scheinlich. So ist es im Dezember 2019 einem Kunden ergangen, der im Gerichts­verfahren nur ein pauschales ärzt­liches Attest vorgelegt hatte, wonach er „aus gesundheitlichen Gründen“ keinen Sport machen dürfe. Das war dem Gericht nicht konkret genug. Er verlor den Prozess, muss nun die rück­ständigen Studiobeiträge in Höhe von 1 510 Euro bezahlen und die Anwalts- und Gerichts­kosten des Verfahrens tragen (Amts­gericht Frank­furt am Main, Az. 31 C 2619/18 (17)).

Tipp: Obwohl sie nicht verpflichtet sind, sollten Kunden daher erwägen, schon bei der Kündigung ihre Krankheit konkret zu nennen. Das führt vielleicht dazu, dass sich der Studio­betreiber einsichtig zeigt und Ihre Kündigung akzeptiert, ohne dass es zu einem Prozess kommt.

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Was gilt bei einer Schwangerschaft?

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, aber im Grunde gilt für sie das gleiche wie bei einer Krankheit. Sie kann zu einer außer­ordentlichen Kündigung berechtigen. Strenge Studio­betreiber sind bei schwangeren Kundinnen mitunter nur zu einem Ruhen des Fitness­studio-Vertrages für die Dauer der Schwangerschaft bereit. Eine komplizierte Schwangerschaft mit Gefahr für das Leben von Kind und Mutter recht­fertigt möglicher­weise aber auch den vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag (siehe dazu unsere Meldung Wie Schwangere aus dem Vertrag kommen).

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Wie viel Zeit habe ich für die Kündigung wegen Erkrankung oder Schwangerschaft?

Wenn Sie von Ihrem Arzt erfahren haben, dass Sie wegen Krankheit oder Schwangerschaft nicht mehr ins Fitness­studio gehen dürfen, sollte es schnell gehen. Das Gesetz nennt zwar keinen konkreten Zeit­rahmen, sondern sagt nur ganz allgemein, dass Sie nach Kennt­nis der Trainings­unfähigkeit inner­halb einer „angemessenen Frist“ kündigen müssen. Am besten ist es, wenn Sie nichts riskieren und möglichst schnell kündigen. Das Amts­gericht Köln hat 2016 entschieden, dass die Erklärung der Kündigung sechs Tage nach dem Arzt­termin, in dem die Trainings­unfähigkeit attestiert worden war, noch frist­gerecht ist (Az. 142 C 537/14). Allerdings gibt es auch Gerichte, die Kunden im Einzel­fall mehr Zeit für eine Kündigung geben: Das Amts­gericht Brandenburg hält eine Frist von bis zu vier Monaten sogar noch für angemessen (Az. 31 C 60/18).

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Das Studio will die Mitgliedschaft für die Dauer der Krankheit ruhen lassen? Muss ich darauf eingehen?

Wohl nein. Das Amts­gericht Itzehoe hat eine vom Kunden unter­schriebene „Ruhens“-Vereinbarung für unwirk­sam erachtet (Az. 56 C 1402/99). Infolge einer Schwangerschaft hatte das Studio mit einer Kundin vereinbart, dass die Mitgliedschaft für fünf Monate ohne Beitrags­pflicht ruhen solle. In der Vereinbarung befand sich die vom Studio vorgegebene Formulierung: „Die Mitgliedschaft verlängert sich um die Ruhe­zeit“. Das Gericht wertete dies als über­raschende und damit für den Kunden nicht bindende Klausel im Sinne von Paragraf 305c Bürgerliches Gesetzbuch. Ähnlich äußerte sich das Amts­gericht Brandenburg im Jahr 2019 zu einer Ruhe­zeit-Vereinbarung, die der Studio­betreiber Kieser Training mit einer erkrankten Frau abschließen wollte (Az. 31 C 60/18).

Fitness­studio – Umzug, Angebots­änderung, Insolvenz

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Darf ich den Fitness­studio-Vertrag kündigen, wenn ich umziehe?

Nein, in der Regel ist das nicht möglich. Nach einem Urteil des Bundes­gerichts­hofs vom 4. Mai 2016 fällt ein berufs­bedingter Wohn­ortwechsel allein in den Verantwortungs­bereich des Kunden. Er berechtige Verbraucher deshalb nicht zur außer­ordentlichen Kündigung des Vertrages (Az. XII ZR 62/15). Im konkreten Fall ging es um einen Bundes­wehr­soldaten, der in eine andere Stadt abkommandiert wurde und anschließend das Studio an seinem ehemaligen Wohn­ort nicht mehr nutzen konnte. Obwohl der Soldat für seinen Umzug nichts konnte, war er nach Ansicht des Gerichts nicht zur außer­ordentlichen Kündigung berechtigt. Aber auch wenn die aktuelle Rechts­lage gegen den Kunden spricht: Schildern Sie Ihrem Fitness­studio, warum Sie zum Umzug gezwungen sind. Womöglich lässt es sie kulanter­weise doch aus dem Vertrag.

Tipp: Wir haben im Sommer 2017 sieben Fitnessstudios getestet. Ergebnis: Nur ein Anbieter betreut seine Kunden gut.

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Und was gilt, wenn das Fitness­studio umzieht?

Dann dürfen Sie kündigen, sofern Ihnen die Nutzung der neuen Räumlich­keiten nicht mehr zumut­bar ist. Das Amts­gericht Brandenburg an der Havel hat im Oktober 2015 eine Kündigung für rechtens erklärt, die ein Kunde ausgesprochen hatte, nachdem sein Studio in ein anderes Stadt­gebiet umge­zogen war. Sobald der Kunde nach dem Umzug erheblich mehr Zeit aufwenden muss, um ins Studio zu kommen, könne ihm der Vertrag nicht mehr zugemutet werden, so das Gericht (Az. 34 C 5/15).

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Darf ich kündigen, wenn mein Fitness­studio etwa wegen Insolvenz schließt?

Ja, setzen Sie dem Studio schriftlich per Einschreiben mit Rück­schein eine kurze Frist, inner­halb der das Studio wieder aufgemacht werden soll. Geschieht das nicht, dürfen Sie nach Ablauf der Frist außer­ordentlich kündigen. Wenn Sie dem Studio eine Einzugs­ermächtigung für die Studiobeiträge erteilt haben, sollten Sie diese außerdem widerrufen. Achtung: Haben Sie keine monatliche Zahl­weise vereinbart, sondern dem Fitness­studio im Voraus einen Jahres­beitrag gezahlt, und schließt dann das Studio wegen Insolvenz, ist Ihr Geld womöglich verloren.

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Mein Studio hat die Öffnungs­zeiten geändert beziehungs­weise reduziert. Kann ich kündigen?

Ändert Ihr Fitness­studio die Öffnungs­zeiten, können Sie nicht sofort kündigen. Fordern Sie Ihr Studio zunächst schriftlich per Einschreiben mit Rück­schein auf, die alten Öffnungs­zeiten wieder einzurichten. Dafür setzen Sie eine Frist. Bleibt es bei den geänderten Öffnungs­zeiten, dürfen Sie nach Ablauf der Frist außer­ordentlich kündigen. Zahlen Sie Ihre Mitglieds­beiträge per Last­schrift, widerrufen Sie die dem Studio erteilte Einzugs­ermächtigung.

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Mein Studio hat einen Kurs gestrichen. Kann ich aus dem Vertrag raus?

Hat Ihr Fitness­studio Kurse – für Sie zeitlich ungünstig – verlegt oder gar gestrichen, steht Ihnen nicht ohne Weiteres ein außer­ordentliches Kündigungs­recht zu. Das ist nur dann der Fall, wenn der verlegte oder gestrichene Kurs so wichtig für Sie war, dass sie den Vertrag mit dem Studio ohne ihn nicht geschlossen hätten. Das müssen Sie in Ihrer Kündigung schriftlich darlegen und glaubhaft belegen. Außerdem sollten Sie Ihr Studio auffordern, den Kurs auf die alte Zeit zu legen beziehungs­weise ihn wieder ins Programm aufzunehmen. Dafür setzen Sie Ihrem Studio­betreiber eine Frist. Schi­cken Sie Ihr Schreiben per Einschreiben mit Rück­schein. Kommt das Fitness­studio Ihrer Aufforderung nicht nach, können Sie frist­los kündigen. Bucht das Fitness­studio Ihre Mitglieds­beiträge per Last­schrift von Ihrem Konto ab, widerrufen Sie die Einzugs­ermächtigung.

Fitness­studio – Verletzung, Diebstahl, Getränke, Duschen

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Kann ich Schaden­ersatz verlangen, wenn ich mich im Fitness­studio verletze?

Es kommt darauf an, aus welchem Grund sie sich verletzen. Wer sich verletzt, weil das benutzte Trainings­gerät nicht richtig gewartet wurde, kann in der Regel Schaden­ersatz und Schmerzens­geld vom Fitness­studio fordern. Die Betreiber von Sport­clubs sind dazu verpflichtet, alle Trainings­geräte und Einrichtungen in ihren Räumen regel­mäßig zu prüfen, zu warten und bei Bedarf auszutauschen. Fitness­kunden müssen sich darauf verlassen können, dass alle Geräte im Fitness­studio in Ordnung und voll funk­tions­tüchtig sind und regel­mäßig über­prüft werden (Land­gericht Coburg, Az. 23 O 249/06). Kommt der Studio­betreiber seiner Verpflichtung nicht nach und geschieht ein Unfall, kann der geschädigte Kunde Entschädigung verlangen.

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Meine Kleidung wurde mir im Fitness­studio gestohlen. Kann ich Schaden­ersatz verlangen?

Grund­sätzlich gilt: Das Fitness­studio haftet für Diebstähle aus Spinden und Umkleideräumen. Allerdings kann der Studio­betreiber – in der Haus­ordnung oder den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen – seine Haftung auf grobe Fahr­lässig­keit und Vorsatz beschränken. Ganz ausschließen darf er sie nicht. Anders liegt der Fall, wenn ein grobes Verschulden des Kunden vorliegt. Haben Sie etwa Ihr Handy unbe­aufsichtigt während des Duschens in der Umkleide liegenlassen oder Ihren Spind nicht verschlossen und wurde etwas geklaut, haben Sie den Diebstahl selbst verschuldet.

Bei wert­vollen Sachen wie Handys, Kreditkarten oder hohen Geld­beträgen kann Sie auch dann ein Eigen­verschulden treffen, wenn Sie diese in Ihrem Umkleide­schrank verwahrt und ihn ordnungs­gemäß verschlossen haben. Nach geltender Recht­sprechung müssen Studio­kunden damit rechnen, dass ein Spind nur einge­schränkten Schutz bietet. Nur wenn in der Vergangenheit schon öfter etwas gestohlen wurde, kann auch der Studio­betreiber in einem solchen Fall haft­bar gemacht werden. Es kommt auf den Einzel­fall an. Bewahren Sie Sachen von hohem Wert daher besser nicht in der Umkleide auf.

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Kann mir das Fitness­studio verbieten, eigene Getränke mitzubringen?

Einige Fitnessstudios verbieten ihren Kunden im Klein­gedruckten die Mitnahme eigener Getränke. Gründe für derartige Rege­lungen sind die Gefahr von Verletzungen durch Glasflaschen, aber auch das Interesse am Verkauf eigener Fitness­getränke. In der Regel sind solche Klauseln jedoch nicht zulässig. Studio­betreiber dürfen nicht generell und uneinge­schränkt jegliche Mitnahme von Getränken verbieten. Bei sport­licher Aktivität entsteht ein höherer Flüssig­keits­bedarf. Die Kunden dürfen darum nicht gezwungen werden, die Getränke des Fitness­studios zu erwerben, um ihren Flüssig­keits­bedarf zu stillen. Nur Glasflaschen dürfen Studio­betreiber verbieten – aufgrund des Verletzungs­risikos.

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Mein Fitness­studio verlangt fürs Duschen extra Geld. Dürfen die das?

Nur, wenn die entsprechende Info klar kommuniziert wird. Sie darf nicht im Klein­gedruckten versteckt werden. Nach Ansicht des Ober­landes­gerichts Karls­ruhe ist das kosten­pflichtige Duschen in einem Fitness­studio sogar so ungewöhnlich, dass der Studio­betreiber darauf aus wett­bewer­brecht­lichen Gründen schon in seiner Werbung darauf hinweisen muss (Az. 6 U 1/08). Zum Glück sind solche Klauseln mitt­lerweile sehr selten.

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Wohin kann ich mich wenden, wenn ich Ärger mit meinem Fitness­studio habe?

Wenden Sie sich am besten an die nächst­gelegene Beratungs­stelle der Verbraucherzentrale (VZ). Übrigens: Die VZ hat im Rahmen einer Umfrage Daten zu Fitness­studio-Verträgen gesammelt. Die Ergeb­nisse sind in dem PDF Miss­stände bei Fitness­studios zusammengefasst.

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