FAQ Fitness­studio Special

Zwischen Kunden von Fitnessstudios und den Studio­betreibern kommt es immer wieder zu Streit. Dürfen Kunden bei einem Umzug vorzeitig aus dem Vertrag? Was gilt bei Schwangerschaft und Krankheit? test.de beant­wortet häufige Leserfragen und sagt, was geht – und was nicht.

Ihre Fragen, unsere Antworten

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Darf ich den Fitness­studio-Vertrag kündigen, wenn ich umziehe?

Nein, in der Regel ist das nicht möglich. Nach einem Urteil des Bundes­gerichts­hofs vom 4. Mai 2016 fällt ein berufs­bedingter Wohn­ortwechsel allein in den Verantwortungs­bereich des Kunden. Er berechtige Verbraucher deshalb nicht zur außer­ordentlichen Kündigung des Vertrages (Az. XII ZR 62/15). Im konkreten Fall ging es um einen Bundes­wehr­soldaten, der in eine andere Stadt abkommandiert wurde und anschließend das Studio an seinem ehemaligen Wohn­ort nicht mehr nutzen konnte. Obwohl der Soldat für seinen Umzug nichts konnte, war er nach Ansicht des Gerichts nicht zur außer­ordentlichen Kündigung berechtigt. Aber auch wenn die aktuelle Rechts­lage gegen den Kunden spricht: Schildern Sie Ihrem Fitness­studio, warum Sie zum Umzug gezwungen sind. Womöglich lässt es sie kulanter­weise doch aus dem Vertrag.

Tipp: Wir haben im Sommer 2017 sieben Fitnessstudios getestet. Ergebnis: Nur ein Anbieter betreut seine Kunden gut.

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Und was gilt, wenn das Fitness­studio umzieht?

Dann dürfen Sie kündigen, sofern Ihnen die Nutzung der neuen Räumlich­keiten nicht mehr zumut­bar ist. Das Amts­gericht Brandenburg an der Havel hat im Oktober 2015 eine Kündigung für rechtens erklärt, die ein Kunde ausgesprochen hatte, nachdem sein Studio in ein anderes Stadt­gebiet umge­zogen war. Sobald der Kunde nach dem Umzug erheblich mehr Zeit aufwenden muss, um ins Studio zu kommen, könne ihm der Vertrag nicht mehr zugemutet werden, so das Gericht (Az. 34 C 5/15).

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Berechtigt eine Krankheit zur sofortigen Kündigung?

Das kann sein. Wenn „wichtig Gründe“ vorliegen, haben Kunden bei lang­laufenden Verträgen immer ein Recht, vorzeitig auszusteigen. Das ergibt sich aus Paragraf 314 des Bürgerlichen Gesetz­buchs. Dieses Recht dürfen Studio­betreiber auch nicht vertraglich ausschließen. Aber was ist nun ein „wichtiger Grund“? Der Bundes­gerichts­hof hat in einem Urteil vom 8. Februar 2012 geschrieben, dass eine Erkrankung des Kunden ein wichtiger Grund zum vorzeitigen Ausstieg sein kann (Az. XII ZR 42/10). Wohl­gemerkt: „kann“. Es kommt ganz auf die Umstände des Einzel­falls an. Das ärzt­liche Attest spielt hierfür eine ganz wichtige Rolle. Kunden, die wegen einer Krankheit den Studio­vertrag vorzeitig kündigen wollen, sollten ein Attest vorlegen können, aus dem hervorgeht, dass sie wegen einer Krankheit dauer­haft, also bis zum Ende der restlichen Vertrags­lauf­zeit, das Fitness-Angebot nicht mehr wahr­nehmen können. Eine Woche Fieber recht­fertigt also keine Kündigung – eine schwere Verletzung, deren Folgen sich laut Attest bis zum Ende der Vertrags­lauf­zeit im Fitness­studio ziehen, hingegen schon.

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Muss ich dem Studio genau sagen, woran ich erkrankt bin?

Solange Sie sich noch außerge­richt­lich mit dem Fitness­studio um die Kündigung wegen Ihrer Krankheit streiten, müssen Sie das nicht. Es reicht ein Attest, aus dem sich ganz allgemein ergibt, dass Sie wegen einer Krankheit bis zum Ende der Vertrags­lauf­zeit keine sport­liche Tätig­keit mehr ausüben können. Weil es in der Praxis aber auch Gefäl­ligkeits­atteste von Ärzten gibt, hat das Fitness­studio in einem Prozess gegen Sie die Möglich­keit das Attest in Zweifel zu ziehen. Die Beweislast im Prozess liegt dann beim Studio­kunden. Er muss beweisen, dass ihm wegen der Krankheit die Nutzung des Studios nicht mehr zugemutet werden kann. Spätestens vor Gericht müssen Sie also die Details schildern, warum Sie nicht mehr trainieren konnten. Notfalls wird Ihr Arzt als Zeuge gehört. Stellt sich dann heraus, dass Sie geflunkert haben, verlieren Sie den Prozess, müssen die noch offenen Studiobeiträge nach­zahlen und tragen die Anwalts- und Gerichts­kosten des Verfahrens. Obwohl sie dazu nicht verpflichtet sind, sollten Kunden daher erwägen, schon bei der Kündigung ihre Krankheit konkret zu nennen. Das führt vielleicht dazu, dass sich der Studio­betreiber einsichtig zeigt und Ihre Kündigung akzeptiert, ohne dass es zu einem Prozess kommt.

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Was gilt bei einer Schwangerschaft?

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, aber im Grunde gilt für sie das gleiche wie bei einer Krankheit. Sie kann zu einer außer­ordentlichen Kündigung berechtigen. Strenge Studio­betreiber sind bei schwangeren Kundinnen mitunter nur zu einem Ruhen des Fitness­studio-Vertrages für die Dauer der Schwangerschaft bereit. Eine komplizierte Schwangerschaft mit Gefahr für das Leben von Kind und Mutter recht­fertigt möglicher­weise aber auch den vorzeitigen Ausstieg aus dem Vertrag (siehe dazu auch unsere Meldung Wie Schwangere aus dem Vertrag kommen).

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Wie lange habe ich für die Kündigung wegen Erkrankung oder Schwangerschaft Zeit?

Wenn Sie von Ihrem Arzt erfahren haben, dass Sie wegen Krankheit oder Schwangerschaft nicht mehr ins Fitness­studio gehen dürfen, sollte es schnell gehen. Das Gesetz nennt zwar keinen konkreten Zeit­rahmen, sondern sagt nur ganz allgemein, dass Sie nach Kennt­nis der Trainings­unfähigkeit inner­halb einer „angemessenen Frist“ kündigen müssen. Am besten ist es aber, wenn Sie nichts riskieren und möglichst schnell kündigen. Das Amts­gericht Köln hat in einer Entscheidung vom 9. Mai 2016 entschieden, dass die Erklärung der Kündigung sechs Tage nach dem Arzt­termin, in dem die Trainings­unfähigkeit attestiert worden war, noch frist­gerecht ist (Az. 142 C 537/14).

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Darf ich kündigen, wenn mein Fitness­studio etwa wegen Insolvenz schließt?

Ja, setzen Sie dem Studio schriftlich per Einschreiben mit Rück­schein eine kurze Frist, inner­halb der das Studio wieder aufgemacht werden soll. Geschieht das nicht, dürfen Sie nach Ablauf der Frist außer­ordentlich kündigen. Wenn Sie dem Studio eine Einzugs­ermächtigung für die Studiobeiträge erteilt haben, sollten Sie diese außerdem widerrufen. Achtung: Haben Sie keine monatliche Zahl­weise vereinbart, sondern dem Fitness­studio im Voraus einen Jahres­beitrag gezahlt, und schließt dann das Studio wegen Insolvenz, ist Ihr Geld womöglich verloren.

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Mein Studio hat die Öffnungs­zeiten geändert beziehungs­weise reduziert. Kann ich jetzt kündigen?

Ändert Ihr Fitness­studio die Öffnungs­zeiten, können Sie nicht sofort kündigen. Fordern Sie Ihr Studio zunächst schriftlich per Einschreiben mit Rück­schein auf, die alten Öffnungs­zeiten wieder einzurichten. Dafür setzen Sie eine Frist. Bleibt es bei den geänderten Öffnungs­zeiten, dürfen Sie nach Ablauf der Frist außer­ordentlich kündigen. Zahlen Sie Ihre Mitglieds­beiträge per Last­schrift, widerrufen Sie die dem Studio erteilte Einzugs­ermächtigung .

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Mein Studio hat einen Kurs gestrichen. Kann ich aus dem Vertrag raus?

Hat Ihr Fitness­studio Kurse – für Sie zeitlich ungünstig – verlegt oder gar gestrichen, steht Ihnen nicht ohne Weiteres ein außer­ordentliches Kündigungs­recht zu. Das ist nur dann der Fall, wenn der verlegte oder gestrichene Kurs so wichtig für Sie war, dass sie den Vertrag mit dem Studio ohne ihn nicht geschlossen hätten. Das müssen Sie in Ihrer Kündigung schriftlich darlegen und glaubhaft belegen. Außerdem sollten Sie Ihr Studio auffordern, den Kurs auf die alte Zeit zu legen beziehungs­weise ihn wieder ins Programm aufzunehmen. Dafür setzen Sie Ihrem Studio­betreiber eine Frist. Schi­cken Sie Ihr Schreiben per Einschreiben mit Rück­schein. Kommt das Fitness­studio Ihrer Aufforderung nicht nach, können Sie frist­los kündigen. Bucht das Fitness­studio Ihre Mitglieds­beiträge per Last­schrift von Ihrem Konto ab, widerrufen Sie die Einzugs­ermächtigung.

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Kann ich Schaden­ersatz verlangen, wenn ich mich im Fitness­studio verletze?

Es kommt darauf an, aus welchem Grund sie sich verletzen. Wer sich verletzt, weil das benutzte Trainings­gerät nicht richtig gewartet wurde, kann in der Regel Schaden­ersatz und Schmerzens­geld vom Fitness­studio fordern. Die Betreiber von Sport­clubs sind dazu verpflichtet, alle Trainings­geräte und Einrichtungen in ihren Räumen regel­mäßig zu prüfen, zu warten und bei Bedarf auszutauschen. Fitness­kunden müssen sich darauf verlassen können, dass alle Geräte im Fitness­studio in Ordnung und voll funk­tions­tüchtig sind und regel­mäßig über­prüft werden (Land­gericht Coburg, Az. 23 O 249/06). Kommt der Studio­betreiber seiner Verpflichtung nicht nach und passiert ein Unfall, kann der geschädigte Kunde Entschädigung verlangen.

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Meine Kleidung wurde mir im Fitness­studio gestohlen. Kann ich Schaden­ersatz verlangen?

Grund­sätzlich gilt: Das Fitness­studio haftet für Diebstähle aus Spinden und Umkleideräumen. Allerdings kann der Studio­betreiber – in der Haus­ordnung oder den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen – seine Haftung auf grobe Fahr­lässig­keit und Vorsatz beschränken. Ganz ausschließen darf er sie nicht. Anders liegt der Fall, wenn ein grobes Verschulden des Kunden vorliegt. Haben Sie etwa Ihr Handy unbe­aufsichtigt während des Duschens in der Umkleide liegenlassen oder Ihren Spind nicht verschlossen und wurde etwas geklaut, haben Sie den Diebstahl selbst verschuldet. Bei wert­vollen Sachen wie Handys, Kreditkarten oder hohen Geld­beträgen kann Sie auch dann ein Eigen­verschulden treffen, wenn Sie diese in Ihrem Umkleide­schrank verwahrt und letzteren ordnungs­gemäß verschlossen haben. Nach geltender Recht­sprechung müssen Studio­kunden damit rechnen, dass ein Spind nur einge­schränkten Schutz bietet. Nur wenn in der Vergangenheit schon öfter etwas gestohlen wurde, kann auch der Studio­betreiber in einem solchen Fall haft­bar gemacht werden. Es kommt auf den Einzel­fall an. Bewahren Sie Sachen von hohem Wert daher besser nicht in der Umkleide auf.

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Kann mir das Fitness­studio verbieten, eigene Getränke mitzubringen?

Einige Fitnessstudios verbieten ihren Kunden in ihren Allgemeinen Geschäfts­bedingungen die Mitnahme eigener Getränke. Gründe für derartige Rege­lungen sind die Gefahr von Verletzungen durch Glasflaschen, aber auch das Interesse am Verkauf eigener Fitness­getränke. In der Regel sind solche Klauseln jedoch nicht zulässig. Studio­betreiber dürfen nicht generell und uneinge­schränkt jegliche Mitnahme von Getränken verbieten. Bei sport­licher Aktivität entsteht ein höherer Flüssig­keits­bedarf. Die Kunden dürfen darum nicht gezwungen werden, die Getränke des Fitness­studios zu erwerben, um ihren Flüssig­keits­bedarf zu stillen. Nur Glasflaschen dürfen Studio­betreiber verbieten – aufgrund des Verletzungs­risikos.

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Mein Fitness­studio verlangt fürs Duschen extra Geld. Dürfen die das?

Nur, wenn die entsprechende Info klar kommuniziert wird. Sie darf nicht im Klein­gedruckten versteckt werden. Nach Ansicht des Ober­landes­gerichts Karls­ruhe ist das kosten­pflichtige Duschen in einem Fitness­studio sogar so ungewöhnlich, dass der Studio­betreiber darauf aus wett­bewer­brecht­lichen Gründen schon in seiner Werbung darauf hinweisen muss (Az. 6 U 1/08). Zum Glück sind solche Klauseln mitt­lerweile sehr selten.

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Wohin kann ich mich wenden, wenn ich Ärger mit meinem Fitness­studio habe?

Wenden Sie sich am besten an die nächst­gelegene Beratungs­stelle der Verbraucherzentrale (VZ). Übrigens: Die VZ hat im Rahmen einer Umfrage Daten zu Fitness­studio-Verträgen gesammelt. Die Ergeb­nisse sind in dem PDF Missstände bei Fitnessstudios zusammengefasst.

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