Kein Fahr­radschloss kann hundert­prozentige Sicherheit versprechen. Aber die Guten im Test Fahrradschlösser bieten hohen Schutz und schre­cken Diebe oft von vorn­herein ab. Die Experten der Stiftung Warentest beant­worten die wichtigsten Fragen rund um Bügelschlösser, Falt­schlösser, Kettenschlösser und andere Schloss­typen – und geben Tipps rund ums Thema Fahr­radklau.

Polizei rufen, Dieb fest­halten

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Wie viele Fahr­räder werden denn über­haupt geklaut?

Extrem viele. Laut polizei­licher Kriminal­statistik wurden im Jahr 2016 deutsch­land­weit mehr als 330 000 Fahr­räder gestohlen. Hinzu kommt eine gewisse Dunkelziffer. Vor allem Radler in Groß­städten sind betroffen. Die Aufklärungs­quote liegt nur bei etwa 10 Prozent.

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Was soll ich tun, wenn ich einen Verdächtigen beim Fahr­radklau beob­achte?

Spielen Sie nicht den Helden. Wählen Sie 110 und informieren Sie die Polizei. Wichtig: Weisen Sie darauf hin, dass der Diebstahl genau in diesem Moment passiert. Falls der Dieb flüchtet, sollten Sie Flucht­richtung und Täter­beschreibung weitermelden.

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Darf ich den Fahr­raddieb fest­halten, wenn ich ihn auf frischer Tat ertappe?

Ja, bis die Polizei kommt, dürfen Sie den Dieb „vorläufig fest­nehmen“, wie es im Para­graph 127 der Straf­prozess­ordnung heißt. Dabei gilt natürlich das Gebot der Verhält­nismäßig­keit: Beim Fest­halten des Täters immer so wenig Kraft wie möglich anwenden! Und auch hier gilt: Im Zweifel nicht den Helden spielen und sich nicht selbst in Gefahr bringen!

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Wenn mir auf einem Flohmarkt ein verdächtig billiges Fahr­rad angeboten wird: Was soll ich tun?

Fragen Sie den Verkäufer nach dem Kauf­beleg. Lassen Sie sich eine Quittung ausstellen und den Ausweis zeigen. Wenn der Verkäufer dies ablehnt und Sie den Verdacht haben, das Fahr­rad könnte geklaut sein, sollten Sie die Polizei rufen. Die ist für derartige Hinweise dank­bar. Wer ein gestohlenes Fahr­rad kauft, riskiert viel: Es gehört immer noch dem eigentlichen Eigentümer und kann bei einer Kontrolle beschlag­nahmt werden.

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Wenn die Polizei ohnehin kaum einen Täter über­führt, lohnt sich dann bei einem Diebstahl über­haupt eine Anzeige?

Ja. Die Versicherungen verlangen, dass man Anzeige bei der Polizei erstattet. Aber auch bei unver­sicherten Fahr­rädern empfehlen wir eine Anzeige: Erstens weil nur so die Chance besteht, dass die Polizei bei Kontrollen die Täter über­führen kann (z.B. anhand der Rahmennummer). Und zweitens weil nur so die Dimension des Fahr­radklaus für alle offensicht­lich wird. Die ungeschönte Statistik könnte so etwa Kommunal­politiker dazu veranlassen, sich für mehr stabile Abstell­anlagen zu engagieren.

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Wie soll ich mein Fahr­rad versichern?

Fahr­radfahrer können ihr Rad über die Hausrat­versicherung oder eine spezielle Fahr­radversicherung gegen Diebstahl absichern. Über welche Hausrat­versicherung Sie auch Fahr­räder günstig versichern können, verrät der Test von Hausratversicherungen und unser individueller Vergleich Hausratversicherungen. Radbesitzer, die nicht hausrat­versichert sind, sehr wert­volle Räder besitzen oder umfang­reichere Leistungen möchten, fahren besser mit speziellen Fahr­radversicherungen. Auch diese hat die Stiftung Warentest aktuell untersucht: Test Fahrradversicherungen, Finanztest 8/2017.

Fahr­rad richtig sichern

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Was sollte man beim Kauf eines Fahr­radschlosses berück­sichtigen?

Unbe­dingt ein gutes Schloss kaufen! Auf welche Modelle das zutrifft, verrät der Test Fahrradschloss. Wer viel mit dem Rad unterwegs ist, sollte sich außerdem für ein relativ leichtes Schloss entscheiden. Gibt es vor Ort nur wenige gute Abstell­anlagen, so dass die Radler ihre Fahr­räder oft an Laternenpfählen oder Baum­stämmen anschließen müssen, muss das Fahr­radschloss flexibel, wenig sper­rig und relativ lang sein.

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Was nützt mir gute Sicherheit, wenn ein Schloss so schwer ist, dass ich es eigentlich nicht mitnehmen möchte?

Parkt das Fahr­rad meist an derselben Stelle – etwa zu Hause auf dem Hinterhof oder an der Abstell­anlage des Arbeit­gebers – gibt es die Möglich­keit, dort ein Zweit­schloss zu „stationieren“. Das heißt: Es bleibt dort Tag und Nacht. Hierfür bietet sich zum Beispiel ein preis­wertes solides Ketten­schloss an, dessen hohes Gewicht in diesem Fall nicht stört.

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Bügel­schloss, Falt­schloss, Ketten­schloss – welcher Typ Fahr­radschloss ist am sichersten?

Relativ sicher sind häufig die Bügelschlösser, allerdings gibt es auch in dieser Produkt­gruppe große Unterschiede. Gute Schlösser finden Sie im aktuellen Test Fahrradschlösser der Stiftung Warentest.

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Wie sichert man sein Fahr­rad am besten?

Die Abstell­anlage muss mindestens genauso solide und stabil wie das Fahr­radschloss sein, denn der Dieb greift immer an der schwächsten Stelle an. Maschendrahtzaun zum Beispiel kann er einfach durch­knipsen, einen Holz­pfahl leicht zersägen. Wir empfehlen, das Schloss möglichst hoch am Fahr­rad zu befestigen, damit der Täter sein Werk­zeug nicht auf dem Boden abstützen kann.

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Ich verwende ein Bügel­schloss in Kombination mit einem Rahmenschloss. Ist das okay?

Ja, das ist pfiffig. Wer zwei Schlösser einsetzt (zum Beispiel um auch Vorder- und Hinterrad vor dem Abmontieren zu schützen), sollte unterschiedliche Bauarten verwenden. Dann steigt die Wahr­scheinlich­keit, dass der Dieb kein passendes Werk­zeug dabei hat, um beide Modelle knacken zu können.

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Eignet sich ein Fahr­radschloss auch, um damit eine Leiter im Garten zu sichern?

Ja, sehr gut sogar. Empfehlens­wert sind zum Beispiel schwere Kettenschlösser, die relativ flexibel und preis­wert sind. Sichern sollten Sie damit zum Beispiel die Gartenleiter, damit Einbrecher sie nicht ans Haus anlehnen können, um bequem den Balkon zu entern.

Wie die Stiftung Warentest Fahr­radschlösser testet

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Warum sind in Ihren Tests stets mehrere Modelle der Marke Abus?

Abus ist in Deutsch­land der Markt­führer und bietet eine große Modell­vielfalt. Dies berück­sichtigt die Stiftung Warentest bei der Markt­auswahl. Bei den Prüfungen stellt sich heraus, dass es bei unterschiedlichen Produkten des selben Herstel­lers große Unterschiede gibt. Ein Beispiel aus dem aktuellen Test: Die Noten für den „Schutz des Zylinders vor Verschmut­zung“ reichen bei Abus-Modellen von „sehr gut“ bis „mangelhaft“.

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Warum verraten Sie nicht, wo die Schwach­punkte der einzelnen Modelle liegen?

Welches Schloss sich wie öffnen lässt, bleibt das wohl­gehütete Geheimnis der Stiftung Warentest. Unsere Unter­suchungen sollen den Radlern dienen, nicht den Dieben.

Fahr­radschloss pflegen

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Soll ich den Schließ­zylinder ölen?

Ja, aber nur mit Spezialöl. Richten Sie sich dabei nach den Empfehlungen des Anbieters. Abus empfiehlt zum Beispiel sein Pfle­gespray PS 88. Die Firma Trelock empfiehlt: „Um eine lange Lebens­dauer Ihres Trelock Schlosses zu gewähr­leisten, ist es notwendig alle mecha­nischen Teile wie den Schließ­zylinder und die Schließ­mechanik mit hoch­wertigem Synthetik- oder Nähmaschinenöl zu warten. Schmieren Sie Ihr Schloss je nach Gebrauch mindestens einmal jähr­lich und betätigen Sie dabei den Schließ­zylinder und die Schließ­mechanik um das Öl zu verteilen. Auf diese Weise kann Schmutz und Abrieb zwischen den Bauteilen entfernt werden und Sie können Vereisung vorbeugen.“

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Muss ich das Fahr­radschloss vor Rost schützen?

Wenn Sie den Schließ­zylinder ab und zu ölen, sollte er dauer­haft ausreichend geschützt sein. Im Zweifel sollten Sie ein Fahr­radschloss wählen, das bei unserem Test im Prüf­punkt „Schutz vor Korrosion“ sehr gut abge­schnitten hat. Die Bügelschlösser erwiesen sich bei der Korrosions­prüfung besonders häufig als unempfindlich.

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