FAQ Eurokrise Special

Erst beschließt die EZB, für mehr als 1 Billion Euro Staats­anleihen aufzukaufen, dann wählt Griechen­land das Spar­programm ab. Die Folge: Weiter sinkende Zinsen, zumindest in Deutsch­land. Anleger fragen sich, ob sie über­haupt noch sparen sollen und wenn ja, wie. test.de gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Nied­rige Kreditzinsen sind verführerisch

Die Rolle der EZB

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Woher hat die Europäische Zentral­bank (EZB) das Geld für die Anleihekäufe? Und was bezweckt sie damit?

Die EZB hat die Lizenz zum Geld­drucken. Sie will Staats­anleihen kaufen und schafft das Geld, das sie für die Käufe ausgibt, selbst. Verkäufer der Papiere sind Banken, nicht die Staaten direkt. Die Banken sollen die frischen Mittel zum Beispiel dazu nutzen, mit Krediten an Unternehmen Investitionen zu fördern. Das soll die Konjunktur beleben, die Nach­frage steigern und so mittel­fristig die Inflation wieder anschieben. Details zum Programm finden Sie in unserer Meldung Die große Geldflut und die Folgen.

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Was ist so schlimm an Deflation? Es ist doch gut, wenn alles billiger wird!

Sinken Preise kurz­fristig oder nur für einzelne Waren wie Computer oder Benzin, dann ist billiger gut. Wenn aber alle Preise sinken, verschieben Verbraucher ihre Käufe auf spä­ter. Unternehmen setzen weniger ab, machen Verlust oder gehen pleite. Die Arbeits­losig­keit steigt, der Konsum geht weiter zurück. Die Abwärts­spirale ist im Gang.

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Was passiert mit dem vielen Geld, wenn das Anleihekauf­programm der EZB nicht greift?

Die EZB will, dass das Geld in der Wirt­schaft und bei den Verbrauchern ankommt. Dazu müssten die Banken es ausleihen, an Unternehmen für Investitionen zum Beispiel. Wenn nicht in Kredite, dann fließt das Geld entweder an die Kapitalmärkte oder in Immobilien. Die Folge sind Preisblasen, die ­irgend­wann platzen.

Sparen in der Nied­rigzins­phase

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Lohnt sich Sparen bei den sinkenden Zinsen noch?

Nicht zu sparen, wäre auch keine Lösung. Im Grunde müssten Sie mehr sparen, um Ihr ursprüng­liches Sparziel zu erreichen. Oder Sie sparen anders, indem Sie höhere Risiken eingehen und außer Zins­anlagen auch Aktien­fonds kaufen. Für kurz­fristiges Sparen taugt das nicht, aber für die Alters­vorsorge etwa kann sich ein solcher Mix lohnen.

Tipp: Die besten Zins­angebote finden Sie im Produktfinder Tagesgeld und im Produktfinder Festgeld und Sparbrief.

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Soll ich bei so nied­rigen Zinsen noch in eine Riester-Rente einzahlen?

Die Rendite­chancen sind in der Tat nied­riger, aber die staatliche Förderung gibt es weiterhin.

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Die Zinsen für meinen Riester-Bank­sparplan liegen deutlich unter 1 Prozent pro Jahr. Soll ich aussteigen?

Das kommt darauf an, welche Alternative Sie im Blick haben. Das Riestern aufzu­geben, halten wir für keine gute Idee. Für Riester-Renten­versicherungen sind die Rendite­aussichten auch kaum besser. Riester-Fonds­sparen könnte eine höhere Rendite bringen, weil die Aktienmärkte derzeit gut laufen. Verluste machen Sie nicht, dagegen steht die Riester-Garantie. Mehr zum Thema finden Sie in der Meldung Riester-Rente. Minizinsen belasten Sparer.

Tipp: Bevor Sie einen bestehenden Vertrag aufgeben, beachten Sie, dass sich die jetzige Lage verändern kann, Zinsen können auch wieder steigen. Wenn Sie Geld übrig haben, könnten Sie zusätzlich zu Ihrem Riester-Vertrag einen Aktienfonds besparen.

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Sinkt der Garan­tiezins für ­Lebens­versicherungen jetzt?

Zurzeit soll der Garan­tiezins, der ohnehin nur noch 1,25 Prozent pro Jahr beträgt, nicht weiter sinken.

Tipp: Wenn Sie einen Vertrag abschließen wollen, sollten Sie keine Lebens-, sondern ­eine Renten­versicherung nehmen. Private Rentenversicherung: 39 Policen im Test

Was an den Kapitalmärkten passiert

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Stimmt es, dass man Rentenfonds Euro jetzt verkaufen soll, weil sie nichts mehr bringen?

Tatsäch­lich schrumpfen die Erträge der Fonds, wenn die Zinsen nied­rig bleiben. Von Timing-Entscheidungen – „jetzt einsteigen“ oder „jetzt raus“ – halten wir nicht viel. Noch profitieren die Fonds von Kurs­gewinnen der Anleihen. Wann das aufhören wird, lässt sich nicht sagen. Manche Anleger haben die Fonds schon vor zwei, drei Jahren verkauft, weil sie sicher waren, dass die Zinsen nicht weiter sinken. Dann ärgerten sie sich über entgangene Gewinne von bis zu 10 Prozent pro Jahr.

Tipp: Entscheidend ist der Anla­gehorizont. Wenn Sie noch länger als fünf bis sieben Jahre anlegen wollen, können Sie Ihre Rentenfonds behalten. Für kürzere Lauf­zeiten eignet sich Fest­geld. Mehr zum Thema finden Sie im Special Rentenfonds Euro: Diese Fonds gehören ins Depot.

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Die Aktienmärkte scheinen von der EZB-Aktion voll zu profitieren. Welcher Markt läuft denn jetzt am besten?

Der Dax steigt, weil der schwache Euro wie ein groß­angelegtes Konjunktur­programm auf die export­orientierten Unternehmen hier­zulande wirkt. Das kann aber auch ­wieder verpuffen. Vermeiden Sie Timing­-Ent­scheidungen. Kaufen Sie breit gestreut, etwa Aktienfonds Welt, und denken Sie lang­fristig. Die besten Welt­fonds finden Sie im Produktfinder Fonds.

Wie sicher das Geld ist

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Wie groß ist denn die Anste­ckungs­gefahr, wenn Griechen­land seine Schulden nicht mehr bezahlt?

An den Märkten ist die Angst vor einer Anste­ckung derzeit gering. Das zeigen die Anleiherenditen. Die Höhe der Renditen bringt zum Ausdruck, für wie sicher die Markt­teilnehmer die Papiere halten. Je geringer die Rendite, desto größer die Sicherheit. Zuletzt sind nur die Renditen grie­chischer Anleihen gestiegen, die der anderen Euroländer sind weiter nied­rig.

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Ich befürchte, dass der Euro immer schwächer wird. Soll ich mein Geld im Ausland in Sicherheit bringen?

Nein, Ihr Geld ist nicht unsicher. Der Außen­wert des Euro zum Dollar oder Schweizer Franken kann Ihnen egal sein, solange Sie Ihren Lebens­unterhalt in Deutsch­land bestreiten. Nur Urlaub wird teurer. Wenn Sie einen Teil Ihres Geldes in Dollar oder Franken anlegen wollen, seien Sie sich bewusst, dass Sie spekulieren.

Nied­rige Kreditzinsen sind verführerisch

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Gibt es für Immobilien auch 100-­Prozent-Finanzierungen?

Ich würde gerne ohne Erspartes eine Immobilie kaufen, weil die Zinsen so nied­rig sind.

Ganz ohne Eigen­kapital geht es nicht. Wenn das Einkommen stimmt, finanzieren einige Banken zwar den vollen Kauf­preis, in der Regel aber nicht noch die Neben­kosten wie Grund­erwerb­steuer, Makler- und Notarge­bühren. Eine Voll­finanzierung ist mit besonderen Risiken verbunden. Sinken die Immobilien­preise, droht die Über­schuldung.

Tipp: Wenn Sie ein Darlehen aufnehmen, achten Sie auf eine lange Zins­bindung und eine Anfangs­tilgung von mindestens 2 bis 3 Prozent der Kreditsumme im Jahr. Einen Über­blick über die Konditionen bietet das Infodokument Baufinanzierung: Hypothekenzinsen im Vergleich.

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