Altgeräte beim Händler abgeben − wie gut klappt das?

Wenn das Symbol der durch­gestrichenen Tonne auf dem Produkt ist, gelten besondere Müll-Regeln.

Das kaputte Handy, der ausgediente Trockenrasierer, der längst ersetzte Föhn − alte Elektrogeräte nehmen Platz weg und enthalten oft wert­volle Rohstoffe, die recycelt werden könnten. Verbraucher können ihre Altgeräte auch im Handel abgeben. Im stationären Handel klappt das mitt­lerweile recht gut, bei Onlinehänd­lern ist es komplizierter − obwohl recht­lich dieselben Regeln gelten.

Kleingeräte – das Prinzip „null zu eins“

Elektroschrott mit einer Kantenlänge von höchs­tens 25 Zenti­metern muss ein Händler immer zurück­nehmen, wenn seine Verkaufs­fläche für Elektrogeräte mehr als 400 Quadrat­meter beträgt. Das Prinzip heißt „null zu eins“: Der Verbraucher muss bei der Rück­gabe kein neues Gerät kaufen. Einen Kauf­beleg für das alte Gerät braucht er auch nicht.

In unserem nicht-repräsentativen Selbst­versuch klappte das reibungs­los: Eine Conrad-Filiale in Berlin-Schöne­berg akzeptierte anstands­los ein kaputtes Radio, zwei Straßen weiter nahm Bauhaus unseren defekten Wasser­kocher in Obhut.

Rück­gabe im Geschäft meist reibungs­los

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Deutsche Umwelt­hilfe (DUH): Sie hat im ersten Halb­jahr 2019 kaputte Elektrokleingeräte in Geschäften bundes­weit zurück­gegeben. Darunter waren Elektronikketten wie Saturn, Mediamarkt und Medimax, Heim­werk­erketten wie Bauhaus, Hornbach, Toom und Obi, aber auch Einzel­geschäfte. Bei 41 von 55 getesteten Geschäften klappte die Rückgabe reibungslos.

Wenn die Rück­gabe scheiterte, dann laut DUH meist an Mitarbeitern, die die Regeln des Elektroge­setzes (ElektroG) nicht kannten. Manche Händler argumentierten auch, ihre Verkaufs­fläche für Elektrogeräte liege unter 400 Quadrat­meter. Verbraucher können das nicht nach­prüfen. Die DUH kritisiert zudem, dass viele rück­nahme­pflichtige Händler die Verbraucher nicht von sich aus oder nicht verständlich genug informieren.

Kleingeräte bei Onlinehänd­lern abgeben

Die Rück­nahme­pflicht für Elektro-Kleingeräte gilt auch für Onlinehändler, deren Versand- und Lagerfläche für Elektrogeräte mindestens 400 Quadrat­meter beträgt. Verbraucher können sich auf der Webseite des Händ­lers ein Versandetikett ausdrucken und ihm das Gerät per Post oder über einen anderen Paket­dienst­leister zuschi­cken. Oder der Händler benennt eine stationäre Rück­nahme­stelle „in zumut­barer Entfernung“, wie es im ElektroG heißt. Entsprechend unterschiedlich (Stand: Dezember 2019) hand­haben die Händler ihre Rück­nahme­pflicht.

Retouren-Management – einige Beispiele

  • Amazon verlinkt direkt auf das Retourenportal von DHL.
  • Auf der Webseite von Mediamarkt können Verbraucher das Retourenlabel selbst erzeugen.
  • Auch bei Saturn finden Verbraucher einen Link zum Retourenlabel.
  • Medimax dagegen bietet auf seiner Retourenseite nicht „Elektrogeräte entsorgen“ als Option für den Rück­versand an. Außerdem verlangt das Unternehmen eine Bestell­nummer für das Altgerät. Die ist aber für Kleingeräte nicht erforderlich, denn ein Kleingerät müssen die Händler auch dann zurück­nehmen, wenn es woanders gekauft wurde.
  • Notebooks­billiger.de verweist auf das privatwirt­schaftlich betriebene Verzeichnis von take-e-back, Euronics auf ihren „Recycling­partner“ Interseroh.

Größere Geräte – das Prinzip „eins zu eins“

Größere Elektrogeräte über 25 Zenti­meter wie etwa Wasch­maschinen, Kühl­schränke oder auch Mikrowellen können Sie abgeben, wenn Sie etwas Ähnliches kaufen. „Eins zu eins“ heißt das Prinzip. Bevor Sie nun aber Ihre alte Wasch­maschine in den Laden schleppen, stellen Sie sicher, dass Ihr Händler das Altgerät auch wirk­lich im Geschäft zurück­nimmt. Recht­lich ist er dazu verpflichtet, doch es gab schon Fälle, in denen Händler die Annahme verweigert haben.

Rück­nahme bei Lieferung

Große und schwere Altgeräte kann der Lieferant direkt aus Ihrer Wohnung mitnehmen, wenn er Ihnen ein entsprechendes Neugerät liefert. Sie sollten aber schon beim Kauf oder der Bestellung angeben, dass auch ein Altgerät mitgenommen werden soll.

Wasch­maschine selber schleppen?

Achtung: Klären Sie vorher, wo genau das Altgerät abge­holt wird! Der Händler muss Ihre kaputte Maschine kostenlos aus der Wohnung zurück­nehmen − oder, wie es im Gesetz heißt, „in unmittel­barer Nähe hierzu“. Die „unmittel­bare Nähe“ ist im Gesetz aber nicht ausdrück­lich definiert. Deshalb kann es passieren, dass der Händler ein Gerät erst „ab Bord­steinkante“ mitnehmen will − und nicht schon aus der Wohnung.

Entsorgung kostenlos, Abtrans­port nicht unbe­dingt

Zwar muss der Händler bei der Lieferung das alte Gerät kostenlos mitnehmen. Viele Händler bieten aber Lieferung, Montage und Altgerät­mitnahme im Paket an − zu einem Pauschal­preis. Die Rechts­lage erlaubt ihnen das, solange sie nicht ausdrück­lich Geld für die Entsorgung verlangen.

Wenn ein Geschäft den Elektroschrott nicht annimmt

Händ­lern, die ihrer Rück­nahme­pflicht für alte Elektrogeräte nicht nach­kommen, drohen Bußgelder von bis zu 100 000 Euro. Sollte ein Unternehmen sich quer­stellen, obwohl es zur Rück­nahme verpflichtet ist, können Sie sich an die zuständigen Behörden wenden. Oft sind das die Abfall- bzw. Umwelt­behörden der Land­kreise oder kreisfreien Städte oder die Ordnungs­ämter. Sie können das betreffende Unternehmen auch an die Verbraucherzentralen melden. In einem ersten Schritt kann es helfen, den Händler auf das Gesetz hinzuweisen. Und im Zweifels­fall einfach woanders zu kaufen.

Wert­stoff­höfe ohne Probleme

Bei Wert­stoff­höfen funk­tioniert die Abgabe offen­bar reibungs­los. Jedenfalls loben unsere Leser ausdrück­lich die kommunalen Sammel­systeme.

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