Altgeräte beim Händler abgeben – wie gut klappt das?

Das kaputte Handy, der ausgediente Trockenrasierer, der längst ersetzte Föhn – alte Elektrogeräte nehmen Platz weg und enthalten oft wert­volle Rohstoffe, die recycelt werden könnten. Verbraucher können ihre Altgeräte auch im Handel abgeben. Doch wie test-Leser berichten und wie auch unsere eigenen Recherchen belegen, setzen offen­bar nicht alle Unternehmen auf verbraucherfreundliche Lösungen. Das zeigt leider auch eine Unter­suchung der Deutschen Umwelt­hilfe.

Von Pontius zu Pilatus

Es sollte nur eine schnelle Erledigung sein: Franz Gai aus Gerst­hofen bei Augs­burg wollte seinen kaputten Wasser­kocher loswerden. Dank des neuen Elektroge­setzes (ElektroG) eigentlich ganz bequem zu erledigen – sollte man meinen. Seit Kurzem müssen nämlich auch Händler Elektroschrott annehmen, nicht nur die kommunalen Sammelstellen. Doch für den 84-Jährigen wurde der Versuch, sein defektes Gerät im Geschäft seiner Wahl abzu­geben, zu einer Art Schnit­zeljagd. Auf der Suche nach dem richtigen Ansprech­partner schickte man ihn erst vom Info­punkt zum Waren­regal, berichtet Gai. Dort erklärte eine Mitarbeiterin die Kasse für zuständig – an dieser wurde er wieder zum Info­punkt verwiesen. Dort erntete er Unver­ständnis: Er könne das Gerät doch zum Wert­stoff­hof bringen.

Deutsche Umwelt­hilfe kritisiert Händler

Bei den Händ­lern scheint es noch Nach­hilfebedarf zu geben: Das Personal im Geschäft seiner Wahl kenne die Rechts­lage nicht, schrieb Leser Gai der Stiftung Warentest. „Oder sollen Rück­gaben abge­wimmelt werden?“ Thomas Fischer von der Deutschen Umwelt­hilfe (DUH) würde diese Frage wohl mit Ja beant­worten. Der Leiter im Bereich Kreis­lauf­wirt­schaft bei der Verbraucher- und Umwelt­schutz­organisation sagt: „Es gibt da schon Strategien, die Rück­gabe so unattraktiv wie möglich zu machen.“ Etwa, wenn ein großes Elektrogerät bei der Lieferung eines neuen in die Wohnung nur „ab Bord­steinkante“ mitgenommen werde. „Das ist völlig unprakti­kabel für Verbraucher“, ärgert sich Fischer.

Beratung im Baumarkt: Entsorgen kein Thema

Update 28.8.2018: Baumärkte informieren schlecht über die Entsorgung von Bauschaumdosen und Energiesparlampen. So lautet das Fazit der Deutschen Umwelt­hilfe nach Test­besuchen bei neun Ketten. Energiespar­lampen enthalten Queck­silber, Bauschaumdosen das gesund­heits­gefähr­dende Isocyanat. Über deren Entsorgung erhielt die Umwelt­hilfe teils keine oder gar falsche Infos. Sie fordert Baumärkte auf, nach­zubessern und die Rück­nahme anzu­bieten. Ein Tipp der Umwelt­hilfe: Zerbrochene Energiespar­lampen etwa im Schraubglas aufbewahren und zum Händler, Wert­stoff­hof oder Schad­stoff­mobil bringen.

Gemischtes Echo auf Umfrage

In der Ausgabe von test 9/2016 und auf test.de hatte die Stiftung Warentest ihre Leser um Rück­meldungen zum neuen Gesetz gebeten. Die Reaktionen waren gemischt. Aus mehreren Orten berichten Lese­rinnen und Leser, sie hätten ihre Altgeräte problemlos in Geschäften und Elektromärkten abgeben können. Andere wiederum wurden ihre Altgeräte in Filialen derselben Unternehmen gar nicht los. Leser Dr. Alexander Klein aus Stutt­gart hat einen besonders dreisten Fall erlebt: Bei einem großen Online-Versandhändler bestellte er sich einen neuen Kühl­schrank. Seinen alten wollte Klein bei der Gelegenheit abgeben. „Ich hätte das Gerät jedoch verpacken und in einer Post­stelle abgeben müssen“, erklärt Klein. „Das Ganze wird quasi ad absurdum geführt.“

Händler haben Über­gangs­frist offen­bar nicht genutzt

Handelt es sich also nur um anfäng­liche Probleme, um Einzel­fälle? Nun ja: Die Händler hatten bis Ende der Über­gangs­frist im Juli neun Monate Zeit, genau solche auszuschließen. Wenn die Händler nicht informieren, bleibt dem Verbraucher nur, sich selbst schlau­zumachen. Alle wichtigen Fragen zum Thema Rück­gabe von Elektroschrott haben wir deshalb in unseren FAQ zusammengefasst. So können Sie auf ihr Recht pochen – auch Franz Gai aus Gerst­hofen wurde so seinen Wasser­kocher am Info­punkt doch noch los.

Otto: Entsorgung kostenlos, Abtrans­port nicht

Manchmal aber klappt es auch mit dem Hinweis auf das Gesetz nicht. Unsere Stich­proben im Internet zeigten: Die meisten größeren Onlinehändler bieten inzwischen (Stand: Oktober 2016) auf ihren Websites die kostenlose Rück­nahme nach dem Elektrogesetz an. Einige Unternehmen finden aber Schlupf­löcher: So verlangt der Hamburger Versandhändler Otto 14 Euro für den Abtrans­port des Altgeräts. Eine Unter­nehmens­sprecherin erklärt: Die 14 Euro würden nur für den Trans­port des Altgeräts fällig. „Das ist ja ein Service, den wir anbieten“, sagt die Otto-Sprecherin, die Entsorgung dagegen sei kostenlos. Der Kunde könne die Mitnahme in Anspruch nehmen oder sein Altgerät unentgeltlich in einer der Sammelstellen abgeben, für die Otto mit take-e-way koope­riere.

Auch Karstadt will Geld

Ob der Rechts­text so auszulegen ist, dürfte künftig noch Gerichte beschäftigen. Die Juristen der Stiftung Warentest halten die Forderung nach Bezahlung der Trans­port­kosten jedenfalls dann für rechts­widrig, wenn sich der Anbieter verpflichtet hat, die Ware bis nach Hause zu liefern. Dreist ist jedenfalls das Verhalten des Waren­hauses Karstadt, von dem uns ein Leser berichtet. Er wollte eine Wasch­maschine kaufen und diese selbst abholen – Karstadt weigerte sich aber, das alte Gerät im Laden entgegen­zunehmen: „Das ginge nur bei Versand an unsere Adresse“, gibt der Leser das Erlebte wider, „was natürlich 40 Euro mehr gekostet hätte. Dann würde der Spediteur die alte Wasch­maschine mitnehmen; das würde dann aber nochmal 20 (zusammen also 60) Euro kosten.“ Auf eine schriftliche Nach­frage von test.de reagierte Karstadt bislang nicht. Da bleibt nur die Beschwerde bei der zuständigen Aufsichts­behörde, der Kauf bei einem anderen Anbieter – oder der Gang zum Wert­stoff­hof. Dort funk­tioniert die Abgabe offen­bar reibungs­los. Jedenfalls loben unsere Leser ausdrück­lich die kommunalen Sammel­systeme.

DUH-Unter­suchung bei 45 Unternehmen

Die DUH hat bei insgesamt 45 Unternehmen getestet, wie gut die Händler das neue Elektrogesetz umsetzen und wie verbraucher- und umwelt­freundlich sie dabei sind. Ihr Ergebnis: Keiner der über­prüften Händler bietet eine verbraucherfreundliche Rück­nahme an. Für eine gelungene Rück­nahme müssen die Geschäfte und Webshops nach Ansicht der Organisation den Verbraucher nicht nur über die Rück­gabe informieren, wie es im Gesetz gefordert ist. In ihre Wertung bezieht die DUH auch ein, ob die Informationen „gut sicht­bar“ sind. Fast alle Händler fallen in diesem Punkt durch. Der Bundes­verband E-Commerce und Versand­handel Deutsch­land (bevh) sieht das äußerst skeptisch. „Die DUH geht mit ihren Prüfkriterien in Teilen deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinaus“, sagt Sebastian Schulz, Leiter Rechts­politik und Daten­schutz beim bevh.

Post-Lösung „zu umständlich“

Auch kritisiert die DUH, dass viele Onlinehändler keine stationären Abga­bestellen organisieren, sondern sich den Elektroschrott zuschi­cken lassen. Wenn Kunden erst ein kostenloses Rück­sendee­tikett ausdrucken, die Geräte verpacken und zur Post bringen müssten, sei das zu umständlich, kritisiert DUH-Experte Fischer. „Besser wäre es, wenn sich die Onlinehändler finanziell an einem bundes­weit tätigen und flächen­deckenden stationären Sammel­system beteiligen würden“, erklärt Fischer. Die Kritik an der posta­lischen Lösung wollen die Internet-Händler jedoch nicht auf sich sitzen lassen: „Der Gesetz­geber sieht das anders und gestattet ausdrück­lich ein solches Vorgehen“, sagt bevh-Experte Schulz. „Das soll nicht darüber hinweg­täuschen, dass es weiterhin Händler gibt, die eine Rück­nahme nicht anbieten, obwohl sie dazu verpflichtet wären,“ fügt er jedoch hinzu. Die Mängel führt er nicht auf eine „allgemeine Verweigerungs­haltung“, sondern auf „noch nicht zureichende Mitarbeiterschu­lungen“ zurück.

Umwelt­hilfe mahnt Unternehmen ab

Die DUH hat indes schon recht­liche Schritte gegen mehrere Unternehmen unternommen, die nach Auffassung der Organisation gegen das Gesetz verstoßen. Zuletzt gab die Organisation bekannt, ein Rechts­verfahren gegen Apple einge­leitet zu haben. Der US-Konzern entziehe sich seiner Pflichten, indem er kleinere Elektrogeräte nur bei einem Neukauf zurück­nehmen wolle, erklärte die DUH. Das hätten Test­besuche in Apple Stores ergeben. Apple jedoch verweist darauf, bereits seit 2014 Elektrogeräte in seinen Geschäften anzu­nehmen. Darauf werde unter anderem auf Displays in den Läden hingewiesen. Das will die Umwelt­hilfe anders erlebt haben. Auch der Internetriese Amazon und der schwe­dische Möbelhändler Ikea würden das Gesetz nicht entsprechend umsetzen. Darum hat die DUH nun alle drei Unternehmen dazu aufgefordert, eine Unterlassungs­erklärung zu unter­schreiben.

Bundes­verband Online­handel gegen das neue Gesetz

Der Bundes­verband Online­handel (BVOH), in dem sich über­wiegend klein- und mittel­stän­dische Unternehmen organisiert haben, trommelt schon seit einer Weile gegen das Gesetz. Es sei zu vage und zu umständlich, um den Händ­lern rechts­sichere Lösungen zu bieten, meinen Verbands­vertreter und warnen vor einer Abmahnwelle. „Am Anfang gab es anscheinend viele Testrück­gaben“, deutet BVOH-Präsident Oliver Prothmann die Rück­meldungen der klein- und mittel­stän­dischen Unternehmen. Inzwischen gebe es nur noch wenige Anfragen und das Thema sei in den Augen der Mitglieder „total irrelevant“. Das Gesetz werde die Recycling-Quote nicht verbessern, prognostiziert Prothmann: „Da kommt nicht mehr zurück als vorher.“

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