FAQ Einlagensicherung Special

Wer sein Geld bei deutschen Zweigstellen ausländischer Banken angelegt hat, kann aufatmen: Im Pleitefall hilft die deutsche Einlagensicherung. Weniger und bessere Rege­lungen – dieses Ziel hat sich die Europäische Kommis­sion gesetzt. Mit dem Gesetz zur Umsetzung der neuen Einlagensicherungs­richt­linie, das am 3. Juli in Kraft getreten ist, werden der gesetzliche Schutz für Erspartes erweitert und bürokratische Hürden für Sparer bei Bank­pleiten abge­schafft.

Das steht in dem neuen Gesetz

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Welchen zusätzlichen Schutz sieht das neue Gesetz für Spargeld vor?

Erstens sind seit 3. Juli 2015 alle Fremdwährungs­konten bei Banken geschützt, die ihren Sitz in der Europäischen Union (EU) haben (Grafik In diesen Ländern gilt die Europäische Einlagensicherung). Bisher galt der gesetzliche Schutz nur für Einlagen in Euro oder einer EU-Währung, nicht zum Beispiel für US-Dollar. Entschädigt wird immer in Euro.

Zweitens wird der gesetzliche Schutz von bis zu 100 000 Euro pro Sparer und Bank in besonderen Fällen für die Dauer von sechs Monaten bis auf 500 000 Euro erhöht. Als besondere Fälle, die einen erhöhten Konto­stand recht­fertigen, gelten Heirat, Scheidung, Renten­eintritt, Ruhe­stand, Kündigung, Entlassung, Geburt, Krankheit, Pflegebedürftig­keit, Invalidität, Behin­derung, Tod und der Verkauf einer privat genutzten Immobilie.

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Welche Erleichterungen sieht das neue Gesetz für Sparer vor?

Anleger, die Geld bei deutschen Zweigstellen von Banken mit Sitz in der EU haben, müssen sich im Pleitefall ihrer Bank um nichts mehr kümmern. Sie werden von der deutschen Einlagensicherung bis zur Höhe von 100 000 Euro inklusive Zinsen entschädigt. Die Einlagensicherung des Herkunfts­landes muss das Geld an das deutsche Sicherungs­system über­weisen.

Aufwendige Entschädigungs­anträge, die häufig in einer Fremd­sprache gestellt werden mussten, Identitäts­bestätigungen und Nach­weise über die Höhe des Guthabens entfallen. Diese Kunden­daten über­mittelt die betroffene Bank künftig an die deutsche Einlagensicherung. Ab Juni 2016 erhalten Sparer ihr Geld binnen sieben Werk­tagen zurück. Bis dahin darf das noch 20 Werk­tage dauern.

Welches Sicherungs­system ist wann zuständig?

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Gibt es Banken, die deutschen Sparern Zins­angebote machen, aber keine Nieder­lassung in Deutsch­land haben?

Ja, zum Beispiel die Crédit Agricole Consumer Finance aus Frank­reich, die Amsterdam Trade Bank und die Yapi Kredi Bank aus den Nieder­landen und die Advanzia Bank aus Luxemburg. Hier ist im Pleitefall weiter die nationale Einlagensicherung für die Entschädigung der Sparer zuständig. Tipp: Die besten Konditionen für Tages- und Fest­geld finden Sie in unseren Produktfindern Zinsen.

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Welches deutsche Sicherungs­system entschädigt die Sparer?

Das ist noch nicht abschließend geregelt. Vor­erst entscheidet die Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht von Fall zu Fall, welches Sicherungs­system Sparern ihr Geld zurück­zahlt. Bei Pleiten von Privatbanken kommt die Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken (EdB) infrage, bei einer Sparkasse der Haftungs­verbund der Sparkassen (DSGV), bei einer Genossen­schafts­bank die Sicherungs­einrichtung des Bundes­verbands der deutschen Volks- und Raiff­eisen­banken (BVR).

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Zahlt die deutsche Einlagensicherung auch, wenn die ausländische Einlagensicherung kein Geld über­weist?

Nein, die deutsche Einlagensicherung zahlt nur, wenn die Einlagensicherung des Herkunfts­landes die Entschädigungs­summe über­wiesen hat. Tut sie das nicht, müssen Sparer darauf hoffen, dass der jeweilige Staat der Pleite­bank mit Unterstüt­zungs­krediten hilft oder die EU und damit die Steuerzahler fehlende Mittel im Sicherungs­fonds des Landes ausgleichen. Wie lange Sparer in solchen Fällen auf ihr Geld warten müssen, ist ungewiss. In unsere Bestenlisten nehmen wir deshalb derzeit nur Banken aus EU-Staaten mit Topbe­wertungen der Rating­agenturen Fitch, Moody´s und Stan­dard & Poor´s auf (siehe unsere Rating-Tabelle im Produktfinder Fest­geld). Nur deren Einlagensicherungen halten wir für so stabil, dass sie auch im Falle einer größeren Bankenpleite Anleger so zeit­nah entschädigen könnten, wie es im EU-Recht vorgeschrieben ist.

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Wie läuft die Entschädigung bei Auslands­banken ab, die in der gesetzlichen Einlagensicherung ihres Landes und zusätzlich im freiwil­ligen Sicherungs­fonds des Bundes­verbands deutscher Banken (BdB) sind?

Institute wie die Barclays Bank oder die Consors­bank garan­tieren maximal 100 000 Euro über die britische beziehungs­weise französische Einlagensicherung. Darüber­liegende Beträge sind durch ihre Mitgliedschaft im Sicherungs­fonds des BdB geschützt. Ginge eine der Banken pleite, würden Sparer aus einer Hand vom BdB entschädigt. Das geht, weil die nationalen Einlagensicherungen die Summe für alle Schäden von bis zu maximal 100 000 Euro pro Sparer an die Entschädigungs­einrichtung deutscher Banken (EdB), eine hundert­prozentigen Tochter des BdB, über­weisen würden.

Wo ist das Risiko am geringsten?

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Gehen Anleger bei ausländischen Banken höhere Risiken ein als in Deutsch­land?

Das hängt davon ab, wo die Bank ihren Sitz hat. Zwar sind grund­sätzlich bei allen Banken mit Sitz in der EU 100 000 Euro pro Anleger und Bank gesetzlich garan­tiert. Es gibt jedoch noch keine gemein­same europäische Einlagensicherung. Und nicht alle nationalen Einlagensicherungs­systeme sind derzeit gleich gut aufgestellt. In Ländern wie Estland, Lett­land, Bulgarien oder Malta könnte es passieren, dass Sparer nach einer Bank­pleite länger auf ihr Geld warten müssen (siehe Meldung Vorsicht vor Zinsangeboten von Banken aus Malta). Die Stiftung Warentest berück­sichtigt deshalb nur Banken aus EU-Staaten mit Topbe­wertungen der Rating­agenturen Fitch, Moody´s und Stan­dard & Poor´s (siehe unsere Rating-Tabelle im Produktfinder Fest­geld).

Tipp: Die besten Konditionen für Tages- und Fest­geld finden Sie in unseren Produktfindern Zinsen.

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Was tut die EU, um die Sicherungs­systeme von Ländern wie Bulgarien, Italien oder Portugal in die Lage zu versetzen, im Pleitefall zahlen zu können?

Beschlüsse der EU zur Harmonisierung der europäischen Einlagensicherung schreiben allen Mitglieds­staaten vor, bis Ende 2023 Geld in Höhe von 0,8 Prozent der geschützten Einlagen in ihre nationalen Sicherungs­fonds einzuzahlen. So soll der gesetzliche Anspruch auf eine Entschädigung bis zu 100 000 Euro pro Sparer im Pleitefall einer Bank abge­sichert werden.

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Welche ausländischen Banken empfiehlt Finanztest uneinge­schränkt?

Aktuell halten wir Angebote von Banken aus Frank­reich, Groß­britannien, Luxemburg, den Nieder­landen, Österreich und Schweden für Beträge bis 100 000 Euro für sicher. Die Einlagensicherungen dieser Länder existieren schon viele Jahre und haben sich bewährt. Es handelt sich um wirt­schaftlich stabile Länder. Sie haben die Finanz­krise besser über­standen als beispiels­weise Spanien, Italien oder Griechen­land.

Tipp: Die besten Konditionen für Tages- und Fest­geld finden Sie in unseren Produktfindern Zinsen.

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