Corona – Reise, Buchung, Storno Das sind Ihre Rechte

Corona – Reise, Buchung, Storno - Das sind Ihre Rechte
Flughafen. Es herrscht Betrieb, aber das Reisen ist wegen der Corona-Infektionen weiterhin komplizierter als vorher. © picture alliance / Daniel Kubirski

Für Reisen im In- und Ausland gelten wegen der welt­weiten Pandemie Sonder­regeln. Hier finden Sie alle wichtigen Infos rund um Einreise und Stornobedingungen.

Corona – Informationen der Stiftung Warentest

Corona – Impfen.
Aktuelle Informationen zu den Impfungen und Impf­stoffen finden Sie im Special Impfungen gegen Corona, noch mehr zu Gesundheit und Corona im Special Corona – Verbreitung und Gesundheit.
Corona – Jobs.
Alles zu Lohn­fortzahlung, Minijobs, Kinder­betreuung und Home­office im Special Corona und Job.
Corona – Recht & Förderung.
Im Special Corona – Rechtsrat und finanzielle Hilfen lesen Sie, wo Familien und Selbst­ständige Hilfe erhalten und was mit laufenden Verträgen geschieht.
Corona – Aktienmärkte.
Informationen zur Lage auf den Aktienmärkten finden Sie im Special Corona-Krise und Aktienmärkte.
Alle Fragen im Überblick

Coronavirus – aktuellste Infos

Welche Reise­beschränkungen gelten im Inland?

Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutsch­land steigt aktuell wieder erheblich an. Erste Bundes­länder ziehen erneut die Notbremse und untersagen touristische Über­nachtungen, etwa in ganz Sachsen und in mehreren bayerischen Land­kreisen. Was in den einzelnen Bundes­ländern gilt, steht auf der Internetseite des Kompetenzzentrums Tourismus des Bundes.

Ich reise aus einem Risiko­gebiet nach Deutsch­land ein. Was muss ich beachten?

Das Robert-Koch-Institut unterscheidet zwei Arten von Risikogebieten, aus denen eine Einreise nur unter Einhaltung bestimmter Regeln erlaubt ist:

- Virus­varianten­gebiete
- Hoch­risiko­gebiete

Wer aus einem dieser Gebiete nach Deutsch­land einreist, muss sich vor der Ankunft digital anmelden und den Nach­weis mitbringen. So regelt es die Coronavirus-Einreiseverordnung. Je nach Gebiet, aus dem man einreist, gelten zudem folgende Bestimmungen:

Virus­varianten­gebiete. Für Personen aus Gebieten mit hohem Vorkommen der Coronavirus-Varianten hat die Bundes­regierung Ende Januar eine Einreises­perre erlassen: Seit dem 30. Januar 2021 dürfen Fluggesell­schaften, Reedereien, Bahn- und Busunternehmen keine Menschen mehr aus diesen Gebieten nach Deutsch­land befördern. Deutsche Staats­bürger und Ausländer mit Aufenthalts­recht in Deutsch­land sind davon nicht betroffen. Außerdem gibt es Ausnahmen unter anderem für den Fracht­verkehr und für medizi­nisches Personal.

Menschen, die sich in den vergangenen zehn Tagen vor der Einreise in einem Virus­varianten­gebiet aufgehalten haben und zur Einreise nach Deutsch­land berechtigt sind, müssen dem Beför­derungs­unternehmen und beim Grenz­über­tritt einen negativen Corona-Test vorweisen (PCR-Tests dürfen 72 Stunden, Antigen-Schnell­tests 24 Stunden alt sein). Ein Genesenen- oder Impf­nach­weis reicht derzeit nicht. Außerdem müssen sich Einreisende aus Virus­varianten­gebiete unver­züglich auf eigene Kosten in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Ausnahme. Wer voll­ständig geimpft ist und nach­weisen kann, dass sein Impf­schutz gegen die Virus­variante wirk­sam ist, kann vorzeitig aus der Quarantäne entlassen werden. Die Wirk­samkeit muss vom Robert-Koch-Institut fest­gestellt worden sein.

Hoch­risiko­gebiete. Menschen, die sich in den vergangenen zehn Tagen vor der Einreise in Gebieten mit besonders hohen Fall­zahlen aufgehalten haben, müssen dem Beför­derungs­unternehmen und beim Grenz­über­tritt mindestens eine dieser drei Voraus­setzungen erfüllen:

- negativer Corona-Test (PCR-Tests dürfen 72 Stunden, Antigen-Schnell­tests 48 Stunden alt sein)
- Nach­weis einer früheren Infektion mit dem Corona-Virus (Genesenen-Nach­weis)
- Nach­weis einer voll­ständigen Impfung gegen Covid-19.

Außerdem müssen sie sich unver­züglich auf eigene Kosten in eine zehn­tägige Quarantäne begeben. Diese kann durch einen negativen Corona-Test nach frühestens fünf Tagen verkürzt werden. Personen, die nach­weislich geimpft oder genesen sind, müssen nicht in Quarantäne, wenn sie dies der zuständigen Behörde nach­weisen.

Herab­stufung. Wenn ein Risiko­gebiet im Laufe der Quarantäne herab­gestuft wird, gelten nur noch die Regeln der neuen Risi­kostufe.

Ausnahmen gibt es beispiels­weise für Berufs­pendler und Besuche bei Verwandten. Die weiteren Einreise­regeln gelten bis zum Ende der „epidemischen Lage von nationaler Trag­weite“, welches der Bundes­tag bestimmt.

Die Bundes­regierung klärt auf ihrer Webseite über die aktuellen Einreise­bestimmungen auf. Weitere Informationen finden Sie zudem auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.

Ich reise aus einem Land nach Deutsch­land ein, das nicht als Risiko­gebiet ausgewiesen ist. Was gilt dann?

Seit dem 1. August 2021 müssen alle Menschen, die nach Deutsch­land einreisen möchten, mindestens eine dieser drei Voraus­setzungen erfüllen:

- negativer Corona-Test (PCR-Tests dürfen 72 Stunden, Antigen-Schnell­tests 48 Stunden alt sein)
- Nach­weis einer früheren Infektion mit dem Corona-Virus (Genesenen­nach­weis)
- Nach­weis einer voll­ständigen Impfung gegen Covid-19

Das gilt auch, wenn sie sich in einem Land aufgehalten haben, das vom Robert-Koch-Institut nicht als Risiko­gebiet einge­stuft ist. Ohne negatives Test­ergebnis, Genesenen- oder Impf­nach­weis dürfen Flug­linien die Passagiere nicht nach Deutsch­land befördern.

Wo erfahre ich, ob eine Reise ins europäische oder außer­europäische Ausland sicher ist?

Die Zahlen der bestätigten Infektionen und Todes­fälle welt­weit verändern sich täglich. Das deutsche Robert-Koch-Institut passt seine Hintergrund­informationen regel­mäßig an und informiert gesondert zu Risikogebieten. Updates zur interna­tionalen Lage bietet zudem beispiels­weise eine interaktive Karte von Forschern vom Center for Systems Science and Enginee­ring (CSSE) an der US-amerikanischen Johns Hopkins University.

Auswärtiges Amt. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in Länder, die die Bundes­regierung als Risiko­gebiet einstuft. Abge­raten wird zudem von nicht notwendigen, touristischen Reisen in Länder mit Einreise­beschränkungen. Aktuelle Reisewarnungen für einzelne Länder, auch Warnungen wegen Covid-19, sind auf der Webseite des Auswärtigen Amtes zu finden. Generell heißt es, „alle nicht zwingend erforderlichen beruflichen und privaten Reisen“ seien zu vermeiden. Das gelte insbesondere für touristische Auslands­reisen.

Europa. Wer inner­halb der EU oder nach Island, Liechten­stein, Norwegen oder in die Schweiz reisen muss, findet auf der Website reopen.europa.eu Informationen über Einreise­beschränkungen und Test- oder Quarantäne­pflichten. Dafür gibt es die Möglich­keit, das Reise- und das Ziel­land einzugeben. Auf der Website finden sich zudem die aktuellen Corona-Regeln in den einzelnen Ländern, teils auch Regionen: Wo eine Masken­pflicht gilt, ob es Ausgangs­sperren gibt, welche Zusammenkünfte erlaubt sind und ob Geschäfte geöffnet sind. Auch epidemiologische Daten, aktuelle Fall­zahlen beispiels­weise, stehen dort zur Verfügung.

App mit Reisehin­weisen. Auf der Internetseite des Auswärtigen Amts können sich Interes­sierte die Reise-App Sicher Reisen herunter­laden, die zu jedem Land fort­laufend aktualisierte Reise- und Sicher­heits­hinweise bietet. Die Länder stehen außerdem zusammen auf einer Risikoliste, die Staaten oder Regionen nennt, für die ein erhöhtes Corona-Infektions­risiko besteht. Einsehbar ist die Liste auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts. Sie wird laufend aktualisiert.

Darf ich in ein Land mit Reisewarnung und Eintrag in die Risikoliste jetzt nicht mehr reisen?

Doch, das dürfen Sie. Erkundigen Sie sich vorher, ob Sie nur mit einen negativen Test einreisen dürfen und wie aktuell der Test sein muss. Viele Flughäfen bieten Testzentren an. Hinzu kommt: In vielen Ländern gilt eine mindestens fünf­tägige Quarantäne­pflicht, auch wenn Sie mit einem negativen Test einreisen.

Außerdem sollten Sie beachten: Reiser­ückkehrer, die aus Ländern nach Deutsch­land einreisen, die auf der Risikoliste stehen, müssen sich unver­züglich in eine zehn­tägige Quarantäne begeben und sich vor ihrer Ankunft in Deutsch­land online anmelden (Details siehe oben). Den Nach­weis über die Anmeldung sollten Sie bei ihrer Einreise nach Deutsch­land mit sich führen.

Mein Reiseziel gilt nicht als Risiko­gebiet. Mein Flug macht aber einen Stopp in in einem Risiko­gebiet. Muss ich nach der Reise in Quarantäne?

Nein, eine Quarantäne­pflicht besteht nicht, wenn jemand nur durch ein Risiko­gebiet durch­gereist ist und sich dort nicht aufgehalten hat.

Reise stornieren – Rück­tritt von der Reise

Kann ich meine Reise wegen der Coronakrise kostenfrei stornieren?

In diesen Fällen ist ein kostenfreier Storno möglich:

Beher­bergungs­verbot. Gilt im Inland ein generelles Beher­bergungs­verbot, hat das zur Folge, dass Hotels, Pensionen und Vermieter von Ferien­wohnungen Buchungen nicht durch­führen können. Somit entfällt auch ihr Anspruch gegen den Reisekunden auf Zahlung.

Außergewöhnliche Umstände. Kunden können eine Pauschal­reise kostenfrei stornieren, wenn am Urlaubs­ort oder in dessen unmittel­barer Nähe „unver­meid­bare und außergewöhnliche Umstände“ auftreten, die die Durch­führung der Pauschal­reise oder die Beför­derung von Personen an den Ziel­ort erheblich beein­trächtigen.

Reisewarnung. Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts gilt als deutliches Indiz für außergewöhnliche Umstände und bedeutet: Reisende können kurz bevor­stehende Pauschal­reisen in Länder, für die eine Reisewarnung gilt, grund­sätzlich unter Berufung auf außergewöhnliche Umstände kostenlos stornieren. Mit dem Wegfall der Reisewarnung wird es deutlich schwerer, eine kostenlose Stornierung einer Reise in eines dieser Länder durch­zusetzen.

Weitere Gründe. Es kann auch andere Gründe geben, die zu erheblichen Beein­trächtigungen der Reise führen und zum kostenlosen Storno („Rück­tritt“) berechtigen. Solche Gründe muss der Reisekunde aber darlegen – was für einen juristischen Laien schwierig sein kann. Hier können die Hinweise des Auswärtigen Amts helfen.

Die vom Gesetz geforderten „unver­meid­baren, außergewöhnlichen Umstände“ müssen objektiv gegeben sein und auch noch zum Zeit­punkt der Reise bestehen. In der Person des Reisenden liegende Tatsachen wie die Zugehörig­keit zu einer Corona-Risikogruppe und eine damit einhergehende individuelle Gesund­heits­gefähr­dung spielen hierbei keine Rolle. Das gilt auch, wenn der Reisende aus einer Region kommt, die als Risiko­gebiet ausgewiesen ist.

Gerichts­entscheidungen. Das Land­gericht Rostock hat in einem Urteil zur Stornierung einer Kreuz­fahrt fest­gestellt, dass die Corona-Pandemie einen unver­meid­baren, außergewöhnlichen Umstand im Sinne der reiserecht­lichen Vorschriften darstellt. Ein Ehepaar hatte eine Kreuz­fahrt von Singapur nach Hong­kong gebucht. Aufgrund des sich ausbreitenden Corona-Virus stornierte das Ehepaar zwei Tage vor Reise­beginn im Februar seine Buchung. Vor Gericht stritten die Reise­ver­anstalterin und das Ehepaar um Storno­kosten. Das Land­gericht Rostock urteilte gegen die Reise­ver­anstalterin.

Begründung: Ende Januar 2020 sei es keinem Reisenden mehr zumut­bar gewesen, eine Kreuz­fahrt außer­halb Europas mit ungewisser ärzt­licher Versorgung und der Gefahr einer Schiffs­quarantäne anzu­treten (Urteil vom 21. August 2020, Az. 1 O 211/20).

Anders­herum geht es natürlich auch: Auch Kreuz­fahrt-Veranstalter dürfen eine Kreuz­fahrt wegen der Corona-Pandemie absagen, ohne Schadens­ersatz wegen entgangener Urlaubs­freude an enttäuschte Reisekunden zahlen zu müssen (Amts­gericht Rostock, Urteil vom 15.07.2020, Az. 47 C 59/20).

Ausgefallene Reise­leistungen. Umstände, die zur Undurch­führ­barkeit wesentlicher Reise­leistungen führen können, sind etwa gesperrte Sehens­würdig­keiten bei einer Städtereise, geschlossene Häfen bei einer Kreuz­fahrt, behördliche Einreise­verbote und Quarantänemaß­nahmen.

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale Nieder­sachsen beispiels­weise darf der Veranstalter in Fällen, in denen behördliche Anordnungen dazu führen, dass einzelne Reise­leistungen ganz ausfallen (Pool- und Saunanut­zung, Ferien­programm) oder nur unter erheblichen Beein­trächtigungen genutzt werden können, keine Storno­gebühren verlangen.

Die Frage, was unter erheblichen Beein­trächtigungen in Bezug auf die Maßnahmen zur Abwehr der Covid-19-Verbreitung zu verstehen ist, wird sicher Thema zukünftiger Recht­sprechung werden.

Schnelle Rück­erstattung. Ist eine kostenlose Stornierung möglich, müssen Veranstalter den Reise­preis spätestens inner­halb von 14 Tagen nach der Stornierung erstatten, Schaden­ersatz steht Touristen in der Regel nicht zu. Bietet Ihr Reiseanbieter Ihnen anstatt der Rück­erstattung einen Gutschein an, müssen Sie diesen nicht annehmen (mehr dazu weiter unten).

Ohne Reise­ver­anstalter. Indivi­dualreisende müssen bei ihren gebuchten Einzel­leistungen im Reise­land trotz Einreise­verboten oder Reisewarnung genau in die Verträge schauen. Können Hotels oder Trans­port­mittel nicht genutzt werden, ist eine Erstattung, sofern deutsches Recht gilt, möglich. Wurden Leistungen direkt im Reise­land gebucht, hilft im Zweifel nur die Nach­frage beim jeweiligen Vertrags­partner nach den Rück­tritts­konditionen beziehungs­weise Kulanz­regelungen. Bei Ferien­wohnungen im Ausland gilt neben den vertraglichen Rege­lungen im Zweifel das Mietrecht des Landes, in dem sich die Wohnung befindet.

Während meiner Pauschal­reise wurde mein Hotel unter Quarantäne gestellt. Wir konnten nicht wie geplant zurück­reisen. Kann ich Geld zurück­verlangen?

Nach Ansicht der Rechts­experten der Stiftung Warentest ist es möglich, dass Sie vom Veranstalter eine Minderung des Reise­preises verlangen können. Die Quarantäne wäre insofern als Reise­mangel zu bewerten.

Grund­sätzlich gilt: Um einen Minderungs­anspruch nach der Reise geltend machen zu können, muss der Reisende unver­züglich den Mangel anzeigen und den Reise­ver­anstalter auffordern, ihn zu beheben. Kommt der Veranstalter dem nach, kann der Kunde keine Minderung fordern. Weil der Reise­ver­anstalter den Mangel hier aber aufgrund behördlicher Anordnung gar nicht beheben konnte, muss er Ersatz leisten.

Dauerte der Hotel­auf­enthalt durch eine Quarantäne länger als geplant, sollten darüber hinaus auf den Urlauber keine Mehr­kosten zukommen. Hier hat der Reise­ver­anstalter eine Beistands­pflicht (§ 651 q BGB). Er muss sich auch nach Ende der ursprüng­lich vorgesehenen Urlaubs­zeit um seine Gäste kümmern und Sorge dafür tragen, dass Urlauber sicher nach Hause kommen und ihnen zum Beispiel alternative Rück­flüge organisieren.

In welchem Umfang der Veranstalter für weitere Kosten einzustehen hat und ob er diese auch weitergeben kann, ist noch nicht gericht­lich geklärt. Manche Juristen vertreten die Auffassung, es müsse derjenige zahlen, der die Quarantäne ange­ordnet habe – in dem Fall der Staat.

In unserem Hotel arbeitete ein infizierter Angestellter. Können wir den Reise­preis zurück­verlangen?

Ein mit dem Coronavirus infizierter ­Hotel­mit­arbeiter ist kein Reise­mangel, urteilte das Amts­gericht Hannover (Az. 570 C 12046/20). Damit ging eine Familie leer aus, die im Sommer 2020 Club-Urlaub in Österreich machte. Weil sie unter Verdacht stand, sich angesteckt zu haben, ordneten Behörden ihre vor­zeitige Abreise an. Der Veranstalter müsse den Preis nicht erstatten und ­keinen Schaden­ersatz zahlen, so das Gericht. Der Kontakt mit dem Virus ­zähle zum allgemeinen Lebens­risiko.

Kann ich eine Pauschal­reise, die erst in Monaten ansteht, kostenfrei wegen Corona stornieren?

Das ist auch unter Reise­rechts­experten nicht abschließend geklärt. Dafür kommt es auf die Frage an, ob die außergewöhnlichen Umstände, die zum kostenfreien Rück­tritt vom Reise­vertrag berechtigen, zum Zeit­punkt der Stornierung oder zum Zeit­punkt der Reise vorliegen müssen.

Nach Auffassung der Stiftung Warentest ist entscheidend, ob zum Zeit­punkt der Reise die unabwend­baren, außergewöhnlichen Umstände vorliegen und mit wie viel Wahr­scheinlich­keit davon zum Zeit­punkt der Stornierung ausgegangen werden kann. Kunden, die auf eigenes Risiko Reisen absagen, die nicht kurz bevor­stehen, müssen gegebenenfalls mit Storno­gebühren rechnen.

Reise­rechts­experten und auch Gerichte stellen auf einen Zeitraum von etwa vier Wochen vor Reise­beginn ab. Können Reisekunden etwa vier Wochen vor Reiseantritt annehmen, dass die aktuelle Situation auch zu Reise­beginn noch anhalten wird, ist eine kostenlose Stornierung möglich. Dabei handelt es sich aber nicht um eine starre Frist, sondern lediglich einen Anhalts­punkt, der im jeweiligen Einzel­fall geprüft werden muss.

Bestehen Einschränkungen, zum Beispiel eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts, zum Zeit­punkt der Reise, muss der Reise­ver­anstalter die Storno­gebühren zurück­zahlen. Es ist aber damit zu rechnen, dass Reiseanbieter sich gegen Rück­zahlungs­forderungen wehren werden. Schlimms­tenfalls müssen Kunden die Rück­erstattung der Storno­kosten einklagen.

Mein Reise­ver­anstalter bietet mir nach meiner Stornierung nur einen Gutschein oder einen anderen Reise­termin an. Muss ich das akzeptieren?

Nein, das müssen Sie nicht. Da die Reisebranche durch die Pandemie erhebliche finanzielle Probleme hatte, war es Veranstaltern anfangs gestattet, Kunden Gutscheine statt einer Rück­zahlung anzu­bieten, wenn eine Pauschal­reise vor dem 8. März 2020 gebucht wurde und wegen Corona angesagt werden musste. Wird ein Gutschein bis Ende 2021 nicht einge­löst, muss dem Kunden der Reise­preis auto­matisch erstattet werden.

Vorteile eines Gutscheins: Sie sind staatlich abgesichert, falls ein Veranstalter zahlungs­unfähig wird und die Leistungen aus der Insolvenz­versicherung für die Erstattung des Reise­preises nicht ausreicht. Auf dem Gutschein muss stehen, dass die Reise wegen der Covid-19-Pandemie abge­sagt wurde.

Mein Reise­ver­anstalter weigert sich, eine Erstattung zu zahlen. Wie gehe ich vor?

Bleiben Sie hartnä­ckig. Es gibt eine gesetzliche Frist von 14 Tagen für die Rück­erstattung eines Reise­preises. Für die Geltendmachung Ihrer Forderung können Sie den Musterbrief der Verbraucherzentrale Nord­rhein-West­falen nutzen. Kommt der Anbieter Ihrer Zahlungs­aufforderung nicht nach, können Sie selbst entweder das gericht­liche Mahn­verfahren einleiten oder Sie suchen sich einen auf Reiserecht spezialisierten Rechts­anwalt.

Ich habe mich entschieden, zu einem späteren Termin zu reisen. Jetzt fürchte ich eine zwischen­zeitliche Anbieterpleite. Erhalte ich dann mein Geld zurück?

Versichert. Veranstalter von Pauschal­reisen sind gesetzlich verpflichtet, erhaltene Kundengelder für den Fall einer Insolvenz zu versichern. Das gilt übrigens auch für die verbundene Reise­leistung. Um eine solche handelt es sich, wenn Urlauber für dieselbe Reise mindestens zwei verschiedene Leistungen, etwa Hotel und Flug, über das gleiche Onlineportal oder im selben Reisebüro kurz nach­einander separat buchen.

Beleg für die Insolvenz­versicherung ist der sogenannte Sicherungs­schein, der mit der Buchungs­bestätigung an Reisekunden ausgegeben werden muss. Haben Sie diesen noch nicht, bestehen Sie gegen­über dem Reise­ver­anstalter darauf, ihn schnell zu bekommen. Die Insolvenz­versicherung muss für nicht begonnene Reisen schon geleistete Zahlungen erstatten. Kunden sollten sich bei Insolvenz ihres Veranstalters mit dem Absicherer der Reise in Verbindung setzen. Kontakt­daten finden sie auf ihrem Sicherungs­schein.

Nicht versichert. Wer etwa eine Städtereise mit Eigen­anreise oder eine reine Flug­leistung gebucht hat, ist nicht gegen Insolvenz abge­sichert und würde im Pleitefall mit einem Gutschein leer ausgehen. Kunden können ihre Erstattungs­ansprüche wegen nicht erbrachter Reise­leistung dann nur noch gegen­über dem Insolvenz­verwalter geltend machen.

Haben sie per Visa oder Mastercard bezahlt, können sie das Char­geback-Verfahren nutzen und sich ihr Geld von der karten­ausgebenden Bank erstatten lassen. Wer per Last­schrift bezahlt hat, kann seine Bank beauftragen, das Geld zurück­zubuchen.

Der Veranstalter hat die Reise storniert. Darf er Bearbeitungs­gebühren verlangen?

Nach Ansicht der Rechts­experten der Stiftung Warentest dürfen Reise­ver­anstalter, Fluggesell­schaften und Reise­vermittler von ihren Kunden keine Bearbeitungs­gebühren für die Stornierung, die Umbuchung oder den Nichtantritt einer Reise verlangen. Kunden haben ein gesetzliches Recht darauf, eine gebuchte Reise zu stornieren.

Die Abwick­lung einer Stornierung ist deshalb eine Tätig­keit, zu der ein Veranstalter oder eine Fluggesell­schaft oder ein Reise­ver­anstalter als Haupt­vertrags­partner des Kunden ohnehin verpflichtet sind. Dafür dürfen sie kein gesondertes Entgelt verlangen.

Das gilt genauso für einen Reise­vermittler (etwa Reisebüro oder Internetportal), wenn dieser die Abwick­lung für die Fluggesell­schaft oder den Reise­ver­anstalter über­nimmt. Eine solche „Bearbeitungs­gebühr“ ist eine unzu­lässige Vertrags­strafe – erst recht, wenn der Anbieter die Reise selbst storniert hat.

Ich habe eine Anzahlung für eine Pauschal­reise geleistet. Es ist unklar, ob die Reise statt­findet und ob der Veranstalter pleite geht. Soll ich trotzdem die Rest­zahlung leisten?

Sie haben zwei Möglich­keiten. Ist Ihnen die Lage zu unsicher, können Sie die Reise stornieren. In diesem Fall wird der Reise­ver­anstalter wahr­scheinlich Storno­gebühren – meistens in Höhe der Anzahlung – von Ihnen verlangen, die Sie möglicher­weise zurück­fordern können, wenn die Auswirkungen der Corona-Pandemie bis zum Reise­beginn anhalten (siehe weiter oben).

Wollen Sie die Reise nicht stornieren, bleiben Sie vertraglich gebunden. Das heißt, Sie müssen auch die Rest­zahlung leisten.

Möglich ist nach Ansicht von Reise­rechts­experten und Verbraucherzentralen auch die „Unsicher­heits­einrede“ gemäß § 321 BGB. Danach kann der Reisende, der aus dem Reise­vertrag zur Voraus­zahlung verpflichtet ist, die Zahlung des Reise­preises verweigern, wenn erkenn­bar wird, dass sein Anspruch auf die Gegen­leistung, also die Durch­führung der Reise, durch mangelnde Leistungs­fähig­keit des anderen Teils gefährdet wird. Diese so genannte Einrede muss der Reisekunde gegen­über dem Anbieter erheben, am besten schriftlich per Einschreiben. Dafür stellt die Verbraucherzentrale Nieder­sachsen einen Musterbrief zur Verfügung.

Die Unsicher­heits­einrede besteht spätestens bis zum Zeit­punkt der Fälligkeit der Gegen­leistung, das heißt bis zum Antritt der Reise. Der Reisende kann also zuwarten, wie sich die Chancen für seine Reise entwickeln. Ist kurz vor der Reise absehbar, dass sie statt­findet, muss er den Reise­preis auf jeden Fall bis Reise­beginn voll­ständig bezahlt haben.

Außerdem gilt: Bei einer Pauschal­reise sind Sie durch die Insolvenz­versicherung des Veranstalters abge­sichert. Beleg dafür ist der Sicherungs­schein, den Sie mit der Buchungs­bestätigung erhalten haben sollten.

Anders bei einer Indivi­dualreise, etwa einer Woche Reiturlaub oder Fasten­wandern: Hier haben Sie eine Einzel­leistung gebucht, die im Insolvenzfall des Anbieters nicht abge­sichert wäre.

Ich habe Flug und Hotel über ein Internetreiseportal gebucht. Wer kümmert sich sich um meinen Storno­wunsch?

Wer einen Flug oder ein Hotel über Portale wie Booking.com oder Opodo bucht, muss sich, sofern die Vermitt­lungs­platt­form nicht den Schrift­verkehr über­nimmt, wegen Stornierungen und möglichen Rück­erstattungen von geleisteten Zahlungen an die Fluggesell­schaft oder das Hotel wenden. Sie sind Vertrags­partner und nicht das Portal. Auch wenn die Kommunikation möglicher­weise über die Buchungs­platt­form läuft: Auf den Inhalt, also zum Beispiel, ob der Hotel­betreiber Storno­gebühren verlangt, hat sie keinen Einfluss.

Flug, Bahn und Bus

Was geschieht, wenn mein Flug wegen Corona gestrichen wird?

Erstattung. Streicht Ihre Fluggesell­schaft Ihren Flug infolge der Corona-Krise, können Sie den Ticket­preis zurück­verlangen. Die Rechts­lage ist glasklar: Werden Flüge gestrichen, haben Passagiere Anspruch auf Erstattung des Ticket­preises. Die Rück­zahlung hat inner­halb von sieben Tagen zu erfolgen. Das sagt die Flug­gast­rechte­ver­ordnung der Europäischen Union (EU).

Wichtige Voraus­setzung: Der Flug wäre von einem Flughafen in der EU gestartet oder würde von einem Unternehmen mit Sitz in der EU durch­geführt – und das Flugziel lag in einem Mitglieds­staat. Auch in Zeiten der Corona-Krise gelten diese Regeln. Die Pandemie hat dazu geführt, dass etliche Flüge annulliert werden mussten. Viele Air­lines bieten ihren Kunden einen Gutschein an, damit sie ihren Flug zu einem späteren Zeit­punkt nach­holen können.

Passagierfreundliche Urteile. In Sachen „frist­gerechte Rück­erstattung des Ticket­preises“ heißt es häufig „Fehl­anzeige“. Ein Passagier hat sich dagegen gewehrt, nachdem sein Flug von der Luft­hansa-Tochter Eurowings ersatz­los gestrichen worden war. Eurowings bot anschließend nur einen Gutschein an. Der Kunde wollte aber sein Geld zurück und beauftragte das Flug­gast­rechteportal EUflight. Dieses erhob für ihn Klage beim Amts­gericht Nürtingen. Mit Erfolg: Das Gericht verurteilte Eurowings zur Rück­zahlung des Flugti­ckets. Zusätzlich muss die Air­line die Prozess­kosten tragen (Az. 10 C 1810/20).

Ebenfalls erfolg­reich mit Hilfe von EUflight war ein Passagier gegen die portugiesische Air­line TAP. Seine beiden Flüge von Teneriffa über Lissabon nach Berlin waren am 26. März 2020 ersatz­los gestrichen worden. Die Fluggesell­schaft wollte dem Mann einen Gutschein für den Ticket­preis von knapp 221 Euro aushändigen, den dieser ablehnte. Der Flug­gast hat Anspruch auf eine Geld­rück­zahlung, so das Amts­gericht Wedding (Az. 11 C 219/20).

Klage der Verbraucherzentrale Baden Württem­berg. Im Streit um nicht erstattete Flugti­ckets ist die Verbraucherzentrale Baden-Württem­berg recht­lich gegen die Luft­hansa vorgegangen. Deutsch­lands größte Air­line lenkte ein und erkannte die eigenen Rechts­verstöße an (Pressemitteilung vom 28. September 2020).

Muster­brief nutzen. Sie müssen keinen Gutschein annehmen, sondern können den für den Flug bezahlten Betrag zurück­verlangen. Machen Sie Ihren Anspruch am besten schriftlich per Einschreiben gegen­über der Air­line geltend. Dafür stellen die Verbraucherzentralen einen Musterbrief zur Verfügung.

Es gibt eine gesetzliche Frist von sieben Tagen für die Rück­erstattung des Ticket­preises. Kommt der Anbieter Ihrer Zahlungs­aufforderung nicht nach, können Sie sich an die Schlichtungsstelle für öffentlichen Personenverkehr (söp) wenden oder Sie suchen sich einen auf Reiserecht spezialisierten Rechts­anwalt.

Entschädigung. An sich kann Flugpassagieren darüber hinaus eine Entschädigung wegen Annullierung ihres Fluges nach der EU-Flug­gast­rechte­ver­ordnung zustehen, sofern Hintergrund der Ausfälle betriebs­wirt­schaftliche Gründe wie mangelnde Nach­frage sind und nicht Umstände, für die die Fluggesell­schaft nichts kann, wie Einreise­verbote. Mehr dazu im Special Fluggastrechte: Der Weg zur Entschädigung.

Allerdings hat das Coronavirus auch in diesem Bereich einiges geändert: Es hat zu vielen Flugannullierungen und sons­tigen Reise­beschränkungen geführt. Die Europäische Kommis­sion hat in einer „Auslegungs­leit­linie“ ihre Rechts­auffassung zu den Passagierrechten in Zeiten der Corona-Krise erklärt. Nach Ansicht der Kommis­sion steht Flug­gästen etwa dann keine Entschädigung zu, wenn Behörden bestimmte Flüge verbieten oder diese den Personen­verkehr „in einer Weise untersagen, die de facto die Durch­führung des betreffenden Flugs ausschließt“. Aber auch wenn die Fluggesell­schaft die Annullierungs­entscheidung selbst treffe, nach­weislich „aus Gründen des Gesund­heits­schutzes der Besat­zung“, stehe dem Flug­gast keine Entschädigung zu.

Die Kommis­sion stellte aber auch klar: Die Air­lines haben weiterhin die Pflicht, Flug­gäste zu betreuen. Das heißt für Passagiere, die wegen einer Annullierung über Tage im Ausland fest­stecken: Die Fluggesell­schaft muss sie auf ihre Kosten angemessen in einem Hotel unterbringen, bis sie nach Hause fliegen können. Die Auslegungs­leit­linien der EU-Kommis­sion sind kein Gesetz, also für Gerichte nicht verbindlich. Sie werden von Richtern in Prozessen aber durch­aus berück­sichtigt.

Was gilt bei Reisen mit der Deutschen Bahn?

Die Deutsche Bahn hatte zu Beginn der Pandemie ermöglicht, bereits gekaufte Fahr­karten flexibel zu nutzen. Inzwischen gelten wieder die üblichen Stornierungsbedingungen.

Was ist, wenn meine Bahn- oder Busverbindung wegen Corona gestrichen wird?

Nach EU-Vorschriften müssen Bahn- und Busunternehmen bei Ausfällen immer eine Umbuchung und Rück­erstattungen des Ticket­preises ermöglichen. Der Verbraucher kann entscheiden, was er möchte. Bietet das Unternehmen Ihnen anstatt dessen einen Gutschein an, so müssen Sie diesen nicht akzeptieren. Ein solches Angebot ändert nichts an Ihrem Recht, eine Erstattung des Tickets zu wählen.

Reise­versicherungen

Ich habe meine Reise wegen der Coronakrise abge­sagt. Zahlt meine Reise­rück­tritts­versicherung die Storno­gebühren?

Nein. Wenn Sie abge­sagt haben, weil für die Urlaubs­region ein Einreise­verbot oder eine Reisewarnung ausgesprochen wurde oder es vor Ort Einschränkungen durch Corona gibt, zahlt der Versicherer nicht. Auch wenn Sie aus Angst vor Anste­ckung mit dem Coronavirus absagen, über­nimmt die Reiserücktrittsversicherung keine Kosten. Nicht gedeckt ist auch die Absage ­wegen des Verdachts, man könne krank sein, weil die Corona-Warn-App eine Risiko­begegnung anzeigte.

Ich muss in Quarantäne. Zahlt die Reiser­ücktritts­versicherung?

Können Sie nicht reisen, weil Ihr Test­ergebnis positiv ausgefallen ist und/oder Sie in Quarantäne müssen, zahlen nicht alle Tarife. Wie unsere vier Testsieger das hand­haben, erfahren Sie in unserem Vergleich Reiserücktrittsversicherungen. Teils müssen die Kunden einen kosten­pflichtigen Corona-Schutz dazu buchen. Zwei weitere Anbieter haben den Schutz bei Quarantäne in ihren Tarif aufgenommen, er ist ohne Aufpreis zu haben.

Grund­sätzlich schützt die Reiser­ücktritts­police, wenn Sie wegen einer unerwarteten und schweren Erkrankung von Ihrer Reise zurück­treten müssen. Also auch dann, wenn Sie schwer an Covid-19 erkranken. Haben Sie nur leichte Symptome, ist das nicht bei allen Tarifen abge­deckt. Fragen Sie vor einem Abschluss nach den aktuellen Corona-Konditionen.

Achtung: Einige Versicherer schließen in ihren Versicherungs­bedingungen die Leistungs­pflicht aus, wenn eine Pandemie Ursache der Erkrankung ist. Oder die mit der Reiser­ücktritts­versicherung verknüpfte Reise­abbruch­versicherung zahlt nicht im Reise­land, wenn bei Antritt der Reise eine Reisewarnung für Ihre Urlaubs­region bestand. Schauen Sie in Ihre Versicherungs­bedingungen. In unserem Vergleich Reiser­ücktritts­versicherungen sehen Sie, wer für Pandemien aufkommt und wer nicht.

Meine Reise ist abge­sagt und ich benötige die Reiser­ücktritts­versicherung und die Reisekranken­versicherung nicht mehr. Bekomme ich mein Geld zurück?

Wenn Sie die Auslandskrankenversicherung nur für diese eine Reise abge­schlossen haben, ist eine voll­ständige Erstattung der Versicherungs­prämie nach § 80 Versicherungsvertragsgesetz möglich. Bei den Reise­rück­tritts­versicherungen erstatten derzeit viele Versicherer den Beitrag oder schreiben ihn für eine spätere Reise gut. Auch bei einer Reisege­päck­versicherung, die der Kunde womöglich im Paket mit anderen Versicherungen abge­schlossen hat, kann eine anteilige Erstattung in Frage kommen. Denn hierfür trägt der Versicherer kein Risiko mehr.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich – wegen Reisewarnung oder eigener Erkrankung – wirk­lich reisen kann. Kann ich noch eine Reiser­ücktritts­versicherung abschließen?

Ja, Sie können auch noch nach der Buchung einer Reise eine Reiserücktrittsversicherung abschließen. Das ist meist bis 30 Tage vor Reiseantritt möglich. Vor Abschluss sollten Sie aber einen Blick in die Versicherungs­bedingungen werfen. Möglicher­weise ist dort ein Rück­tritt (oder Abbruch der Reise) bei Pandemien ausgeschlossen.

Sie finden diese Regelung zum Beispiel im Abschnitt „Ausschlüsse“ oder „Wann zahlt die Versicherung nicht“. In diesem Fall wäre ein Rück­tritt beziehungs­weise Reise­abbruch wegen Covid-19 nicht versichert.

Sind Sie bereits beim Abschluss der Versicherung krank und können deswegen nicht reisen, kommt die Versicherung nicht für die Storno­kosten auf. Das gilt auch für Fälle sogenannter „höherer Gewalt“, zum Beispiel Reisewarnung, Einreise­verbote und Ausgangs­beschränkungen. In diesem Fall wäre bei Pauschal­reisen nach derzeitiger Rechts­lage aber eine kostenlose Stornierung beim Reise­ver­anstalter möglich (siehe oben).

Schützt mich die Reisekranken­versicherung bei einer Corona-Erkrankung?

Nicht in jedem Fall. Einige Versicherer zahlen keine Behand­lungen, wenn die Erkrankung pandemiebe­dingt ist. Oder wenn für Ihr Urlaubs­land oder Ihre Urlaubs­region eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes wegen Corona vorliegt. Klären Sie deswegen vor dem Urlaub, ob Ihre Auslandskrankenversicherung pandemietauglich ist. Schauen Sie dafür in die Allgemeinen Versicherungs­bedingungen unter die Ausschlüsse und prüfen Sie,

- ob die Versicherung einen Pandemiefall grund­sätzlich ausschließt,
- ob Ihre Versicherung Reisen in Länder mit Reisewarnung grund­sätzlich ausschließt. Wurde die Reisewarnung aufgrund von Corona ausgesprochen und bezieht sich der Ausschluss in den Versicherungs­bedingungen explizit nur auf Kriegs­ereig­nisse und innere Unruhen, wäre eine Erkrankung an Covid-19 abge­deckt.

Gute und güns­tige Tarife zeigen unsere Tests Auslandskrankenversicherungen für kurze Urlaubsreisen (Mai 2021) und Auslandskrankenversicherungen für lange Reisen, (Mai 2020). In den Tabellen ist zu erkennen, ob Versicherer das Pandemierisiko mitversichern. Grund­sätzliche Fragen zur Versicherung beant­worten unsere FAQ Reiseversicherung.

Wer keine Auslandskrankenversicherung hat, sich aber im europäischen Ausland aufhält, ist über seine gesetzliche Krankenkasse abge­sichert. Sie kommt für Behand­lungen bei einer akuten Erkrankung in EU-Mitglieds­staaten und in Ländern auf, mit denen ein Sozial­versicherungs­abkommen besteht. Allerdings tragen gesetzliche Krankenkassen nie die Kosten für einen Rück­trans­port.

Dauer­camping

2020 habe ich als Dauer­camper die übliche Stell­platz-Jahres­miete gezahlt, konnte den Platz coronabe­dingt aber lange Zeit nicht nutzen. Bekomme ich eine Erstattung?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Für viele Camping­platzver­träge gilt das gesetzliche Mietrecht. Danach trägt grund­sätzlich der Mieter das Risiko, die gemietete Sache wie gewünscht nutzen zu können. Heißt: Verhindern Umstände wie eine Pandemie diese Nutzung, bleibt der Mieter eigentlich weiter zur Zahlung der vollen Miete verpflichtet.

Gewerb­lichen Mietern von Laden­flächen (etwa Restaurants oder Einzel­händler) haben Gerichte in einigen Fällen zwar schon das Recht zugestanden, für Lock­down-Monate die Miete in Höhe von bis zu 80 Prozent zu kürzen (siehe etwa Land­gericht München I, Urteil vom 22. September 2020, Az. 3 O 4495/20). Es ist aber fraglich, ob sich Dauer­camper als private Nutzer eines Stell­platzes auch auf diese Recht­sprechung berufen können.

In der Praxis gibt es Camping­plätze, die von sich aus eine Reduzierung der Stell­platz-Miete angeboten hatten. Aber auch welche, die hart blieben und auf Bezahlung der vollen Summe bestanden.

Friedbert Wittum, Rechts­anwalt und Experte für Campingrecht, weist Camping-Lieb­haber noch auf folgende Gefahr hin: Dauer­camper genießen keinen Kündigungs­schutz wie Wohn­raummieter. Der Betreiber eines Camping­platzes kann einem Camper quasi als Retourkutsche einfach zum Ende des Vertrags­jahres kündigen, wenn dieser eine Mietkür­zung gericht­lich geltend macht. Camping­platz-Nutzer, die viel Geld in die Gestaltung ihres Platzes gesteckt haben, riskieren also ihre Investition.

Dieses Special wird laufend aktualisiert.

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