FAQ Berufs­unfähigkeits­versicherung Special

Die Berufs­unfähigkeits­versicherung gehört zu den wichtigen Policen. Leider auch zu den besonders komplizierten. test.de beant­wortet häufig gestellte Fragen rund um das Thema Berufs­unfähigkeit.

Grund­sätzliche Fragen

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Warum brauche ich eine Berufs­unfähigkeits­versicherung?

Jeder, der seine Arbeits­kraft absichern muss, sollte einen Schutz bei Berufs­unfähigkeit haben. Die gesetzliche Renten­versicherung bietet mit der Erwerbs­minderungs­rente bei Invalidität nur bedingt Schutz – und dann auch nur in geringer Höhe. Eine volle Erwerbs­minderungs­rente erhalten Sie, wenn Sie gesund­heits­bedingt nur noch weniger als drei Stunden täglich irgend­einer Tätig­keit nachgehen könnten. Eine halbe Erwerbs­minderungs­rente gibt es, wenn Sie noch zwischen drei und sechs Stunden arbeiten könnten. Voraus­setzung sind grund­sätzlich 60 Beitrags­monate bei der Rentenkasse und davon mindestens 36 Pflicht­beiträge.

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Reicht denn nicht eine Unfall­versicherung?

Nein. Die Unfall­versicherung leistet nur nach einem Unfall, in dessen Folge eine dauer­hafte Beein­trächtigung bleibt. Sie leistet nicht bei krank­heits­bedingter Berufs­unfähigkeit, die viel häufiger auftritt.

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Was ist der Unterschied zwischen Berufs­unfähigkeits- und Erwerbs­unfähigkeits­schutz?

Bei einer privaten Berufs­unfähigkeits­versicherung zahlen Versicherer mit den besseren Bedingungen bereits, wenn Sie als Kunde Ihre zuletzt ausgeführte berufliche Tätig­keit zu 50 Prozent nicht mehr ausüben können. Bei Angeboten mit schlechteren Bedingungen ist es dagegen möglich, dass ein Versicherer erst schaut, ob Sie weder in Ihrem Job arbeiten können noch in einer anderen Tätig­keit, die Ihrer bis dahin erreichten beruflichen Qualifikation, Erfahrung und Lebens­stellung entspricht. Erst dann zahlt er die vereinbarte Berufs­unfähigkeits­rente aus.

Bei einer privaten Erwerbs­unfähigkeits­versicherung gibt es hingegen erst Geld, wenn Sie als Versicherter zu nahezu 100 Prozent invalide sind, Sie also weder Ihrem Job noch irgend­einer anderen beruflichen Tätig­keit nachgehen können. Die berufliche Qualifikation, Erfahrung, bisherige Lebens­stellung oder Arbeits­markt­lage sind ohne Belang. Die Möglich­keit, stunden­weise zu arbeiten, schließt eine Erwerbs­unfähigkeit nicht unbe­dingt aus.

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Ist meine Berufs­unfähigkeits­rente sicher? Was passiert, wenn mein Versicherer pleite­geht?

Im unwahr­scheinlichen Fall einer Insolvenz sind die vertraglichen Leistungen über einen gesetzlichen Sicherungs­fonds geschützt.

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Was passiert bei einem Berufs­wechsel? Muss ich das meinem Berufs­unfähigkeits­versicherer melden?

Ihr Vertrag bleibt unver­ändert bestehen – unabhängig davon, in welche Gefahren­stufe Ihr neuer Beruf einge­ordnet wird. Der Berufs­wechsel muss dem Anbieter nach den aktuellen Bedingungen auch nicht mitgeteilt werden. Die Prüfung der Berufs­unfähigkeit bezieht sich auf den zuletzt ausgeübten Beruf. Manche Verträge regeln allerdings, dass bei der Prüfung, ob eine Berufs­unfähigkeit vorliegt, ein Vorberuf mit einbezogen wird, wenn der Berufs­wechsel inner­halb der letzten 12 oder 24 Monate vor Eintritt der Berufs­unfähigkeit statt­fand. Einige Versicherer beschränken sich dabei auf freiwil­lige Berufs­wechsel, andere nehmen die Prüfung auch bei unfreiwil­ligen Berufs­wechseln wegen Arbeits­losig­keit oder aus gesundheitlichen Gründen vor. Wer einen Beruf ergreift, der einer nied­rigeren Risikogruppe zuzu­ordnen ist, muss deshalb nicht auto­matisch weniger zahlen. Es lohnt sich aber manchmal, dies dem Versicherer mitzuteilen.

Kombi-Policen

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Ist eine Kombination aus Spar­vertrag und privatem Berufs­unfähigkeits­schutz günstig? Mir wurde eine Fonds­police mit Berufs­unfähigkeits­schutz angeboten.

Geld­anlage und die Absicherung gegen Risiken wie Berufs­unfähigkeit sollte man trennen. Wer guten Berufs­unfähigkeits­schutz anbietet, macht noch lange keine gute Kapital­anlage. Der Berufs­unfähigkeits­schutz ist außerdem allein schon teuer. Das stellt gerade für junge Leute eine finanzielle Belastung dar. Der zusätzliche Anteil für die Geld­anlage verteuert ihn noch einmal erheblich. Wer wenig verdient oder arbeitslos wird, ist mit einem teuren Kombiver­trag finanziell schnell über­fordert und kann irgend­wann gezwungen sein, den Vertrag zu kündigen. Er verliert dann den Berufs­unfähigkeits­schutz.

Schon die Vertrags­gestaltung bei einer reinen Berufs­unfähigkeits­versicherung birgt viele Fallen. Wird dieser Schutz mit einem anderen Produkt verbunden, erschwert dies den Durch­blick zusätzlich. Meiden Sie derartige Kombinationen vor allem, wenn ...

... im Vertrag noch eine allgemeine Verweisungs­möglich­keit steht, der Versicherte also nicht nur auf seinen zuletzt ausgeübten Beruf, sondern auch auf alle anderen Tätig­keiten, die er aufgrund seiner Kennt­nisse und Fähig­keiten ausüben kann, verwiesen werden könnte. Einen Berufs­unfähigkeits­schutz ohne diesen sogenannten Verzicht auf die abstrakte Verweisung sollten heute möglichst keiner mehr abschließen.

... die zugesicherte Berufs­unfähigkeits­rente zur Absicherung im Notfall zu gering angesetzt wird.

... die Lauf­zeit des Berufs­unfähigkeits­schutzes zu kurz bemessen ist. Einige Versicherer regeln für die Risiko­lebens­versicherung Lauf­zeit­beschränkungen, was dazu führen kann, dass junge Leute den Berufs­unfähigkeits­schutz nicht bis zum 65. / 67. Lebens­jahr bekommen, weil diese Lauf­zeit­begrenzung auch im Kombi-Vertrag greift. Dann ist es besser, eine selbst­ständige Berufs­unfähigkeits­versicherung abzu­schließen und die Lauf­zeit­begrenzung nur für die Risiko­lebens­versicherung zu akzeptieren, sofern eine Todes­fall­absicherung zusätzlich gewünscht ist.

... wenn die Lauf­zeit für den anteiligen Spar­vertrag 20 oder 30 Jahre beträgt, obwohl Sie heute ihre finanzielle Situation in den nächsten 10 bis 15 Jahren noch gar nicht über­schauen können. Mit einem separaten Vertrag können Sie die kürzere Lauf­zeit vereinbaren und später entscheiden, ob die das Geld zum Beispiel in die Eigentums­wohnung stecken oder neu anlegen, für die Alters­vorsorge.

Es gibt noch eine Vielzahl anderer Vertrags­klauseln, die von Bedeutung sein können. Wer eine Kombination aus Spar­anlage und Berufs­unfähigkeits­schutz wählt, kann sich nicht an den Finanztest-Ergeb­nissen orientieren und ist darauf angewiesen, den Vertrag selbst zu checken. Hilfe dabei bietet das Finanztest-Infodokument Checkliste Berufsunfähigkeitsversicherung mit über 20 Prüf­punkten, die Sie Ihrem Anbieter zum Ausfüllen vorlegen können.

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Der Berufs­unfähigkeits­schutz lässt sich mit einem Rürup-Renten­versicherungs­vertrag verbinden. Empfehlen Sie so eine Kombination?

Nein, denn Geld­anlage und Risiko­absicherung sollten getrennt werden. Zwar können Sie die Gesamt­kosten steuerlich geltend machen, wenn Sie mit einer Rürup-Versicherung auch das Risiko der Berufs­unfähigkeit abdecken. Die Kombination aus Geld­anlage und Berufs­unfähigkeits­schutz ist aber nicht empfehlens­wert. Interes­sieren Sie sich für die Rürup-Förderung, dann prüfen Sie, ob nicht der Abschluss von zwei Verträgen sinn­voll ist – eine steuerlich geförderte Rürup-Alters­vorsorge und eine selbst­ständige Berufs­unfähigkeits­versicherung. Auf jeden Fall müssen Sie die angebotenen Bedingungen zum Berufs­unfähigkeits­schutz gründlich prüfen. Die Kombinations­produkte sind nicht in die Vergleichs­tests von Finanztest einbezogen. Wenn Sie einen solchen Vertrag abschließen wollen, müssen Sie die Bedingungen selbst prüfen. Hilfe bietet Ihnen die Checkliste Berufsunfähigkeitsversicherung mit über 20 Prüf­punkten, die Sie Ihrem Anbieter zum Ausfüllen vorlegen können.
Hinweis: Wenn Sie das Themenpaket Berufsunfähigkeitsversicherung kaufen, erhalten Sie sowohl den aktuellen Test Berufsunfähigkeitsversicherung als auch die Check­liste sowie weitere Tests und Tipps.

Wann abschließen – und wann wechseln?

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Sollte ich mit meinem Schreibtisch-Job über­haupt eine Berufs­unfähigkeits­versicherung abschließen? Ich kann doch meinem Job auch nachgehen, wenn ich im Roll­stuhl sitze.

Auch für Sie ist eine private Berufs­unfähigkeits­versicherung interes­sant. Sie könnten psychisch erkranken, Krebs bekommen oder wegen Rücken­problemen nur noch einge­schränkt am Schreibtisch tätig sein können. Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung ist deshalb auch für Büro­angestellte sinn­voll.

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Sollten Auszubildende und Studenten bereits einen Vertrag abschließen – und welche Verträge eignen sich?

Es ist grund­sätzlich zu empfehlen, sich früh um guten Berufs­unfähigkeits­schutz zu kümmern. Das gilt ganz besonders für Auszubildende. Denn der gesetzliche Renten­versicherungs­träger zahlt frühestens nach fünf Jahren Beitrags­zahlung eine Erwerbs­minderungs­rente. In jungen Jahren ist außerdem die Wahr­scheinlich­keit am höchsten, einen akzeptablen Vertrag zu bekommen. Mit fort­schreitendem Alter steigt das Risiko von Vorerkrankungen und damit einer Ablehnung des Versicherungs­antrags. Versicherer müssen einen Antrag­steller nicht akzeptieren.

Doch nicht jeder Vertrag eignet sich für Auszubildende mit geringem Einkommen. Wichtig ist, dass die anfäng­lich wegen des geringen Ausbildungs­gehalts häufig zunächst nied­rige Renten­ver­einbarung über eine gute Nach­versicherungs­garantie später ohne eine erneute Gesund­heits­prüfung deutlich erhöht werden kann.

Auch Studenten sollten sich gegen das Risiko einer Berufs­unfähigkeit absichern und auf eine gute Nach­versicherungs­garantie achten, über die sie die vereinbarte Rentenzahlung später ohne erneute Gesund­heits­prüfung ausreichend erhöhen können. Grund: Alle Versicherer beschränken zunächst die maximal mögliche Berufs­unfähigkeits­rente auf meist 1 000 Euro im Monat. Die für Studenten erreich­bare Berufs­unfähigkeits­rente reicht später zur Absicherung nicht aus.

Eine Nach­versicherungs­garantie erlaubt nach­träglich die Erhöhung der Berufs­unfähigkeits­rente zum Beispiel bei Berufs­einstieg, Gehalts­erhöhung, Heirat oder Geburt eines Kindes ohne erneute Gesund­heits­prüfung. Studenten und Auszubildende sollten außerdem unbe­dingt darauf achten, dass im angebotenen Vertrag ihr angestrebter Beruf als Maßstab für eine Berufs­unfähigkeit zugrundegelegt wird. In schlechteren Verträgen würde der Versicherer in der ersten Zeit oder vielleicht sogar bis zum Ende von Studium oder Ausbildung erst bei einer Erwerbs­unfähigkeit zahlen.

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Was ist ein Einsteiger-Tarif?

Einsteiger-Tarife oder „Starter­policen“ werden für junge Leute angeboten. Sie sind zunächst preisgüns­tiger als Normal­tarife, weil sie in jedem Vertrags­jahr bei der Beitrags­bestimmung das tatsäch­liche Alter des Kunden zugrundelegen. Junge Leute zahlen noch nicht viel. In der Regel müssen solche Verträge aber spätestens dann auf einen Normal­tarif umge­stellt werden, wenn der Kunde 35 Jahre alt ist. Dann steigt der Beitrag auf einmal deutlich. Bleibt die Umstellung aus, würde der Beitrag in späteren Jahren viel zu teuer werden.

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Gibt es ein Höchst­alter, bis zu dem ich eine Berufs­unfähigkeits­versicherung nur abschließen kann?

Viele Versicherer bestimmen für ihre Berufs­unfähigkeits­versicherung ein Höchst­eintritts­alter. Bei manchen Versicherern liegt es bei 55 Jahren, bei anderen bei 60 oder sogar 64 Jahren. Oft erhalten ältere Antrag­steller allerdings derart ungüns­tige Vertrags­bedingungen, dass der Schutz für sie nicht mehr infrage kommt. Oft genug werden sie außerdem wegen Vorerkrankungen ohne Vertrag bleiben. Ein spät abge­schlossener Vertrag ist darüber hinaus extrem teuer.

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Wann sollten Versicherte zu einem anderen Unternehmen in einen als „sehr gut“ bewerteten Tarif oder inner­halb seines Unternehmen zu einem besseren Tarif wechseln?

Nur diejenigen, die vor Jahren einen Vertrag mit wirk­lich schlechten Bedingungen abge­schlossen haben, sollten sich noch einmal auf die Suche nach einem besseren Vertrag machen. Dann empfiehlt es sich, den gesamten Markt zu betrachten und gleich­zeitig eine Vielzahl von Angeboten bei Versicherern einzuholen, die Tarife mit „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten Bedingungen im Angebot haben. Normaler­weise ist ein Wechsel selten anzu­raten. Das mit der Zeit gestiegene Einstiegsalter führt in der Regel zu höheren Beiträgen. Inzwischen aufgetretene Erkrankungen können Risiko­aufschläge oder sogar eine Antrags­ablehnung bringen. Handelt es sich um Krank­heits­bilder, die Versicherer immer ablehnen, kann es sein, dass gar kein anderer Versicherungs­schutz mehr zu haben ist. Ein Wechsel kommt also vor allem dann infrage, wenn Sie gesund geblieben sind und sich die Beiträge beim Neuabschluss im Bereich des Bezahl­baren bewegen.

Rentenhöhe und Lauf­zeit richtig wählen

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Wie hoch sollte die Versicherungs­summe und damit die Berufs­unfähigkeits­rente sein?

Wir empfehlen, die Höhe der privaten Berufs­unfähigkeits­rente anhand Ihrer zu erwartenden Ausgaben und Einnahmen zu berechnen. Steigt Ihr Einkommen mit der Zeit, können Sie in Verträgen mit einer Nach­versicherungs­garantie unter bestimmten Voraus­setzungen den Versicherungs­schutz nach oben anpassen. Schätzen Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben systematisch:

Auf der Einnahmenseite zu berück­sichtigen:

– Gesetzliche Renten­versicherung/Beamten­versorgung
– betriebliche Alters­vorsorge
– Einkünfte aus privaten Spar­produkten (Spar­anlagen, Lebens­versicherungen)
– gesetzliche Erwerbs­minderungs­rente
– sons­tige Einnahmen aus Immobilien­vermietung

Auf der Ausgabenseite zu berück­sichtigen:

– allgemeine Lebens­haltungs­kosten (Ernährung, Kleidung, Körper­pflege, Gebrauchs­gegen­stände)
– Wohnung/Miete
– Auto/andere Verkehrs­mittel
– Versicherungen/Kranken­versicherung (bei freiwil­lig gesetzlich Versicherten wird auch auf private Renten­einnahmen Beitrag erhoben, ohne dass der Renten­versicherungs­träger einen Anteil davon trägt)
– Urlaub/Sonder­ausgaben

Erhalten gesetzlich Renten­versicherte eine Erwerbs­minderungs­rente, hängt deren Höhe vom Durch­schnitt der einge­zahlten Beiträge vor Eintritt der Erwerbs­minderung ab. Der Durch­schnitt wird bis zum 60. Lebens­jahr hoch­gerechnet. Der aktuelle Anspruch geht aus der jähr­lichen Renten­information hervor. Allerdings fehlt darin noch die Kürzung um 10,8 Prozent bei Renten­beginn vor dem 63. Geburts­tag. Diese Grenze für den abschlagfreien Zugang wird seit 2012 schritt­weise auf 65 Jahre ange­hoben, wobei es für erwerbs­geminderte Versicherte mit 35 Pflicht­beitrags­jahren bis 2024 bei 63 Jahren bleibt. Ab dann sind 40 Pflicht­beitrags­jahre nötig. Außerdem zu berück­sichtigen: Auch Steuern und Sozial­abgaben verringern die verfügbare Erwerbs­minderungs­rente.

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Wie lange sollte eine Berufs­unfähigkeits­versicherung laufen?

Am besten bis zum 67. Lebens­jahr, also bis zum Renten­eintritt. Ist der Beitrag dafür zu teuer, dann wenigs­tens bis 63 oder 65 Jahre.

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Wie sichere ich die vereinbarte Rente gegen die steigende Inflation ab?

Es gibt zwei unterschiedliche Formen der Dynamik. Zum einen die Beitrags­dynamik. Dabei steigt der Beitrag regel­mäßig an. Das ist üblicher­weise bei allen Tarifen möglich. Zum anderen eine dyna­mische Anpassung der Rente im Leistungs­fall. Das erlauben mitt­lerweile immer mehr Tarife. Dass die ausgezahlte Rente regel­mäßig um einen bei Vertrags­beginn fest­gelegten Prozent­satz steigt, ist besonders wichtig, falls eine Berufs­unfähigkeit bereits in jungen Jahren eintritt.

Die dyna­mische Anpassung der Beiträge erfolgt ebenfalls um einen bestimmten Prozent­satz jähr­lich. Kunden müssen natürlich darauf achten, dass sie sich nicht über­nehmen und den Beitrag irgend­wann nicht mehr aufbringen können – besonders bei Kombinationen aus Geld­anlage und Berufs­unfähigkeits­schutz. Ein Aussetzen von ein bis zwei Erhöhungen hinter­einander ist in der Regel möglich. Eine dyna­mische Anpassung hat den Vorteil, dass der Versicherte die vereinbarte Rente regel­mäßig ohne erneute Gesund­heits­prüfung anheben kann. Dies führt natürlich zu höheren Beiträgen.

Wählen Kunden als Über­schuss­system das Bonus­system, dann verwendet der Versicherer erwirt­schaftete Über­schüsse im Leistungs­fall zur Renten­erhöhung. Nachteil: Der Kunde kann dann nicht genau wissen, wie hoch seine Rente im Falle eines Falles wäre. Besser ist es, Über­schüsse mit den Beiträgen zu verrechnen. Dadurch sinkt der Beitrag, und der Versicherte weiß stets, mit wie viel Berufs­unfähigkeits­rente er genau rechnen kann.

Eine nach­trägliche Erhöhung der vereinbarten Rente ist auch über eine Nach­versicherungs­garantie möglich.

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Was ist eine Nach­versicherungs­garantie?

Über eine Nach­versicherungs­garantie haben Sie die Möglich­keit, bei wichtigen Änderungen Ihrer Lebens­umstände eine größere Renten­erhöhung ohne Gesund­heits­prüfung auf einmal vorzunehmen – etwa durch Heirat, Geburt eines Kindes oder einer Gehalts­steigerung. Einige Tarife lassen eine Erhöhung auch ohne Anlass zu.

Eine gute Nach­versicherungs­garantie ist ein wichtiger Vertrags­bestand­teil, denn der Versicherungs­bedarf erhöht sich im Leben vieler Menschen oft punktuell deutlich. Meistens kann die Nach­versicherungs­garantie nur bis zu einem bestimmten Alter, häufig 45 Jahre, ausgeübt werden. Außerdem darf sie sich nur in einem bestimmten Rahmen bewegen. Es gibt Grenzen für die Renten­erhöhung pro Anlass und auch für die absolute Rente insgesamt.

Vorerkrankungen und Gesund­heits­fragen

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Wann muss ich länger zurück­liegende Erkrankungen bei den Gesund­heits­fragen benennen?

Wird im Vertrag nach Erkrankungen gefragt, die in den letzten fünf Jahren ärzt­lich fest­gestellt oder behandelt worden sind, nennen Sie die Erkrankungen, wegen derer Sie sich in den letzten fünf Jahren ärzt­lich behandeln ließen. Ist Ihnen eine Frage nicht klar, bitten Sie den Versicherer um ihre schriftliche Erläuterung. Auskünfte von Vermitt­lern und Maklern sind zuweilen unzu­verlässig. Leser berichten immer wieder, dass Vermittler sie angestiftet haben, es mit den Gesund­heits­fragen nicht so genau zu nehmen. Das ist gefähr­lich. Selbst unwissentlich falsche Angaben können dazu führen, dass der Versicherungs­schutz verloren geht.

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Werden meine Vorerkrankungen irgendwo zentral gespeichert und sind sie dort abruf­bar?

Nein. Zwar liegen den Kassen in verschlüsselter Form jene Diagnosen vor, aufgrund derer die Mitglieder behandelt worden sind. Doch die Auskunft der Kassen hierüber ist nur einge­schränkt hilf­reich bei der Entscheidung, welche Vorerkrankungen im Antrag für eine Berufs­unfähigkeits­versicherung angegeben werden müssen. Die Versicherten haben einen Auskunfts­anspruch gegen­über ihrer Kasse, den sie schriftlich geltend machen können. Sie müssen ihn mit einer Erklärung zur Entbindung der Schwei­gepflicht einreichen. Die Kasse teilt dann mit, welche Leistungen das Mitglied im letzten (Geschäfts-)Jahr in Anspruch genommen hat und welche Kosten damit verbunden gewesen sind.

Zu einer länger zurück­liegenden Erkrankung können Versicherte sich nur informieren, wenn sie der Kasse den Zeit­punkt der Behand­lung sowie den Namen des behandelnden Arztes angeben können. Weiterhin kann die Kasse darüber informieren, welche Arznei-, Verband- und Hilfs­mittel über sie abge­rechnet worden sind. Ausnahme: Bei Abrechnung von Behand­lungen über Kosten­erstattung kann sie keine Informationen liefern. Auch zu den Sach­verhalten, zu denen ein Antrag des Mitglieds vorliegt (wie etwa Kurauf­enthalte, Kranken­haus­auf­enthalte, Behand­lungs­pläne, Arbeits­unfähigkeits­bescheinigungen), kann die Kasse entsprechende Informationen heraus­geben. Auch bei Teil­nahme an einer Sonder­versorgung für chro­nisch Kranke bekommt die Kasse detaillierte Informationen zu Diagnose und Behand­lung.

Um heraus­zufinden, welche Krank­heits­bilder bei Ihnen in der Vergangenheit diagnostiziert worden sind, wenden Sie sich am besten an Ihre Ärzte. In den über Sie geführten Kranken­akten sind die Diagnosen nebst Datum des Arzt­besuchs fest­gehalten. Beim Erinnern an Arzt­besuche können alte Adress­bücher und Terminkalender helfen.

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Wie erfährt der Versicherer im Ernst­fall etwas über meinen Gesund­heits­zustand?

Führt zum Beispiel ein Rückenleiden zum Eintritt der Berufs­unfähigkeit, forscht der Versicherer über Ärzte oder Krankenhäuser, die der Kunde von ihrer Schwei­gepflicht entbunden hat, nach, ob der Kunde sein Risiko schon vor Vertrags­abschluss kannte. Hat der behandelnde Arzt in der Kranken­geschichte Informationen aufgenommen, wonach der Patient bereits früher regel­mäßig an Rücken­schmerzen litt, ohne sie als behand­lungs­bedürftig zu betrachten, wird die Versicherung ihrem Kunden vorwerfen, die Fragen nach dem Gesund­heits­zustand bei Vertrags­schluss nicht korrekt beant­wortet zu haben. Auf den Zeit­punkt des Arzt­gesprächs kommt es dabei nicht an. Schon häufig hat Finanztest darüber berichtet, wie genau die Recht­sprechung die Aufklärungs­pflicht nimmt. So kann sich der Versicherte nicht darauf berufen, dass der Versicherungs­vermittler ihm geraten habe, eine schwere Erkrankung nicht im Vertrag zu benennen, weil er damit Gefahr laufe, gar keinen oder einen besonders teuren Versicherungs­schutz zu bekommen. Das ist vielleicht ein Fall für die Haftung des Vermitt­lers, aber die Versicherung muss nicht leisten. So kann der Versicherer auch Jahre nach Vertrags­schluss noch zurück­treten, wenn der Versicherte ihm eine Aids-Erkrankung nicht gemeldet hat. Selbst eine schon länger vergangene Arbeits­unfähigkeit darf ein Kunde bei Vertrags­schluss nicht verschweigen. Angaben dieser Art sind für die Versicherer wichtig, um das Risiko eines Vertrags zu beur­teilen.

In einem Fall, der vor Gericht ging, hatte ein Mann im Antrags­formular nicht angegeben, dass er einmal wegen eines Wirbelschadens zehn Monate lang krank­geschrieben war. Später wurde er berufs­unfähig. Die Gesell­schaft prüfte nach, ob ihr Kunde gesundheitliche Probleme bei Vertrags­schluss verschwiegen hatte, und erfuhr von seiner früheren Arbeits­unfähigkeit. Das Unternehmen verweigerte darauf­hin die Auszahlung der Rente und erklärte die Anfechtung des Vertrags wegen arglistiger Täuschung.

Versicherungs­kunden können sogar dazu verpflichtet sein, schwerwiegende Erkrankungen nach­zumelden. Solange der Versicherungs­schein noch nicht zuge­schickt worden ist, muss der Antrag­steller der Versicherungs­gesell­schaft alle Informationen liefern, die wichtig sind, um das Krank­heits- oder Todes­risiko des Kunden einzuschätzen. Das gilt auch, wenn er die Nach­richt von seiner Krankheit erst erhalten hat, nachdem der Versicherungs­antrag schon abge­schickt wurde. Meldet er sich in einer solchen Konstellation nicht von sich, sehen Gerichte darin ein arglistiges Verschweigen. Es steht einer arglistigen Täuschung gleich.

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Was mache ich, wenn ich mehr oder weniger schwerwiegende Vorerkrankungen habe, aber Versicherungs­schutz bekommen möchte?

Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung abzu­schließen, ist in solch einem Fall sehr schwierig. Nach einer Finanztest-Umfrage bekam nur jeder Sechste den Vertrag, den er wollte. Knapp einem Drittel der Umfrage­teilnehmern gelang es gar nicht, sich zu versichern. Grund für die meisten Ablehnungen waren Vorerkrankungen. Die Umfrage ergab aber auch, dass sich Hartnä­ckig­keit auszahlen kann. Da sich die Ausgangs­situation als Antrag­steller verschlechtern kann, wenn er mehrere Anträge stellt und abge­lehnt wird, sollten Sie die Anträge parallel stellen, am besten mindestens zehn Anträge gleich­zeitig. Bei Vorerkrankungen, die aus Ihrer Sicht ein Hindernis sein könnten, sollten Sie eher noch mehr Anträge stellen. Eine Aufstellung darüber, welcher Versicherer welche Vorerkrankungen anstands­los akzeptiert oder welche Einschränkungen für welches Krank­heits­bild vorgenommen werden, gibt es nicht. Es gibt keinen einheitlichen Katalog, nach dem sich alle Versicherer richten. Die Versicherer lassen sich bei der Auswahl ihrer Kunden ungern in die Karten schauen. Sie verweisen immer wieder auf eine individuelle Prüfung des Risikos.

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Habe ich Chancen auf einen Versicherungs­vertrag, wenn ich eine Psycho­therapie gemacht habe?

Interes­senten, die einmal psychische Probleme hatten, werden von den Versicherern kaum akzeptiert. Viele Versicherer bieten betroffenen Antrag­stel­lern zum Beispiel eine Unfall­versicherung an, aber keinen Berufs­unfähigkeits­schutz. Einige Vermittler empfehlen, in einigen Jahren wieder­zukommen. Meistens müssen mindestens fünf Jahre vergangen sein, bis ein Vertrags­abschluss infrage kommt. Aber es ist auch möglich, dass Versicherer nach einer psycho­therapeutischen Behand­lung noch länger zurück­fragen, zum Beispiel zehn Jahre.

Verbindliche Aussagen der Versicherer über den Umgang mit Antrag­stel­lern und Kunden mit psychischen Problemen liegen uns nicht vor. Bei Versicherten mit akademischen Berufen stellen psychische Probleme mitt­lerweile der häufigste Grund für den Erhalt einer Frührente da. So ist zu erwarten, dass die Versicherer diesem Aspekt noch mehr Beachtung schenken werden. Trotz der schlechten Aussichten sollten Sie versuchen, einen Vertrag abzu­schließen. Reichen Sie so viele Anträge wie möglich gleich­zeitig ein, um Ihre Chancen auf einen geeigneten Vertrag zu erhöhen.

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Angenommen, die Frist für den Verzicht auf das Rück­tritts­recht des Versicherers vom Vertrag ist abge­laufen. Habe ich dann Anspruch auf eine Berufs­unfähigkeits­rente, wenn ich bei Vertrags­abschluss eine Erkrankung nicht angegeben hatte?

Nein. Zunächst zum Rück­tritt an sich: Er führt zur rück­wirkenden Aufhebung der Berufs­unfähigkeits­versicherung und zum Verlust des Versicherungs­schutzes. Der Versicherer kann den Rück­tritt erklären, wenn ihm bekannt wird, dass der Kunde wichtige Angaben unterlassen hat. Das kann vor dem Leistungs­fall sein. Bei einer bereits einge­tretenen Berufs­unfähigkeit bleibt nach § 21 des Versicherungs­vertrags­gesetzes (VVG) die Leistungs­pflicht des Versicherers nur bestehen, wenn kein unmittel­barer Zusammen­hang zwischen den verschwiegenen gesundheitlichen Umständen und der Ursache für den Eintritt des Versicherungs­falls besteht. Das Rück­tritts­recht beträgt nach § 21,3 VVG fünf Jahre.

Doch Achtung: Ein solcher Verzicht bezieht sich nur auf versehentliche Falsch­angaben im Antrag. Der Kunde ist verpflichtet, seinem Versicherer alle Fragen zu seinem Gesund­heits­zustand wahr­heits­gemäß und voll­ständig zu beant­worten. Wer aber nur aus Unwissenheit oder fahr­lässig falsche Angaben gemacht hat, behält nach Ablauf der Rück­tritts­frist den Versicherungs­schutz.

Unterließ jemand eine Information vorsätzlich oder macht gar falsche Angaben, werten Gerichte das in der Regel als arglistige Täuschung. Hier ist noch bis zu zehn Jahre nach Vertrags­schluss ein Rück­tritt möglich. Dann kann der Versicherer den Vertrag anfechten und sich so trotz einer Klausel mit Verzicht auf das Rück­tritts­recht vom Vertrag lösen und die Leistung ablehnen. Es kommt dann auch nicht mehr darauf an, ob ein Zusammen­hang zwischen der verschwiegenen Vorerkrankung und der Ursache für den Eintritt der Berufs­unfähigkeit besteht.

Weist der Versicherer eine arglistige Täuschung nach, bekommt der Kunde keine Berufs­unfähigkeits­rente. Dabei muss der Versicherte aber zumindest nach Auffassung des Versicherungs­ombuds­manns bei Antrag­stellung mit der Möglich­keit gerechnet haben, dass der Versicherer ihm bei Kennt­nis des wahren Sach­verhalts nicht oder nur zu erschwerten Bedingungen Versicherungs­schutz gewährt hätte.

Mehrere Anträge stellen – mit Strategie

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Im Antrags­formular steht die Frage „Besteht eine Beein­trächtigung der Arbeits-, Erwerbs- oder Berufs­fähig­keit“? Wie soll ich die verstehen?

Der Begriff „Beein­trächtigung“ ist schwammig. Finanztest bewertet die Verwendung dieses Begriffs aber nicht negativ, wenn sich die Frage auf den aktuellen Gesund­heits­zustand bezieht. Ob aktuell eine Beein­trächtigung besteht, können die meisten Verbraucher klar beant­worten. Schwieriger ist eine solche Aussage für die letzten fünf Jahre. Gibt es eine solche Frage in einem Antrag für eine Berufs­unfähigkeits­versicherung, bewertet Finanztest das negativ. Wer nicht weiß, was sein Versicherer mit der Frage nach einer Beein­trächtigung meint, sollte bei ihm nach­fragen. Fragen sollte er, ob der Versicherer wissen möchte, ob er zurzeit krank­geschrieben sei und ob eine Erwerbs- und Berufs­unfähigkeit ärzt­lich fest­gestellt worden sei. Auch wer unsicher ist, welche Unter­suchungen, Behand­lungen und Beratungen angegeben werden sollen, sollte sich eine schriftliche Erläuterung geben lassen.

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Soll ich noch weitere Anträge abschi­cken, obwohl bereits ein Anbieter den Schutz verweigert hat, Risiko­aufschläge verlangt oder Leistungs­ausschlüsse vornehmen will?

Sehr viele Versicherer betreiben gemein­sam eine Wagnisdatei, in der auch Daten dazu erfasst werden, ob ein Versicherer einem Kunden den Abschluss des Vertrages verweigert oder ihn nur mit Leistungs­ausschlüssen oder Risiko­zuschlägen akzeptiert hätte. Die Versicherer gehen mit den Informationen aus der Datei wohl unterschiedlich um. Das zeigten zumindest die Erfahrungen einiger Finanztest-Leser. Verbraucher müssen zwar damit rechnen, dass Versicherer ihre Daten weitergeben. Das heißt aber nicht, dass alle anderen Versicherer vor einer Prüfung der Antrags­unterlagen auf die Daten zugreifen. Auch wenn ein anderer Versicherer die Daten abruft, folgt daraus nicht zwingend, dass er keine (erneute) individuelle Prüfung der Anträge mehr vornimmt und mit der Vorerkrankung genauso umgeht wie die Konkurrenz. Es gibt sogar Versicherer, die die Daten aus den Anträgen nicht an die Wagnisdatei weitergeben. Finanztest empfiehlt, sich auch dann weiter um Berufs­unfähigkeits­schutz zu bemühen, wenn er nicht auf Anhieb zu bekommen war.

Der Finanztest-Tipp, so viele Anträge gleich­zeitig zu stellen wie möglich, soll zwar vermeiden, dass ein anderer Versicherer aufgrund der Daten in der Wagnisdatei seine Prüfung einschränkt. Er soll jedoch niemanden entmutigen, weitere Anträge zu stellen, wenn nach ihrem ersten Versuch, eine Ablehnung auf dem Tisch liegt. Spätestens nach ersten Ablehnungen sollten Sie so viele Anträge wie möglich für von Finanztest mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertete Tarife gleich­zeitig abschi­cken.

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Die Stiftung Warentest hat früher empfohlen, Probeanträge zu stellen. Gilt das heute noch?

Ob Sie mit Probeanträgen der Speicherung von Kunden­daten entgehen, bezweifelt Finanztest inzwischen. Sicherer ist es, parallel mehrere Anträge zu stellen. So ist das Risiko am geringsten, dass die Ablehnung eines Antrags bei einem Versicherer zu Nach­teilen bei der Prüfung des Antrags bei einem anderen Versicherer führt. Dabei müssen Sie allerdings darauf achten, etwaigen Verträgen, die Sie letzt­lich nicht haben möchten, inner­halb von 30 Tagen zu wider­sprechen. Nur wenn ein Angebot erst mit erneuter Unter­schrift gilt, ist das nicht nötig. Eine zusätzliche Möglich­keit ist eine kostenlose Risiko­voran­frage. Diese lassen sehr viele Versicherungs­makler und Versicherungs­berater machen. Ein solches Angebot befindet sich zum Beispiel unter www.buforum24.de.

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Ich habe bisher nur Ablehnungen bekommen. Gibt es noch andere Absicherungs­möglich­keiten?

Wenn Sie partout keinen oder nur sehr schlechten Berufs­unfähigkeits­schutz bekommen oder Sie ihn sich wegen hoher Risiko­zuschläge nicht leisten können, gibt es Alternativ­produkte, die eventuell infrage kommen. Das können zum Beispiel eine Funk­tions­invaliditäts- oder eine Grund­unfähigkeits­versicherung sein oder eine Schwere-Krankheiten-Versicherung, eng­lisch „Dread Disease“ genannt. Berufs­unfähigkeits­schutz bleibt aber die beste Lösung. Unter www.test.de/alternativen-bu finden Sie einen Über­blick über die anderen Angebote.

Lösungen bei Zahlungs­schwierig­keiten

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Was ist, wenn ich die Beiträge für die Berufs­unfähigkeits­versicherung nicht mehr zahlen kann?

Wenn irgend möglich, sollten Sie Ihren Vertrag dann nicht kündigen. Bei vorüber­gehenden Zahlungs­schwierig­keiten bieten die meisten Versicherer dem Versicherungs­nehmer die Möglich­keit, die Zahlung der Beiträge vorüber­gehend zu unter­brechen. Dafür gibt es verschiedene Möglich­keiten:

Stundung. Dadurch wird die Zahlung quasi aufgeschoben, der Versicherungs­schutz bleibt aber voll­ständig erhalten. Manche Versicherer verlangen für diesen Zeitraum keine Zinsen. Sie müssen aber in der Lage sein, den aufgestauten Beitrag nach Ablauf der vereinbarten Frist zurück­zuzahlen.

Beitrags­frei­stellung. Bei dieser Variante müssen die nicht gezahlten Beiträge nicht nachgezahlt werden. Der Versicherer lässt eine Beitrags­frei­stellung allerdings meist nur zu, wenn bereits eine fest­gelegte Mindest­summe durch die bereits erfolgten Beitrags­zahlungen erreicht wurde. Durch die Nicht­zahlung verringert sich der Versicherungs­schutz außerdem zum Teil extrem. Die ursprüng­lich vereinbarte Rente kann anschließend nur durch Nach­zahlung der Beiträge oder durch Erhöhung der zukünftigen Beiträge erreicht werden. Die genauen Voraus­setzungen kann man in der Regel den Versicherungs­bedingungen entnehmen. Wichtig ist der Zeitraum, bis zu dem eine Wieder­inkraft­setzung der Beitrags­zahlung ohne erneute Gesund­heits­prüfung erfolgen kann. In manchen Bedingungen ist dies nur gegen eine erneute Gesund­heits­prüfung möglich.

Beitrags­pause, Beitrags­aussetzung. Auch unter diesen oder ähnlichen Bezeichnungen bieten manche Versicherer ihren Kunden die Möglich­keit, vorüber­gehende finanzielle Engpässe zu über­brücken. Achten Sie unbe­dingt darauf, dass Sie durch Inan­spruch­nahme solcher Möglich­keiten Ihren Versicherungs­schutz nicht bzw. auch nicht zeit­weise verlieren. Lesen Sie die Bedingungen genau durch, bevor Sie sich für eine dieser Optionen entscheiden.

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Kann ich den Beitrag auch aussetzen, wenn ich arbeitslos werde?

Recht viele Versicherer gestatten mitt­lerweile, dass ein Kunde bei Arbeits­losig­keit seinen Beitrag vorüber­gehend nicht zahlen muss. Versicherte können zum Beispiel im Falle von Arbeits­losig­keit ihren Versicherer fragen, ob die Beitrags­zahlung vorüber­gehend ausgesetzt werden kann. Auch dieses Ruhen des Vertrags führt normaler­weise aber zum (vorüber­gehenden) Aussetzen des Versicherungs­schutzes.

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Kann ich meine Berufs­unfähigkeits­versicherung kündigen?

Eine Kündigung ist möglich, sollte aber nur ausgesprochen werden, wenn Ihnen ein besserer Neuvertrag schriftlich vorliegt oder Sie den Schutz nicht mehr benötigen. Eine ordentliche Kündigung ist in der Regel zum Ende der Vertrags­lauf­zeit zulässig, danach jähr­lich mit einer Frist von drei Monaten. Beachten Sie bitte, dass der Abschluss des Neuvertrags nicht zur außer­ordentlichen Kündigung berechtigt. Beachten Sie auch, dass beim Wechsel des Versicherers eine erneute Gesund­heits­prüfung anfällt. Der neue Versicherer prüft, ob Vorerkrankungen vorliegen und ob er diese Risiken gegen Aufschlag oder gar nicht versichert. Wer völlig gesund ist, kann versuchen, bei der Konkurrenz einen Vertrag mit besseren Bedingungen zu ergattern. Vorrangiges Kriterium beim Wechsel des Anbieters sollten bessere Vertrags­bedingungen sein.

Wenn die Berufs­unfähigkeit eintritt

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Was passiert, wenn ich berufs­unfähig werde, während ich arbeitslos oder in Eltern­zeit bin?

In der Regel spielt der Grund für eine Auszeit (Eltern­zeit, Arbeits­losig­keit, Sabbat­jahr) keine besondere Rolle. Einige Versicherer schränken den Verzicht auf die sogenannte „abstrakte Verweisung“ nach einer längeren Berufs­pause ein. Abstrakte Verweisung bedeutet: Bei Berufs­unfähigkeit kann die Leistung mit der Begründung verweigert werden, dass der Betroffene theoretisch noch eine andere, gleich­wertige Arbeit gesundheitlich bewältigen könnte. Oft stellen die Versicherer aber darauf ab, ob der Versicherte trotz einer längeren zeitlichen Unter­brechung noch am Arbeits­markt vermittel­bar wäre. Dann wird aufgrund des konkreten Berufs­bildes geprüft, welchen Einfluss die Unter­brechung auf die Arbeits­markt­chancen des Versicherten hätte. Bei Berufs­bildern, bei denen das gelernte Wissen schnell veraltet ist, wie zum Beispiel in der Computerbranche, senken Unter­brechungen die Arbeits­markt­chancen erheblich und können dazu führen, dass die Möglich­keit der Verweisung auf einen anderen Vorberuf besteht. Kunden sollten die Rege­lungen in den Bedingungen genau lesen. In der Regel werden Versicherte, die ihre Berufs­tätig­keit bis drei oder fünf Jahre, manchmal sogar ohne Frist, genauso behandelt als wären sie bei Eintritt der Berufs­unfähigkeit berufs­tätig gewesen.

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Fallen auf die Berufs­unfähigkeits­rente Beiträge für die Kranken- und Pflegekasse an?

Das hängt davon ab, ob der Berufs­unfähige freiwil­liges Mitglied der gesetzlichen Kranken­versicherung ist oder Pflicht­mitglied. Weiterhin kommt es darauf an, ob es sich um die Auszahlung aus einer privaten Berufs­unfähigkeits­versicherung, einer betrieblichen Vorsorge oder eine Erwerbs­minderungs­rente der gesetzlichen Renten­versicherung handelt. Auf eine private Berufs- oder Erwerbs­unfähigkeits­rente fallen bei pflicht­versicherten Kassen­mitgliedern keine Beiträge an. Nur bei den wenigen freiwil­lig gesetzlich versicherten Rentnern wird die gesamte wirt­schaftliche Leistungs­fähig­keit berück­sichtigt. Dazu gehören auch die Rentenzah­lungen im Rahmen einer privaten Berufs­unfähigkeits­rente. Ist die Beitrags­bemessungs­grenze nicht erreicht, zählen auch „sons­tige Einnahmen, die die wirt­schaftliche Leistungs­fähig­keit des freiwil­ligen Mitglieds bestimmen“. Dazu können dann auch Auszahlungen aus der privaten oder betrieblichen Berufs­unfähigkeits­rente gehören, wenn die Satzung der Kasse dies so vorsieht. Gesetzliche und betriebliche Versorgungs­leistungen unterliegen bei allen Mitgliedern der Beitrags­pflicht der Krankenkassen. Auch auf gemischte betriebliche Renten (Beginn im Betrieb, Fortsetzung privat) fallen Beiträge an, je nach Vertrags­konstruktion bleiben ausnahms­weise Teile der Rente beitrags­frei.

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Wie wird die Berufs­unfähigkeits­rente besteuert?

Meist zählt die Berufs­unfähigkeits­rente zu den steuer­pflichtigen Einnahmen. Wie hoch die Besteuerung ausfällt, hängt nicht nur vom persönlichen Steu­ersatz ab, sondern auch aus welcher Quelle die Rente fließt. Zahlungen aus privaten Berufs­unfähigkeits- und Erwerbs­unfähigkeits­versicherungen sind sogenannte abge­kürzte Leib­renten. Sie werden mit einem Ertrags­anteil versteuert. Die Höhe des Prozent­satzes hängt von der Rentendauer ab. Je kürzer die Rentendauer ist, desto geringer ist der Anteil der Rente, der zu den steuer­pflichtigen Einkünften hinzuzuzählen ist (Lauf­zeit 5/10/15/20 Jahre: steuer­pflichtige Ertrags­anteile 5/12/16/21 Prozent). Liegt der Berufs­unfähige mit seinem zu versteuernden (Gesamt-) Einkommen insgesamt unter dem steuerfreien Existenz­minimum (2015: 8 472 Euro), bleiben auch die Zahlungen aus der Berufs­unfähigkeits­rente steuerfrei.

Führen zusätzliche Einnahmen oder geringere Abzüge zu einem höheren zu versteuernden Einkommen, wird der Ertrags­anteil der Rente mit dem gleichen Steu­ersatz versteuert, der für den Rest des Einkommens gilt. Betriebliche Berufs­unfähigkeits­renten aus nicht steuerlich begüns­tigten Beiträgen wie etwa für Direkt­versicherungen mit pauschal oder normal besteuerten Beiträgen sind wie private Berufs­unfähigkeits­renten zu besteuern. Leistungen aus der gesetzlichen Renten­versicherung sind seit 2005 steuer­pflichtig. Für jeden neuen Renten­jahr­gang seit 2005 steigt der zu versteuernde Anteil um 2 Prozent im Jahr. Wer 2015 erwerbs­gemindert wird, muss 70 Prozent seiner Erwerbs­minderungs­rente versteuern, 2016 sind es für Neurentner 72 Prozent, 2017 werden es 74 Prozent sein. Berufs­unfähigkeits­renten aus Rürup-Versicherungen unterliegen der gleichen Besteuerungs­regel. Berufs­unfähigkeits­renten aus der betrieblichen Alters­vorsorge, deren Beiträge steuerfrei sind, sind voll zu versteuern. Erhalten Beamte aufgrund einer Dienst­unfähigkeit eine Pension, wird diese bis zum 63. Geburts­tag wie Arbeits­lohn versteuert.

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Bekomme ich noch Arbeits­losengeld II oder Sozial­hilfe, wenn ich eine Berufs­unfähigkeits­rente erhalte? Lohnt sich denn der Abschluss eines Vertrags, wenn ich dann keine Sozial­leistungen bekomme?

Sowohl bei den Hartz-IV-Leistungen als auch bei der ergänzenden Sozial­hilfe handelt es sich um Sozial­leistungen, für die eine Bedürftig­keits­prüfung vorgenommen wird. Die Behörde prüft also, ob der Antrag­steller seinen Lebens­unterhalt ohne Unterstüt­zung bestreiten kann. Dabei bezieht sie Leistungen aus privaten Versicherungen in ihre Prüfung mit ein. Kann jemand mithilfe der privaten Berufs­unfähigkeits­rente seinen Lebens­unterhalt ganz oder teil­weise selbst bestreiten, führt das zur Kürzung oder zum Ausschluss der Ansprüche auf Arbeits­losengeld II oder ergänzende Sozial­hilfe.

Der Abschluss einer Berufs­unfähigkeits­rente in Höhe von 500 Euro macht nur Sinn, wenn der Versicherte einen Vertrag mit guten Nach­versicherungs­bedingungen abge­schlossen hat und sich damit die Möglich­keit der Aufstockung der Berufs­unfähigkeits­rente später sichert, wenn er einmal mehr Geld verdient. Zur lang­fristigen Absicherung ist eine sehr nied­rige Berufs­unfähigkeits­rente unsinnig, weil die staatlichen Leistungen zur Existenz­sicherung darüber liegen.

Fragen zu besonderen Vertrags­klauseln

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SolIte ich als Beamter einen Vertrag mit einer Dienst­unfähigkeits­klausel wählen – oder besser einen Vertrag ohne?

Eine Dienst­unfähigkeits­klausel bestimmt in der Regel, dass Sie als Beamter die Berufs­unfähigkeits­rente erhalten, wenn Ihr Dienst­herr eine Dienst­unfähigkeit aus Gesund­heits­gründen ausgesprochen hat und Sie deswegen in den vorzeitigen Ruhe­stand geschickt werden. Die Dienst­unfähigkeits­klausel kann im Berufs­unfähigkeits­fall Ärger ersparen. Denn mit der Bescheinigung der dauer­haften Dienst­unfähigkeit folgt auto­matisch die Zahlung der Berufs­unfähigkeits­rente. Ob ein Vertrag mit Klausel aber wirk­lich besser ist, hängt von der Formulierung der Klausel ab. So wird sie mitunter einge­schränkt durch Formulierungen wie „Der Versicherer behält sich ein gesondertes Recht zur Nach­prüfung vor, auch wenn der Versicherte das Ruhe­gehalt weiter bekommt, also vom Dienst­herrn noch als dienst­unfähig betrachtet wird“. Oder „Keine Leistung bei begrenzter Dienst­unfähigkeit/Versetzung“ und „Die Klausel gilt nur bis zu einem bestimmten Alter.“ Manchmal wird die Leistungs­dauer aufgrund der Dienst­unfähigkeit auf eine bestimmte Anzahl von Jahren beschränkt. Anschließend zahlt die Versicherung nur, wenn eine Berufs­unfähigkeit tatsäch­lich nachgewiesen wird. Und es kann Leistungs­beschränkungen geben für Angehörige bestimmter Dienst­stellen wie Feuerwehr, Polizei und Bundes­grenz­schutz.

Für Beamte sind außerdem zuweilen Rege­lungen zu finden, nach denen sich der Versicherer die Prüfung vorbehält, ob der Beamte theoretisch noch anderweitig beschäftigt werden könnte – ein Streifen­polizist also vielleicht im Innen­dienst unterge­bracht wird. Stellt der Versicherer solche Möglich­keiten fest, zahlt er keine Rente mehr. Selbst dann nicht, wenn dem Frühpensionierten keine solche Stelle angeboten wird.

Die Dienst­unfähigkeits­klausel ist längst nicht die wichtigste Klausel bei einer Berufs­unfähigkeits­versicherung. Achten Sie ebenso auf die anderen Bestimmungen des Vertrages. Wichtig: Auch Beamte sollten sich bei der Suche nach einer Berufs­unfähigkeits­versicherung nicht auf einen Anbieter konzentrieren, sondern gleich­zeitig mehrere Anträge stellen. Besonders wichtig ist das, wenn Vorerkrankungen vorliegen oder ein Risiko­beruf ausgeübt wird. Sie erhöhen so die Wahr­scheinlich­keit, dass Sie wenigs­tens ein geeignetes Angebot bekommen.

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Was ist eine Arzt­anordnungs­klausel?

Die Arzt­anordnungs­klausel konkretisiert die Pflicht des Versicherten zur Schadens­minderung. Wie weit Verpflichtungen gehen dürfen, ist Auslegungs­sache und wird im Streitfall vom Gericht bestimmt. Als zumut­bare Verpflichtung ist zum Beispiel das Tragen von Stütz­strümpfen auf Arzt­anordnung zu betrachten. Bei der letzten Prüfung der Versicherungs­bedingungen der Berufs­unfähigkeits­versicherungs­angebote gab es keinen Vertrag, in dem vom Versicherten verlangt wurde, den Weisungen des Arztes umfassend zu folgen. Es fanden sich auch keine Klauseln, die den Ausfall der Leistungen für den Fall vorsehen, dass der Berufs­unfähige Therapie­vorschläge des Arztes nicht annimmt. Eine Klausel, die den Versicherten zu einer riskanten Operation verpflichtet, ist ebenfalls nicht dabei gewesen.

Fragen zum Test­verfahren der Stiftung Warentest

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Warum haben Sie nicht getestet, ob Versicherte am Ende auch wirk­lich ihre Rente bekommen oder ob sie dafür erst lange vor Gericht kämpfen müssen? Welche Anbieter gehen mit Anträgen auf die Rente kulant um?

Hierzu gibt es keine verläss­lichen Aussagen. Auch Veröffent­lichungen sogenannter Prozess­quoten sagen nichts, denn daraus geht nicht hervor, worum es in dem Prozess ging oder ob ein Versicherer systematisch berechtigte Kunden­ansprüche verweigert. Kunden verbessern ihre Position auch für den Schadens­fall, wenn sie sich beim Antrag auf die Versicherung um komplett korrekte Angaben bemühen, gegebenenfalls auch bei ihren Ärzten noch einmal nach­fragen und sie sich einen Vertrag mit sehr guten Bedingungen aussuchen.

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Beziehen Sie den Preis in Ihre Bewertung ein?

Nein, der Preis spielt für die Bewertung keine Rolle. Wir stellen nur anhand von drei verschiedenen Musterberufen (Diplom­kaufleute, Industrie­mechaniker/-innen, Arzt­helfer/-innen) dar, was der Versicherungs­schutz für wen etwa kosten kann. Angesichts von tausenden Berufen ist das natürlich keine sichere Aussage über das generelle Preis­niveau eines Anbieters, aber es ist ein erster Hinweis.

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Sie zeigen für die Prämienbei­spiele Netto- und Bruttobeiträge. Die weichen zum Teil stark voneinander ab. Welcher Preis zählt?

Diesen Unterschied gibt es beim über­wiegend angebotenen Verfahren der Beitrags­verrechnung, auch Sofortbonus genannt. Das Verfahren gilt für alle Preisbeispiele in der Unter­suchung. Mögliche Über­schüsse werden hier direkt mit dem Beitrag verrechnet. Der Zahlbeitrag verringert sich dadurch auf den Nettobeitrag. Der Nettobeitrag ist also der derzeit fällige Jahres­beitrag. Der Bruttobeitrag gibt dagegen an, bis zu welchem Betrag der Preis steigen kann, wenn der Versicherer keine Über­schüsse für seine Kunden erwirt­schaftet. Über­schüsse entstehen, wenn der Versicherer weniger Kosten hat als erwartet und wenn er weniger Renten auszahlen muss als ursprüng­lich kalkuliert. Auch die Zinsen am Kapitalmarkt spielen eine Rolle, sie spiegeln sich im Rechnungs­zins der Versicherer wider. Sinkt dieser Zins um 0,5 Prozent­punkte – wie im Januar 2015 geschehen – verteuert sich der Beitrag für eine Berufs­unfähigkeits­versicherung mit einer Lauf­zeit von 45 Jahren um 6,6 Prozent. Bei einer Lauf­zeit von 15 Jahren steigt der Beitrag um 1,5 Prozent, hat die Deutsche Aktuar­ver­einigung (DAV) berechnet. Sie ist ein Zusammen­schluss von Versicherungs­mathe­­matikern.

Wir haben die DAV auch gefragt, wonach sich der Kunde beim Preis­vergleich richten soll – nach dem Netto- oder dem Bruttobeitrag. Eine eindeutige Empfehlung haben wir nicht erhalten. Eine Rolle spiele beispiels­weise die „Neigung des Kunden, gewisse Ungewiss­heiten bei dem zukünftig zu entrichtenden Beitrag in Kauf zu nehmen“, so die vage Einschät­zung (Interview DAV). Wir empfehlen, den Nettobeitrag zu vergleichen. Allerdings gibt es bei Verträgen mit längerer Lauf­zeit durch­aus das Risiko, dass der Preis steigt. Einige Versicherer lassen sich dafür erheblichen Spielraum. So ist der Bruttobeitrag zum Teil mehr als doppelt so hoch wie der Nettobeitrag. Wenn es schlecht läuft mit den Überschüssen, kann sich der zu zahlende Beitrag also mehr als verdoppeln. Von dramatischen Preis­sprüngen ist uns in den vergangenen Jahren jedoch nichts bekannt geworden. Auch unsere Leser haben uns nicht von drastischen Erhöhungen berichtet.

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Beim letzten Test von Berufs­unfähigkeits­versicherungen habe ich meinen Versicherer vermisst. Warum fehlen manche Unternehmen?

Zu Beginn eines Tests schreiben wir alle Unternehmen an, die von der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht in dieser Sparte zugelassen sind, und fordern sie auf, uns detaillierte Produkt­informationen zu schi­cken. Nicht immer erhalten wir eine Rück­meldung. Das hat verschiedene Gründe: Ein Versicherer über­arbeitet zum Beispiel gerade sein Angebot, so dass es zum Veröffent­lichungs­zeit­punkt nicht mehr erhältlich, das neue zu unserem Stichtag aber noch nicht fertig ist. Andere Anbieter scheuen den Vergleich.

In jedem Fall über­prüfen wir die Angaben der Versicherer und versuchen, uns fehlende Unterlagen anders zu beschaffen. Das gelingt nicht immer.

Möglich ist auch, dass ein Anbieter fehlt, weil er ein Auswahl­kriterium nicht erfüllt, etwa keinen Tarif in einer Produktkategorie anbietet oder nicht für das dem Test zugrunde liegende Modell.

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