Im Grunde sind sich alle einig: Die Deutschen sollen ihr ganzes Leben lang mehr lernen - für die eigene Zufriedenheit, aber insbesondere für bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Unbestritten ist auch, dass sich einiges ändern muss, bis wirklich jeder die Möglichkeit dazu hat. Doch wie wird das finanziert? Wie lassen sich die Betroffenen motivieren? Und wie schafft man mehr Lerngelegenheiten? Mit Spannung wird der Abschlussbericht einer Expertenkommission erwartet, der im Mai vorliegen und all diese Fragen beantworten soll. Derweil hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) gerade neue Zahlen veröffentlicht. Ergebnis: Schon jetzt investieren Privatpersonen stark selbst in ihre eigene berufliche Weiterbildung.

502 Euro für die Weiterbildung

Dem BIBB zufolge zahlt jeder Teilnehmer im Durchschnitt 502 Euro pro Jahr und investiert zudem „in beträchtlichem Umfang“ Freizeit. Damit könnte sich die derzeit in so vielen Lebensbereichen geforderte Eigenverantwortung bei der beruflichen Qualifikation bereits sehen lassen. Allerdings ist es bei den 502 Euro wie so oft bei Durchschnittswerten: Die individuellen Weiterbildungskosten weichen sehr stark voneinander ab. Während 45 Prozent der befragten Teilnehmer keinerlei Kosten selbst tragen mussten und 14 Prozent mit bis zu 99 Euro relativ wenig zahlten, investierten 28 Prozent bis zu 999 Euro. 13 Prozent waren sogar bereit, mehr als 1000 Euro selbst zu finanzieren, und zwei Prozent schreckten selbst vor 5000 Euro und mehr nicht zurück. Vergleichsweise hohe Eigenkosten ermittelten die BIBB-Experten für Männer, Personen zwischen 25 und 35 Jahren sowie ab 55 Jahren, für Abiturienten, Hochschulabsolventen und Selbstständige.

Mit der Qualifikation steigt die Motivation

Gleichzeitig haben die Bildungforscher untersucht, wer sich überhaupt fortbildet. „Deutlich zeigt sich, dass die Bereitschaft in die eigene Weiterbildung zu investieren, mit der Qualifikation zunimmt“, schreiben die BIBB-Experten. Auch das Geschlecht, die berufliche Stellung und die Tatsache, ob jemand arbeitslos oder in absehbarer Zeit erwerbstätig wird, sind demnach entscheidend für die Lernmotivation. So nehmen Männer grundsätzlich häufiger an Weiterbildungen teil als Frauen, Abiturienten öfter als Hauptschulabsolventen und Selbstständige öfter als Arbeiter. Daher fordern die BIBB-Autoren auch: „Wenn die Teilhabe an beruflicher Weiterbildung für alle Gruppen gewährleistet und Ausgrenzungen vermieden werden sollen, sind künftig gezielte, wirkungsvolle unterstützende Maßnahmen unumgänglich.“

Abschlussbericht in Kürze

Wie die aussehen könnten, beschäftigt ein Professoren-Quartett um Dieter Timmermann seit Oktober 2001. Seitdem sind der Bielefelder Professor für Bildungsökonomie und Bildungsplanung und seine Mitstreiter als unabhängige Expertenkommission „Finanzierung Lebenslangen Lernens“ auf der Suche nach zukunftsfähigen Finanzierungsstrategien. Und in Kürze, so heißt es im Ministerium für Bildung und Forschung, das die Kommission auf Beschluss des Bundestages eingesetzt hat, sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden. Ganz im Sinne der BIBB-Forderung hat das Gremium nach eigenen Angaben verschiedene Finanzierungsinstrumente durchgespielt - von Bildungskonten und -fonds über Gutscheine und staatliche Förderung bis hin zur größeren Eigenverantwortung der Lernenden. Zudem wurde bei den europäischen Nachbarn nach Beispielen zum Nachahmen gesucht.

Übrigens haben die 27,78 Millionen Teilnehmer an beruflicher Weiterbildung der BIBB-Untersuchung zufolge im Jahr 2002 schätzungsweise 13,9 Milliarden Euro für ihre eigene Qualifikation ausgegeben. Jeder einzelne „opferte“ dabei im Durchschnitt 133 Stunden pro Jahr.

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