Expertenchat Digitalkameras: Teil 2

Problem Memory-Effekt

Georg: Guten Tag, mich interessiert der praktische/technische Unterschied zwischen NiCd- und Lithiumakkus, insbesondere Belastung und Laufzeit.

Peter Knaak: Lithium-Ionen-Akkus speichern mehr Energie pro Volumen und Gewicht, sie stecken deshalb in fast allen aktuellen Kameras. Nickel-Cadmium haben das Problem des Memory-Effektes, sie müssen also sehr sorgfältig behandelt werden.

Moderator: Und wie behandelt man einen Akku sorgfältig?

Peter Knaak: Sorgfältig behandeln heißt: Keine Tiefentladung, aber nie halb voll laden.

Optimale Auflösung für den Chip

cortomaltese: Wie kriege ich denn die theoretische optimale Auflösung für meinen Chip heraus?

Peter Knaak: Was ist eine theoretische optimale Auflösung?

Moderator: Vielleicht können wir die konkretisierte Frage gleich im Chat beantworten.

Peter Knaak: Die tatsächliche Auflösung hängt von der Güte des Objektivs und dem Bildsensor ab. Zumindest sind das die wesentlichen Einflussgrößen.

Moderator: Die konkretisierte Frage ist da:

cortomaltese: Ergänzung: Wenn die 12 MP für meinen Chip zu viel sind und deshalb das Rauschen zu stark wird, was wäre die maximale Auflösung für die Chipgröße?

Peter Knaak: Eher die Hälfte. Also 6 Megapixel.

Zusammenspiel Brennweite und Sensorgröße

joxy: Sind 20mm beim Objektiv einer Digi-Cam gleichbedeutend mit 20mm bei einer Spiegelreflex?

Peter Knaak: Keinesfalls. Der Blickwinkel hängt vom Zusammenspiel zwischen Brennweite und Sensorgröße ab.

joxy: Als Ergänzung zur 20mm Objektiv-Frage: Kann man die Angaben des Brennweitenbereichs der Objektive von Digi-Cams und SLR vergleichen? Das heißt, wurde die Sensorgröße usw. berücksichtigt oder sind das verschiedene Werte?

Peter Knaak: Das macht jeder Hersteller unterschiedlich. Hilfsmittel: Manchmal wird „verglichen mit Kleinbild“ geschrieben, das wäre vergleichbar mit alten „Filmkameras“.

Optischer und digitaler Zoom

Knipser: Optischer Zoom ist ja schlechter als digitaler Zoom. Welche digitale Vergrößerung ist noch vertretbar?

Peter Knaak: Vorzuziehen ist der optische Zoom, der Digitalzoom „bläst“ ja nur die Pixel auf. Das ist bei einem 12MP-Modell vielleicht noch mit dem Faktor 2 oder 3 akzeptabel, wenn man hinterher nicht Ausschnitte vergrößern will.

fred: Was halten Sie von Kameras mit hohem optischem Zoom, z.B. den Panasonic Lumix-Geräten mit 10-fach Zoom Eignen sie sich für Gelegenheitsfotografierer?

Peter Knaak: Durchaus.

oldie: Welcher Zoom-Bereich (also mit einem Objektiv) liefert noch sehr gute Bildqualität?

Peter Knaak: Im Profibereich wird ein Zoomfaktor von 3 bis höchstens 5 nicht überschritten. Das kann als Faustregel gelten. Allerdings rechnen viele Kompaktkameras Objektivfehler ganz gut aus dem Bild heraus, so dass der Amateur auch mit größeren Zoombereichen gute Bilder machen kann.

Knipser: Was für eine digitale Kamera benutzen Sie selbst ;-) ?

Peter Knaak: Immer dabei habe ich entweder meine kompakte Fuji Finepix F10 oder meine Spiegelreflex Canon 40D.

oldie: Wann sind Sie selbst auf digital umgestiegen?

Peter Knaak: Mit der Fuji F10 vor 4 oder 5 Jahren: Sie war die erste digitale mit befriedigendem Rauschverhalten.

Charles_l: Warum brüsten sich die Hersteller mit digital-Zoom-Faktoren wenn man dies nur sehr, sehr begrenzt verwenden kann? Die Bildqualität leidet enorm darunter. Warum optimiert man nicht den optischen Zoom?

Peter Knaak: Sicher spekulieren sie auf die Dummheit der Leute: „Mehr ist besser“. Aber dem muss man ja nicht folgen.

„Sportmotiv“ für Fotos aus fahrendem Auto

H. Becker: Wie kann ich das Problem bei einer Digi-Kamera lösen, dass ich zum Zeitpunkt des Fotos noch nicht weiß, ob ich von dem Bild z.B. ein Poster machen lassen möchte und mich von daher noch nicht entscheiden kann, in welcher Auflösung ich fotografieren möchte?

Peter Knaak: Nun da hilft ja wohl allein das Fotografieren mit höchster Auflösung, oder?

Theograph: Hallo Herr Knaak, bitte um Ihre fachliche Einschätzung: Wie gut gelingen Digitalisierungen von Dias (und Negativen) mittels „abfotografieren“ mit einer Digital-Kamera (z.B. mit Diakopiervorsatz und Balgengerät)?

Peter Knaak: Das kann nur der zweitbeste Weg sein. Insbesondere bei wichtigen Archivbildern empfehle ich einen Diascanner wie ihn auch Dienstleister benutzen. Man muss ja nicht alles selber machen.

cortomaltese: Die Bildstabilisierung verkommt immer mehr zum Verkaufsargument. Gibt es überhaupt Kompakte, bei denen der effektiv ist?

Peter Knaak: Leider ist die Bildstabilisierung selten wirklich effektiv. Das zeigen unsere Testberichte ganz deutlich. Aktuell hatten wir z.B. keine mit einem guten Verwackelungsschutz.

Grauer Jens: Welcher Hersteller hat den besten Verwackelungsschutz?

Peter Knaak: Eine Zeit lang trug Panasonic diese Krone, aber auch darauf ist kein Verlass mehr. Das ist von Kamera zu Kamera unterschiedlich.

hlenz: Welche Tricks gibt es, um aus einem fahrenden Auto heraus mit einer günstigen Kamera (z.B. die erwähnte Powershot A470) schnell Fotos zu schießen? Unsere ältere Kompakte ist in dieser Situation oft überfordert und löst sehr spät oder gar nicht aus, vermutlich weil das AF-System überfordert ist. Wäre die 470 da brauchbar?

Peter Knaak: Ich würde auf jeden Fall das Sportmotiv empfehlen (kurze Belichtungszeit), und für schnelles Auslösen gibt es den guten Trick mit halb ausgedrücktem Auslöser die Kamera „vorzufokussieren“, dann löst sie schneller aus. Bessere Kameras werden auf manuellen Fokus gestellt und sind dann auch flink.

Helmut Körschgen: Wie gut sind automatische Einstellungen á la Autofocus oder Rauschkorrektur zu bewerten – gibt es diese überhaupt schon für höhere Preisklassen?

Peter Knaak: Der Autofocus ist Standard und nur bei den besseren Kameras auch wirklich gut. Das gleiche gilt für die Rauschreduktion.

helgasee: Meine Bilder werden oft zu dunkel. Reicht es, wenn ich sie später in der Bildbearbeitung aufhelle, oder geht da Qualität verloren?

Peter Knaak: Das hängt von der „Dunkelheit“ ab, immerhin verstärkt man ja auch das Bildrauschen. Und helle Passagen könnten überstrahlen.

Gonzo: Vor 4 Monaten habe ich mir die IXUS 75 gekauft (vorher IXUS 40). Ich habe festgestellt, dass bei einem Großteil meiner Fotos ein kleiner Teil immer etwas unscharf ist. Liegt das an den Einstellungen oder ist das normal bei dieser Art von Digitalkameras?

Peter Knaak: Wenn dieser unscharfe Bereich immer an der gleichen Bildposition, beispielsweise rechter Bildrand, ist, ist die Kamera falsch justiert und muss zum Service.

Wendelin: Ich besitze eine analoge Nikon F80. Macht eine digitale SLR ähnlich gute Bilder, insbesondere was Langzeitbelichtungen angeht?

Peter Knaak: Der Vergleich muss sich ja auf den Film beziehen, unter den meisten Bedingungen wird eine vergleichbare DSLR genauso gut sein.

Katja: Ist es möglich, dass meine Nikon Coolpix 5900 (3 Jahre alt) mit der Zeit an Qualität verliert? Die Fotos sind neuerdings oft leicht verschwommen. Oder muss vielleicht etwas gereinigt werden? Vielen Dank im Voraus.

Peter Knaak: Ich vermute eher, dass die Kamera mal hart abgesetzt wurde und das Objektiv nicht mehr präzise läuft. Aber das ist als Ferndiagnose unsicher, ich würde zum Service gehen.

user: Was passiert bei Mehrfachauslösung mit den Bildern? Wo werden Sie gespeichert?

Peter Knaak: Auf dem Chip.

rost: Ich habe eine Canon Ex-V7. Im Urlaub in Vietnam hatte ich zunehmend Probleme beim Einschalten und Fotografieren mit Verzögerungen bis 20 sec, zu Hause arbeitet die Kamera wieder normal. War das die Luftfeuchtigkeit? Und wie kann ich das innerhalb der Garantiezeit reklamieren?

Peter Knaak: Tatsächlich sind tropische Bedingungen „Gift“ für Kameras und Langzeitschäden nicht ausgeschlossen. Ich würde eine Reklamation versuchen.

Mehr Bearbeitungsmöglichkeiten mit „RAW“

meagan: Ich habe gehört, man sollte bei guten Kameras darauf achten, dass man die Bilder nicht nur im jpg-Format, sondern auch im raw-Format speichern kann. Welche Vorteile bringt mir das?

Peter Knaak: Das Rohdatenformat „RAW“ bietet nicht nur sehr viel mehr Nachbearbeitungsmöglichkeiten, wie z.B. die „erneute Belichtung“ mit anderen Werten, sondern auch eine größere Dynamik. Dynamik meint den Unterschied zwischen hellster und dunkelster Stelle im Bild, der bei JPEG auf acht Blendenstufen = 256 Helligkeitswerte beschränkt ist. Gute Kameras schaffen im RAW-Format bis zu elf Blendenstufen (2048 Helligkeitswerte).

H. Becker: Welche Auflösung brauche ich mindestens für ein gelungenes 13x18 Bild, welche für ein 30x45 Poster ?

Peter Knaak: Für 13x18 reichen 3 MP locker, für das größere Format müssen es nicht wirklich mehr sein, wenn optimal belichtet ist.

alex: DSLRs: Olympus wirbt mit mit telezentrischer Bauweise der Objektive. Spielt das im Vergleich zu bspw. APS Format DSLRs wirklich ein Rolle, oder kriegt man das mit Software in der Nachbearbeitung genauso gut hin?

Peter Knaak: Die theoretischen Vorteile des 4/3-Systems von Olympus nutzt die Firma leider nicht aus: Sie rechnen nicht, wie vorgesehen, Objektivfehler automatisch aus dem Bild heraus und der vergleichsweise kleine Sensor macht Probleme beim Bildrauschen.

obelix-2001: Ich nutze sowohl analoge als auch digitale SLRs von Canon. Bei den digitalen Bildern gibt es auf dem Monitor eine ähnliche Brillanz wie bei guten Papierabzügen. Was muss ich machen, um meine analogen Bilder in einer ähnlichen Qualität digitalisiert zu erhalten?

Peter Knaak: Auf keinen Fall die Bild-CDs der Entwicklungsdienste nutzen, denn diese sind sehr lieblos erstellt. Ich empfehle einen guten Diascanner oder Dienstleister, siehe oben.

lennie: Gibt es einen Unterschied zwischen der Qualität auf dem Bildschirm und bei Ausdrucken? Oder ist letzteres gut, wenn erstes auch gut ist?

Peter Knaak: Bildschirm und Ausdruck sind sehr unterschiedlich. Nur auf kalibrierten Systemen im Profibereich kann vom Monitorbild auf den Ausdruck geschlossen werden.

Knipser: Apropos Papierabzüge: Worauf muss man achten, um einen „guten“ Abzug zu erhalten?

Peter Knaak: Das ist eine schöne Frage, denn immer wieder sind bei uns die besonders preisgünstigen Anbieter auch in der Qualität gut.

Echte Neuerungen im Jahresrhythmus

torgeloW: Wie hoch ist denn die Fluktuation auf dem Kameramarkt? Wann wird die momentane Kamerageneration überholt sein?

Peter Knaak: Zumindest der Modellnummer nach in spätestens 3 Monaten. Echte Neuerungen gibt es aber bestenfalls im Jahresrhythmus.

Knipser: An welchen Bauteilen sparen die Hersteller meistens, um eine Kamera „günstig“ zu machen?

Peter Knaak: An allen: Objektiv, Chip, Kamerasoftware.

DrRainerKlimke: Haben Sie eine Erklärung dafür, dass die Digitalkameras fast ausnahmslos von japanischen und koreanischen Firmen hergestellt werden?

Peter Knaak: Das traf doch auch schon auf die Kameras mit Film zu.

Knipser: Lässt sich für eine Digi-SLR allgemein sagen: Japanische Kamera + deutsches Objektiv = Top Foto? (Vorausgesetzt der Fotograf schielt nicht ;-)

Peter Knaak: Vor solch einer Verallgemeinerung würde ich mich hüten. Es gibt auch sehr gute japanische Objektive. Aber Finger weg von den billigen Standardzooms der SLR-Set-Pakete.

demian: Welche weiterführende Literatur neben der test und den Sonderheften empfehlen Sie?

Peter Knaak: Einfach mal googeln. Die großen Fotozeitschriften haben sehr informative Portale auch mit Tippstrecken, die es sich lohnt anzusehen.

Moderator: So, das waren 60 Minuten Expertenchat der Stiftung Warentest. Vielen Dank an unseren Experten für die Antworten und vielen Dank an die Chatter für die vielen Fragen. Das Chatteam bittet um Entschuldigung bei allen, deren Fragen wir aus Zeitgründen nicht beantworten konnten und wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag. Ein Schlusswort noch, Herr Knaak?

Peter Knaak: Die besten Bilder der Fotogeschichte sind auf technisch ganz schlechten Kameras entstanden. Fotografieren hat immer mit dem Fotografen und nicht sehr viel mit der Kamera zu tun. Also: Frisch auf! :-)

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