Vier Beispiele aus der Praxis: Existenz­gründe­rinnen im Porträt

Freiwil­lig gesetzlich versichert

Existenz­gründer und Kranken­versicherung Special

Helene Wiltschka, 30

Logopädiepraxis. Es war eine große Chance für die Logopädin Helene Wiltschka vor fünf Jahren. An ihrem Wohn­ort Elchingen (Bayern) gab es noch keine Logopädiepraxis. Ihr Plan: „Wenn ich mich in der Region etabliere, kann ich erfolg­reich sein.“

Kranken­versicherung. Schon als Angestellte war sie gesetzlich kranken­versichert und wollte es bleiben. „Die private Kranken­versicherung war für mich keine Option.“ Gleich­zeitig mit dem Praxis­aufbau bekam sie mit ihrem Freund und jetzigen Mann zwei Kinder, die über sie versichert waren. Nach der Hoch­zeit konnte sie sich eine Zeit lang über ihren Mann familien­versichern, weil ihr Einkommen damals geringer war. Inzwischen hat sie sich einen großen Patienten­stamm aufgebaut und verdient mehr. Die gesetzliche Krankenkasse hat ihren Einkommensteuer­bescheid neu geprüft. Nun wird sie wieder freiwil­liges Mitglied und zahlt eigene Beiträge.

Familien­versichert

Existenz­gründer und Kranken­versicherung Special

Ute Detlefsen, 47

Coaching. Ute Detlefsen, verheiratet, zwei Kinder, ist selbst­ständig als Supervisorin und Coach. Vorher war sie in einer Universität angestellt und besuchte etliche Fort­bildungen.

Kranken­versicherung. Im Jahr 2015 verdiente sie weniger als 405 Euro. Daher kann sie sich in der gesetzlichen Krankenkasse über ihren Mann beitrags­frei familien­versichern. Würde sie mehr verdienen, müsste sie sich als freiwil­liges Mitglied selbst versichern und mindestens etwa 377 Euro im Monat zahlen. Deshalb verfolgt sie ihre Selbst­ständig­keit gebremst: „Ich möchte mehr arbeiten, aber das muss sich auch lohnen.“ Die Lösung könnte ein Teil­zeitjob sein. Über diesen wäre sie angestellt, der Beitrag für die Kranken­versicherung bezahlt. Im Neben­job wäre sie als Coach selbst­ständig.

Privat versichert

Existenz­gründer und Kranken­versicherung Special

Claudia Gärtner, 41

Friseursalon. „Mein Wunsch, mit 27 selbst­ständig zu sein, wurde wahr.“ Claudia Gärtners Salon in Dresden läuft von Anfang an gut. Sie arbeitet heute als „Naturfriseurin“ mit Schwer­punkt auf Natur­produkten.

Kranken­versicherung. Ein Versicherungs­berater schlug ihr die private Kranken­versicherung vor. Gärtner: „In jungen Jahren war der güns­tige Preis entscheidend. Kinder waren für mich kein Thema.“ Heute zahlt sie rund 243 Euro monatlich bei einem Selbst­behalt von 1 200 Euro und Kranken­tagegeld ab der siebten Woche. Ihre Wahl bereut sie mitt­lerweile. „Heute würde ich mich gesetzlich versichern. Ich weiß, die Beiträge könnten im Alter enorm steigen, und habe Angst, nicht mehr aus der privaten Versicherung zu kommen.“

Gesetzlich versichert

Existenz­gründer und Kranken­versicherung Special

Friederike Zobel, 33

Mode­atelier. Die Designerin Friederike Zobel träumte davon, „eigen­ver­antwort­lich Kleidung zu designen und beim Entstehungs­prozess dabei zu sein.“ 2010 machte sie sich – wie ihre Mutter schon – in Berlin selbst­ständig: „Ich hatte Glück und konnte in ihrem Atelier in Zeuthen unter­kommen.“

Kranken­versicherung. Schon vorher war sie gesetzlich kranken­versichert. Während des Jahres, in dem sie ein Einstiegs­geld vom Jobcenter bekam, zahlte dieses den Beitrag für die gesetzliche Kranken­versicherung. Anschließend versuchte Zobel, Mitglied der Künst­lersozialkasse (KSK) zu werden, die für selbst­ständige Künstler und Publizisten etwa die Hälfte der Sozialbeiträge über­nimmt. Doch die KSK sagte ab. Fünf Jahre lang versicherte sie sich als freiwil­liges Mitglied der gesetzlichen Kasse und zahlte monatlich rund 250 Euro. 2015 gründete sie mit ihrer Mutter eine Unternehmergesell­schaft, in der sie angestellt ist. „Ich habe ein besseres Gefühl, da ich nun in die Renten­versicherung einzahle.“

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