Lernen lohnt sich - davon sind 90 Prozent aller Europäer überzeugt. Zumindest in gewissem Umfang halten sie lebenslanges Lernen für wichtig, vor allem die Deutschen und die Isländer. Belgier, Iren und Norweger dagegen sind deutlich skeptischer, bei den Griechen outete sich sogar mehr als jeder Fünfte als Lernmuffel. Das sind Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage in den 15 EU-Mitgliedstaaten sowie Island und Norwegen. Doch Überzeugung hin oder her: Wie viele Europäer lernen wirklich? Und was motiviert sie dazu?

Portugiesen und Griechen sind Lernmuffel

Ernst machte der Umfrage zufolge ein knappes Drittel aller Befragten: Insgesamt 32 Prozent der europäischen Bürger haben im Jahr 2002 an beruflicher oder allgemeiner Bildung teilgenommen - weitere 20 Prozent hätten dies gerne getan. Besonders lernfreudig waren die Bewohner der nordischen Länder: In Dänemark, Finnland und Schweden lag der Anteil der Bildungsteilnehmer jeweils über 50 Prozent. Die Schlusslichter waren Griechenland (17,7 Prozent) und Portugal (11,9 Prozent), Deutschland liegt mit 32 Prozent genau im Durchschnitt. Offenbar waren die Lerner auch mit dem Ergebnis ihrer Bemühungen zufrieden: Nur ein Prozent meinte, der eigene Bildungshunger habe kaum einen Nutzen gehabt.

14 Prozent wollen nie wieder büffeln

Bei den Beweggründen für den künftigen Besuch einer Bildungsmaßnahme überwiegen gesellschaftliche und persönliche Vorteile. Arbeitsbezogene Argumente zählen weniger: Demnach streben jeweils 31 Prozent der Befragten nach größerer persönlicher Befriedigung oder möchten ihr Allgemeinwissen ausbauen. Zudem nannten 27 Prozent den Wunsch, eine bestimmte Arbeitsaufgabe besser auszuführen, und jeder Fünfte gab als Motivationsgrund den Erwerb eines Befähigungsnachweises an. Allerdings stießen die Datensammler der EU auch auf 14 Prozent, die spontan erklärten, nie wieder eine Berufsbildungsmaßnahme aufnehmen zu wollen. Dabei wussten 11 Prozent schlicht nicht, was sie lernen könnten, das für sie interessant oder nützlich wäre. 13 Prozent gaben an, sie seien zu alt zum Lernen, und acht Prozent halten sich selbst für nicht sehr lernbegabt. Als allgemeine „Büffel-Hindernisse“ erklärten die Befragten neben familiären und beruflichen Verpflichtungen (21 bzw. 19 Prozent) auch, sie müssten dann einen Teil ihrer Freizeit oder Freizeitaktivitäten opfern (16 Prozent). Auf die Frage nach möglichen Anreizen waren flexible Arbeitszeiten, individuell angepasste Bildungsgänge und die persönliche Auswahl der Lernmethoden die häufigsten Wünsche.

Jeder Zweite würde selber zahlen

Wenn es darum geht, Kurse und Seminare aus eigener Tasche zu bezahlen, sind die Europäer geteilter Meinung. Ungefähr die Hälfte der Umfrageteilnehmer wäre unter gewissen Umständen bereit, einen Teil der Kosten oder die gesamten Gebühren zu übernehmen. Dabei würden sie Bildungsmaßnahmen eher ungern finanzieren, wenn im Vordergrund steht, die aktuelle Arbeitsstelle zu behalten, befördert zu werden oder eine Lohnerhöhung zu bekommen. Offenbar, so heißt es in der Auswertung der Umfrage, betrachten die Europäer arbeitsbezogene Bildungsmaßnahmen im direkteren Sinne nicht als ihre alleinige Verantwortung. Dagegen seien sie eher zu einem finanziellen Beitrag bereit, wenn sie einen ausschließlich persönlichen Nutzen sehen, ob im Privat- oder im Erwerbsleben.

Der Eurobarometer-Fragebogen zum lebenslangen Lernen wurde zwischen Januar und März 2003 in den 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie in Norwegen und Island beantwortet. Insgesamt wurden 18 227 Personen über 15 Jahren befragt. Auftraggeber waren die Generaldirektion für Bildung und Kultur der Europäischen Kommission und das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung (Cedefop).

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