Europäisches Zahlungs­recht Meldung

Händler dürfen künftig keinen Aufpreis mehr von ihren Kunden verlangen, wenn diese mit gängigen Karten, per Sepa-Über­weisung oder Last­schrift bezahlen – egal, ob im Geschäft oder online. So steht es im Gesetz zur Umsetzung der Zweiten Zahlungs­diens­tericht­linie der Europäischen Union, das am 13. Januar 2018 in Kraft treten soll. Vor allem bei Online­buchungen von Bahn­fahrten, Flügen und Hotel­zimmern berechnen die Anbieter oft eine Extra­gebühr.

Bahn verlangt derzeit noch Geld für Kreditkartenzah­lungen

Ein Beispiel ist das 2014 von der Deutschen Bahn einge­führte Zahlungs­mittel­entgelt bei Zahlung mit Kreditkarte und Paypal. Es staffelt sich je nach Preis der Fahr­karte im Fern­verkehr, beginnend mit 50 Cent (ab einem Einkaufs­wert von 50 Euro) bis 3 Euro (ab einem Einkaufs­wert von 300 Euro).

Paypal ausgenommen

Wer mit wenig verbreiteten Karten wie American Express oder Diners Club bezahlt, muss aber weiterhin mit Aufschlägen rechnen. Dasselbe gilt für Nutzer von Online-Zahlungs­dienst­leistern wie Paypal. Sie sind vom Gesetz nicht betroffen, wenn sie nicht der deutschen Banken­aufsicht unterstehen. Auch bei ihnen dürften aber künftig die Zusatz­kosten entfallen, da den Zahlungs­dienst­leistern sonst ein Wettbewerbs­nachteil drohen würde, wenn Kunden auf andere Zahl­verfahren umsteigen.

Gesetz stärkt Verbraucher­schutz

Das Gesetz sieht zudem einen stärkeren Schutz von Verbrauchern bei betrügerischen Zahlungen vor. Wurde einem Kunden beispiels­weise die Kreditkarte entwendet , darf er bis zur Sperrung der Karte nur noch mit maximal 50 Euro am Schaden beteiligt werden – sofern er nicht grob fahr­lässig oder betrügerisch gehandelt hat. Derzeit liegt die Grenze noch bei 150 Euro.

Banken müssen grobe Fahr­lässig­keit nach­weisen

Beim Miss­brauch von Karten müssen die Banken künftig beweisen, dass der Kunde betrogen oder grob fahr­lässig gehandelt hat. Auch bei einer Fehl­über­weisung müssen sie den Kunden stärker dabei unterstützen, das Geld zurück­zubekommen.

Neues auch bei Kredit­vergabe

Auch bei Anschlussfinanzierungen für Immobilienkredite sorgt das Gesetz für klarere Verhält­nisse: Schließt ein Kunde eine Anschluss­finanzierung oder Umschuldung bei der gleichen Bank ab, muss das Institut seine Kreditwürdig­keit nicht erneut prüfen. Das soll zu einer vereinfachten Kredit­vergabe führen.

Richt­linie soll neue Zahlungs­anbieter fördern

Ziel der neuen Zahlungs­diens­tericht­linie („Payment Service Directive“ – PSD) ist es, Inno­vation und Wett­bewerb zu fördern und die Kosten im Zahlungs­verkehr zu senken. Die Regeln zielen darauf ab, Verbraucher besser zu schützen, wenn sie online bezahlen. Außerdem sollen sie die Entwick­lung und Nutzung inno­vativer Online- und Mobil­funk­zahlungen fördern und die grenz­über­schreitenden europäischen Zahlungs­dienste sicherer machen.

Tipp: Viele weitere Infos und Tests rund ums Thema Bezahlen finden Sie auf unserer Über­blicks­seite Karten + Konten.

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