Euroland Luxemburg Meldung

Seit es den Euro gibt, können die Deutschen in zehn weiteren europäischen Ländern investieren ­ ohne fürchten zu müssen, dass Wechselkursschwankungen ihre Ersparnisse aufzehren. Finanztest stellt in einer Serie die Anlagemöglichkeiten vor. Folge 7: Luxemburg.

Wer die Seite www.luxemburg.de anklickt, stößt auf das Angebot eines "Strohmann-Services", der wiederum auf die noch geheimere Seite www.dubios.de verweist. Damit ist die Qualität der Seite hinlänglich beschrieben. Der Inhalt ist höchstens für Staatsanwaltschaften von Belang ­ und natürlich für Luxemburger, die so erfahren können, welches Bild gewisse Kreise in Deutschland von ihrem kleinen Erbgroßherzogtum haben.

Und an diesem Bild haben die Letzebuerger, wie sie sich in ihrer Landessprache nennen, natürlich mit gemalt. Von den 2.100 Milliarden Dollar, die 1996 auf so genannten Offshore-Banken lagen, konnten die Luxemburger Banken 6 Prozent ergattern. Das war zwar nicht so viel wie die Schweizer, die es auf 35 Prozent brachten, aber umgerechnet auf die gerade einmal 400.000 Luxemburgerinnen und Luxemburger doch ein erkleckliches Sümmchen. Um als lukrativer Offshore-Bankplatz zu gelten, benötigt ein Land vor allem eines: ein ehernes Bankgeheimnis. Und an dem wollen die einheimischen Politiker ­ Euro hin, Euro her ­ auch in Zukunft nicht rütteln.

Geldwaschanlage

Euroland Luxemburg Meldung

Langsam, aber stetig versucht Luxemburg das Image eines Landes abzustreifen, über dessen Grenzen ständig Menschen mit weißen Kragen und schwarzen Koffern voller Bargeld wechseln. Geld natürlich, von dem die Finanzminister der Länder, in denen es erwirtschaftet wurde, keinen Cent, Centime, Penny oder Pfennig je zu Gesicht bekommen.

Die Verantwortlichen im Großherzogtum haben sehr wohl wahrgenommen, dass nach den spektakulären Steuerfahndungen in Deutschland international bekannt sein dürfte, dass nicht alles Geld auf den 209 in Luxemburg ansässigen Banken sauber ist, selbst nachdem es gewaschen wurde. So hat der Justiz- und Budgetminister Luc Frieden eine Werbe- und Imageoffensive angekündigt: "Wir müssen den Finanzplatz mit seinen Stärken, seinen Trümpfen, seinen Rahmenbedingungen erklären", sagte er dem Handelsblatt. Transparenz statt undurchsichtige Geschäfte also.

Fondsanlage

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Auf dem Finanzplatz Luxemburg tummeln sich nicht nur Großkapitalisten, sondern auch die kleinen Sparer. Schließlich ist der Nachbarstaat Heimat der zweitgrößten Fondsindustrie der Welt. Sie sticht in einem guten Jahr wie 1999 mit 559 Milliarden Euro die zusammengezählten Bilanzsummen aller in Luxemburg registrierten Banken aus.

Die Deutschen haben bis Mitte vergangenen Jahres noch annähernd 100 Milliarden Euro im Großherzogtum angelegt, Schwarzgeld nicht mitgerechnet. Ob das auch in Zukunft so bleibt, ist ungewiß. Zum einen haben die Deutschen seit März vergangenen Jahres schmerzlich zu spüren bekommen, dass auch ein Fonds zumindestens vorübergehend einiges an Wert verlieren kann. Zum anderen ist Hans Eichel schuld, dass der Finanzplatz Luxemburg an Attraktivität einbüßt ­ lässt er doch nicht nur verstärkt nach Steuersündern fahnden, sondern will von Anlegern, die ihr Geld in Fonds anlegen, die in Luxemburg aufgelegt sind, ab dem Jahr 2002 auch mehr Steuern haben.

Das heißt, eigentlich bleibt alles beim Alten. In Luxemburg soll nach wie vor das Anrechnungsverfahren gelten, nach dem die Dividenden voll versteuert werden müssen. In Deutschland dagegen werden die Auschüttungen künftig nach dem Halbeinkünfteverfahren berechnet, sprich: Die Hälfte der Dividende bleibt steuerfrei. Allerdings ist das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen. Für Anleger, die ihre Sparerfreibeträge nicht ausgeschöpft haben, ändert sich nichts.

Firmengeflechte

Die steuerliche Benachteiligung betrifft nicht die Anlage in Aktien. Theoretisch könnte man in Luxemburg nämlich auch direkt in die Werte investieren, die den LuxX, den luxemburgischen Aktienindex beschreiben. Der hat binnen Jahresfrist zwar rund 600 Punkte verloren und steht derzeit bei um die 1.300 Zählern, doch das ist es nicht, was seine Anziehungskraft schmälert. Vielmehr ist es die Tatsache, dass alle wichtigen LuxX-Werte auch an anderen Börsen notieren, sei es an der New Yorker Nasdaq wie das Telekommunikationsunternehmen Millicom oder an den europäischen Börsenplätzen London, Brüssel, Amsterdam, Madrid und Frankfurt.

Die Finanzwelt Luxemburgs ist eng untereinander verflochten. An vielen Unternehmen hält der luxemburgische Staat noch geringe Anteile, was Privatisierungsfantasien nährt. Die Finanzgesellschaft Audiolux, die in kleine und mittlere Unternehmen in Luxemburg selbst investiert, gehört zum Beispiel zu der ebenfalls im LuxX vertretenen Beteiligungsgesellschaft Luxempart. Auch die Kredietbank Luxemburg und die Kredietbank Luxemburg Préference, beide im LuxX, sind als Schwesterunternehmen eng verbandelt.

Aktienanlage

Gebeutelt hat die Krise der neuen Märkte die BGL Invest Partners. Die Beteiligungsgesellschaft repräsentiert ganz besonders das luxemburgische Modell: 30 bis 40 Prozent investiert sie in die "Nouvelle Economie", die neue Wirtschaft der Region rund um das Herzogtum. Der Rest steckt in allem, was sonst noch Rang und Namen hat, vom Stahlproduzenten Arbed bis zum TV-Multi RTL Group.

Wer vor einigen Monaten die Aktien des Old-Economy-Stahlgiganten Arbed gekauft hätte, der hätte ein dickes Schnäppchen machen können. Nach der Bekanntgabe der Fusion von Arbed mit den französischen und spanischen Stahlproduzenten Usinor und Aceralia im Februar schossen die Kurse in die Höhe. Arbed ist ebenfalls ein gutes Beispiel, wie verflochten die luxemburgische Wirtschaft mit ihrem Umland ist.

Schon allein der Bekanntheitsgrad machen RTL und die Société européenne des Satéllites (SES) zu den Stars der Luxemburger. Der Weltmarktführer in der Produktion von Fernsehprogrammen betreibt selbst 17 Radio- und 24 TV-Stationen in zehn Ländern. 67 Prozent von RTL gehören Bertelsmann, nur 10 Prozent der Papiere sind überhaupt im Handel.

Ohne die SES wäre RTL allerdings wohl kaum erfolgreich. Elf Satelliten hat das luxemburgische Unternehmen bislang ins All geschossen. Künstliche Erdtrabanten, die weit über 1.000 Fernseh- und Radiokanäle sowie Multimedia- und Internet-Anwendungen übertragen. SES ist der jeweils größte Anteilseigner von Asia Sat und Star One. Letzterer wiederum deckt den lateinamerikanischen Subkontinent mit Satellitenprogrammen ab. Dazu kommen noch die Mehrheitsanteile an der Nordic Satellite Company, die nach Skandinavien abstrahlt. Die SES erreicht mit ihren Programmen sage und schreibe 74 Prozent der Weltbevölkerung. Ihr Wachstum ist nach wie vor ungebremst: 21,4 Prozent mehr Gewinn erwarten die Luxemburger für das noch nicht abgerechnete Jahr 2000.

Trotz teilweise guter Aussichten: Luxemburg ist nicht unbedingt ein Finanzplatz, den der private Anleger im Auge behalten müsste, jedenfalls nicht, was einzelne Werte angeht. Im Zuge der europaweiten Steuerharmonisierungen lohnt es sich noch nicht mal mehr, Geld im schwarzen Koffer über die Grenze nach Luxemburg zu tragen. Schlechte Zeiten für schwarze Schafe im Internet. Dem Image des Erbgroßherzogtums wirds wohl gut tun.

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