Anleihemärkte: In Euro­land bleiben die Zinsen wohl weiter nied­rig

Die einen fürchten sie, die anderen sehnen sie herbei: die Zins­erhöhung. Wer sein Geld auf Tages- oder Fest­geld­konten liegen hat, ärgert sich über die nied­rigen Erträge schon seit Jahren. Anleger mit Rentenfonds freuen sich dagegen schon genauso lange über Kurs­gewinne und teil­weise zwei­stel­lige Jahres­renditen. Sollten die Markt­zinsen allerdings steigen, können die Fonds ins Minus rutschen. Einen Vorgeschmack darauf gab die Korrektur im Früh­jahr, als die Renditen für Bundes­anleihen in kurzer Zeit von 0,08 auf knapp 1 Prozent pro Jahr hoch­schnellten.

5 Prozent pro Jahr mit Rentenfonds

Rentenfonds mit Staats­anleihen aus Euro­land haben in den vergangenen fünf Jahren mehr als 5 Prozent pro Jahr gebracht (Stichtag 30. Juni 2015). Sie profitierten davon, dass die Kurse von Anleihen steigen, wenn die Markt­zinsen fallen.

Besonders ausgeprägt war diese Entwick­lung bei Bundes­anleihen, deren Renditen stark gesunken sind. Die Renditen für Anleihen Spaniens und Italiens sind seit 2012 noch stärker zurück­gegangen. Erst das zähe Ringen um Griechen­land hat die Renditen wieder steigen lassen (siehe Grafik).

In den grie­chischen Anleiherenditen (nicht in der Grafik) spiegelt sich die Krise allerdings deutlich: Sie sind von rund 6 Prozent vor einem Jahr auf mehr als 15 Prozent Ende Juni gestiegen. Kurz vor dem Schulden­schnitt im Früh­jahr 2012 lagen sie allerdings bei über 40 Prozent.

Euro­land bleibt Nied­rigzins­land

In der Eurozone stehen die Zeichen weiter auf Nied­rigzinsen. Zuletzt hat die Europäische Zentral­bank (EZB) den Leitzins bei 0,05 Prozent belassen. Zudem hat sie bekräftigt, am Anleihekauf­programm fest­zuhalten. Seit März kauft die EZB Staats­anleihen aus Euro­land am Markt auf. Zweck ist es, den Banken Spielraum zu verschaffen, damit diese Kredite an Unternehmen vergeben können, was wiederum die Wirt­schaft ankurbeln soll. Erste Früchte trägt das Programm bereits. So hat die Kredit­vergabe in den Krisenländern leicht angezogen.

In den USA drehen die Zinsen schon

Die Zins­entwick­lung in den USA und in Groß­britannien hat sich von der Eurozone schon seit einiger Zeit abge­koppelt. Zurzeit gibt es für zehnjäh­rige amerikanische Staats­anleihen rund 1,6 Prozent­punkte mehr als für Bundes­anleihen (Stand 31. Juli 2015).

Die Wege Europas und der USA könnten sich noch weiter trennen. Es gilt fast als ausgemacht, dass die US-Noten­bank noch im Herbst die Leitzinsen erhöht. Markt­beob­achter glauben, dass es dann nicht lange dauern wird, bis die Bank of England folgt.

Tipp: Selbst auf die Gefahr hin, dass in Euro­land die Zinsen steigen sollten – behalten Sie Ihre Rentenfonds für eine lang­fristig ausgerichtete Geld­anlage. Kurs­verluste durch Zins­erhöhungen sind durch höhere Erträge meist bald wieder wett­gemacht.

Wollen Sie kürzer anlegen, etwa bis zu fünf Jahre, nehmen Sie besser Tages- oder Fest­geld.

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