Aktienmarkt China: Crash im Reich der Mitte setzt sich fort

Chinas A-Aktien sind zwar fast nur für Chinesen zugäng­lich, doch der Kurs­sturz an den beiden großen Inlands­börsen Shanghai und Shenzhen trifft die ganze Welt.

Minus 9,4 Prozent an einem Tag. Um diesen Wert stürzten am 27. Juli 2015 die Kurse an Chinas Inlands­börsen ab – gemessen am Index MSCI China A, der 577 A-Aktien listet.

A-Aktien werden in Shanghai und Shenzhen gehandelt und sind in erster Linie für Chinesen zugäng­lich. Ausländer, die chinesische Papiere kaufen wollen, decken sich meistens in Hong­kong ein und erstehen dort H-Aktien sowie Red-Chips oder P-Chips.

Der Sturz am A-Aktienmarkt begann schon Mitte Juni. Binnen dreier Wochen brachen die Kurse um rund ein Drittel ein. Die chinesische Regierung hielt den Absturz zunächst auf, indem sie Stüt­zungs­käufe veranlasste und große Investoren anwies, ihre Aktien­bestände erst einmal zu halten. Viele Titel wurden vom Handel ausgesetzt. Kurz­zeitig erholte sich der Markt und legte zwischen­zeitlich um mehr als 20 Prozent zu. Umso über­raschender kam der erneute Einbruch. Die Kurse sind aber immer noch doppelt so hoch wie vor einem Jahr (31. Juli 2014).

Spekulation auf Kredit

An den Börsen in Shanghai und in Shenzhen handeln viele chinesische Privat­anleger, die mangels Anla­gealternativen Aktien kaufen und häufig auch zocken. „Allein im April und Mai wurden 14 Millionen Wert­papierdepots angelegt, über die Privatkunden mit chinesischen A-Aktien handeln können“, schreibt die Fonds­gesell­schaft Robeco. Einmal abge­sehen davon, dass die Neulinge noch über wenig Erfahrung an den Aktienmärkten verfügen, haben sie nach Angaben von Robeco ihre Käufe häufig auf Kredit finanziert.

„Als die Behörden das Problem erkannten, versuchten sie, die Verschuldung unter Kontrolle zu bringen“, analysiert NN Investment Part­ners, ehemals ING. Das habe die Blase zum Platzen gebracht. Die Entwick­lung der Kurse sei praktisch parallel zu Anstieg und Rück­gang der Kredite verlaufen.

Hong­kong weniger betroffen

In Hong­kong brachen die Kurse nicht ganz so stark ein, sie waren zuvor aber auch nicht so hoch gestiegen. Gegen­über dem Höchst­stand vom April haben die Aktien rund 25 Prozent verloren – gemessen am MSCI China H, der 74 H-Aktien umfasst.

H-Aktien sind an der Hong­konger Börse gelistete Unternehmen aus China. Gegen­über dem 31. Juli 2014 steht noch ein Plus von 27 Prozent zu Buche. Ähnlich wie der MSCI China H hat sich der MSCI China entwickelt. Er enthält 145 Werte, darunter H-Aktien, Red- und P-Chips, aber keine A-Aktien.

Anleger mit China- und Bric-Fonds

Die meisten China-Anleger hier­zulande dürften Fonds aus der Gruppe Aktienfonds China/Hong­kong besitzen. Sie kaufen in erster Linie in Hong­kong ein, A-Aktien mischen sie höchs­tens bei.

Beliebt sind außerdem die Bric-Fonds, die in Brasilien, Russ­land, Indien und China investieren. Der China-Anteil dieser Fonds liegt – gemessen am Index MSCI Bric – bei rund 50 Prozent. Der Index liegt auf Jahres­sicht mit lediglich 8,4 Prozent im Plus. Im Vergleich zum chinesischen Markt ist das deutlich weniger, was vor allem an Brasilien liegt.

Im Schwellenländer­index MSCI Emerging Markets ist der Anteil Chinas mit rund 25 Prozent noch geringer. Der Index hat in den vergangenen zwölf Monaten um 5,3 Prozent zugelegt.

Auswirkungen außer­halb Chinas

Auswirkungen hat der Kurs­sturz aber dennoch: Der Crash hat Vermögen in Billionenhöhe vernichtet – und damit teils auch die Konsumfreude der Chinesen. Für Konzerne aus aller Welt, die in China einen großen Absatz­markt haben, sind das keine guten Nach­richten, zumal Chinas Wirt­schaft nicht mehr so stark wächst wie früher. Daher sind auch die Rohstoff­preise gesunken, was wiederum die globale Berg­bau­industrie zu spüren bekommt.

Entwarnung gibt es bisher keine. Die Schwankungen an Chinas Börsen dürften noch eine Weile andauern, sagt Michael Kerley von Henderson Global Investors.

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