Die Eurokrise liegt auf Eis, jetzt rücken andere Gefahren wieder in den Blick, etwa der Börsencrash in China. Aber es gibt auch gute Nach­richten für Anleger in Euro­land.

Am Morgen nach der Verhand­lungs­nacht, als der Grexit vom Tisch war, setzte der Euro zum Sprung an. Euro­land war gerettet, die Märkte jubelten.

Noch am selben Tag fiel die Gemein­schafts­währung jedoch stärker als zuvor. Plötzlich nahmen die Markt­teilnehmer wieder wahr, was woanders in der Welt geschah. In China zum Beispiel waren von den Europäern weit­gehend unbe­merkt die Börsen abge­stürzt, China - Crash im Reich der Mitte. Auch der Gold­preis brach ein. Und in den USA sollen bald die Zinsen steigen, was schon im Vorfeld für Aufregung an den Märkten sorgt.

Hoff­nung für die Krisenländer

In Griechen­land laufen jetzt die Verhand­lungen für das dritte Hilfs­paket. Derweil meldet sich die spanische Wirt­schaft zurück. Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat ist das Brutto­inlands­produkt (BIP) im ersten Quartal um 2,7 Prozent gegen­über dem Vorjahr gestiegen. Zum Vergleich: Die deutsche Wirt­schaft wuchs im ersten Viertel­jahr um 1,0 Prozent.

Auch in Portugal gehts aufwärts: plus 1,5 Prozent gegen­über dem Vorjahr. In Irland lief schon das vergangene Jahr hervorragend. Um 4,8 Prozent legte das BIP dort zu. Nur Italien tritt noch auf der Stelle.

Jeroen Dijsselbloem (links) ist Vorsitzender der Euro-Gruppe und zeigt den 19 Mitglieds­ländern, wo es lang geht. Der italienische Minister­präsident Matteo Renzi (mitte) ist fest entschlossen, die nötigen Reformen durch­zuziehen. Bundes­finanz­minister Wolfgang Schäuble (rechts) wünscht sich ein stabiles Euro­land mit Haus­halts­disziplin.

Aktienfonds mit mehr als 20 Prozent

Die Aktienmärkte haben die Erholung teil­weise schon vorweggenommen, wie die Ergeb­nisse der Fonds zeigen, die in Euro­land investieren: Im vergangenen Jahr (Stichtag 30. Juni 2015) haben sie zwischen 11 und 28 Prozent Plus gemacht, Tabelle: Ausgewählte Aktienfonds Euroland.

Zu den besten zählt der Fonds Allianz Euro­land Equity Growth, der fast doppelt so viel erwirt­schaftet hat wie der Vergleichs­index MSCI EMU mit 11,5 Prozent. EMU steht für European Economic and Monetary Union, deutsch: europäische Wirt­schafts- und Währungs­union. Der Fonds Allianz Equity Growth wird ausgesprochen aktiv gemanagt. Das zeigt etwa die Kenn­zahl Markt­orientierung, die angibt, wie stark die Entwick­lung des Fonds vom Markt­geschehen beein­flusst wird. Sie liegt bei 62 Prozent und ist die geringste der Euro­land­fonds, die mit der Finanztest-Bestbewertung von fünf Punkten ausgezeichnet sind.

Gute Geschäfts­modelle gefragt

Fonds­manager Matthias Born achtet bei der Auswahl der Titel zum Bespiel darauf, dass die Unternehmen eine starke Markt­position besitzen. „Ihr Geschäfts­modell soll nicht leicht kopiert werden können“, sagt er.

Aus Deutsch­land gefällt ihm etwa Halb­leiter­hersteller Infineon. „Die profitieren davon, dass in Autos immer mehr Elektronik verbaut wird“, sagt Born. Unter den Top-Positionen des Fonds findet sich auch die französische Firma Legrand, die Steck­dosen und Licht­schalter baut.

In Spanien hat es ihm die Firma Amadeus angetan, sie bietet Reise­buchungs­software an und expandiert welt­weit. Anderen spanischen Unternehmen steht Born eher skeptisch gegen­über – trotz des Wirt­schafts­aufschwungs. „Die starke Verflechtung mit Latein­amerika spricht zurzeit nicht für ein Investment“, sagt Born.

Einen Einfluss Griechen­lands auf die Wirt­schafts­entwick­lung der anderen Euro-Krisenländer sieht Born so gut wie nicht. Die Gefahr eines Grexits wäre gewesen, dass sich die Stimmung der interna­tionalen Investoren verschlechtert hätte, die Europa und die Euroländer gerade erst wieder­entdeckt hatten.

EU-Rats­präsident Donald Tusk (links) aus Polen hat die Mitglieder der Eurozone zu Zugeständ­nissen aufgefordert. Dalia Grybauskaite (mitte), Präsidentin von Litauen, ist stolz, dass ihr Land durch Spar­anstrengungen aus der Krise ist. Finn­lands Finanz­minister Alexander Stubb (rechts) gilt ähnlich wie Schäuble vielen als Hardliner in der Griechen­land­krise.

Nicht das Land ist entscheidend

Britta Weidenbach vom Fondsanbieter DWS managt den Fonds Deutsche Invest Top Euro­land, der ebenfalls zu den Spitzenreitern im Finanztest-Rating zählt. Sie sagt: „Entscheidend ist nicht, ob die Wirt­schaft eines Landes boomt, sondern ob das einem Unternehmen nützt.“ Umge­kehrt hängt die Entwick­lung eines Unter­nehmens nicht unbe­dingt am Wohl und Wehe seines Landes.

Die Top-Position im Fonds, die italienische Bank Intesa Sanpaolo, profitierte von den nied­rigen Finanzierungs­kosten infolge der lockeren Geld­politik der Europäischen Zentral­bank (EZB). „Wir erwarten hohes Dividenden­wachs­tum“, sagt Weidenbach.

Die italienische Wirt­schaft tritt derzeit noch auf der Stelle. Die Reformen von Minister­präsident Matteo Renzi beginnen jedoch zu greifen, insbesondere die Arbeits­markt­reform. „Die Aussichten sind positiv“, sagt Britta Weidenbach.

Euro­land zurzeit attraktiver als USA

Positiv sind auch die Aussichten für die gesamte Eurozone. „Rücken­wind erhält der Markt durch die EZB, die ihre Anleihekäufe fortsetzen wird“, sagt Weidenbach. Sie findet Euro­land derzeit attraktiver als den US-Markt. Grund sei das unerwartet gute Gewinn­wachs­tum bei Unternehmen der Eurozone: „Viele Analysten korrigieren ihre Gewinn­schät­zungen nach oben“, sagt sie. In den USA passiert das derzeit seltener.

Den USA steht wohl in diesem Jahr noch eine Zins­erhöhung ins Haus, Ausblick für die Anleihemärkte. Die US-Wirt­schaft ist – anders als die Euro­lands – schon länger auf Erholungs­kurs. Steigen die Zinsen in den USA, stärkt das den Dollar – und der Euro fällt. Das wiederum verschafft den hiesigen Export­firmen einen Vorteil auf dem Welt­markt.

Einer Analyse der Fonds­gesell­schaft Frank­lin Templeton Investments zufolge weist die Eurozone jetzt schon eine höhere Export­quote auf als Nord- und Südamerika oder Asien.

Auch dass Öl zurzeit so billig ist, fördert das Wachs­tum. Die Industrie kann Kosten sparen und die Verbraucher haben mehr Geld zur Verfügung. Allein an der Tank­stelle könnten Europas Auto­fahrer rund 6 Milliarden Euro einsparen, schätzt Templeton.

EZB-Präsident Mario Draghi (links) will alles für einen stabilen Euro tun. Janet Yellen (mitte) von der US-Noten­bank Fed will bald die Zinsen erhöhen. EU – ja oder nein? Der britische Premier David Cameron (rechts) wills wissen.

Ein biss­chen Skepsis bleibt

Verhaltenere Töne schlägt die US-Fonds­gesell­schaft Invesco an. Chef­volks­wirt John Greenwood ist der Ansicht, dass die Erholung in den USA nach­haltiger sei als der „fragile Aufschwung“ in Euro­land. Die mit der wieder aufgeflammten Griechen­land­krise verbundene Anste­ckungs­gefahr könnte die Erholung der Krisenländer im Keim ersti­cken, meint er. Gold­man Sachs stößt ins selbe Horn: Der Aufschwung in Euro­land kühle gerade ab, heißt es. Solange Griechen­lands Zukunft nicht entschieden sei, könne es noch stärkere Schwankungen geben.

Zurzeit rechnet mit einem Grexit jedoch kaum jemand mehr – auch wenn die Verhand­lungen der Geld­geber über Griechen­land sich noch hinziehen könnten.

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