Eurokrise Test

Die Reformen in Griechen­land, Spanien, Portugal und Irland scheinen zu greífen: Anleihemärkte beruhigen sich, Aktien­kurse holen auf, der Euro ist stabil. Aus der Krise eröffnen sich Chancen für Anleger – ein Einstieg in den Aktienmarkt könnte sich auch jetzt noch lohnen. Experten rechnen damit, dass sich die Konjunktur in der Eurozone weiter erholt. Die Finanztest-Tabelle zeigt, wie sich markt­breite ETF (Indexfonds) in den letzten fünf Jahren entwickelt haben.

Anti­zyklisch investieren erfordert Mut

Kaufen, wenn es gerade so richtig schlecht läuft, das kann am Aktienmarkt eine gute Idee sein – und erfordert viel Mut. Kaum war die größte Panik der Finanz­krise verflogen, beunruhigte Griechen­land mit seiner Schuldenmisere die Anleger. Wer in diesem Klima Käufe wagte, hatte die Chance auf über zwei­stel­lige Fünf­jahres­renditen.

Indizes der meisten Euroländer kämpfen noch mit Verlusten

Eurokrise Test

Die Finanztest-Grafik zeigt die Entwick­lung der Aktien­kurse in Spanien, Portugal, Italien, Griechen­land und Irland im Vergleich zu Deutsch­land und dem gesamten Euroraum.

Der MSCI-Index für Euro­land hat in den vergangenen fünf Jahren 15,3 Prozent pro Jahr zugelegt, im vergangenen Jahr allein sogar 25 Prozent. Griechen­land verzeichnete nach einem dramatischen Absturz einen Kurs­sprung von fast 50 Prozent. Trotz Kurs­gewinnen sind grie­chische Aktien immer noch nur ein Fünftel von dem wert, was sie vor der Finanz­krise kosteten. Auch die Indizes der meisten anderen Euroländer kämpfen noch mit Verlusten, während Dow Jones, MSCI World und der Dax den Stand von vor der Finanz­krise schon seit einer Weile über­troffen haben. Wer glaubt, dass sich die Erholung der Aktien­märkte im Euroraum fortsetzt, kann daran teilhaben. Am einfachsten ist dies mit dem Kauf börsen­gehandelter Indexfonds, sogenannter ETF Tabelle. Anleger haben die Wahl: Der MSCI EMU bezieht sich auf zehn Euroländer. EMU steht für European Monetary Union (Währungs­union). Der Euro Stoxx umfasst zwölf Euroländer.

Reformen in den Krisenländern greifen

Ausgestanden ist die Krise nicht, aber es gibt gute Nach­richten. Mitte April hat Griechen­land erst­mals seit Beginn der Krise im Oktober 2009 wieder Käufer für eine Anleihe gefunden. Sie läuft bis 2019 und wird mit 4,75 Prozent pro Jahr verzinst. Auch Portugal hat eine Anleihe auf den Markt gebracht und benötigt wohl kein weiteres Rettungs­paket mehr. Seit dem zweiten Quartal 2013 wächst die Wirt­schaft in der Eurozone wieder. In ihrer Früh­jahrs­prognose sagen die führenden Wirt­schafts­forschungs­institute für 2014 ein Wachs­tum von 1,1 Prozent voraus – nur in Griechen­land und Zypern soll die Wirt­schaft im laufenden Jahr noch schrumpfen. In Spanien, Portugal und Irland finden wieder mehr Menschen Arbeit. Im Schnitt liegt die Arbeits­losenquote im Euroraum aber immer noch bei rund 12 Prozent. Und die Schulden­berge der Staaten wachsen weiter und machen Sorgen.

Wirt­schaft erholt sich

Für Fonds­managerin Britta Weidenbach von DWS über­wiegen die positiven Signale: „Die Früh­indikatoren deuten klar darauf hin, dass die Wirt­schaft sich weiter erholt.“ Weidenbach managt den Fonds DWS Invest Top Euro­land (Isin LU 014 564 705 2). „Besonders Spanien hat sich gut entwickelt“, sagt sie und ergänzt. „Die Reformen greifen.“ Ihr Fonds ist in der Finanztest-Bewertung mit fünf Punkten stark über­durch­schnitt­lich und hat in den vergangenen fünf Jahren 17,9 Prozent Wert­zuwachs pro Jahr erzielt.

Aktiv gegen die Krise

Wie beim DWS Invest Top Euro­land kann sich aktives Management in der Krise auszahlen: Anders als ETF, die Indizes abbilden, können Manager sich von Märkten ganz fernhalten oder nur ausgewählte Titel kaufen. Die beiden ebenfalls mit fünf Punkten bewerteten Fonds Allianz Wachs­tum Euro­land (DE 000 978 984 2) und Allianz Euroland Equity Growth (LU 025 684 044 7) schafften in den vergangenen fünf Jahren sogar ein Plus von jeweils mehr als 20 Prozent pro Jahr – deutlich besser als der Markt. Matthias Born, der für beide Fonds verantwort­lich zeichnet, kauft bevor­zugt Unternehmen mit globaler Ausrichtung und Wachs­tums­stärke. Die europäischen Märkte sieht er dabei als Antreiber, denn Born rechnet damit, dass sich die Konjunktur der Eurozone weiter erholt. Trifft dies zu, lohnt sich ein Einstieg immer noch – und wer in schlechten Zeiten Aktien gekauft hat, profitiert weiter.

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